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Einzelfallhilfe in Familien mit geistig behinderten Kindern

Chancen und Grenzen von Förderungsmöglichkeiten

Einzelfallhilfe in Familien mit geistig behinderten Kindern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andreas Bruß
  • Abgabedatum: Juni 1998
  • Umfang: 167 Seiten
  • Dateigröße: 10,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2743-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2743-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2743-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bruß, Andreas Juni 1998: Einzelfallhilfe in Familien mit geistig behinderten Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: ambulant, Jugendhilfe, Familienhilfe, Förderung, geistig behindert

Diplomarbeit von Andreas Bruß

Einleitung:

Bei den meisten von uns löst trotz der in Teilen inzwischen relativ weit gediehenen Integration behinderter Menschen bereits der Begriff der „geistigen Behinderung“ Unbehagen und Unsicherheit aus. Dabei unterscheidet sich offensichtlich die Qualität von Förderung und Integration zwischen körperlich, geistig und seelisch behinderten Menschen immens, wenn wir uns das häufig formulierte Argument der geringen Leistungsfähigkeit geistig Behinderter vergegenwärtigen. Leistungsfähigkeit wird hier fast ausschließlich in Verbindung mit Lernleistung gesehen. Nicht zuletzt die vorrangig bestehende Assoziation von Förderung und Integration mit dem Thema Schule widerspiegelt die tiefe Spaltung zwischen emotionalen, sozialen und kognitiven Förder- und Integrationsstrategien zuungunsten geistig Behinderter. Diese Form von Spaltung setzt sich offenbar auf der wissenschaftlichen und praktischen Ebene fort, wo diese uns dazu bewegt zu glauben, daß schulische Integration geistig Behinderter ausschließlich auf der sozialen, wohl mehr solidarischen Ebene gelingen kann, die geistige Förderung allerdings nur durch eine angeblich effektivere, stark binnendifferenzierte, also detailliert vorausgeplante und verplante schulische Besonderung gelingen könne.

Die weitaus effektivere Organisation von Lern- und Lebensraum durch den geistig Behinderten selbst, die sich letztendlich in der Möglichkeit des Behinderten wiederfindet, selbstbestimmt in jedem seiner Entwicklungsabschnitte geeignete soziale und emotionale Beziehungen zu knüpfen, wird meines Erachtens bei den Betroffenen wesentlich behindert. Die schier unüberwindlichen räumlichen und zeitlichen Entwicklungsbarrieren sind nicht selten die eigentliche Ursache für viele Formen emotionaler Behinderungen, die sich in den häufig bei geistig Behinderten auftretenden psychiatrischen Störungen materialisieren und in Folge den Anschein einer im Betroffenen selbst zu suchenden Behinderung erwecken. „Behindertsein oder behindert werden ?“ ist ein wesentlicher Schwerpunkt, der sich wie ein roter Faden durch meine Arbeit zieht.

Diese meine Arbeit sollte daher möglichst helfen zu erkennen, dass soziale, emotionale und geistige Förderung nur dann erfolgreich verlaufen werden, wenn diese nicht voneinander getrennt vonstatten gehen. Geistige Förderung, also das Initiieren eines eigenständigen und sich selbsttragenden Lernprozesses beim geistig behinderten Kind - getragen durch Neugier, Ausdauer und Konzentration bei eben diesem Kind - setzt die emotionale und soziale Förderung zwingend voraus. Mögliche behindernde emotionale und soziale innerfamiliäre Lebens- und Lernbedingungen - also der Entwicklungsabschnitt vor dem Einsetzen schulischer Förderung und Integration - scheinen mir daher von vorrangiger Bedeutung für die erfolgreiche Förderung geistig Behinderter zu sein. Das gedankliche und praktische Wiederzusammenführen emotionaler, sozialer (räumlich-zeitlich) und geistiger Förderrichtlinien und die Einsicht in ihr zwingendes Zusammenspiel trägt bereits Ansätze für eine wirklich erfolgreiche Förderung und Integration in sich. Vorwiegend die emotionale und soziale Förderung scheint mir nicht nur Schwerpunkt jedweder Sonderpädagogik zu sein, sondern ist meines Erachtens ebenso aktuell hinsichtlich der vielfältigen, uns umgebenden Formen von Lernbehinderungen und -störungen im Bereich der sogenannten „Normalpädagogik“. Dieser Perspektivwechsel bei der Förderung (geistig) behinderter Menschen in Praxis und Wissenschaft ermöglicht es uns, die wissenschaftliche „Grenzdisziplin“ Sonderpädagogik als eine entscheidende Wissensquelle neu zu gewichten, die uns allgemeingültige Erkenntnisse für die gesamte Bandbreite der pädagogischen Wissenschaften liefern kann. Denn hier beginnt Integration.

