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Einführung und Etablierung von Klassenrat im Rahmen des Gewaltpräventionskonzepts der Grundschule 'An der Feldbuschwende' Hannover

Einführung und Etablierung von Klassenrat im Rahmen des Gewaltpräventionskonzepts der Grundschule 'An der Feldbuschwende' Hannover
Über dieses Buch
  • Art: Abschlussarbeit
  • Autor: Insa Reichwehr
  • Abgabedatum: Oktober 2008
  • Umfang: 57 Seiten
  • Dateigröße: 13,9 MB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Landesschulbehörde Deutschland
  • Bibliografie: ca. 10
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2441-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Reichwehr, Insa Oktober 2008: Einführung und Etablierung von Klassenrat im Rahmen des Gewaltpräventionskonzepts der Grundschule 'An der Feldbuschwende' Hannover, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Klassenrat, Grundschule, Gewaltprävention, Beratungskonzept, Demokratie-Erziehung

Abschlussarbeit von Insa Reichwehr

Einleitung:

Im Zuge der Vorbereitungen auf die Weltausstellung Expo 2000 mit dem Motto „Mensch - Natur - Technik“ wurden das in der Nähe des Messe-Gelände liegende Expo-Gelände und das Naherholungsgebiet Kronsberg nach erwähntem Motto geplant und schrittweise erbaut. Kommunalpolitisch betrachtet gehört der heute zu weiten Teilen bebaute Kronsberg zum Stadtteil Bemerode.

Für die dort vorgesehenen Schulen (Grund- und Integrierte Gesamtschule) bestanden Planungsgruppen. Mit Beginn der konkreten baulichen Planung 1996 begann für die „Grundschule Kronsberg Nord“ - so der damalige, vorläufige Arbeitstitel - die pädagogische Planung.

Die Grundschule startete im Schuljahr ´98/´99 mit fünf Kindern der zweiten und dritten Klasse und zwei Lehrerinnen aus der Planungsgruppe im Schulzentrum Bemerode. Im April ´99 erfolgte der Umzug in das fertig gestellte GS-Gebäude mit ca. 80 Kindern. Im Schuljahr ´00/´01 eröffnete der Schulkindergarten, gleichzeitig stieg die Schülerzahl enorm an (auf ca. 360 Kinder), so dass die Schule seitdem in zwei Jahrgängen fünf- und in zwei Jahrgängen vierzügig ist. Da die GS An der Feldbuschwende nach wie vor in einem kinderfreundlichen und -reichen Zuzugsgebiet liegt, besuchen heute etwa 450 Kinder aus ca. 25 Nationen die Grundschule An der Feldbuschwende.

Durch die skizzierte Situation ergeben sich für die Grundschule An der Feldbuschwende vielfältige Beratungsanlässe:

Durch „die städtebauliche Entwicklung am Kronsberg für nun rund 6500 Bewohnerinnen und Bewohner“ ist die Bevölkerung des Stadtteils Bemerode insgesamt von rund 10.000 (1995) auf rund 15.500 (Ende 2000) angestiegen. Abgesehen von einer regulären Fluktuation wie in jedem hannoverschen Stadtteil gilt der Zuzug von etwa 5500 Menschen als besonders; denn kaum jemand besagter Personen war hier heimisch oder hatte seine Wurzeln in diesem Stadtteil.

Während in Bemerode soziale und kulturelle Infrastrukturen über Generationen und Jahrzehnte entstehen konnten, musste dieses auf dem Kronsberg erst entwickelt werden. Deren Ziel war „sowohl baulich-räumlich als auch inhaltlich und organisatorisch ein integratives Konzept der sozialen und kulturellen Infrastruktur zu entwickeln und umzusetzen Entstanden ist ein System mit den Themenschwerpunkten Soziale Stadtteilarbeit, Stadtteilkulturarbeit, Ökologische Stadtteilarbeit, Kinder- und Jungendarbeit, Familienarbeit und -bildung, Seniorenarbeit und Stadtteilbibliothek.“. Zwar erwähnt der Sozialbericht, dass es noch einige Jahre erforderlich sein werde, „die Entwicklung am Kronsberg weiter intensiv zu beobachten und zu begleiten“; dennoch bestehen einige der erwähnten Einrichtungen z. T. schon seit Jahren nicht mehr (Beispiele: Kronsberg Umwelt Kommunikationsagentur = kuka, Hermannsdörfer Landwerkstätten, Kronsberg Umwelt Bildungsinitiative = kubi).

Von den etwa 6500 Menschen, die 2002 auf dem Kronsberg lebten, waren rund 27 % Kinder und Jugendliche, was weit über dem städtischen Durchschnitt (15 %) lag.

Der Anteil nichtdeutscher Bewohnerinnen und Bewohner betrug zum selben Zeitpunkt rund 18 % (leicht überdurchschnittlich im Vergleich zum städtischen Durchschnitt: 15 %), der Anteil der Aussiedlerinnen und Aussiedler lag bei rund 12 % (hoch im Vergleich zum städtischen Durchschnitt: 4 %).

