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Einzelhandel als Leitfunktion der Innenstädte

Perspektiven vor dem Hintergrund der Entwicklung von Internet und Electronic Commerce

Einzelhandel als Leitfunktion der Innenstädte
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Klaus-Martin Hesse
  • Abgabedatum: Juli 2000
  • Umfang: 163 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4203-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4203-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4203-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hesse, Klaus-Martin Juli 2000: Einzelhandel als Leitfunktion der Innenstädte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Innenstadt, Stadtentwicklung, Online-Marketing, Einzelhandel, Electronic Commerce

Diplomarbeit von Klaus-Martin Hesse

Einleitung:

Die Entwicklung von Handel und Städten weist eine sehr enge historische Verbindung auf, die vielfach als "symbiotische Beziehung" charakterisiert wird. So stellten bedeutende Fernverkehrs- und Fernhandelsrouten sowie insbesondere deren Schnittpunkten bevorzugte Makrostandorte von Städtegründungen dar. Markt- und Stapelrechte bildeten im Mittelalter wesentliche Bestandteile des Stadtrechts und waren daher für die weitere Entwicklung der deutschen Städte von tiefgreifender Bedeutung.

Heute sind im Bewusstsein der Bevölkerung insbesondere die Innenstädte untrennbar mit dem Attribut "Standort des (Einzel-)Handels" versehen, denn die zentralen Einkaufsstraßen, Passagen und Malls stellen vielfach die quantitativ bedeutendsten Anziehungspunkte im innerstädtischen Raum dar. Dementsprechend wird dem Einzelhandel auch bei der weiteren Entwicklung der Innenstädte eine Leitfunktion eingeräumt.

Schon seit mehreren Jahrzehnten wird indes von verschiedenster Seite die "Krise der Innenstädte" in Westdeutschland thematisiert. Je nach Perspektive und Interessenlage werden dabei jedoch ganz unterschiedliche Strukturen und Prozesse beklagt. Hinsichtlich der Leitbranche Einzelhandel ist zu konstatieren, daß die Innenstädte nach dem zweiten Weltkrieg unbestritten einen kontinuierlichen Anteilsrückgang am gesamten westdeutschen Einzelhandelsumsatz haben hinnehmen müssen. Der Bedeutungsüberschuss der Innenstadt als Ausdruck der Zentralität eines (Stand)Ortes scheint demnach vielerorts gefährdet zu sein. Verschiedene strukturelle Tendenzen wie auch die verkehrliche Situation in den Innenstädten werden ebenfalls regelmäßig im Zusammenhang mit diesem Einzelhandelsstandort als problembehaftet diskutiert.

Wenngleich ihre Position gefährdet scheint, stellen die Innenstädte heute unverändert die dominierenden Brennpunkte gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Handelns dar. Die Entwicklung der Innenstädte ist daher auf das komplexe Zusammenspiel eines breiten Spektrums an soziokulturellen, ökonomischen und technischen Einflussgrößen zurückzuführen. Zu den seit längerem bekannten Trends ist in den 1990er Jahren ein weiterer Faktor mit unvorhergesehener Dynamik hinzugekommen, dessen außerordentliche Relevanz selbst vielen wirtschaftlichen und politischen Entscheidungsträgern erst seit relativ kurzer Zeit bewusst geworden ist: Die rasant zunehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Internet.

Auch zum derzeitigen Zeitpunkt ist die volle Tragweite des Einflusses des Internet und internetbasierter Anwendungen insbesondere auf die Lebens- und Konsumgewohnheiten der breiten Bevölkerung trotz einer wachsenden Zahl von Untersuchungen, Prognosen und Szenarien sehr schwer abzuschätzen. Gegenwärtig herrscht demzufolge in vielen westdeutschen Städten eine tiefgreifende Unsicherheit darüber, wie angesichts der einzelhandelsgeprägten Innenstädte mit den Entwicklungen im Internetbereich umzugehen ist, ob diese als Chance oder vielmehr als Bedrohung zu begreifen sind oder ob sie möglicherweise als "Modeerscheinung" spurlos an den Innenstädten vorbeigehen werden.