Förderung beginnt folglich in der Familie des geistig Behinderten. Diese ist Wegbereiter für eine echte Integration geistig Behinderter in Schule und Gesellschaft. Die ambulante Jugendhilfe - eingeschlossen die Eingliederungshilfe für Behinderte - erhält somit einen besonderen Stellenwert in meinen Untersuchungen über eine betroffene Berliner Familie. Die wachsende Bedeutung der ambulanten Hilfen generell, ob im Pflegebereich oder in der Jugendhilfe, und der in dieser Arbeit angemahnte Perspektivwechsel in Sachen Förderung und Integration geistig behinderter Kinder untermauert einmal mehr, wie aktuell das hier untersuchte Thema wirklich ist.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Methodische Überlegungen 10
3. Was ist geistige Behinderung eigentlich?- Ein Ausblick im Kontext der Familie des Behinderten
3.1 Behindertsein oder behindert werden? 13
3.2 Medizinische und psychiatrische Aspekte des Behindertenbegriffe 16
3.3 Psychologische Aspekte des Behindertenbegriffe 22
3.4 Soziologische Aspekte des Behindertenbegriffe 26
4. Warum eigentlich familienzentrierte Förderung in der Einzelfallhilfe?
4.1 Familie, Gesellschaft und geistige Behinderung 29
4.2 Einzelfallhilfe in Familien mit geistig behinderten Kindern zwischen Recht und Wirklichkeit 36
5. Einzelfallhilfe - ein Fördermodell für Familien mit geistig behinderten Kindern und seine Chancen und Grenzen
5.1 Familie M. im Überblick
5.1.1 Ein Kurzportrait über die einzelnen Familienmitglieder und die innerfamiliären Beziehungen 44
5.1.2 Die sozioökonomische Lage von Familie M. - Bedingungen und Tendenzen der Förderung 52
5.1.3 Ein zusammenfassender Kurzüberblick über meine Arbeit als Einzelfallhelfer in der Familie M 55
5.2 Rollenproblematik 63
5.3 Die Ausgangssituation in der Einzelfallhilfe - entscheidend für Erfolg oder Misserfolg bei den Förderungsbemühungen 66
5.4 Die „behinderte“ Familie in Zeit und Raum und mögliche Förderansätze 73
5.5 Die Bewältigungsformen in Familien mit geistig behinderten Kindern
5.5.1 Streß und Konflikt im Wechselverhältni 87
5.5.2 Häufig auftretende Formen der Bewältigung in Familien mit geistig behinderten Kindern 90
5.5.3 Familie M. und der Alltag im Kontext ihrer Bewältigungsstrategien und mögliche Förderansätze 95
5.5.4 Die möglichen Bewältigungsformen geistig behinderter Kinder und die ihrer Eltern im Wechselverhältnis und Folgen für die Förderung 104
5.6 Die emotional-affektive Bindung zwischen dem geistig behinderten Kind und seinen Eltern - Probleme und Chancen der Entwicklung und Förderung des Behinderten und seiner Familie 110
5.7 Der Sinn der getrennten Bedürfnismodellierung beim Kind und seinen Eltern als Förderungsvoraussetzung für das geistig behinderte Kind 119
5.8 Das Bedürfnis nach sozialem Lernen beim Kind - eine Chance der Förderung geistig behinderter Kinder und der Integration von Behindertenpädagogik 125
5.9 Die Themen der basalen Förderung und das soziale Lernen - ein Widerspruch? 132
6. Schlussbetrachtungen - wie in der Einzelfallhilfe Grenzen der Förderung zu Chancen werden können 146
7. Literatur 157
8. Anhang 160

Arbeit zitieren:
Bruß, Andreas Juni 1998: Einzelfallhilfe in Familien mit geistig behinderten Kindern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
ambulant, Jugendhilfe, Familienhilfe, Förderung, geistig behindert

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