Der Einsatz von Pferden in der Traumatherapie
Ein neues Konzept am Beispiel junger Flüchtlinge
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Melanie Burbach
- Abgabedatum: Mai 2006
- Umfang: 76 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Koblenz Deutschland
- Bibliografie: ca. 60
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2107-6
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Burbach, Melanie Mai 2006: Der Einsatz von Pferden in der Traumatherapie, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Reittherapie, Trauma, Flüchtling, Pferd, Reiten
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Diplomarbeit von Melanie Burbach
Einleitung:
Schon seit frühester Menschengeschichte findet eine Auseinandersetzung mit Traumata und deren Bewältigung statt. In den verschiedensten Völkern fanden und finden auch heute noch Rituale und Zeremonien Anwendung, die traumatische Erlebnisse heilen sollen.
Anfang des 19. Jahrhunderts begann die Erforschung psychischer Traumata, die Psychotraumatologie. Grundlegende Bausteine legten hier im weiteren Verlauf die Erkenntnisse von Sigmund Freud und Pierre Janet.
Intensiviert wurde die Trauma-Forschung nach dem Zweiten Weltkrieg mit Holocaust–Überlebenden sowie mit Kriegsveteranen des Vietnamkrieges in den 60er Jahren.
Im Bereich der Traumaforschung und Traumatherapie wurden in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt. Es wurden neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen sowie Therapien entwickelt. Besonders das EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) hat sich in der Therapielandschaft für traumatisierte Menschen durchgesetzt. Doch auch neben den mittlerweile fest etablierten Traumatherapien gibt es weitere Möglichkeiten, den Klienten zu unterstützen und Fortschritte zu erzielen. Eine Möglichkeit, die sich in den letzten Jahren immer mehr in der Psychotherapie durchsetzte, ist der Einsatz von Tieren, speziell von Pferden.
In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit der therapeutische Nutzen des Mediums Pferd in der Behandlung von traumatisierten Menschen eingesetzt werden kann.Beispielhaft wird ein reittherapeutisches Konzept dargestellt, dass sich speziell an traumatisierte Flüchtlinge richtet, die ungesichert in Deutschland leben.
Jugendliche, die häufig unbegleitet und minderjährig aus ihrem Heimatland nach Deutschland kommen, waren und sind auch weiterhin in Deutschland großen psychischen Belastungen aus-gesetzt. Viele von ihnen haben eine tragische, gewaltgeprägte Kindheit erlebt und sind unter traumatischen Bedingungen aus Kriegsgebieten geflohen. Die erhoffte Sicherheit und Ruhe bleibt jedoch in Deutschland meist aus, da sie über Jahre hinweg in ständiger Angst leben, abgeschoben zu werden. Eine erfolgreiche Bearbeitung erlittener Traumata ist unter diesen Bedingungen fragwürdig. Das dargestellte Konzept soll ihnen helfen, ein Stück Sicherheit, Stabilität und Lebensfreude wiederzugewinnen.
Zunächst wird jedoch in Kapitel 2 der Begriff und Prozess des Traumas sowie Folgen der Traumatisierung näher betrachtet.
Dabei werden physiologische und psychologische Abläufe bei einem Trauma näher beleuchtet sowie die Folgen dargestellt, die sich aus einem traumatischen Erlebnis entwickeln können. Beachtet werden außerdem Aspekte der Traumatherapie sowie eine Übersicht über aktuelle Therapien, die in der Traumatherapie eingesetzt werden.
Des weiteren wird in Kapitel 3 die besondere Situation junger Flüchtlinge dargestellt, die durch Erfahrungen im Heimatland, auf der Flucht und in Deutschland dauerhaft psychischen Extrembelastungen ausgesetzt sind. Anhand eines Fallbeispiels soll ein Einblick in die Lebenswelt junger Flüchtlinge in Deutschland vermittelt werden.
Im vierten Kapitel wird der Einsatz des Pferdes im therapeutischen Kontext vorgestellt. Ausgehend von der Abgrenzung der Reittherapie in der Psychotherapie zum heilpädagogischen Reiten werden Rahmenbedingungen und Aspekte beschrieben, die speziell für die Reittherapie mit traumatisierten Menschen wichtig sind. Von Bedeutung ist in diesem Kapitel ebenfalls, warum speziell das Lebewesen ‚Pferd’ in der Therapie eingesetzt wird.