In dieser Arbeit wird angesichts der Relevanz dieser Entwicklungen für die Zukunft der Innenstädte der Versuch unternommen, das Verhältnis von Innenstadt und Einzelhandel unter dem Einfluss des Internet neu zu beleuchten. Um die Einordnung der aktuellen und der zu erwartenden Prozesse in die Evolutionsgeschichte der Innenstädte vornehmen zu können, bildet die Bezugnahme auf langfristige Tendenzen und historische Entwicklungen von Stadt und Handel einen zentralen Ansatzpunkt.

Ziel dieser Arbeit ist es, den Kommunen und den innerstädtischen Akteuren in den relevanten Fragestellungen Orientierungshilfe zu leisten und verschiedene Anknüpfungspunkte für eine offensive und zielgerichtete Nutzung der dynamischen Veränderungen aufzuzeigen. Dabei werden insbesondere die Perspektiven des Einzelhandels als innerstädtische Leitfunktion erörtert. Neben der Untersuchung und der Diskussion der Risiken und Potentiale, die dem innerstädtischen Einzelhandel und dem Standort Innenstadt insgesamt infolge des "neuen" Mediums gegenüberstehen, werden daher auch konkrete Handlungsansätze erarbeitet, wie sich eine konstruktive zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der westdeutschen Innenstädte unter dem Einfluss und der Nutzung des Internet gestalten und steuern lässt. Eine Schwerpunktsetzung auf die Innenstädte Westdeutschlands wird in dieser Arbeit vorgenommen, da sich die Problemlagen der Innenstädte der neuen Bundesländern deutlich von denen in Westdeutschland abheben. Sofern dies nicht ausdrücklich abweichend angegeben wird, werden demzufolge im weiteren Text ausschließlich die westdeutschen Innenstädte behandelt.

Folgende grundlegende Fragestellungen stehen im Mittelpunkt dieser Diplomarbeit:

Welche Perspektiven sind für den traditionellen stationären Einzelhandel angesichts der Entwicklung von Internet und Electronic Commerce abzusehen und welche Auswirkungen zeichnen sich infolge dieser Prozesse in den westdeutschen Innenstädten ab?

Welche Möglichkeiten gibt es, die Entwicklungen im Internetbereich wie auch die hieraus resultierenden räumlich-funktionalen Prozesse in den westdeutschen Innenstädten offensiv und konstruktiv zu nutzen?

Ist der Einzelhandel geeignet, auch zukünftig als Leitfunktion zur Weiterentwicklung der westdeutschen Innenstädte zu fungieren?

Soweit Entwicklungsperspektiven erörtert werden, wird zumeist eine kurz- bis mittelfristige Sichtweise eingenommen, d.h. es wird in der Regel ein Zeitraum etwa bis zum Jahr 2020 betrachtet. Angesichts der Unsicherheiten in allen betrachteten Themenfeldern werden längerfristige Ausblicke nur ausnahmsweise gegeben.

Die Basis dieser Arbeit bilden neben der Auswertung der Fachliteratur verschiedener Disziplinen wie auch der maßgeblichen Tageszeitungen eine Reihe von offenen qualitativen Experteninterviews, die aus organisatorischen Gründen teilweise telefonisch geführt werden mussten. Die befragten Fachleuten stammen aus den Bereichen Einzelhandel (Personen mit leitenden Funktionen aus Unternehmen mit wie auch ohne Internetansatz, Vertreter von Einzelhandelsverbänden), Stadt und Kommune, Stadt- bzw. Citymarketing, Forschung (insbesondere mit den Schwerpunkten Wirtschaftsgeographie, Informations- und Kommunikationstechniken, Handel, Handelsmarketing und Informationstechnologien im Handel, Zukunftsforschung), Unternehmensberatung (Schwerpunkt Einzelhandel) sowie Multimedia.

Eine Auflistung der Gesprächspartner ist im Anhang zu finden.

