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Eltern sein - wie geht das?

Anleitung zum glücklichen Familienleben aus dem Fernsehen

Eltern sein - wie geht das?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Romy Kockott
  • Abgabedatum: März 2007
  • Umfang: 144 Seiten
  • Dateigröße: 799,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Bielefeld Deutschland
  • Bibliografie: ca. 42
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1704-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kockott, Romy März 2007: Eltern sein - wie geht das?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Super Nanny, Hilfen zur Erziehung, Erziehung, Erziehungshilfen, Soziale Arbeit

Diplomarbeit von Romy Kockott

Einleitung:

Gerade in der heutigen Zeit scheint das öffentliche Interesse an Familien und Kindererziehung enorm zu sein. In unserer heutigen schnelllebigen und werteunsicheren Gesellschaft werden Fragen und Themen zur Kindererziehung innerhalb der Familie immer wieder laut – nicht nur von Eltern, sondern auch von Pädagogen, Politikern, Wirtschaftexperten und Fernsehproduzenten. Eltern fragen sich zunehmender, welche Kompetenzen sie ihren Kindern mitgeben müssen, welche Erziehungsmethoden sie anwenden sollen und vor welcher Situation sie stehen, wenn sie Fehlentscheidungen getroffen haben.

Darauf versuchen Pädagogen in jeglicher Form zu reagieren: Die Zahl der angebotenen Elternkurse steigt unaufhaltsam und immer mehr Erziehungsratgeber besiedeln den Markt der Medien. Die Politik hat zögerlich die Unsicherheiten der Eltern zur Kenntnis genommen und ein förderndes und stärkendes Handeln eingesehen: Die Sprache ist vom verbesserten Elterngeld, von Lokalen Bündnissen für Familien, von Mehr-Genarations-Häusern und Eltern-Kind-Zentren, welche vom Staat unterstützt und mitfinanziert werden. In diesem Zug sind auch die Arbeitgeber aufgefordert, Familien zu stärken und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Selbst das Fernsehen hat das Gebiet der Kindererziehung für sich entdeckt und schickt „Super-Nannys“ und „Super-Mamas“ in deutsche Kinderzimmer.

Die sozialpädagogische Arbeit der Super Nanny stellt eine völlig neue Form der Erziehungshilfe für Familien dar. Sie nutzt das weit verbreitete Medium Fernsehen und führt eine intensive und komprimierte Hilfe in den Familien durch. Nicht nur den jeweiligen Klienten der Fernsehfolgen soll ein Weg aus ihrer momentanen Krise aufgezeigt werden. Auch den Zuschauern möchte die Super Nanny hilfreiche Tipps und Anregungen für ein harmonisches Familienleben vermitteln. In diesem Zusammenhang soll das Super-Nanny-Konzept anhand von zwei Fallbeispielen vorgestellt und hinsichtlich fachlicher Standards Sozialer Arbeit untersucht werden. Dabei steht im Vordergrund, ob „Die Super Nanny“ als geeignete Alternative zu herkömmlichen Erziehungshilfen gesehen werden kann und ob sie aktuelle Bedürfnisse der Eltern bedient.

Gang der Untersuchung:

In dieser Arbeit soll vor allem geklärt werden, wie das heutige Familienleben in der Risikogesellschaft aussieht und wie die Erziehungshilfe der Super Nanny den Bedarf der Familien auffangen und decken kann. Dazu werde ich im ersten Teil das heutige Leben von Familien, im Vergleich zum Familienleben in den 50er Jahren näher beleuchten und existierende Erziehungsunsicherheiten und Bedarfe an Unterstützung der Eltern aufzeigen.