Im fünften Kapitel werden die zuvor gewonnen Erkenntnisse in einem Konzept zusammengeführt. Dieses stellt beispielhaft dar, wie ein reittherapeutisches Angebot in der Traumabehandlung mit Flüchtlingen aussehen kann.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 5 |
| 2. | Das Trauma | 8 |
| 2.1 | Definitionen von Trauma | 8 |
| 2.2 | Traumatisierende Erlebnisse | 9 |
| 2.3 | Abläufe während des Trauma-Ereignisses | 11 |
| 2.3.1 | Physiologische Abläufe | 11 |
| 2.3.2 | Psychologische Abläufe | 14 |
| 2.4 | Folgen des Traumas | 16 |
| 2.4.1 | Akute Belastungsreaktion | 17 |
| 2.4.2 | Posttraumatische Belastungsstörung | 18 |
| 2.5 | Grundlegende Aspekte der Traumatherapie | 20 |
| 2.5.1 | Phasen der Traumatherapie | 20 |
| 2.5.2 | Therapeutische Ansätze in der Traumabehandlung | 22 |
| 3. | Zur besonderen Situation von traumatisierten Flüchtlingskindern | 25 |
| 3.1 | Fallbeispiel ‚Araz Garmiany’ | 26 |
| 3.2 | Ankunft in Deutschland | 27 |
| 3.3 | Lebenssituation in Deutschland | 28 |
| 3.4 | Behandlungsmöglichkeiten traumatisierter Flüchtlinge | 31 |
| 4. | Der Einsatz des Pferdes in der Therapie | 33 |
| 4.1 | Pferde als Therapeuten | 34 |
| 4.2 | Die Wahl des geeigneten Therapiepferdes | 37 |
| 4.3 | Der Reittherapeut | 41 |
| 4.4 | Rahmenbedingungen für die Reittherapie | 42 |
| 4.5 | Handlungsfelder im therapeutischen Reiten | 43 |
| 4.5.1 | Abgrenzung vom Heilpädagogischen Voltigieren/Reiten | 45 |
| 4.5.2 | Einsatz des Pferdes im Bereich Psychotherapie | 47 |
| 4.6 | Aspekte der Traumatherapie mit Pferden | 50 |
| 4.7 | Bestehende Projekte in der Praxis | 53 |
| 5. | Konzept für ein therapeutisches Reitangebot für junge Flüchtlinge | 55 |
| 5.1 | Entwicklung einer Konzeptidee | 55 |
| 5.2 | Ziele | 56 |
| 5.3 | Praxisphasen | 58 |
| 5.3.1 | Beobachtung und Kontaktaufnahme | 58 |
| 5.3.2 | Bodenarbeit | 61 |
| 5.3.3 | Körperwahrnehmung | 63 |
| 5.3.4 | Selbstständiges Reiten | 67 |
| 5.4 | Abschluss | 69 |
| 6. | Ausblick | 70 |
| Abbildungsverzeichnis | 72 | |
| Literaturverzeichnis | 73 |
Textprobe:
Kapitel 4.3, Der Reittherapeut:
Vorraussetzung für die qualifizierte Arbeit als ReittherapeutIn ist eine fachgerichtete Ausbildung.
In Deutschland bietet das Deutsche Kuratorium für Therapeutisches Reiten eine Weiterbildung mit dem Ziel Reitpädagoge/Reitpädagogin an.
Vorraussetzung für die Teilnahme ist eine pädagogische oder psychologische Berufsausbildung sowie reiterliche Fähigkeiten auf Trainer C – Niveau.
Wie in Kapitel 4.5.1 noch erläutert wird, ist jedoch die Reittherapie vom Heilpädagogischen Reiten/Voltigieren abzugrenzen und erfordert vom Therapeuten spezielle Kenntnisse, Fähigkeiten und methodische Überlegungen. Daher reicht eine Qualifizierung zum Reitpädagogen nicht aus.
Eine Ausbildung zum/zur Reittherapeuten/Reittherapeutin bietet der Förderkreis Therapeutisches Reiten an, welche sich jedoch weder in den Vorraussetzungen noch inhaltlich von der Ausbildung des DKThR unterscheidet. Daher kann nicht davon ausgegangen werden, dass hier speziell therapeutische Fähigkeiten vermittelt werden.
Es gibt eine stetig wachsende Anzahl von Institutionen in Deutschland, die Ausbildungen im Bereich Reittherapie anbieten, jedoch ist die Ausbildung des DKThR in Fachkreisen, sowie bei Kostenträgern die etablierteste. In Zusammenarbeit mit dem DKThR bietet die Ärztin Michaela Scheidacker eine Zusatzqualifikation im Psychotherapeutischen Reiten an, welche jedoch nicht als eigene Therapieausbildung, sondern als Fortbildung angesehen werden kann.
