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Einfluß von Karpfenbesatz auf die Invertebratengemeinschaft der Ismaninger Fischteiche

Einfluß von Karpfenbesatz auf die Invertebratengemeinschaft der Ismaninger Fischteiche
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefan Holler
  • Abgabedatum: Juli 1998
  • Umfang: 142 Seiten
  • Dateigröße: 5,6 MB
  • Note: 1,1
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-1730-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-1730-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-1730-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Holler, Stefan Juli 1998: Einfluß von Karpfenbesatz auf die Invertebratengemeinschaft der Ismaninger Fischteiche, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Meiobenthos, Primärproduzenten, Makrobenthos, Zooplankton, Fische

Diplomarbeit von Stefan Holler

Einleitung:

Die Frage, inwieweit Fischprädation die Strukturierung und die Regulierung von Süßwasser-Invertebratengemeinschaften beeinflußt, hat in der aquatischen Ökologie vermehrt Aufmerksamkeit erhalten. Bereits frühere Studien weisen darauf hin, daß Fische Abundanz und Biomasse einiger Makroinvertebratenklassen beeinflussen und auch später berichteten Autoren, daß Fische eine Schlüsselrolle spielen können, indem sie in signifikanter Weise benthische Gemeinschaftsstrukturen verändern. Andererseits finden sich, auch Angaben, daß Fischprädation wenig oder keinen Effekt auf Benthosgemeinschaften hat, oder daß der Einfluß von Fischen aufgrund vielfältiger, indirekter Interaktionen variabel ist und auch von anderen verwandten Faktoren wie z.B. Zufluchtmöglichkeit der Beute etc. abhängt.

Der Begriff Benthos (oder Benthon) bezeichnet die Lebensgemeinschaft des Gewässerbodens. Benthische Organismen können im Substrat leben (bei Schlamm und Sand), sich auf dem Substrat bewegen oder dort festgewachsen sein. Entsprechend ihrer Größe werden sie nach MARE in drei willkürliche Klassen eingeteilt: Makro-, Meio- und Mikrofauna. Die Grenzen der 3 Gruppen werden durch verschiedene Maschenweiten standardisierter Netze festgelegt: Individuen, die zu groß sind, um ein 500 um-Netz zu passieren, werden zur Makrofauna gezählt (z. B. Insektenlarven, Anneliden, Mollusken). Meiobenthische Organismen können 500 um-Netze passieren und werden in Netzen mit einer Maschenweite von 42 um aufgefangen (z. B. Nematoden, Crustacecn, Jugendstadien der Anneliden und Chironomiden, Tardigraden). Diejenigen Organismen, die das Netz mit einer Maschenwcite von 42 um passieren, bezeichnet man als Mikrobenthon (v.a. Bakterien und Protozoen).

Auch das Zooplankton kann in seiner Abundanz und Zusammensetzung von Fischprädation beeinflußt werden, und zwar insofern, als große Zooplankter bei Anwesenheit von planktivoren und benthivoren Fischen deutlich reduziert werden und die Zooplankton-Fauna dann dementsprechend von kleineren Arten dominiert wird. Als Plankton bezeichnet man die Lebensgemeinschaft der Freiwasserzone. Das Phytoplankton als Ebene der Primärproduzenten enthält Blaualgen (Cyanobakterien) und Algen in einem Bereich von ca. 0,5 um bis 1 um (Kolonien auch noch bis 1 cm). Das Zooplankton der Binnengewässer enthält in erster Linie Protozoen (Flagellaten und Ciliaten; einige um bis einige 100 mm), Rotatorien (30 um bis 1 mm) und Crustaceen (Copepoden und Cladoceren; einige 100 um bis mindestens 1 cm). Es ist auf mehrere trophische Ebenen verteilt: Zooplankter können herbivor, bacterivor oder zooplanktivor sein.

Die Anwesenheit von Fischen kann sich, neben einem direkten Einfluß (Fraßdruck) auch indirekt über Habitatveränderungen auf die Teichgemeinschaft auswirken. Zudem ist die Art und Weise als auch die Größenordnung der Beuteantwort von der Intensität der Prädation (z. B. unterschiedlicher Fischbesatz) abhängig.

Viele Wasservögel sind v a. während der Mauser- und Brutzeit auf aquatische Nahrung angewiesen. Die Stockente (Anas platyrhynchos), die sich ansonsten hauptsächlich von Pflanzen ernährt, lebt zum Beispiel zur Zeit der Eiproduktion in erster Linie von tierischer Nahrung, und das scheint auf die meisten Enten zuzutreffen. KÖHLER et al. fanden allerdings heraus, daß Makroalgen (auch während der Mauser) ebenfalls einen großen Anteil im Nahrungsspektrum der Vögel einnehmen, und auch REICHHOLF et al. konnten dies bei Untersuchungen am unteren Inn bestätigen.

