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Einfluss des qualitativen Ratings auf Informationsasymmetrien bei Fremdkapitalfinanzierungen

Einfluss des qualitativen Ratings auf Informationsasymmetrien bei Fremdkapitalfinanzierungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Raphael Hampicke
  • Abgabedatum: April 2004
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 704,4 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8511-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8511-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8511-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hampicke, Raphael April 2004: Einfluss des qualitativen Ratings auf Informationsasymmetrien bei Fremdkapitalfinanzierungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Basel II, Firmenkundenbetreuung, Kreditgeschäft, Kreditkosten, Kreditausfall

Diplomarbeit von Raphael Hampicke

Einleitung:

Der Mittelstand spielt im Kreditgeschäft der deutschen Banken eine tragende Rolle. Insbesondere die Sparkassen sind als größter Mittelstandsfinanzierer in Deutschland abhängig von der wirtschaftlichen Verfassung der Unternehmen. Die aktuelle wirtschaftliche Lage lässt sich leicht aus den zunehmenden Insolvenzquoten Ende der 90er Jahre sowie in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts ableiten. Das statistische Bundesamt hat für 2003 39.320 Unternehmensinsolvenzen erfasst. Die Insolvenzen bei Selbstständigen stiegen gegenüber 2002 um zehn Prozent. Der Kreditversicherer Euler Hermes prognostiziert für 2004 nochmals eine Steigerung der Unternehmensinsolvenzen auf 43.000.

Diese bedenkliche Entwicklung wird sehr oft mit der prekären Eigenkapitalsituation des deutschen Mittelstandes und der damit verbundenen eingeschränkten Risikotragfähigkeit erklärt. Nach Untersuchungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes weist ein Drittel der mittelständischen Unternehmen gar kein Eigenkapital in ihrer Bilanz aus. Im Durchschnitt liegt die Eigenkapitalquote im Mittelstand bei weniger als sechs Prozent. Der hohe Fremdkapitalanteil des deutschen Mittelstandes deutet auf die traditionsreiche langfristige Kreditfinanzierung hin. Das Ergebnis kann anhand der schrumpfenden Zinsmargen deutscher Kreditinstitute aufgrund des starken Wettbewerbes verdeutlicht werden.

Im Zuge der Einführung der Regelungen des Baseler Ausschusses für internationale Bankenaufsicht (Basel II) wird dieses strukturelle Problem der deutschen Wirtschaft explizit aufgedeckt. Für die Mittelständler ergibt sich mit Basel II insoweit eine Herausforderung, dass die Konditionen und somit der Preis ihres Fremdkapitals vom Rating abhängen wird. Eine Zunahme des Informationsflusses zwischen Fremdkapitalgeber und dem zu finanzierenden Unternehmen durch die internen Ratingverfahren der Kreditinstitute ist anzunehmen.

Neben der quantitativen Analyse des Unternehmens, welche sich mit den Bilanzen sowie den Gewinn- und Verlustrechnungen des Unternehmens beschäftigt, wird beim Rating auch ein qualitativer Teil analysiert. Besonders bei mittelständischen Unternehmen spielen die vier Bereiche des qualitativen Ratings: Planung und Steuerung, Unternehmensführung, Markt und Produkt sowie die Wertschöpfungskette eine große Rolle. Es ist auffällig, dass diese Aspekte maßgeblich vom Informationsverhalten des Unternehmers abhängig sind und eine kompetente Herangehensweise des Firmenkundenbetreuers erfordern.

Für die Kreditinstitute ergibt sich aus der unterschiedlichen Informationsverteilung (Informationsasymmetrie) zwischen Kunde und Betreuer ein Risiko hinsichtlich der genauen Bewertung des Kreditnehmers. Das qualitative Rating ist sehr stark von Informationsasymmetrien geprägt. Die Kreditinstitute stehen vor der Problematik, ein effektives qualitatives Rating einzuführen, um eine möglichst genaue Einschätzung des Kreditnehmers zu erhalten. Es stellt sich die Frage, wie durch das qualitative Rating die Informationsasymmetrien optimal reduziert werden können.

Die Analyse des Einflusses des qualitativen Ratings auf die angesprochenen Informationsasymmetrien basiert auf den Erkenntnissen der Prinzipal-Agent-Theorie. Demzufolge wird im zweiten Kapitel der Arbeit durch die Darstellung und Bewertung der Prinzipal-Agent-Theorie das wirtschaftstheoretische Fundament gelegt. Um den genauen ökonomischen Hintergrund zu erfassen und auf den Rating- und Finanzierungsprozess übertragen zu können, werden grundsätzliche Erkenntnisse der Neuen Institutionenökonomik, zu der auch die Prinzipal-Agent-Theorie gehört, aufgegriffen und ausgewertet. Ziel ist es dabei den Werdegang dieser mikroökonomischen Betrachtungsweise aufzuzeigen und die Relevanz für die vorliegende Untersuchung zu präzisieren.