Darüber hinaus wurden die Ergebnisse eigener Recherchen im Internet sowie von zwei Expertenworkshops einbezogen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
1.1 Problemstellung und Vorgehensweise 1
1.2 Aufbau der Arbeit 4
2. ENTWICKLUNG UND STRUKTUREN DER INNENSTÄDTE 6
2.1 Begriffsabgrenzung "Innenstadt" 6
2.2 Die Altstädte als Ursprung der heutigen Innenstädte 7
2.2.1 Die Stadt des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit 7
2.2.2 Industrialisierung und Urbanisierung 8
2.2.3 Innenstädte als Wirtschafts- und Konsumzentren 11
2.3 Die Entwicklung seit 1945 12
2.3.1 Wiederaufbau: Das Leitbild der gegliederten und aufgelockerten Stadt 12
2.3.2 Geschäftszentren werden zu Fußgängerzonen 13
2.3.3 Urbanität und Multifunktionalität als neue Leitbilder 15
2.4 Die Innenstädte der Gegenwart 17
2.4.1 Einzelhandel in der Innenstadt: Leitfunktion trotz Strukturproblemen 19
2.4.2 Sonstige öffentliche und privatwirtschaftliche Nutzungsformen 25
2.4.3 Wohnen 28
2.4.4 Verkehr 29
2.4.5 Öffentlicher Raum 30
2.5 Besucher und Nutzer der Innenstadt 31
2.6 Zwischenfazit: Innenstadtentwicklung seit dem ausgehenden Mittelalter 33
3. RAHMENBEDINGUNGEN UND HANDLUNGSANSÄTZE GEGENWÄRTIGER UND ZUKÜNFTIGER INNENSTADTENTWICKLUNG 35
3.1 Raumordnung und Stadtentwicklung 35
3.2 Miet-, Grundstücks- und Immobilienpreise 37
3.3 Trends im Einzelhandel 41
3.3.1 Flächenwachstum und Personalabbau 41
3.3.2 Betriebsformen und -strukturen 43
3.3.3 Unternehmenskonzentration 46
3.3.4 Standorttrends 47
3.3.5 Kundenorientierung und Kundenbindung 48
3.4 Gesellschaftliche Trends 49
3.4.1 Soziodemographische Entwicklungen 49
3.4.2 Einkommensentwicklung und Konsumverhalten 50
3.4.3 Erlebnisorientierung 51
3.4.4 Zeitstrukturen 52
3.4.5 Verkehr und Mobilität 53
3.5 Finanzsituation der Städte 54
3.6 Fortschritte bei den Informations- und Kommunikationstechnologien 56
3.7 Citymarketing und Citymanagement: Public Private Partnership als Problemlösungsansatz 57
3.8 Zwischenfazit: Aktuelle Einflussgrößen der Innenstadtentwicklung 58
4. INTERNET UND ELECTRONIC COMMERCE 60
4.1 Entwicklung, Verbreitung und Strukturen des Internet 60
4.1.1 Das Internet: Transformation vom militärischen Rechnernetz zur Multimedia-Plattform World Wide Web 60
4.1.2 Internetbasierte Kommunikation 63
4.1.3 Reichweite des Internet 65
4.2 Potentiale und Auswirkungen internetbasierter Anwendungen 67
4.2.1 Electronic Commerce und Elektronische Märkte 67
4.2.2 Veränderte Märkte und Strategien durch Internet und Electronic Commerce 69
4.2.3 Virtuelle Gemeinschaften, Verbünde und Netzwerke 70
4.3 Thesen zur zukünftigen Bedeutung von Internet und Electronic Commerce 71
5. INTERNET UND ELECTRONIC COMMERCE IM EINZELHANDEL 74
5.1 Risiken für den traditionellen stationären Einzelhandel 74
5.1.1 Interactive Home Shopping: Verschärfter Wettbewerb durch eine neue Vertriebsform 75
5.1.2 Direktvertrieb der Hersteller und verwischende Branchengrenzen 78
5.1.3 Markt- und Preistransparenz 81
5.1.4 Marktmacht der Kunden 82
5.1.5 Verschärfung des Konzentrationsprozesses im Handel als Konsequenz 82
5.2 Potentiale für den traditionellen stationären Einzelhandel 83
5.2.1 Internet als zusätzliche Vertriebsschiene 84
5.2.2 Internet als interaktive Kommunikations- Marketing- und Serviceplattform 87
5.2.3 Internet als Kooperationsplattform 90
5.3 Thesen zur zukünftigen Entwicklung von Internet und Electronic Commerce im Einzelhandel 92
6. INNERSTÄDTISCHER EINZELHANDEL IM INTERNET-ZEITALTER:BESTANDSAUFNAHME, RAHMENBEDINGUNGEN UND PERSPEKTIVEN 96
6.1 Trends der Einzelhandelsentwicklung in den Innenstädten 96
6.1.1 Grundsätzliche Trends der zukünftigen Einzelhandelsentwicklung 96
6.1.2 Perspektiven des innerstädtischen Einzelhandels 100
6.2 Potentiale für den Einzelhandelsstandort Innenstadt durch Internet und Electronic Commerce 104
6.2.1 Erhöhung der innerstädtischen Umsatzanteile 105
6.2.2 Stärkung des lokal verankerten Facheinzelhandels 106
6.2.3 Förderung benachteiligter Innenstadtlagen 107
6.2.4 Aufbrechen der Anonymität der Innenstädte 107
6.2.5 Optimierung der innerstädtischen Kooperation 109
6.3 Internet-Ansätze von Stadt und stationärem Einzelhandel 110
6.3.1 Bestandsaufnahme: Stadt, stationärer Einzelhandel und Internet 110
6.3.2 Bemerkungen zum Status Quo 115
6.4 Zielszenario: Förderung des innerstädtischen Einzelhandel mit Hilfe von Internetanwendungen 118
7. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN 121
7.1 Kommunale Ansatzpunkte zur Förderung des Einzelhandelsstandorts Innenstadt durch Internetanwendungen 121
7.1.1 Aufklärung und Information 121
7.1.2 Kooperative, vernetzte Internetaktivitäten von Innenstadtakteuren 122
7.1.3 "Internet-Keimzelle Innenstadt" als Alternative zu quantitätsorientierten Initiativen 124
7.1.4 Einbindung der Verwaltung 125
7.1.5 Interkommunale Kooperation 126
7.2 Ansätze für die innerstädtischen Einzelhandels-KMU 126
7.3 Ist der Einzelhandel als Leitfunktion der Innenstädte zukunftsfähig? 129
8. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK 133
ANMERKUNGEN 135
9. ANHANG 137
9.1 Liste der Gesprächspartner im Rahmen der Experteninterviews 137
9.2 Glossar verwendeter Begriffe aus dem Bereich IuK/Internet 137
10. QUELLENVERZEICHNIS 140
10.1 Eigenständige Publikationen 140
10.2 Beiträge aus Zeitschriften, Schriftenreihen oder Herausgeberbänden 142
10.3 Zeitungsbeiträge 149
10.4 Sonstige Quellen 151