Weil Fische, v.a. Cypriniden, die Dichte an Invertebraten verringern können, ist eine Konkurrenz zwischen Wasservögeln und Fischen gegeben: z. B. konkurrieren die Stockente und Fische in jener Zeitspanne um aquatische Insekten, in der der Bedarf der Ente an Protein am größten ist. In einem Freilandexperiment, in dem Fische aus einem Teich entfernt wurden, nahm die Unterwasservegetation wie auch die Häufigkeit benthischer Invertebraten zu, was die Bedingungen für Wasservögel verbesserte. So bevorzugt z.B. auch der Rothalstaucher (Podiceps grisegena) Teiche ohne Fische oder mit nur geringen Fischdichten als Brutplätze, Teiche mit hohen Fischdichten werden von ihm gemieden. Nach ANDERSSON sollte daher allgemein bei der Erforschung und dem Management von Feuchtgebieten und Vogelteichen die Rolle von Fischen mit eingeschlossen werden.

Ziel dieser Studie war es festzustellen, ob und inwieweit verschieden starker Fischbesatz in Kleingewässern deren Biozönose beeinflußt. Zu diesem Zweck wurden folgende Parameter in Teichen mit unterschiedlichem Karpfenbesatz erfaßt:

(1) die Abundanzen und z.T. Biomassen von benthischen und mobilen Makroinvertebraten.

(2) die Abundanzen meiobenthischer Organismen.

(3) die Zusammensetzung und das Größenspektrum von Zooplankton.

(4) die Biomasse von Phytoplankton und Makroalgen.

Die Untersuchungen wurden im Ismaninger Teichgebiet durchgeführt, das etwa 15 km nordöstlich von München liegt. Da das Untersuchungsgebiet von besonderer ornithologischer Bedeutung ist, war der Hintergrund dieser Arbeit festzustellen, ob die Nahrungssituation für Wasservögel durch reduzierten Fischbesatz verbessert werden kann. Zur Sicherung von Lebensraum für mausernde und brütende Vögel bedarf es der Kenntnis des ökologischen Untergrundes für deren Vorkommen und Häufigkeit, um zu einem sinnvollen Schutz- und Managementkonzept kommen zu können. Da sich möglicherweise Zielkonflikte mit anderen Nutzungsansprüchen (z.B. Karpfenzucht) ergeben, bedarf es der Klärung, in welchem Maß konkurrierende Nutzungsformen gegebenenfalls vertretbar wären, ohne das Grundanliegen, das mit der Einstufung des Gebiets in die internationale Feuchgebiets-Liste verbunden ist, im Kern zu gefährden.

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung 1
II. Untersuchungsgebiet 4
III. Material und Methoden 8
1. Meiobenthos 8
1.1. Probenahme 8
1.2. Subsampling 9
1.3. Extraktion der Organismen 10
1.4. Abundanzbestimmung 10
2. Makroinvertebraten aus Probenahmen mit großem Sampling-Rohr 11
2.1. Probenahme 11
2.2. Abundanzbestimmung 11
2.3. Größenvermessung und Trockengewichtsbestimmung der Chironomidenlarven 11
3. Makroinvertebraten aus Aktiv-Fauna-Fallen 12
3.1 Probenahme 12
3.2 Abundanzbestimmung 13
4. Zooplankton 13
4.1 Probenahme 13
4.2 Abundanzbcstimmung und Größenvcrmessung 14
5. Primärproduzenten 14
5.1 Phytoplankton 14
5.2 Makroalgen 15
IV. Ergebnisse 16
1. Diversitätsunterschiede 16
2. Abundanz- und Biomasseunterschiede 18
2.1 Meiobenthos 18
2.2 Makroinvertebraten aus Probenahmen mit großem Sampling-Rohr 20
2.3 Makroinvertebraten aus Aktiv-Fauna-Fallen 23
2.4 Zooplankton 27
2.5 Makroalgen und Phytoplankton 30
V. Diskussion 37
VI. Zusammenfassung 47
VII. Danksagung 49
VIII. Literaturverzeichnis 50
IX. Anhang 54

Arbeit zitieren:
Holler, Stefan Juli 1998: Einfluß von Karpfenbesatz auf die Invertebratengemeinschaft der Ismaninger Fischteiche, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Meiobenthos, Primärproduzenten, Makrobenthos, Zooplankton, Fische

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