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Einsatzbedingter Stress und seine Folgen für Soldaten

Diagnostische,sozialpsychologische, psychoanalytische und individualpsychologische Betrachtungen sowie literarische Illustration von Streßschäden

Einsatzbedingter Stress und seine Folgen für Soldaten
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Laszlo Böhm
  • Abgabedatum: Dezember 2000
  • Umfang: 80 Seiten
  • Dateigröße: 435,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Regensburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-3234-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-3234-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-3234-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Böhm, Laszlo Dezember 2000: Einsatzbedingter Stress und seine Folgen für Soldaten, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kampftrauma, PTSD, Kriegsneurose

Diplomarbeit von Laszlo Böhm

Problemstellung:

Kriege sind so alt wie die Menschheit. Ihre Folgen auch. In der vorliegenden Arbeit soll eine zwangsläufige, vielfach erforschte und immer wieder rätselhafte Auswirkung militärischer Einsätze dargestellt werden: der Stressschaden.

Immer wieder hat es die Menschheit für notwendig erachtet Interessen, seien es die einer Person oder Gruppe mit Gewalt durchzusetzen. Diese Praxis hat sich bis in unsere Zeit unverändert erhalten. Die Unterschiede zu den frühen Formen der Kriegsführung liegen in der hohen Mechanisierung seit dem Amerikanischen Bürgerkrieg 1860 - 1865 und der Elektronisierung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und Beginn des nuklearen Wettlaufes zwischen den USA und der damaligen UdSSR.

Dazwischen liegen etwa 100 Jahre der Kriegsindustrialisierung und der Stahlgewitter mit ihren unauslöschlichen Folgen.

Der Soldat als Mensch - Mittel der Kriegsführung spielt dabei eine zentrale Rolle. Er ist der Träger von militärischen Rollen, Funktionen und Idealen die auf seine Träger zurückstrahlen und sie als Individuum für nicht existent erklären.

Am Ende zählen nur Sieg oder Niederlage, Verlierer sind aber unweigerlich alle. Jeder Schuss den man auf einen anderen abfeuert und jede Kugel der man entgeht, das Entsetzen, der Verrat, die Schreie, die Flammen und die Verwesung reißen von Mal zu Mal größere Löcher in die Seele des Soldaten bis er nicht mehr kann.

Eine Schlacht oder einen Krieg gewinnt oder verliert man im Kollektiv, aber leiden ist etwas individuelles, privates, einsames. Dieses Leiden entbindet den Soldaten jedoch nicht von seiner Verpflichtung im Kollektiv weiter korrekt zu funktionieren wenn der Krieg vorüber ist.

Der Bundesrepublik ist diese Erfahrung von der Kriegsgeneration abgesehen bis jetzt erspart geblieben.

Seit der Gründung der Bundeswehr sind mehrere Generationen von Soldaten in Pension gegangen oder ins Zivilleben zurückgekehrt ohne jemals ernsthaft in Gefahr gewesen zu sein.

Seit dem ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr 1993 in Kambodscha hat sich diese Situation geändert. Und spätestens seit dem Bürgerkrieg auf dem Balkan, de facto vor der Haustür ist klargeworden, dass die sich Bundesrepublik militärisch nicht einfach auf dem Sofakissen der historischen Schuld ausruhen kann und darf, sondern im Einklang mit den so häufig propagierten Idealen des Grundgesetzes konform handeln muss, um Leid zu mindern und Wehrlose zu schützen, auch auf die Gefahr hin eigene Verluste zu erleiden.

Als Gegenbeispiele für die deutsche Erfahrung dienen die USA und Israel.

In den USA ist es seit jeher Usus eigene Interessen militärisch durchzusetzen, ob im Alleingang oder an der Seite von Verbündeten. Deshalb liegen die USA mit der Erforschung von einsatzbedingten Stressschäden weit vor allen anderen Nationen, wobei ein Vergleich mit der Ex - Sowjetunion mangels zugänglichem Forschungsmaterial an dieser Stelle nicht möglich ist.

Zuletzt noch Israel. Auf dem Flecken Erde, wo heute der Staat Israel liegt und der früher das britische Protektorat Palestina war, hat es seit der Zeit Abrahams keinen Tag echten Friedens gegeben. Der Staat Israel ist seit seiner Gründung 1948 ununterbrochen in militärische Auseinandersetzungen mit seinen Nachbarn verwickelt. Entsprechend weit gediehen ist die militärische Stressforschung, zumal der Stellenwert der Streitkräfte im Vergleich mit anderen Ländern sehr hoch ist.

Der Soldat, in welchem Land auch immer, ist Teil der Gesellschaft. Er ist Sohn, Vater, Bruder, Ehemann oder einfach Bürger. Kein Land und Deutschland schon gar nicht kann es sich leisten diese Menschen seelisch und geistig kaputtgehen zu lassen nur weil sie ihre Pflicht getan haben.