Hilfe zum Lebensunterhalt erhielten im Stadtteil Bemerode rund 8 % der Menschen (leicht überdurchschnittlich im Vergleich zum städtischen Durchschnitt: 7 %). Allerdings waren hiervon nichtdeutsche Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit rund 40 % überdurchschnittlich oft betroffen (im Vergleich zum städtischen Durchschnitt von 31 %).

Die aktuelle Anzahl der Kinder im Schuljahr ´07/´08 beträgt 454. Davon haben 16 % keine deutsche Staatsbürgerschaft und 19 % eine doppelte Staatsbürgerschaft (Spätaussiedler/innen).

Durch die erwähnten Bedingungen gestaltet sich das Schulleben sehr lebendig, was nicht immer konfliktfrei und harmonisch verläuft. So setzen sich die Lehrkräfte in Elterngesprächen immer wieder damit auseinander, dass es die unterschiedlichsten, sozial oder kulturell-ethnisch bedingten Auffassungen darüber gibt, auf welche Weise Kinder in einer Gemeinschaft wie der Schule miteinander leben, lernen und arbeiten und welche Aufgaben die Kinder im Verlaufe von vier Schuljahren zunehmend in eigener Verantwortung übernehmen können, sollen und müssen. An dieser Stelle gibt es im Kollegium einen nicht unerheblichen, immer wieder nachgefragten Beratungs- und Unterstützungsbedarf, zumal der Erlass Die Arbeit in der Grundschule festlegt: „In der Grundschule wird eine altersangemessene Form des Zusammenlebens und Arbeitens entwickelt. Diese erfordert entsprechende Regeln, die mit der Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen sowie der Achtung der religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen Anderer einhergeht. Die Schule sorgt für ein positives Klima, [und] nimmt auf den unterschiedlichen Stand sozialer Fähigkeiten Rücksicht.“ Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet erscheint es als sehr sinnvoll einen Beratungsschwerpunkt auf Einführung und Etablierung des Klassenrats, eingebunden in das Gewaltpräventions- und folglich auch in das Beratungskonzept der GS An der Feldbuschwende zu legen. Anbahnen, Einführung und Etablierung des Klassenrats eröffnen ab Schuleintritt und im Verlaufe von vier Grundschuljahren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit „sich anderen Schülerinnen und Schülern gegenüber situationsangemessen, hilfsbereit und rücksichtsvoll zu verhalten, eigene Wünsche zurückzustellen, sich an Ordnungsformen zu halten, Regeln der Zusammenarbeit [und des Zusammenlebens] zu beachten, aber auch sich selbst zu behaupten und eigene Standpunkte zu vertreten.“

Inhaltsverzeichnis:

1. Situation der Schule und meine dortige Tätigkeit als Beratungslehrerin 2
2. Theoretische Überlegungen zum Klassenrat 4
2.1 Strukturierung des Klassenrats in der Schule 5
2.2 Rolle der Lehrerin / des Lehrers während des Klassenrats 6
2.3 Rolle der Beratungslehrerin bei Einführung und Etablierung des Klassenrats 7
3. Konzeption des Klassenrats in der GS An der Feldbuschwende 7
3.1 Strukturierung des Klassenrats in einer vierten Klasse 8
3.2 Rolle der Lehrerin während des Klassenrats 9
3.3 Meine Rolle bei Einführung und Etablierung des Klassenrats 10
4. Darstellung exemplarischer Klassenratstunden 12
4.1 Erste Stunde 13
4.2 Zweite Stunde 15
4.3 Fünfte Stunde 16
5. Abschlussgespräch mit der Klassenlehrerin 17
6. Schlussreflexion und Ausblick 18
7. Literaturverzeichnis 20

Textprobe:

Kapitel 4.1, Erste Stunde: Die erste Klassenratstunde beinhaltete nicht nur die Vorstellung meiner Person als Beratungslehrerin, sondern vor allen Dingen das Vorstellen der Methode Klassenrat. Die Stunde hatte ich unterteilt in drei Phasen: 1. Wiederholung bekannter und Erarbeitung neuer Gesprächsregeln, 2. Vorstellen des ritualisierten Klassenratverlaufs freitags in der dritten Stunde, zugehöriger Schilder für Klassenrat-Manager/innen und Kärtchen für den Klassenratrückblick und 3. Wochensammlung mittels Klassenratprotokollblättern im Klassenratordner. Spontan nach zügig verlaufenen Phasen erfragten die Kinder einen sofortigen Probelauf der Klassenratsitzung; sie hätten ein Anliegen und wollten Protokollblätter und orangefarbene Rückblickkarten „ausprobieren“. Somit entstand in dieser Stunde noch eine Phase: 4. Probelauf des Klassenrats.

