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Einfluss politischer Strömungen und Tendenzen auf den Schulsport

Einfluss politischer Strömungen und Tendenzen auf den Schulsport
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andreas Tervooren
  • Abgabedatum: Juli 2008
  • Umfang: 84 Seiten
  • Dateigröße: 523,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 65
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-3692-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Tervooren, Andreas Juli 2008: Einfluss politischer Strömungen und Tendenzen auf den Schulsport, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schulsport, Rahmenlehrplan, Lehrplan, politischer Einfluss, Sport

Diplomarbeit von Andreas Tervooren

Einleitung:

In meiner Arbeit werde ich die Bedeutung und Entwicklung des Schulsports nach dem 2. Weltkrieg von 1945 bis 2002 untersuchen und diese Entwicklungen mit der Bildungspolitik der regierenden Parteien vergleichen.

Da die Parteien teilweise sehr unterschiedliche Auffassungen über die Ziele und Inhalte der Bildungspolitik haben, stellt sich die Frage, ob und wieweit sich dies in den Unterrichtsinhalten widerspiegelt.

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Frage zu klären, ob der Schulsport einer politischen Beeinflussung unterliegt, oder ob er sich politisch neutral entwickelt hat.

Wichtigste Literaturunterlagen werden die Richtlinien für den Schulsport aus den Jahren 1949, 1960, 1968, 1981 und 1999 sein .

Gibt es in diesen Richtlinien Ansätze, die auf politische Veränderungen reagieren und sind an Formulierungen und Zielen der Rahmenpläne politische Tendenzen zu erkennen? Oder ist es so, wie Pabst über die Einstellung von Sportlern schreibt, dass politisches Denken, politisch motiviertes Handeln im Sport geradezu als Sakrileg galten? Wodurch der Sport der ideologischen und politischen Realität entrückt und über sie gestellt wurde.

Die politischen Zusammenhänge von Sport und Politik wurden schon in zahlreichen Werken beschrieben, es handelt sich dabei aber fast ausschließlich um Literatur, die den Leistungssport beschreibt.

Der Schulsport, der bei den meisten Schülern der erste Kontakt mit regelmäßigem, geplanten Sporttreiben ist, wird in der Literatur fast nur im Zusammenhang seines Missbrauchs zur Zeit der NS-Herrschaft beschrieben.

Die Lage, in der sich der Schulsport nach dem 2. Weltkrieg befand, soll ein kurzer Rückblick auf die Zeit von 1933 bis 1945 verdeutlichen.

In dieser Zeit, als der Schulsport unter der Regierung der Nationalsozialisten seiner Funktion völlig enthoben wurde und einzig und allein als Mittel zur Kriegsvorbereitung dienen sollte, erlebte er seinen absoluten Tiefpunkt.

Ziele und Inhalte des Schulsports wurden von vorgegebenen politischen Plänen und Interessen bestimmt.

Nach Pfeifer war die körperliche Erziehung an den Schulen einerseits weiterhin Unterrichtsfach, andererseits ging ihre Bedeutung weit über die eines Schulfachs hinaus. Pantzau beschreibt die körperliche Erziehung als Grundlage der nationalsozialistischen Erziehung überhaupt und damit zum Grundpfeiler der rassistischen, militaristischen Erziehung der Nationalsozialisten.

Der Schulsport sollte nach Pfeifer selektierend und charakterbildend sein , ohne jedoch eine eigene Meinungsbildung zuzulassen.

In Folge dieses ideologischen Missbrauchs strebte der Schulsport nach dem Ende des Krieges einen völligen Neubeginn an. Ziel war es, die Legitimation als anerkanntes Schulfach zurückzugewinnen und es nicht noch einmal zu einem Missbrauch des Sports durch die Politik kommen lassen. Nach Krüger soll der Sport zu seinen ursprünglichen Idealen zurückkehren, weil nur in einem ‘freien’, d.h. auch zweckfreien, spielerischen, offenen und wandelbaren Sport auch dem Einzelnen freies Bewegen und freies sportliches Handeln möglich ist.

Lehrinhalte und Ziele werden zum ersten Male 1949 verbindlich in ‘Richtlinien und Stoffplan für die Leibeserziehung der Mädchen’ und ‘Richtlinien und Stoffplan für die Leibeserziehung an Knabenschulen’ formuliert.

Diesen Richtlinien von 1949 folgen in den Jahren 1960, 1968-1973, 1981 und 1999 erweiterte und überarbeitete Auflagen, da neue trainingswissenschaftliche, medizinische und pädagogische Erkenntnisse gewonnen wurden.