Die vorliegende Arbeit ist für Sozialarbeiter bzw. Sozialpädagogen geschrieben worden, in der Hoffnung, dass Soldaten auch immer mehr als Fürsorgeberechtigte sozialarbeiterischen Bemühungen anerkannt werden und, dass der Spruch „Soldaten sind Mörder” von der Sozialen Arbeit als das gesehen wird was er ist, nämlich ein ideologisch gefärbter Literatursplitter.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 4
1. Stress aus der Sicht des Soldaten 6
1.1 Einsatz 7
1.2 Stressoren 8
1.3 Stressreaktionen und Verhalten im Einsatz 9
1.4 Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) 11
1.4.1 Zusammenfassung 16
1.4.2 Beispiel: Persönlichkeitszerstörung bei Vietnamsoldaten 16
2. Forschungsergebnisse 20
2.1 Deutschland 20
2.1.1 Kambodscha, Mai 1992 bis Oktober1993 20
2.1.2 Ex - Jugoslawien 1995 – 1997 22
2.2 Israel 25
2.3 USA 28
2.4 Schlussbemerkungen zum Kap. 2. 34
3. Sozialpsychologische, psychoanalytische und individualpsychologische Betrachtungen 36
3.1 Sozialpsychologische Betrachtung 36
3.1.1 Interaktion als Stressfaktor 36
3.2 Psychoanalytische Betrachtung 42
3.2.1 Verdrängung als Grundlage neurotischer Störungen 42
3.2.2 Psychoanalytische Deutungen zur Zeit des WK I 44
3.2.3 Folgerungen aus der psychoanalytischen Betrachtung 46
3.3 Individualpsychologische Betrachtung 48
3.3.1 Minderwertigkeitsgefühl des Soldaten als Basis der Kompensation durch Krankheit 48
3.3.2 Das „Zwei - Ebenen - Modell“ des soldatischen Gemeinschaftsgefühls 51
3.3.3 Folgerungen aus der individualpsychologischen Betrachtung 53
3.4 Schlussbemerkungen zum Kap. 3. 54
4. „Im Westen nichts neues“, PTSD aus dem Grabenkrieg 55
4.1 „Im Westen nichts neues“ 57
4.2 „Der Weg zurück“ 65
4.3 Schlussbemerkungen zum Kap. 4. 70
5. Schlusswort 70
Literatur 73
Erklärung 77

Automatisiert erstellter Textauszug:

Auch wenn es momentan keinen Spaß macht, Aktivitätsniveau und Kontaktbereich steigern. Vermeidung von Einengungen, dafür Vielseitigkeit der Tätigkeit. Erweiterung von Kontakt - und Interessenbereichen sowie den Bezug zu Gruppen und Anknüpfung an frühere positive Erfahrungen (z.B. Kameraden – Selbsthilfegruppen, Reservistenarbeitsgruppen) Entscheiden und binden. Es ist wichtig, daß man überhaupt eine Entscheidung trifft. Nicht ergebnisorientiert handeln. Schwierigkeiten und Probleme als Lebensbestandteil aller sehen. Kreative Umgestaltung des Tagesablaufes, Monotonie vermeiden. Konstruktive Abreaktion: Sport, ungewöhnliches Handeln, kreatives, nicht zweckorientiertes Tun, Kunst, Meditation, Entspannung. Erweiterung des Horizonts. Wiederherstellung des Kontakts zur sozialen, biologischen, kosmischen, wertmäßigen Umgebung und Existenzgrundlage, zur Natur, Geschichte und auch zur eigenen Körperlichkeit. [...]

3.2.3 Folgerungen aus der psychoanalytischen Betrachtung Streßschäden wie PTSD hindern den Menschen daran ein erfülltes Leben zu führen. Woher sollte denn auch die Kraft für die erfolgreiche Lebensbewältigung herstammen wenn das meiste davon für die Aufrechterhaltung der Verdrängung aufgewendet wird ? Im Rahmen von therapeutisch ausgerichteten Hilfsmaßnahmen müssen Betroffenen Möglichkeiten und Wege eröffnet werden sich den Problemen am besten innerhalb einer Gruppe von Kameraden (Selbsthilfegruppen, Therapiegruppen) zu stellen, sich dessen was war und wie es mit der aktuellen Lebenssituation zusammenhängt bewußt zu werden und auf eine Rückgängigmachung der Verdrängung hinzuarbeiten. Zusätzlich zur bewußten Aufarbeitung verdrängter Sachverhalte nennt Engelhardt (1997) folgende psychohygenischen Empfehlungen als wichtig und erfolgversprechend: • Zeit nehmen und reflektieren, am besten alleine ohne Außeneiflüsse. Dabei Gefühle kommen lassen und wenn möglich schriftlich festhalten. Den Verlauf der letzten Zeit in Gedanken durchleben und bilanzieren und alles in wenigen Worten festhalten. Aggressive und unfreundliche Gefühle bei sich und anderen zulassen und Gefühle als persönliches Problem auszusprechen. „Reparatur“ aller vorhandenen mitmenschlichen Aussprache und positives Feed-Back. Beziehungen durch [...]

3.1.1 Interaktion als Stressfaktor Das Leben des Soldaten während der Dienst - oder Einsatzzeit ist immer ein Leben und Arbeiten in Gruppen. Alle militärischen Verbände sind zellular aufgebaut und ganz unten in der Aufbauhierarchie befindet sich die Kampf - oder Einsatzgruppe, bestehend aus etwa fünf bis zwanzig Soldaten die in einem größeren Gebilde wie Zug, Kompanie oder Bataillon eine spezielle Aufgabe zu bewältigen haben. Wie solche Gruppen funktionieren (sollen) und was das auf die Streßentwicklung für den einzelnen Soldaten bedeutet, soll mit Zurhilfenahme der Homans`schen Hypothesen (1950) dargestellt werden. Homans` Ursprungshypothese lautet: (1) “If the frequecy of interaction between two or more persons increases, the degreee of their liking for another will increase, and vice versa.“ (Homans 1950, S. 112) [...]

Arbeit zitieren:
Böhm, Laszlo Dezember 2000: Einsatzbedingter Stress und seine Folgen für Soldaten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kampftrauma, PTSD, Kriegsneurose

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