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Zur Einkommens- und Vermögensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland in den neunziger Jahren im Vergleich zu den siebziger Jahren

Zur Einkommens- und Vermögensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland in den neunziger Jahren im Vergleich zu den siebziger Jahren
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Raik-Arnd Sünderhauf
  • Abgabedatum: September 2002
  • Umfang: 122 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,4
  • Institution / Hochschule: Technische Fachhochschule Wildau Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6211-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6211-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6211-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Sünderhauf, Raik-Arnd September 2002: Zur Einkommens- und Vermögensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland in den neunziger Jahren im Vergleich zu den siebziger Jahren, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Einkommen, Vermögen, Armut, Verteilungswirkungen, Finanzpolitik

Diplomarbeit von Raik-Arnd Sünderhauf

Einleitung:

Das Problem der Größenverteilung der Einkommen und Vermögen zwischen den Angehörigen eines Staates, einer Region oder einer Wirtschaftsordnung beschäftigt die Menschen, seit sie wirtschaften. Von Aristoteles stammt die Erkenntnis: „Armut ist die Mutter von Gewalt und Verbrechen.“ Angestrebt wurde und wird eine möglichst gerechte Verteilung der Güter. Was aber eine gerechte Verteilung ist und wie man sie erreichen kann, darüber herrschen von je her unterschiedliche Auffassungen.

In der Bundesrepublik Deutschland wird besonders seit den 80-er Jahren unter Ökonomen, Sozialpolitikern, aber auch in der Öffentlichkeit eine Diskussion geführt, wie das nach dem zweiten Weltkrieg entwickelte Modell der sozialen Marktwirtschaft die Anforderungen der Gegenwart und Zukunft meistern kann. Besorgt werden Veränderungen registriert.

Im Jahr 1997 schrieb der „Spiegel“ unter dem Titel „Die gespaltene Gesellschaft“: „ Die einen sind arbeitslos, die anderen mehren an der Börse und mit Spitzengehältern ihr Vermögen: Arm und Reich driften in Deutschland auseinander, und in der Mittelschicht wächst die Angst vor dem Absturz – mit gefährlichen Folgen. Wie viel Ungleichheit verträgt die Demokratie?“ In der vorliegenden Arbeit wird die Frage untersucht, ob die so beschriebene Wahrnehmung der gesellschaftlichen Entwicklung zutreffend ist, ob es nur Einzelfälle sind, die sich vielleicht empirisch belegen lassen oder ob sich anhand vorhandener Daten mit wissenschaftlichen Methoden Veränderungen der personellen Einkommens- und Vermögensverteilung untersuchen und nachweisen lassen, welchen Einfluss der Staat darauf ausüben kann und welche Ergebnisse die fiskalpolitischen Maßnahmen insbesondere in den neunziger Jahren auf die reale Einkommensverteilung hatten.

Sachlich und ohne Polemik werden die kontroversen Hypothesen über das bereits erreichte Ausmaß an Einkommensdisparität, Vermögenskonzentration und Armut, über die Effizienz von Transferzahlungen sowie deren leistungshemmende oder –fördernde Wirkungen auf ihren wissenschaftlich nachweisbaren Kern zurückgeführt. Manche Erwartungen werden möglicherweise bestätigt, doch es ergeben sich auch einige überraschende Erkenntnisse.

Betrachtungszeitraum für die Mehrzahl der Analysen ist die Periode von 1973 bis 1998, ein hinreichend langer, historisch interessanter Zeitraum, in dem sich nachhaltige wirtschaftliche und politische Veränderungen vollzogen haben.