Zahlreiche Veröffentlichungen, die sich mit einem Vergleich der Richtlinien beschäftigen, betrachten die Entwicklung unter motorischen, pädagogischen und didaktischen Gesichtspunkten.

Ob Zusammenhänge zwischen Schulsport und politischen Strukturen gestehen, wurde bisher nicht untersucht.

Da nach Art 7 des Grundgesetzes der Staat die Aufsicht über das Schulwesen hat, stehen der Politik damit theoretisch Mittel und Wege zur Verfügung, den Schulsport in der Vermittlung seiner Bildungsziele dahingehend zu beeinflussen, dass politische Meinungen gefestigt oder verworfen werden.

Beeinflussten also innen- und außenpolitische Veränderungen oder parteipolitische Einstellungen die Neu- und Umgestaltungen der Richtlinien ?

Oder bestätigt sich die Forderung von Pabst, dass die Politik sich aus dem Sport heraushalten muss, weil Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben.

Ich hoffe, mit dieser Arbeit zu klären, wie viele seiner Ideale der Nachkriegszeit sich der Schulsport erhalten konnte. Steht er weiterhin zu seiner Neutralität oder ist er wieder in den Einflussbereich der Politik geraten ?

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Methodik 8
3. Allgemeine Grundlagen und gesellschaftliche Relevanz 10
4. Bildungspolitik und Schulsport aus parteipolitischer Sicht 15
4.1 Regierungsbildung und Bildungspolitische Ideologien 15
4.2 Einstellungen der Parteien zum Schulsport 18
5. Analyse der Schulsportrichtlinien von 1945 - 2002 im geschichtlichen und bildungspolitischen Zusammenhang 21
5.1 1945 – 1959 21
5.1.1 Geschichtliche Ereignisse in Deutschland 1945 – 1959 21
5.1.2 Bildungspolitik in Deutschland von 1945 – 1959 23
5.1.3 Die Schulsportrichtlinien von 1949 27
5.1.4 Die Schulsportentwicklung 1945 – 1959 32
5.1.5 Zusammenfassung 34
5.2 1960 – 1969 36
5.2.1 Geschichtliche Ereignisse in Deutschland 1960 – 1969 36
5.2.2 Bildungspolitik in Deutschland von 1960 – 1969 37
5.2.3 Die Schulsportrichtlinien von 1960 39
5.2.4 Die Schulsportentwicklung 1960 – 1969 43
5.2.5 Zusammenfassung 45
5.3 1970 – 1979 46
5.3.1 Geschichtliche Ereignisse in Deutschland 1970 – 1979 46
5.3.2 Bildungspolitik in Deutschland von 1970 – 1979 47
5.3.3 Die Schulsportrichtlinien von 1973 49
5.3.4 Die Schulsportentwicklung 1970 – 1979 51
5.3.5 Zusammenfassung 54
5.4 1980 – 1989 55
5.4.1 Geschichtliche Ereignisse in Deutschland 1980 – 1989 55
5.4.2 Bildungspolitik in Deutschland von 1980 – 1989 56
5.4.3 Die Schulsportrichtlinien von 1980/81 57
5.4.4 Die Schulsportentwicklung 1980 – 1989 61
5.4.5 Zusammenfassung 63
5.5 1990 – 2002 65
5.5.1 Geschichtliche Ereignisse in Deutschland 1990 – 2002 65
5.5.2 Bildungspolitik in Deutschland von 1990 – 2002 66
5.5.3 Die Schulsportrichtlinien von 1999 68
5.5.4 Die Schulsportentwicklung 1990 – 2002 73
5.5.5 Zusammenfassung 75
6. Fazit 76
7. Zusammenfassung 79
Anhang 82

Textprobe:

Kapitel 5.2.4, Schulsportentwicklung 1960 bis 1969:

Die ‚Richtlinien und Stoffpläne für die Leibeserziehung an Volks-, Real-, Höheren und Berufsbildenden Schulen’, erscheinen 1960. Sie enthallten die Vorgaben für den Schulsport in dieser Zeit. Dieser Lehrplan hebt die Unterscheidung zwischen Jungen und Mädchen auf und gilt einheitlich für alle Schulformen.