Automatisiert erstellter Textauszug:

Service) vielfältig einsetzen: Routine-Kontakte in festgelegten Abständen nach dem Kauf, in denen der Händler zu Berichten über Erfahrungen und Problemen auffordert oder elektronische ‚Meckerkästen‘ bieten beispielsweise die Chance, das Waren- und Leistungsangebot entsprechend den Kundenwünschen entwickeln zu können. Diskussionsforen, in denen sich Kunden untereinander oder auch mit Vertretern des Handelsunternehmens austauschen können, oder auch sogenannte FAQListen, Aufstellungen häufig gestellter Fragen und der dazugehörigen Antworten, können die Servicepalette des Ladengeschäftes sinnvoll ergänzen. Das Beispiel stationärer Buchhandel: Durch internetbasierte Dienste lassen sich im Buchhandel vielfältige Mehrwerte für die Kunden erzielen, die mit vergleichsweise geringem Aufwand beim Anbieter verbunden sind. Im folgenden werden einige ausgewählte Aspekte dargestellt: Marketing: • Falls der Kunde dies wünscht, kann er automatisch per elektronischer Post über interessante Neuerscheinungen in von ihm ausgewählten Themenbereichen informiert werden. Wenn Kundendateien in Form von elektronischen Datenbanken, die nach bestimmten Kriterien gegliedert sein sollten (z.B. Alter, Interessenschwerpunkte), geführt werden, ist diese Kontaktmöglichkeit mit vergleichsweise äußerst geringem zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Bei reduzierten Streuverlusten ist diese Kommunikationsform gleichzeitig weitaus persönlicher als die traditionellen Massenwerbesendungen. Kommunikation und Service: • Bei aufwendigen Anfragen nach speziellen Titeln, deren Recherche erwartungsgemäß sehr zeitaufwendig ist und von den Angestellten idealerweise bei günstigen Gelegenheiten (z.B. wenn sich keine Kunden im Laden aufhalten) durchgeführt werden sollte, bietet sich die Kommunikation per elektronischer Post an, um eine möglichst effiziente Zeitverwendung für beide Seiten zu erzielen. • Auf der Homepage können die Beschäftigten des Händlers, ggf. mit Bild, möglichst unter Nennung der individuellen Email-Adresse) mit ihren Spezialgebieten (z.B. ‚Werner Müller, werner.mueller@buchandlung.de, Computer& EDV-Fachbücher‘) vorgestellt werden. Dies wirkt zum einen der zunehmenden Anonymität im Handel entgegen, zum anderen wird bei Anfragen, Bestellungen usw. die gezielte und umweglose Kontaktaufnahme mit dem richtigen Ansprechpartner erleichtert. Zudem ist es denkbar, daß jeder Mitarbeiter in bestimmten zeitlichen Abständen (z.B. einmal monatlich) auf der [...]