Wiederholung bekannter und Erarbeitung neuer Gesprächsregeln: Die Wiederholung und das Aufschreiben von Gesprächsregeln auf einem Plakat verliefen problemlos und schnell. Selbst eine sinnvolle Reihenfolge um sich alle Regeln gut merken zu können fiel den Kindern (zu meiner Überraschung) nicht schwer. Die Aufnahme der Regeln „Ich rede von mir, nicht über andere (d. h. Beleidigungen sind verboten)“ und „Wir besprechen nur die Themen des Protokolls“ wurden durch mich initiiert. Auf die letzte Gesprächsregel „Was im Klassenrat besprochen wird, bleibt in unserer Klasse - anderen erzähle ich nichts davon.“ kamen die Kinder nach gemeinsamen Überlegungen von selber, so dass wir uns am Ende auf sechs Gesprächsregeln geeinigt hatten, die von mir per Pc „schön aufgeschrieben“, als Din-A-3-Plakat zusammengeklebt, laminiert und im Klassenraum ausgehängt wurden.

Vorstellen des ritualisierten Klassenratverlaufs freitags in der dritten Stunde, zugehöriger Schilder für Klassenrat-Manager/innen und Kärtchen für den Klassenratrückblick: Für diese Phase hatte ich eine Tageslichtprojektor-Folie vom Klassenratverlauf, laminierte Managerinnen- und Manager-Schilder und ebensolche Rückblickkärtchen vorbereitet, die ich den Kindern vorstellte; auch hier hatte ich die Kinder wohl unterschätzt, es schien für sie alles klar zu sein, Rückfragen kamen kaum, sie konnten den Verlauf wiederholen und zusammenfassen.

Wochensammlung mittels Klassenratprotokollblättern im Klassenratordner: Auch die Protokollblätter wurden per Folien am Tageslichtprojektor vorgestellt, auch dieses war offenbar für die Kinder gut zu erfassen. Die ausgesprochen klugen Köpfe der Klasse merkten sogar die Korrespondenz der vorgestellten Folien vom Klassenratverlauf und den Protokollblättern an.

Probelauf des Klassenrats: Anhand des Klassenratprotokolls lässt sich feststellen, dass mindestens Klassensprecherin und Klassensprecher und die für diesen Freitag ernannten Manager/innen den Verlauf der Klassenratsitzung schon verinnerlicht hatten.

„1. k Klassenrat... am ...“ wurde den Tatsachen entsprechend ausgefüllt.

Unter „2. p Organisation des heutigen Klassenrats, Klassensprecherin / Klassensprecher berichten aus dem Schülerparlament“ sind keine Einträge vorhanden - den Kindern samt Klassensprechern waren zum Schülerparlament drei Tage zuvor die Protokollblätter noch unbekannt. Bei „2. p Organisation des heutigen Klassenrats, Managerinnen und Manager des heutigen Klassenrats“ finden sich alle vorgesehenen Einträge.

Ebenso konnte „3. 1e 2e Nachfragen zum letzten Kassenrat,  Was ist aus den Ergebnissen vom letzten Klassenrat geworden?“ nicht bearbeitet und ausgefüllt werden.

Bei „4. 1e 2e Was wird heute besprochen?“ war den Kindern spontan ein Anliegen eingefallen: viele Kinder wünschten sich, dass mehr Arbeitsruhe herrsche während der Stillarbeitsphasen. Das „4. 1e 2e Was wird heute besprochen? Anliegen 1“ blieb unausgefüllt - was aus Sicht der Kinder als logisch gelten musste; denn auf den orangefarbenen Flächen - so hatten wir besprochen - soll die Wochensammlung stattfinden, die es ja zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht geben konnte. Im Verlauf des Gesprächs wurde deutlich, dass die Mehrheit der Kinder sich wünschte, die Klassenlehrerin S. möge bei sich nicht an die Arbeitsruheregeln haltenden Kindern früher handeln. Nach lebhafter Aussprache und intensiver Diskussion der Kinder und S. lautete der Beschluss wie festgehalten: „Bei einem Strich eine Strafe!“, d. h.: schon nach einem Strich hinter dem Namen an der Tafel wird es eine Benachrichtigung in Briefform an die Eltern geben. Erwähnenswert ist auch der Punkt „5. 1e 2e Rückblick auf den heutigen Klassenrat“: Die Kinder waren beherzt, neugierig und hoch motiviert bei der Einführung des Klassenrats gewesen es gab auf die drei Rückblickfragen keine Flunsche und nur vier Neutrale. Dieses war in den späteren Klassenratverläufen, an denen ich teilnahm, so (deutlich) nicht mehr zu beobachten. Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass die Kinder immer vertrauter mit dem Klassenrat und evtl. auch immer kritischer wurden.

Arbeit zitieren:
Reichwehr, Insa Oktober 2008: Einführung und Etablierung von Klassenrat im Rahmen des Gewaltpräventionskonzepts der Grundschule 'An der Feldbuschwende' Hannover, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Klassenrat, Grundschule, Gewaltprävention, Beratungskonzept, Demokratie-Erziehung

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