Die bildungstheoretische Didaktik kennzeichnet diese Phase. Ziel dieser bildungstheoretischen Didaktik ist die Förderung der Selbstbestimmung, der Allgemeinbildung, der Urteils- und Handlungsfähigkeit. Die Schüler sollen durch diese Art der Vermittlung dazu angeregt werden, sich mit den Unterrichtsinhalten kritisch auseinander zusetzen. Die im Unterricht verwendeten Inhalte sollen in ihrem Ausbildungsziel nicht auf ein einzelnes Fach beschränkt sein, sondern einen Erkenntnistransfer für andere Problemstellungen ermöglichen.

Naul/Großbrömer zeigen dies am Beispiel der vier Bildungsaufgaben der Leibeserziehung in den Richtlinien von 1960. Die Bildungsaufgaben der Richtlinien 1949 bezogen sich nur auf den physisch-motorischen Bereich, während die neuformulierten Aufgaben physische und erzieherisch kognitive Funktionen haben.

Der Sportunterricht erhält durch diese Transferfähigkeiten eine Sonderstellung im Rahmen der schulischen Erziehung, weil sein Hauptanliegen die ganzheitliche Bildung des Schülers ist.

Diese bildungstheoretische Ausrichtung wird in der Literatur eher kritisch und als nicht bewiesen betrachtet. Schmitz sieht nicht haltbare, traditionsbehaftete Gemeinplätze in Bezug auf den Bildungsgehalt der Leibesübungen. Seiner Meinung nach findet sich in den Zielvorgaben der Richtlinien ein - von außen an die Leibesübungen herangetragener - Tugendkanon von angenommenen Bildungswirkungen, auch wenn er zeitgemäß modifiziert ist.

Diese Meinung vertritt Petri 1967 nach einer Analyse der Lehrpläne der 50er und 60er Jahre. Er gelangt zu der Erkenntnis, dass sich hier kaum eine überzeugende pädagogische Begründung der Leibesübungen findet. Immer noch würden die Leibesübungen in den Dienst einer funktionalen Auffassung der Medizin gestellt, mit neuhumanistischen Bildungsvorstellungen verknüpft oder mit einem unbewiesenen Tugendkanon belegt.

Auch Mester vermisst bei der Betrachtung mehrerer Lehrplanebenen (Ziele, Methoden, Inhalte) vor allem eine an pädagogischen Kriterien orientierte Gesamtstruktur. Fast alle Bildungspläne gingen in ihrer inhaltlichen Systematik von Bezeichnungen aus, wie sie auch im außerschulischen Sport gebräuchlich seien.

Der politische Einfluss auf den Schulsport:

Die Frage ist, sind in den Schulsportrichtlinien aus dem Jahre 1960 politische Einflussnahmen zu erkennen? Im Zentrum steht wieder die ganzheitliche Erziehung durch den Sport, es sollen Erziehungsziele wie Selbstständigkeit und Eigeninitiative gefördert werden. Dabei stehen diese Ziele in keinem direkten Bezug zu politischen Einstellungen oder Absichten. Das widerspricht einer Manipulation.

Als mögliche, politisch motivierte Erziehungsziele fallen bei sehr kritischer Betrachtung die Punkte Leistungsbereitschaft und Gesundheitserziehung auf. Gesundheitserziehung ist sicherlich auch von großem, wirtschaftlichem Interesse, liegt aber in erster Linie im ganz persönlichen Interesse des Einzelnen. Einen politischen Aspekt kann man vielleicht, mit Blick auf die Einstellung der CDU, der Erziehung zur Leistungsbereitschaft zuweisen. Die Pädagogik befürwortet dies jedoch auch, um die Kinder optimal zu fördern. Klafki sieht in der Leistungsförderung ein wichtiges Ausbildungsziel. Seiner Meinung nach wird in den Anfangsstufen der Kindheit und Jugend Leistung nicht als Last oder bittere Notwendigkeit , sondern als Lust, als abenteuerreiches freudvolles Tun erfahren, als sinnvolle Erfüllung des Lebens und Erprobung des werdenden Menschen.

Auf der Grundlage dieser Interpretation der Leistung und der Tatsache, dass die Parteien keinerlei Interesse an einer Sportpolitik hatten kommt man zu dem Schluss, dass nicht die Politiker sondern Pädagogen und der DSB für die Lehrplangestaltung zuständig sind.

Arbeit zitieren:
Tervooren, Andreas Juli 2008: Einfluss politischer Strömungen und Tendenzen auf den Schulsport, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schulsport, Rahmenlehrplan, Lehrplan, politischer Einfluss, Sport

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