Neben der grundsätzlichen Bedrohung des stationären Einzelhandels durch den Bedeutungsgewinn von Handelsformen, deren physischer Standort irrelevant ist, womit zunehmend externe Anbieter in den Wettbewerb um die lokalen Konsumenten eintreten, zeichnen sich in der Handelslandschaft zudem tiefgreifende Strukturverschiebungen ab, die die gegenwärtige Position des stationären Einzelhändlers existentiell schwächen könnten. Zum einen besteht für den traditionellen stationären Einzelhandel die Gefahr, im Zuge des Neuorganisationsprozesses von Wertschöpfungsketten als Kontaktstelle zum Endkunden ausgespart zu werden. Da aller Voraussicht nach zumindest mittelfristig ohnehin die überwiegende Mehrheit der Unternehmen zum Zweck der B-toB-Transaktionen im Internet präsent sein wird, könnte es sich für alle Handelsstufen anbieten, auch dem Endkonsumenten die Möglichkeit zur Aufgabe von Bestellungen zu geben. Aufgrund der Reduzierung der Anzahl beteiligter Unternehmen kann sich u.U. für Verkäufer wie auch für den Konsumenten ein erhebliches Einsparpotential ergeben. [...]

Die unter 4.2 skizzierten Auswirkungen von Internet und Electronic Commerce auf Märkte, Machtstrukturen und Strategien sind im Einzelhandel in Ansätzen bereits heute wahrzunehmen. Für den stationären Einzelhandel haben diese Prozesse zunächst einmal einen bedrohlichen Charakter, da sie etablierte Strukturen sprengen könnten und Unsicherheit über die zukünftige Marktstellung der Unternehmen, Betriebsformen und Standorte aufkommen lassen. Obwohl die Macht und die außerordentliche Dynamik dieses einsetzenden Prozesses offenbar viele Akteure überrascht zu haben scheinen, ist der zunehmende Einsatz neuer Kommunikationsmedien mit den resultierenden tiefgreifenden Folgen für die Strukturen im Einzelhandel in erster Linie als evolutionärer Vorgang zu verstehen, vergleichbar mit dem Siegeszug der Selbstbedienung im Handel in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Schon 1992, zu einem Zeitpunkt also, an dem die dynamische Entwicklung des Internet selbst von Experten kaum zu erahnen war, prognostizierte einer der führenden deutschen Einzelhandelsforscher: „Durch die neuen Medien erfolgen fundamentale Substitutionen: Der Ersatz von Einzelhandelsfläche und damit von Läden durch Kommunikation; der Ersatz von zeitlich begrenzter Dienstleistungsbereitschaft durch 24-Stunden- und 7-Tage-Bereitschaft als Folge der Automatisierung von Kommunikation und Logistik. Bei totaler Preistransparenz durch die neuen Medien mit der Möglichkeit, Warenkorbvergleiche durchzuführen, ist das generelle Preisniveau ‚einjustiert‘“ (TIETZ 1992, S. 48). [...]

Arbeit zitieren:
Hesse, Klaus-Martin Juli 2000: Einzelhandel als Leitfunktion der Innenstädte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Innenstadt, Stadtentwicklung, Online-Marketing, Einzelhandel, Electronic Commerce

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