Im 3. Kapitel sollen wichtige Erziehungsprinzipien, wie der Erziehungsstil und die Elternkompetenzen, welche in der heutigen Zeit, durch Studien belegt, als am vorteilhaftesten für die Eltern-Kind-Beziehung und für die kindliche Entwicklung gelten, zusammengetragen werden. Im Anschluss folgt die Vorstellung und Untersuchung des Super-Nanny-Konzepts vom Fernsehsender RTL. Vor allem die zugrundeliegenden pädagogischen Ansätze und die angewendeten Methoden werde ich anhand von zwei Fallbeispielen näher betrachten. Auf dieser Basis soll der bisher zu verfolgende Diskurs zum Erziehungskonzept „Die Super Nanny“ ausführlich dargestellt und seine einzelnen Argumente auf ihre Standhaftigkeit hin überprüft werden. Ob sich die mediale Anleitung zum glücklichen Familienleben nun als sinnvoll und wirksam ergibt, wird die Schlussfolgerung aufzeigen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 6
2. Das Leben in Familien und der Erziehungsauftrag der Eltern 9
2.1 Erziehungsverständnis 9
2.1.1 Gesetzliche Grundlage 9
2.1.2 Erziehungsbegriff 10
2.1.3 Die zwei Bilder vom Erzieher 11
2.1.4 Erziehungsstile 12
2.1.5 Entwicklung des Erziehungsverständnisses 15
2.2 Familienleben in der Risikogesellschaft 18
2.2.1 Von der Industrie- zur Risikogesellschaft 18
2.2.1.1 Modernisierungsschub 18
2.2.1.2 Individualisierungsschub 20
2.2.1.3 Folgen der Individualisierung 21
2.2.2 Verändertes Familienleben 22
2.3 Erziehungsunsicherheiten heutiger Eltern 27
2.4 Der Weg von Alltagsunterstützung zur professionellen Erziehungshilfe 30
2.5 Bedarf an professioneller Erziehungshilfe 32
2.6 Zusammenfassung 33
3. Vorraussetzungen und Prinzipien der familiären Erziehung und Beziehung 36
3.1 Bindung zwischen Eltern und Kindern 37
3.2 Erziehungsmodelle 40
3.3 Elternkompetenzen 40
3.4 Kommunikation in der Familie 43
3.5 Zusammenfassung 46
4. Die Super Nanny – eine professionelle Erziehungshilfe aus dem Fernsehen?! 48
4.1 Der Begriff „Super Nanny“ 50
4.2 Das britische Vorbild 51
4.3 Katharina Saalfrank 52
4.4 Rahmenbedingungen der Sendung 53
4.5 Aufbau der Fernsehserie 55
4.5.1 Der Trailer 56
4.5.2 Das Familienbild 56
4.5.3 Vorstellung der Super Nanny 58
4.5.4 Die Intervention 58
4.5.5 Der typische Super Nanny–Zuschauer 60
4.6 Die Arbeitsweise der Super Nanny 61
4.7 Pädagogisches Konzept und mögliche zugrundeliegende Ansätze 64
4.7.1 Mediation 65
4.7.2 Systemischer Ansatz 67
4.7.3 Montessoripädagogik 70
4.7.4 Gestaltpsychologie 73
4.7.5 Klientenzentrierter Ansatz 74
4.7.6 Familienkonferenz 76
4.7.7 Triple P 77
4.7.8 Entwicklungspsychologische Beratung 79
4.8 Methoden der Super Nanny 80
4.9 Zwei Fallbeispiele aus der Arbeit der Super Nanny 85
4.9.1 Fallbeispiel 1: Familie Wedlich 85
4.9.1.1 Familiäre Verhältnisse 85
4.9.1.2 Problematischer Familienalltag 87
4.9.1.3 Inanspruchnahme von Hilfen 88
4.9.1.4 Defizite und Ressourcen in Erziehung und Beziehung 89
4.9.1.5 Ursachen für den problematischen Familienalltag 93
4.9.1.6 Intervention durch die Super Nanny 94
4.9.1.7 Familienleben nach der Intervention 99
4.9.1.8 Kritik zur Intervention der Super Nanny 100
4.9.2 Fallbeispiel 2: Familie Keller 102
4.9.2.1 Familiäre Verhältnisse 103
4.9.2.2 Problematischer Familienalltag 104
4.9.2.3 Inanspruchnahme von Hilfen 106
4.9.2.4 Defizite und Ressourcen in Erziehung und Beziehung 106
4.9.2.5 Ursachen für den problematischen Familienalltag 110
4.9.2.6 Intervention durch die Super Nanny 112
4.9.2.7 Kritik zur Intervention der Super Nanny 115
4.10. Zusammenfassung 117
5. Diskurse über die mediale Erziehungshilfe „Die Super Nanny“ 119
5.1 Die Rahmenbedingungen der Sendung 121
5.1.1 Privatsphäre 121
5.1.2 Erziehungshilfe nach Drehbuch 123
5.2 Achtung der Menschenrechte 124
5.2.1 Basis für pädagogisches Arbeiten 124
5.2.2 Unantastbarkeit der Menschenwürde 125
5.2.3 Gewaltfreie Erziehung 125
5.2.4 Wahrung der Privatsphäre / Datenschutz 126
5.3 Die pädagogische Arbeit der Super Nanny 127
5.3.1 Ursachenforschung 127
5.3.2 Partizipation 129
5.3.3 Defizit- und Ressourcenorientierung 132
5.3.4 Lebensweltorientierung 135
5.4 Wirkungen der Sendung 136
5.4.1 Folgen für die soziale Arbeit 136
5.4.2 Folgen für die Eltern 138
5.5 Darstellung der Super Nanny 140
5.6 Zusammenfassung 141
6. Fazit 143
Glossar 147
Quellennachweis 150
Anhang: Interview mit Katharina Saalfrank 156