Inhaltsverzeichnis:

0. Einleitung 4
1. Geschichtlicher Überblick unter volkswirtschaftlichen und politischen Aspekten 5
1.1 Ökonomische und politische Rahmenbedingungen in den siebziger Jahren 5
1.2 Die ökonomische und politische Situation in Deutschland in den neunziger Jahren 7
2. Die Einkommensverteilung und deren Entwicklung in den neunziger Jahren im Vergleich zu den siebziger Jahren 10
2.1 Die Datenbasis und die Aussagekraft bisher vorliegender Untersuchungen 10
2.1.1 Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung 10
2.1.2 Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 11
2.1.3 Das Sozio-Ökonomische Panel 12
2.1.4 Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik 12
2.1.5 Der Mikrozensus 13
2.2 Die funktionelle Einkommensverteilung als Ergebnis der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 14
2.3 Die Größenverteilung der Einkommen 17
2.3.1 Der Gini-Koeffizient als Maßzahl zur Einkommenskonzentration 17
2.3.2 Die Lohn- und Einkommensteuerstatistik 18
2.3.3 Die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 24
2.3.3.1 Die Brutto- und Nettoeinkommen der Haushalte 25
2.3.3.2 Die Äquivalenzeinkommen 29
2.3.3.3 Die Anteile der Einkommensarten 35
2.4 Die relative Einkommensposition sozialer Gruppen 36
2.5 Regionale Einkommensverteilung 44
3. Die Vermögensverteilung im Vergleich 49
3.1 Datenbasis und Vermögensbegriff 49
3.2 Die Konzentration der Vermögen nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 52
3.2.1 Übersicht über die Verbreitung einzelner Vermögensformen 52
3.2.2 Die Verteilung des Immobilienvermögens 53
3.2.3 Die Verteilung des Geldvermögens 58
3.2.4 Regionale Vermögensverteilung 64
3.3 Die Verteilung des Produktivvermögens 66
3.4 Das Humanvermögen 71
4. Volkswirtschaftliche Probleme, die durch die gegebene Situation der Einkommens- und Vermögensverteilung entstehen 74
4.1 Wohlfahrtsverluste durch Ungleichverteilung 74
4.2 Absolute Armut und Sozialhilfe 76
4.3 Relative Einkommensarmut 80
5. Die Verteilungswirkungen staatlicher Finanzpolitik 83
5.1 Staatliche Instrumente der Umverteilung 83
5.2 Ansatzpunkte und quantitative Bedeutung staatlicher Verteilungspolitik nach Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 87
5.3 Verteilungswirkung von staatlichen Aktivitäten 89
5.3.1 Die Hauptwirkungsverläufe von staatlichen Eingriffen 89
5.3.2 Die kurzfristige Inzidenz einer mengenproportionalen speziellen Verbrauchssteuer im Modell eines Konkurrenzmarktes 91
5.3.3 Die Inzidenz der ökologischen Steuerreform in einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung 94
5.3.4 Die Inzidenz einer allgemeinen Verbrauchssteuer und ihrer Erhöhung 97
5.3.5 Verteilungswirkungen von direkten Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen 101
6. Fazit 106
Literatur- und Quellenverzeichnis 108
Abbildungsverzeichnis 115
Tabellenverzeichnis 116

Automatisiert erstellter Textauszug:

5.3.5. Verteilungswirkungen von direkten Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen Durch die progressive Ausgestaltung des Einkommensteuertarifs in Deutschland geht von der Lohn- und Einkommensteuer eine nivellierende Wirkung aus.124 Auch die Besteuerung von ausgeschütteten Gewinnen der Kapitalgesellschaften bei den Empfängern und der Solidaritätszuschlag wirken in diese Richtung. Bisherige Untersuchungen zur Inzidenz der Änderung einer Gewinnsteuer, wie z. B. der Körperschaftsteuer, brachten widersprüchliche Resultate. Aus mehreren modellmäßigen und empirischen Untersuchungen in verschiedenen Ländern ergab sich teilweise die Überwälzung und teilweise die Nichtüberwälzung der Gewinnsteuern. Ermittelt wurden Überwälzungsanteile zwischen 0 und 134 % der Steueränderung. Lediglich die mikroökonomische Analyse der Inzidenz einer Gewinnsteuer auf vollkommenen Märkten brachte im Modell eindeutig das Ergebnis der Nichtüberwälzung.125 Infolgedessen lässt sich wissenschaftlich nicht eindeutig bestimmen, welchen Bevölkerungsschichten die Entlastung durch die mehrmaligen Senkungen des Körperschaftsteuertarifs und des Einkommensteuersatzes für gewerbliche Einkünfte, die in den 90-er Jahren vorgenommen [...]

