Einsatzkräfte und die Auswirkungen belastender Ereignisse
Zwischen Helfen als Dienstleistung und eigener Stressbewältigung: Eine Mitarbeiterbefragung am Beispiel der Berufsfeuerwehr Bochum
- Art: MA-Thesis / Master
- Autor: Marcel Domer
- Abgabedatum: Mai 2005
- Umfang: 122 Seiten
- Dateigröße: 753,7 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
- Bibliografie: ca. 87
- ISBN (eBook): 978-3-8366-3090-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Domer, Marcel Mai 2005: Einsatzkräfte und die Auswirkungen belastender Ereignisse, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Posttraumatische Belastungsstörungen, PTBS, PTSD, CISM, Einsatzkraft
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MA-Thesis / Master von Marcel Domer
Einleitung:
Wir schreiben das Jahr 1988. Eine Flugstaffel der italienischen Luftwaffe rast nach einer Kollision mit mehreren Luftfahrzeugen in die völlig überraschte Zuschauermenge. 3. Juni 1998, der ICE Conrad Röntgen der Deutschen Bahn AG entgleist unterhalb einer Brücke in der Nähe der Ortschaft Eschede. Am 11. September 2001 stürzen insgesamt 3 Passagiermaschinen in verschiedene Gebäude in New York und in Washington. Zusammen haben diese Unglücke mehreren tausend Menschen das Leben gekostet. Aber nicht nur die primären Opfer dieser Katastrophen waren betroffen, sondern auch die als sekundär traumatisiert bezeichneten Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Rettungsdienste traten in den Fokus einer weiteren Betrachtung.
Galten gerade die primären Opfer verschiedenster Katastrophen der ersten beiden Drittel des vergangenen Jahrhunderts bzw. der beiden Weltkriege als Klienten einer psychosozialen Betreuung, so fand im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts eine weitreichende, aber bei weitem nicht ausreichende Betrachtung der Einsatzkräfte statt. Und nicht erst die Geschehnisse um das Zugunglück in Eschede ließen den Ruf der Einsatzkräfte um eine adäquate psychosoziale Betreuung lauter werden. Hierbei handelt es sich allerdings nicht nur um die Bewältigung des alltäglichen Stressaufkommens, sondern eher um die Bewältigung belastender Ereignisse, welche sich nachträglich negativ auf die Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte auswirken können. Reaktionen wie z.B. akute Belastungsreaktionen, die zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen können, geben Aufschluss darüber, dass Einsatzkräfte tagtäglich einer besonderen Belastung ausgesetzt sind.
Generalisieren Teegen, Domnick und Herdegen die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung dieser Berufsgruppe mit einem traumatischen Ereignis mit nahezu 100 %, so gehen Bengel, Bordel und Carl davon aus, dass 3-7 % der Mitarbeiter des Rettungsdienstes an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Das zu Beginn der Masterarbeit veröffentlichte Zitat eines New Yorker Fire Department Chiefs, welches eindrucksvoll darauf hindeutet, welche Auswirkungen die Ereignisse des 11. September 2001 haben werden, scheint diese Ergebnisse zu bestätigen.
Wie reagieren nun aber die Kommunen und die Branddirektionen auf solche Ereignisse bzw. auf deren Auswirkungen in Bezug auf die Betreuung ihrer Mitarbeiter? Welche Maßnahmen ergreifen sie im Rahmen der Prävention, Intervention und Nachsorge in Hinblick auf Ereignisse, die außerhalb der Erfahrungen eines normalen Einsatzspektrums liegen? Welche Maßnahmen sehen sie für ihre Einsatzkräfte vor, die u.U. eine posttraumatische Belastungsstörung erleiden könnten.
Und welche Strategien verfolgt die als Einsatzkräfte bezeichnete Risikogruppe, um akuten Belastungsreaktionen und posttraumatischen Belastungsreaktionen zu begegnen? Oder implizieren gar Großschadensereignisse bzw. belastende Ereignisse, wie sie anfangs angeführt wurden, keine Belastungen für die Einsatzkräfte?
Gang der Untersuchung:
Diese Masterarbeit orientiert sich an einem Praxisbeispiel und unternimmt anhand einer theoretischen und praktischen Separation den Versuch darzustellen, welche Merkmale dem Stressphänomen und der daraus u.U. entstehenden akuten Belastungsreaktion respektive einer möglichen posttraumatischen Belastungsstörung zu Grunde liegen und wie die Bochumer Berufsfeuerwehr und deren Mitarbeiter darauf präventiv, intervenierend und post festum reagieren.
Der theoretische und erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich demzufolge mit der Darstellung verschiedener Stresstheorien und Stressoren, die sich hinsichtlich der qualitativen Einordnung in Ihrer Ausprägung unterscheiden. Sich daran anschließend sollen die historische Entwicklung und die Verlagerung der opferzentrierten Betreuung zur helferzentrierten Fokussierung den Grundstein zur Verdeutlichung der möglichen psychosozialen Betreuungsmaßnahmen legen. Beide sollen am Konzept des Critical Incident Stress Managementes und anhand der dokumentierten Auswirkungen des ICE-Unglückes von Eschede exemplarisch dargestellt werden.
In einer weiteren theoretischen Betrachtung sollen anhand der Organisations- und Ausbildungsstruktur der Bochumer Berufsfeuerwehr deren Anstrengungen visualisiert werden, mit denen gegen die Auswirkungen von berufs- und einsatzbedingtem Stress vorgegangen wird, damit der eingangs gestellten Forderung nach einer psychosozialen Betreuung für Einsatzkräfte von Buchmann Rechnung getragen werden kann.