Textprobe:

Kapitel 2. 4, Der Weg von Alltagsunterstützung zur professionellen Erziehungshilfe:

Gerade durch diese großen Verzweigungen im Lebenslauf und dem immer größer werdenden Pool an Auswahlmöglichkeiten, sind Eltern gezwungen, sich Unterstützung und Hilfe, zumindest aber Ratschläge und Meinungen einzuholen – und dies vermehrter als in den 50er Jahren. Adressaten für Erziehungsfragen sind nicht nur Bekannte und Verwandte, meist mit eigenen Kindern, sondern auch Kinderärzte, Lehrer, Erzieher und natürlich die große Flut der Erziehungsratgeber. Sucht man bei www.amazon.de nach dem Stichwort „Erziehungsratgeber“ erhält man 1441 Einträge. Darunter zum Beispiel „Coaching für Eltern“, „So schläft mein Kind die ganze Nacht“ oder „Das Erziehungs-ABC“. Allerdings können sich die Unsicherheiten der Eltern durch diese Art der Wissensrecherche und Hilfesuche noch vergrößern. Jeder Ratgeber, jeder Kinderarzt und jede Mutti hat eine andere Haltung zu bestimmten Erziehungsthemen:

Der Eine hält den Nuckel für vollkommen überflüssig, da sich dadurch eine unerwünschte Angewöhnung entwickelt und anatomische Fehlstellungen entstehen können; der Andere benutzt den Nuckel als einzig wahres Beruhigungsmittel, welches dem Kind Sicherheit, Zuverlässigkeit und auch Geborgenheit gibt. Unsichere Eltern, die auf keine sichere Autorität und damit auch auf keine standhafte Werteorientierung bauen können, werden durch die unterschiedlichen Meinungen und Tipps noch unsicherer, inkonsequenter und labiler.

Nach welchem Ratschlag soll man sich auch richten, wenn man selbst nicht unterscheiden kann, was gut ist und was schlecht ist und was für einen selbst von großer Bedeutung ist? Der Schritt zur professionellen Beratung oder Unterstützung in Erziehungs- und Beziehungsfragen ist dennoch enorm und scheint oft kaum überwindbar. Bevor sich Eltern überhaupt entschließen, eine professionelle soziale Einrichtung aufzusuchen, sind sie lange Wege der verzweifelten Suche nach Sicherheit, nach klaren Regeln und einschlägigen Richtlinien gegangen – erfolglos.