Im dritten Kapitel der Arbeit werden die praktischen Rahmenbedingungen für die Untersuchung in Kapitel 4 diskutiert. Nach einer Darstellung der Aufsichtsrechtlichen Änderungen im Zusammenhang mit dem Kreditgeschäft wird genauer auf das interne Rating der Kreditinstitute eingegangen. Dabei werden vordergründig die Merkmale des qualitativen Ratings sowie seine Entwicklung analysiert.

Das Kapitel 4 stellt die eigentliche Untersuchung dieser Arbeit dar. Das Ziel besteht darin, die Auswirkungen des qualitativen Ratings auf die Informationsasymmetrien beim Bewertungs- und Finanzierungsprozess aufzuzeigen. Dazu werden die Erkenntnisse der Prinzipal-Agent-Theorie aus dem 2. Kapitel auf das qualitative Rating angewendet. Im Ergebnis werden die Konsequenzen für das praktische Firmenkundenkreditgeschäft herausgestellt. Diese äußern sich in einer Kosten-Nutzen-Analyse zum Umfang des qualitativen Ratings sowie der Bedeutung des Firmenkundenbetreuers im Bewertungsprozess. Außerdem wird der Einfluss der Ratingkommunikation im Zusammenhang mit dem qualitativen Rating dargelegt.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungs- und Variablenverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung 2
2. Die Neue Institutionenökonomik 4
2.1 Grundlagen der Neuen Institutionenökonomik 4
2.1.1 Historische und konzeptionelle Einordnung der Neuen Institutionenökonomik 4
2.1.2 Neue Institutionenökonomik und Neoklassizismus 9
2.2 Prinzipal-Agent-Theorie 11
2.2.1 Informationsasymmetrien und Prinzipal-Agent-Theorie 12
2.2.2 Agency-Kosten und Lösungsmöglichkeiten der Agency-Probleme 15
3. Basel II und Rating 19
3.1 Die Darstellung von Basel II 19
3.1.1 Säule 1: Die quantitativen Eigenkapitalanforderungen 20
3.1.2 Säule 2 und 3: Qualitative Aufsicht und Marktdisziplin 23
3.2 Das interne Rating nach Basel II 25
3.2.1 Internes vs. Externes Rating 26
3.2.2 Entwicklung und Bedeutung des qualitativen Ratings 29
4. Anwendung der Prinzipal-Agent-Theorie auf die Agency-Beziehungen beim qualitativen Rating 33
4.1 Darstellung und Analyse der Agency-Beziehungen beim Rating- und Finanzierungsprozess 34
4.2 Agency-Kosten bei Fremdkapitalfinanzierungen 36
4.2.1 Erfassung und Analyse der Agency-Kosten 36
4.2.2 Geeignete Maßnahmen zur Senkung der Agency-Kosten 38
4.3 Auswirkungen des qualitativen Ratings auf die Informationsasymmetrien 40
4.3.1 Das optimale qualitative Rating 40
4.3.1.1 Das Modell des optimalen qualitativen Ratings 41
4.3.1.2 Informationsgehalt von Kundengesprächen im Rahmen des qualitativen Ratings 45
4.3.2 Das qualitative Rating als Maßnahme zur Senkung der Agency-Kosten 47
4.3.2.1 Analyse der einstufigen Agency-Beziehung zwischen Kreditinstitut und Firmenkunde 47
4.3.2.2 Besonderheiten der zweistufigen Agency-Beziehung zwischen Geschäftsführung, Firmenkundenbetreuer und Firmenkunde 51
4.3.3 Kommunikation des Ratings 53
5. Fazit 55
Literaturverzeichnis 57
Internetverzeichnis 67
Anhang 70
Anhang A: Tabellen und Abbildungen 71
Anhang B: Das Rating der Sparkassen-Finanzgruppe 82
Ehrenwörtliche Erklärung 87

Automatisiert erstellter Textauszug:

33 hingegen die Nachfolgeregelungen die Zukunft des Unternehmens betreffen.145 Demzufolge kann der quantitative Teil des Ratings nur die Grundlage einer Kreditentscheidung sein. Der Stellenwert von qualitativen Faktoren muss aufgrund der Zukunftsorientierung mit stärkerem Gewicht in das Gesamtrating eingehen. Der zurückliegende Abschnitt hat den hohen Stellenwert des qualitativen Ratings im Firmenkundenkreditgeschäft verdeutlicht. Es ist klar geworden, dass Aussagefähigkeit des qualitativen Ratings im hohen Maß von der Trennschärfe abhängig ist. Des Weiteren konnte die Diskrepanz zwischen Standardisierung und individueller Bonitätsbeurteilung hervorgehoben werden. Aufbauend auf den Erläuterungen zum qualitativen Rating wird im folgenden Kapitel die Analyse aus Sicht der PA -Theorie durchgeführt. 4. Anwendung der Prinzipal-Agent-Theorie auf die Agency-Beziehungen beim qualitativen Rating Das Ziel dieses Kapitels besteht darin, Aussagen über die Auswirkungen des qualitativen Ratings auf die Informationsasymmetrien beim Bewertungs- und Finanzierungsprozess zu machen. Dazu wird die im Kapitel 2 vorgestellte PA-Theorie auf das qualitative Rating angewendet. Im ersten Unterkapitel werden die am Kreditentscheidungsprozess beteiligten Institutionen im Rahmen der PA-Theorie charakterisiert. In der Folge ergibt sich ein Spannungsfeld, in dem das qualitative Rating durchgeführt wird. Das zweite Unterkapitel stellt die Agency- [...]

