Der Einfluss des Konsums von Pornographie während der frühen und/oder mittleren Adoleszenz auf das Sexualverhalten
Eine qualitative Studie mit jungen Männern
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Andreas Gloël
- Abgabedatum: August 2009
- Umfang: 86 Seiten
- Dateigröße: 516,0 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 70
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4235-4
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gloël, Andreas August 2009: Der Einfluss des Konsums von Pornographie während der frühen und/oder mittleren Adoleszenz auf das Sexualverhalten, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sexualpädagogik, Interview, Free porn, Lustaspekt, Beziehung
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Diplomarbeit von Andreas Gloël
Einleitung:
Am Tag des Verfassens dieser Einleitung führt die Suche nach dem Begriff ‘Porno’ auf der Internetseite von ‘Google Deutschland’ zu ungefähr 169 Millionen Ergebnissen. Diese Suche hat laut ‘Google’ ca. 0,06 Sekunden in Anspruch genommen. Das erste Suchergebnis liefert die Überschrift ‘Free Porn, Free Porno Movies, Share Porn, Free Porn Video’. Ein weiterführender Klick führt auf eine Internetseite, auf dessen Startseite explizite Vorschaubilder für pornographische Videos zu finden sind, die mit einem weiteren Klick zu öffnen sind. Das Video am Kopf der Liste trägt den Titel ‘Sexy Webcam Girl Anal Toying’ und zeigt für 6:15 Minuten, wie sich eine junge Frau auf einem Bett anal selbstbefriedigt. Zwei Videos weiter ist ein 2:00 Minuten langer Film mit dem Titel ‘Big titty whore\\'s pussy work out!’ zu finden. Dort werden ein Mann und eine Frau beim Geschlechtsverkehr präsentiert. Etwas aggressiver geht es auf dem siebten Video der Seite zu. Es wird mit dem Titel ‘Teen blonde gets fucked in incredible gangbang’ über 22:43 Minuten in einer Art Kurzgeschichte dargestellt, wie mehrere Männer eine junge Frau im Umkleideraum einer Turnhalle überraschen, um sie anschließend zum vielfältigen Geschlechtsverkehr mit allen Männern gleichzeitig zu nötigen.
Problemstellung:
Die Wege zur Pornographie können vielfältig sein. Ein leichterer Zugang als der eben beschriebene scheint jedoch kaum vorstellbar. Auch Kinder und Jugendliche legen diesen überschaubaren Weg zur Pornographie immer öfter zurück – insbesondere männliche Jugendliche. Dies zeigen Erfahrungen aus der sexualpädagogischen Praxis. Die Folgen dessen scheinen für viele Erwachsene offensichtlich. Was viele denken, bringt STERN-Redakteur Walter Wüllenweber auf den Punkt: ‘Eltern schauen mit ihren Kindern Hardcore-Filme. 14-Jährige treffen sich zum Gruppensex. Ihre Idole singen von Vergewaltigung. Ein Teil der Gesellschaft driftet ab in die sexuelle Verwahrlosung’.
Hat Pornographie wirklich einen Einfluss auf die eigene Sexualität und wenn ja, mündet er tatsächlich in der sexuellen Verwahrlosung? Und was würden junge erwachsene Männer, die mit Pornos groß geworden sind, selbst auf diese Fragen antworten? Genau dieser Frage wird in der vorliegenden Diplomarbeit nachgegangen. Sie fragt ehemalige Pornographiekonsumenten, wie sie selbst das Gesehene aus heutiger Sicht bewerten und ob es kurz- oder langfristig einen Einfluss auf die eigene partnerschaftsbezogene Sexualität hatte. Die jungen Männer berichten im Gegensatz zu vielen Erwachsenen aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz als junge Pornographiekonsumenten im 21. Jahrhundert.
Beabsichtigt ist, dass sich die qualitativen Forschungsergebnisse und Erkenntnisse dieser Diplomarbeit abschließend in einer sozial- bzw. sexualpädagogischen Praxisrelevanz niederschlagen.
Gang der Untersuchung:
Diese Diplomarbeit gliedert sich in einen I. Theoretischen Teil (Kapitel 1-3) und einen II. Empirischen Teil (Kapitel 4-8). Der empirische Teil stellt hierbei das Kernstück der Arbeit dar. Ein Fazit der sozialpädagogischen bzw. der sexualpädagogischen Praxisrelevanz (Kapitel 8) schließt die Arbeit.