Für Ostdeutschland wurde die zusätzliche Belastung im Durchschnitt mit 20 DM je Haushalt oder 0,54 % des verfügbaren Einkommens berechnet. Die Mehrbelastung liegt damit also geringfügig höher als in Westdeutschland.123 Die Berechnungen des DIW bestätigen die regressive Wirkung der Umsatzsteuer auf die Verteilung der Einkommen im mittleren und oberen Bereich und zeigen, dass dieser Effekt durch die Steuererhöhung im Jahre 1998 noch leicht verschärft wurde. Mit der Erhöhung der Umsatzsteuer und der ökologischen Steuerreform wurde der Trend zur Verlagerung der Steuerbelastung auf die indirekten Steuern in Deutschland fortgesetzt. Durch die beschriebene überwiegend regressive Wirkung der Verbrauchssteuern auf die Kaufkraft von Haushalten mit unterschiedlicher Einkommenshöhe wurde die bestehende Ungleichverteilung der Einkommen weiter verstärkt. [...]

Einkommensbereichen einen monoton fallenden Verlauf.122 So ergibt sich mit Ausnahme der unteren Einkommensgruppen ein regressiver Effekt der Umsatzsteuer auf die Einkommensverteilung. Die Tabelle 26 zeigt die monatlichen Belastungen der privaten Haushalte durch die Umsatzsteuer auf der Basis von Daten des Jahres 1997 mit einem Regelsteuersatz von 15 % und den erwarteten Mehrbelastungen durch die Erhöhung auf 16 %. Im Durchschnitt ergab sich nach den Berechnungen des DIW für alle privaten Haushalte im früheren Bundesgebiet eine monatliche Belastung von rund 390 DM, das waren 8,1 % des verfügbaren Einkommens. Nach der Höhe des verfügbaren Einkommens reichte die Mehrwertsteuerbelastung von etwa 112 DM bei unteren Einkommen bis zu rund 805 DM in der höchsten Einkommensgruppe. Der mit zunehmendem Einkommen sinkende Anteil der Steuerbelastung von 9,5 % auf gut 6 % verdeutlicht die regressive Wirkung. Betrachtet man die Steuerbelastung aus der Umsatzsteuer im Verhältnis zum privaten Verbrauch, so fällt auf, dass dieser Anteil über alle Einkommensgruppen nahezu konstant ist. Das zeigt, dass die insgesamt regressive Wirkung der Mehrwertsteuer im wesentlichen auf die mit steigendem Einkommen wachsende Sparfähigkeit und -tätigkeit der Haushalte zurückzuführen ist. Für Ostdeutschland errechneten die Autoren mit knapp 9 % eine im Durchschnitt um 0,85 Prozentpunkte höhere Belastung der verfügbaren Einkommen. Sie führten dies auf eine abweichende Verwendungsstruktur der verfügbaren Einkommen zurück, insbesondere auf die im Vergleich zu Westdeutschland niedrigeren Wohnungsmieten, die einen verhältnismäßig geringeren Anteil am ostdeutschen verfügbaren Einkommen ausmachten. Die Spanne der Steuerbelastung in den neuen Bundesländern reichte von knapp 156 DM bis 718 DM, d. h. von knapp 10 % bis 5,2 % des monatlichen verfügbaren Einkommens. Während die Spanne über alle Einkommensgruppen in Westdeutschland 3,5 Prozentpunkte ausmachte, waren es in Ostdeutschland rund 4 ,9 Prozentpunkte. Daraus wird ersichtlich, dass die regressive Wirkung der Umsatzsteuer in den neuen Bundesländern noch stärker war als in den alten. [...]

Arbeit zitieren:
Sünderhauf, Raik-Arnd September 2002: Zur Einkommens- und Vermögensverteilung in der Bundesrepublik Deutschland in den neunziger Jahren im Vergleich zu den siebziger Jahren, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Einkommen, Vermögen, Armut, Verteilungswirkungen, Finanzpolitik

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