In der Schweiz gibt es bei der Schweizer Gruppe Therapeutisches Reiten (SG–TR) eine Ausbildung zum Reittherapeuten speziell für medizinische, psychologische und therapeutische Berufsgruppen, deren Kurse auch teilweise grenzenübergreifend in Süddeutschland angeboten werden.
Für die Arbeit mit Traumapatienten ist es unabdingbar, dass der Reittherapeut eine therapeutische oder psychologische Berufsbildung sowie die Fähigkeit besitzt, sich mit den individuellen Störungsbildern der Klienten auf die Arbeit mit dem Pferd einzustellen.
Eine traumaspezifische Aus- oder Weiterbildung ist auf jeden Fall von Bedeutung.
Eine Aufstellung der Ausbildungsinstitute sowie deren Darstellungen im Internet sind in Anlage 2 zu finden.
Rahmenbedingungen für die Reittherapie:
Um optimal therapeutisch arbeiten zu können, sollten die äußeren Bedingungen bestmöglich geschaffen werden.
Idealerweise stehen für die Reittherapie ein Reitplatz und/oder eine Reithalle zur Verfügung, um eine fortlaufende Therapie auch bei schlechten Witterungsverhältnissen zu sichern. Des weiteren bietet ein ansprechendes Gelände in naher Umgebung der Anlage die Möglichkeit, dem Klienten Anreize in der Natur zu ermöglichen und für Abwechslung in der Therapie zu sorgen.
Materielle Vorrausetzungen sind in der Regel ein Voltigiergurt und eine Decke, die dem Klienten als Reitunterlage dient; seltener wird auch ein Sattel benutzt. Darüber hinaus wird sämtliches Zubehör, wie Longe, Longierpeitsche, Halfter, Führstrick und Gerten benötigt, um mit Pferd und Klient am Boden und an der Longe zu arbeiten.
Für verschiedene Übungen wird zusätzliches Material wie Bälle, Tücher, Bodenstangen, etc. verwendet.
Die zeitlichen Rahmenbedingungen können variieren, je nachdem ob es sich um ein Einzel- oder Gruppensetting handelt. In der Regel finden Einzelstunden über einen Zeitraum von 30 – 45 Minuten statt, Gruppenstunden dauern ca. 60 – 90 Minuten.
Handlungsfelder im therapeutischen Reiten:
Das DEUTSCHE KURATORIUM FÜR THERAPEUTISCHES REITEN beschreibt zunächst das Therapeutische Reiten allgemein als die wohltuende und heilende Wirkung, die das Pferd auf den Klienten ausübt.
Es haben sich drei Richtungen ausdifferenziert, die sich im Laufe der Jahre weiter entwickelten.
Die Hippotherapie - als die älteste, bekannteste Behandlungsform mit dem Medium Pferd – wird in krankengymnastischen Maßnahmen eingesetzt. Hier macht sich der Physiotherapeut die Schwingungen des Pferderückens bei verschiedenen orthopädischen Krankheitsbildern zu Nutze.
Im Heilpädagogischen Voltigieren/Reiten (HPV/R) steht der positive Einfluss des Pferdes auf Klienten im Bereich der Pädagogik und Psychologie im Vordergrund. Ziele sind der Aufbau eines positiven Selbstwertgefühls, Abbau von Ängsten und (bei Gruppenaktivitäten) Förderung des Sozialverhaltens. Hauptklientel des HPV/R sind in der Regel behinderte und/oder verhaltensauffällige Kinder.
Zunehmend wird das HPV/R auch in anderen Kontexten eingesetzt, wie Drogenrehabilitation, Psychiatrie und Psychotherapie. Jedoch sollten diese Einsatzbereiche vom ursprünglichen heilpädagogischen Ansatz des Reitens abgegrenzt werden (siehe Kapitel 4.5.1).
Der Behindertensport hat die sportliche Komponente des Reitens im Mittelpunkt. Mithilfe spezieller technischer Hilfsmittel und speziell ausgebildeten Trainern wird es behinderten Reitern ermöglicht, den Reitsport genauso erfolgreich auszuüben wie nicht–behinderte Reiter. Z.B. nutzen blinde Reiter akustische Hilfen auf dem Reitplatz, um sich zu orientieren.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836621076
Arbeit zitieren:
Burbach, Melanie Mai 2006: Der Einsatz von Pferden in der Traumatherapie, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Reittherapie, Trauma, Flüchtling, Pferd, Reiten