Der theoretische Teil besteht aus einleitenden wissenschaftlichen Informationen zu Themenbereichen, die für das Verständnis dieser Arbeit von Relevanz sind.
Der empirische Teil beginnt mit Informationen über den Rahmen der Untersuchung (Kapitel 4). In den folgenden Kapiteln 5, 6 und 7 werden die Ergebnisse der Befragungen dargestellt. Jedes dieser Kapitel schließt mit einem Fazit der im jeweiligen Kapitel erläuterten Erkenntnisse.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ii | |
| Vorwort | v | |
| Einleitung | 1 | |
| I. | Theoretischer Teil: Sexualität, Adoleszenz und Pornographie | |
| 1. | Sinnkomponenten von Sexualität | 3 |
| 2. | Adoleszenz | 5 |
| 2.1 | Die männliche Adoleszenz – Kurzdarstellung und Aufgaben | 5 |
| 2.2 | Phasen der Adoleszenz | 8 |
| 3. | Pornographie | 8 |
| 3.1 | Begriffsklärung und Inhalt | 9 |
| 3.2 | Pornographie und Recht | 11 |
| 3.3 | Gängige Zugangsmöglichkeiten zu pornographischen Inhalten | 13 |
| 3.4 | Konsumverhalten von männlichen Jugendlichen | 15 |
| II. | Empirischer Teil: Ein ‘Biologiebuch in Hardcore-Version’ | |
| 4. | Rahmen der Untersuchung | 18 |
| 4.1 | Forschungsanliegen – Einführung und Konkretisierung | 18 |
| 4.2 | Einordnung in das Forschungsparadigma | 19 |
| 4.3 | Wahl der Forschungsmethode | 20 |
| 4.4 | Auswahl der Interviewpartner | 22 |
| 4.5 | Entwicklung des Interviewleitfadens | 23 |
| 4.6 | Bericht: Forschungsphase | 26 |
| 4.7 | Auswertung | 27 |
| 4.7.1 | Transkription | 28 |
| 4.7.2 | Analyse der Interviews | 29 |
| 5. | Der Porno an sich sagt ja nicht ‘überdenke mich bitte kritisch | 30 |
| 5.1 | Motivation | 30 |
| 5.2 | Pornos versus Realität | 32 |
| 5.2.1 | Vor dem ersten Mal | 32 |
| 5.2.2 | Heute | 33 |
| 5.3 | Nutzen versus Kosten | 35 |
| 5.3.1 | Nutzen | 35 |
| 5.3.2 | Kosten | 37 |
| 5.4 | Fazit | 41 |
| 6. | Höchststrafe: Der ist nicht gut im Bett | 43 |
| 6.1 | Zwischen Euphorie und Enttäuschung | 43 |
| 6.2 | Fazit | 47 |
| 7. | Das Leben geht weiter | 49 |
| 7.1 | Die zweite Chance | 49 |
| 7.2 | Inspiration und Ausgleich | 52 |
| 7.3 | Fazit | 53 |
| 8. | Sozial-/Sexualpädagogische Praxisrelevanz | 55 |
| Literaturverzeichnis | 58 | |
| Internetquellen | 62 | |
| Anhang |
Textprobe:
Kapitel 3.4, Konsumverhalten von männlichen Jugendlichen:
Das Wort ‘Konsum’ definiert sich im Allgemeinen als ‘Verbrauch von Sachgütern und Dienstleistungen zur unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung’ (MEYER’S LEXIKON, 2006: 4064 f.). Diese Definition von ‘Konsum’ geht davon aus, dass eine Person zur Bedürfnisbefriedigung aktiv und vor allem willentlich etwas ‘verbraucht’. Das Konsumverhalten männlicher Jugendlicher bezogen auf Pornographie soll hier weitergedacht werden. Es schließt sowohl die gewollten als auch die ungewollten (evt. zufälligen) Konfrontationen mit pornographischen Inhalten ein.
Eine statistische Aufarbeitung der ‘Internet-Filter-Review’ (2006) gibt an, dass Kinder durchschnittlich im zwölften Lebensjahr ihren ersten Kontakt mit pornographischen Inhalten im Internet haben. Zwar bezieht sich diese Angabe auf Kinder und Jugendliche in den USA, es scheint jedoch berechtigt zu vermuten, dass sie sich nicht bedeutend von Ergebnissen bezogen auf in Deutschland lebende Jugendliche unterscheiden würde. In der sexualpädagogischen Arbeit mit Jungen erfahren Sexualpädagogen häufig aus erster Hand von Jungendlichen, dass viele bereits im Kindesalter erste Kontakte mit Pornographie erleben. Häufig werden sie dazu von Dritten ‘angesteckt’ oder verleitet (z.B. ältere Geschwister).