Die Mitarbeiterbefragung des praktischen Teiles dieser Arbeit wird der Frage nachgehen, ob qualitative Maßnahmen, zu denen die einzelnen Komponenten des Critical Incident Stress Management Konzeptes (CISM) zu zählen sind, akute Belastungsreaktionen vorbeugen können bzw. ob es einen Zusammenhang zwischen diesen Maßnahmen und einer akuten Belastungsreaktion gibt. Die hier gewonnenen Daten erstrecken sich ausschließlich auf den operativen Bereich der Berufsfeuerwehr Bochum und werden mit bereits durchgeführten Untersuchungen in der wissenschaftlichen Literatur verglichen und interpretiert. Somit sollen die Ergebnisse der Auswertung und der Interpretation, aber auch die Kombination aus Theorie und Praxis Aufschluss darüber geben, ob die bis dato eingesetzten Maßnahmen im Umgang mit Stress genügen, oder ob es einer weiteren Reformierung/ Innovation des bestehenden Systems aus Sicht der Einsatzkräfte dieser Berufsfeuerwehr bedarf.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung und Orientierung | 7 |
| 2. | Stress und der menschliche Organismus - konzeptioneller Rahmen und Definition | 9 |
| 2.1 | Konzeptionelle Einordnung des Stresskonstruktes | 9 |
| 2.2 | Stressoren und Stressreaktionen | 12 |
| 2.2.1 | Stressauslösende Ereignisse als Grundlage einer Reaktion - Eine qualitative Unterscheidungin berufs- und einsatzbedingte Stressoren | 13 |
| 2.2.2 | Reaktionen des Individuums auf Stressoren: Physische, kognitive, emotionale und verhaltensbedingte Stressreaktionen | 15 |
| 2.2.3 | Stress als Reaktion auf aversiv empfundene Situationen - Abgrenzung des Stresskonstruktes für den Gegenstandsbereich dieser Masterarbeit | 17 |
| 3. | Belastende Ereignisse - Von der Betreuung der Opfer zur Unterstützung der Einsatzkräfte | 18 |
| 3.1 | Orientierung | 18 |
| 3.2 | Sind Einsatzkräfte versteckte Opfer? Chronologie der personenzentrierten Betreuung nach belastenden Ereignissen | 19 |
| 3.3 | Gesellschaftstheoretische Einordnung von belastenden Ereignissen, akuten Belastungsreaktionen und von posttraumatischen Belastungsstörungen | 20 |
| 3.4 | Das Critical Incident Stress Management (CISM) als ein qualitatives Konzept der Prävention, Intervention und Nachsorge - Maßnahmen und Methoden | 22 |
| 3.5 | Die Zugkatastrophe von Eschede - Maßnahmen und Forderungen für eine qualifizierte Betreuung von Einsatzkräften | 25 |
| 4. | Umgang mit Stress und belastenden Ereignissen bei der Berufsfeuerwehr zu Bochum | 27 |
| 4.1 | Organisationsstruktur und Aufgabenbereiche | 27 |
| 4.2 | Die Pflicht zur Fürsorge - Die personenzentrierte Qualifizierung für den Umgang mit Stress im Rahmen der Aus- und Fortbildung | 28 |
| 4.2.1 | Allgemeines | 28 |
| 4.2.2 | Prävention und Vorbereitung auf den Einsatzdienst - das Phänomen Stress als Baustein in der Ausbildung zum Brandmeister, Rettungssanitäter und Rettungsassistenten | 29 |
| 4.2.3 | Fortbildungsmaßnahmen und weitere personenzentrierte Schlüsselqualifikationen als Hilfe für Kollegen | 31 |
| 4.2.4 | Intervention und Nachsorge | 31 |
| 4.3 | Zukunftsvisionen | 32 |
| 5. | Projektpräsentation | 33 |
| 5.1 | Ausgangslage | 33 |
| 5.2 | Forschungsfrage - Konkretisierung | 34 |
| 5.3 | Eine Mitarbeiterbefragung bei der Berufsfeuerwehr zu Bochum zur Erfassung eines Meinungsbildes | 36 |
| 5.3.1 | Der Fragebogen als quantitatives Erhebungsinstrument - Entwicklung, Struktur und Inhalte | 36 |
| 5.3.2 | Grundgesamtheit | 39 |
| 5.3.3 | Einsatz des Erhebungsinstrumentes - Vorgehensweise und Umsetzung | 40 |
| 5.4 | Statistische Auswertung, Datenpräsentation und Interpretation | 42 |
| 5.4.1 | Allgemeines | 42 |
| 5.4.2 | Fragenbereich VI | 43 |
| 5.4.3 | Fragenbereich I | 44 |
| 5.4.4 | Fragenbereich II | 45 |
| 5.4.5 | Fragenbereich III | 46 |
| 5.4.6 | Fragenbereich IV | 49 |
| 5.4.7 | Fragenbereich V | 51 |
| 5.4.8 | Interpretation | 53 |
| 6. | Schlussbetrachtung | 65 |
| 7. | Literaturverzeichnis | 69 |
| 8. | Anhang | 79 |
| 9. | Abbildungs- und Tabellenverzeichnis | 104 |
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836630900
Arbeit zitieren:
Domer, Marcel Mai 2005: Einsatzkräfte und die Auswirkungen belastender Ereignisse, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Posttraumatische Belastungsstörungen, PTBS, PTSD, CISM, Einsatzkraft