32 Es gilt der Formel zur Berechnung der Power zufolge, je größer die Power eines Ratings bzw. Faktors, desto höher ist auch die Trennschärfe des Ratings bzw. Faktors. Nachdem die Auswahl der trennscharfen Faktoren vorliegt, werden diese bei der Scoretransformation hinsichtlich ihrer Skalierung normiert. In der Folge werden die Faktoren vergleichbar. An dieser Stelle werden quantitative und qualitative Faktoren zusammengeführt, da eine Quantifizierung der qualitativen Faktoren vorgenommen wurde. Für jeden Faktor ergibt sich ein Score, der direkt an die Ausfallwahrscheinlichkeit gekoppelt ist. Mit Hilfe des Scores wird anschließend die Mehrfaktoranalyse durchgeführt, deren Ziel die optimale Kombination der vorliegenden trennscharfen Faktoren zu einem Modell mit höchster Trennschärfe ist. Da die Anzahl der einfließenden Faktoren für die Trennschärfe des Gesamtmodells nicht maßgeblich ist, wird der Faktorenbestand um stark korrelierende Faktoren bereinigt.140 Die Faktoren des bereinigten Faktorbestandes werden anschließend miteinander kombiniert.141 Das Ergebnis der Mehrfaktoranalyse ist ein auf Scores basierendes Rating mit unterschiedlich gewichteten Faktoren.142 Im letzten Schritt werden die Scorewerte auf Ausfallwahrscheinlichkeiten kalibriert.143 Dazu werden Informationen zur durchschnittlichen Ausfallwahrscheinlichkeit, zur Häufigkeitsverteilung der Ausfallwahrscheinlichkeiten innerhalb eines Portfolios sowie zur minimalen und maximalen Ausfallwahrscheinlichkeit benötigt. Nachdem die Kalibrierung erfolgt ist, können die Ratingklassen verteilt werden, wobei die aufsichtsrechtlichen Anforderungen von mindestens sieben Ratingklassen für nicht ausgefallene Schuldner und einer Klasse für ausgefallene Schuldner beachtet werden müssen. Darüber hinaus ist ein regelmäßiger Abgleich der prognostizierten Ausfallwahrscheinlichkeiten mit den tatsächlichen Ausfallwahrscheinlichkeiten (Validierung) vorzunehmen. 144 Anhand des Entwicklungsprozesses des qualitativen Ratings wird der Drang zur Standardisierung deutlich. Für die leicht ermittelbaren quantitativen Faktoren ist dieser Standardisierungsprozess aufgrund der hohen Trennschärfe brauchbar. Qualitative Faktoren hingegen können mit derartigen Verfahren um ihre Subjektivität nicht bereinigt werden. Aus statistischer Sicht ist die Trennschärfe bspw. der Nachfolgereglungen zwar marginal im Gegensatz zum Umsatzwachstum, jedoch ergibt sich das Umsatzwachstum aus Zahlen der Vergangenheit, wo- [...]

Abbildung 7: Ginikurven des Ratings Quelle: Tiskens, Ch. (2003), S. 32 (s. Internetverzeichnis). In der Realität lässt sich diese Korrelation zwischen einem Faktor oder gar einem Rating mit der Ausfallwahrscheinlichkeit natürlich nicht beobachten. Folglich ergibt sich in der Praxis die Ginikurve f2. Die lineare Funktion f1 unterhalb der Kurve des realen Faktors stellt eine zufällige Ginikurve dar, deren Faktor oder Rating mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% ein solventes oder ein insolventes Unternehmen anordnet. Aus dieser Konstellation kann der Ginikoeffizient (Power) als Maß für die Trennschärfe eines Faktors oder eines Ratings abgeleitet werden.139 In der folgenden Formel werden die jeweiligen Integrale der Funktionen in Abbildung 7 ins Verhältnis gesetzt, um den Ginikoeffizient (Power) zu ermitteln. [...]

Arbeit zitieren:
Hampicke, Raphael April 2004: Einfluss des qualitativen Ratings auf Informationsasymmetrien bei Fremdkapitalfinanzierungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Basel II, Firmenkundenbetreuung, Kreditgeschäft, Kreditkosten, Kreditausfall

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