Die JIM-Studie (MEDIENPÄDAGOGISCHER FORSCHUNGSVERBUND SÜDWEST, 2005) befasste sich im Jahre 2005 mit Pornografie-Erfahrungen der zwölf bis neunzehn jährigen im Internet. Sie fand heraus, dass fast ein Drittel der Befragten mit pornographischen, rechtsradikalen oder stark gewalthaltigen Seiten konfrontiert wurde – Jungen und junge Männer fast doppelt so häufig wie Mädchen und junge Frauen. Die Studie kann dagegen nicht aufschlüsseln, ob es sich um eine zufällige oder geplante Konfrontation handelte. Allerdings gaben 57 Prozent der Befragten an, schon mal Spam-Mails erhalten zu haben. Da sich Inhalt und Form solcher E-Mails ständig ändern, liegen keine genauen Daten vor, die Auskunft über den quantitativen Anteil von pornographischem Inhalt geben. Dass es einen beachtlichen Anteil gibt, ist allerdings unbestritten.
Dr. Anita Heiliger vom ‘Deutschen Jugendinstitut, München’ berichtet in einem Artikel von einer australischen Studie von Flood/Hamiton aus dem Jahre 2003, in der 200 16- bis 18-jährige Jugendliche befragt wurden. Die Studie ergab, dass sich 84 Prozent der Jungen Pornographie anschauen und dass dies im Kreise der Gleichaltrigen als völlig normal gelte. ‘Die Normalisierung dieses Verhaltens mag Pornographiekonsum ein hohes Maß an sozialer Toleranz und Akzeptanz innerhalb der Jugendkulturen verleihen’.
Etwas aktueller ist die Studie ‘The baltic sea regional Study on Adolescents' sexuality’. 93,1 Prozent der befragten 18-jährigen jungen Männer aus Skandinavien und dem baltischen Raum gaben an, pornographische Zeitschriften gelesen, pornographische Filme gesehen oder im Internet auf pornographische Inhalte zugegriffen zu haben. 63,8 Prozent der jungen Männer wiederholt dies täglich, wöchentlich oder monatlich mehrmals.
Die ‘pro familia’-Studie geht auf die zuvor genannte australische Studie und weitere Studien aus den USA und Taiwan ein. Zusammenfassend erschließen sie, ‘(…) dass Kinder und Jugendliche nach eigenen Aussagen zu einem geringeren Teil absichtlich, häufiger jedoch ungewollt mit pornographischen Angeboten im Internet in Kontakt kommen’.
Auch außerhalb der Reichweite des Computers und Internets kursiert Pornographie und findet in vielen der 94 Prozent der Jugendlichen mit eigenem Mobiltelefon einen freiwilligen oder unfreiwilligen Empfänger. In der JIM-Studie 2007 wurden Jugendliche zwischen zwölf und neunzehn Jahren zur Weitergabe und zum gewollten und ungewollten Empfang von pornographischen oder gewalthaltigen Foto- und Video-Dateien via Mobiltelefon befragt. ‘Diese Vorgänge sind 87 Prozent der Handybesitzer bekannt, etwa ein Drittel hat bereits mitbekommen, dass solche Inhalte im Freundeskreis kursieren und fast jeder zehnte Handybesitzer hat selbst schon einmal solche Bilder und Filme zugeschickt bekommen. Jungen sind von diesem Phänomen deutlich häufiger betroffen als Mädchen’.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit der zunehmenden Ausbreitung des Internets die Wahrscheinlichkeit, als Junge bis zu seinem 18. Geburtstag nicht mit pornographischen Inhalten konfrontiert zu werden (gewollt oder ungewollt), stetig sinkt. In der Endbetrachtung verlieren auch die Differenzierung zwischen ‘gewollter’ oder ‘ungewollter’ Konfrontation und die Zugangswege an Signifikanz. Fakt ist: Die meisten Jungendlichen sind bereits in Kontakt mit Pornographie gekommen und viele konsumieren sie regelmäßig.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836642354
Arbeit zitieren:
Gloël, Andreas August 2009: Der Einfluss des Konsums von Pornographie während der frühen und/oder mittleren Adoleszenz auf das Sexualverhalten, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sexualpädagogik, Interview, Free porn, Lustaspekt, Beziehung