Die professionellen Unterstützungsmöglichkeiten werden von Eltern meist erst dann nachgefragt, „wenn es um Probleme geht, die von den Eltern als schwerwiegend empfunden werden“ und nicht durch individuelle Bewältigungsversuche – „wie Bagatellisieren der Probleme, Aushalten und auf spontane Besserung hoffen, Rückgriff auf Hilfen aus dem sozialen Netzwerk“ - gelöst werden können. Damit Schwellenängste der Eltern vermieden werden und eine Vertrauensbasis aufgebaut werden kann, müssen professionelle Angebote niedrigschwellig und bedarfsorientiert sein.

Um Eltern und auch Kinder und Jugendliche professionell in Erziehungs- und Beziehungsfragen zu beraten und zu unterstützen, hält das KJHG eine Reihe von Möglichkeiten bereit. Dort sind im vierten Abschnitt in den §§ 27 bis 35 die so genannten Hilfen zur Erziehung gesetzlich geregelt. Jeder Bürger in Deutschland hat das Recht, diese Hilfen in Anspruch zu nehmen, wenn diese dem Wohl des Kindes beziehungsweise der Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen dienlich und geeignet sind. Initiiert, verwaltet und teilweise auch geleistet werden die Erziehungshilfen vom Jugendamt. Als Ausführungsorgan steht die Jugendhilfe zur Verfügung.

Unterschieden wird zwischen ambulanten Hilfen und stationären Hilfen zur Erziehung. Zu den ambulanten Hilfen zählen die Erziehungsberatung für Familien, Eltern, Kinder und Jugendliche, die soziale Gruppenarbeit für Jugendliche, der Erziehungsbeistand für Kinder und Jugendliche sowie die sozialpädagogische Familienhilfe. Die Erziehung in einer Tagesgruppe wird als teilstationär bezeichnet. Unter die stationären Hilfen fallen die Vollzeitpflege, die Heimerziehung und die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung.

Alle Hilfen zur Erziehung, mit Ausnahme der Erziehungsberatung, müssen durch einen Antrag der Beteiligten oder von involvierten Fachkräften beim Jugendamt genehmigt werden. Zur vorherigen aber auch zur zwischenzeitlichen Überprüfung des Nutzens der jeweiligen Erziehungshilfe dient das Hilfeplanverfahren. Bei Bedarf können die einzelnen Hilfen auch kombiniert werden. Das Konzept der Super Nanny ist nicht staatlich geregelt und stellt somit auch keinen Rechtsanspruch dar. Es wird durch einen privaten Fernsehsender angeboten und ist damit „eine völlig neue Form (...) mit Familien zu arbeiten“ (Saalfrank, siehe Interview im Anhang). Jedoch kann man eine grobe Einordnung zu den Hilfen zur Erziehung durchaus vornehmen. Wie es sich zeigen wird, arbeitet die Super Nanny Katharina Saalfrank ganz klar im ambulanten Bereich der Erziehungshilfen, da sie die Familien aufsucht und diese in keiner Einrichtung für längere Zeit verbleiben.

Das Super-Nanny–Konzept ist einzuordnen zwischen Erziehungsberatung und Sozialpädagogischer Familienhilfe, da sie sowohl die Eltern, die Kinder und auch die Jugendlichen in Angelegenheiten rund um die Familie berät und unterstützend zur Seite steht (Erziehungsberatung) sowie auf der anderen Seite in die Familie direkt hineingeht und eine allumfassende Unterstützung und Hilfe für den Familienalltag darstellen möchte, wie es die Sozialpädagogische Familienhilfe vorsieht. In bestimmten Fällen lassen sich auch Elemente anderer Erziehungshilfen, wie zum Beispiel der sozialen Gruppenarbeit erkennen. Für Frau Saalfrank selbst ist es „nicht wirklich wesentlich“(siehe Interview im Anhang), ob ihre Arbeit nun als das Eine oder als das Andere bezeichnet wird.

Arbeit zitieren:
Kockott, Romy März 2007: Eltern sein - wie geht das?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Super Nanny, Hilfen zur Erziehung, Erziehung, Erziehungshilfen, Soziale Arbeit

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