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Einfluss der Informationstechnologie auf die internationalen Finanzmärkte

Einfluss der Informationstechnologie auf die internationalen Finanzmärkte
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andreas Deubel
  • Abgabedatum: Februar 2006
  • Umfang: 98 Seiten
  • Dateigröße: 378,1 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Kassel Deutschland
  • Bibliografie: ca. 64
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2077-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Deubel, Andreas Februar 2006: Einfluss der Informationstechnologie auf die internationalen Finanzmärkte, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Finanzmarkt, Informationstechnologie, Globalisierung, Realwirtschaft, Finanzwirtschaft

Diplomarbeit von Andreas Deubel

Einleitung:

Kaum etwas anderes hat die Gesellschaft rund um den Globus in den letzten Jahren so stark verändert, ja schon revolutioniert, wie die Informations- und Kommunikationstechnologie. Ob es nun die Fortschritte beim Handy, beim Computer, bei der Fotografie oder in der Datenübertragung sind, durch die innovativen Technologien ergeben sich völlig neue Perspektiven für die Menschheit.

Auch die Finanzmärkte sind im Zuge dieser Entwicklungen seit vielen Jahren von tiefgreifenden Veränderungen gekennzeichnet. Während die Märkte in der Vergangenheit lediglich von den klassischen Faktoren wie z.B. Wechselkurse, Konjunktur, Inflation etc. beeinflusst wurden, kommen nun Faktoren wie die Globalisierung, die Deregulierung und die Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie hinzu, die die Entwicklung der Märkte nachhaltig bestimmen. Die einzelnen Einflüsse und ihre Wechselwirkungen prägen die internationalen Finanzmärkte und sorgen für strukturelle Veränderungen.

Aufgrund der standardisierten Produkte (Aktien, Anleihen, Devisen, Fonds etc.) und Handelsprozesse scheinen die Finanzmärkte geradezu prädestiniert für eine Elektronisierung und Automatisierung. Durch die hohe Informationsintensität, die zur Analyse und Bewertung von finanztechnischen Konstellationen benötigt wird, gelten die Finanzmärkte schon von jeher als Pionieranwender informations- und kommunikationstechnischer Innovationen.

Durch innovative Techniken (z.B. Internet) der Informationsübertragung und der Liberalisierung der Finanzmärkte sind die Investoren nicht mehr länger an nationale Grenzen und Handelszeiten gebunden. Die hoch entwickelten Datennetzwerke machen es heute möglich, Informationen und riesige Datenmengen zwischen den Marktteilnehmern über Handels- und Informationssysteme kostengünstig, schnell und effizient zu übertragen. Dabei spielt es auch keine Rolle, wo sich der Marktteilnehmer gerade aufhält, da er nun ortsunabhängig agieren kann. Damit ist die Vorherrschaft institutioneller Investoren, der Banken oder Börsen gebrochen, denn nun kann jeder Privatanleger auf aktuelle Informationen zugreifen und auch blitzschnell darauf reagieren.

Die innovativen Technologien ermöglichen eine effiziente Abwicklung der Handelsgeschäfte und die Transaktionskosten werden nachhaltig gesenkt. Vom Orderrouting über die Preisfeststellung bis hin zur vollständigen Abwicklung kann alles mit modernster Technik automatisiert werden. Doch welche Konsequenzen haben diese Innovationen für die Märkte? Zwar initiiert die I.- u. K.-Technologie positive Wirkungen wie die Vernetzung der Märkte, die Beschleunigung der Transaktionsvorgänge oder die Abwicklung hoher Transaktionsvolumina, doch etwaige negative Nebenwirkungen wie z.B. der mögliche Wegfall der Finanzmittler, die Destabilisierung des internationalen Finanzsystems oder mögliche Fehlallokationen sind in ihrer ganzen Breite noch nicht abzusehen. Einige Entwicklungstendenzen werden im Laufe dieser Arbeit aufgezeigt.

Ziel dieser Arbeit ist es, die Auswirkungen der Fortschritte in der I.- u. K.-Technologie auf die internationalen Finanzmärkte und ihrer Akteure aufzuzeigen. Ein besonderer Augenmerk wird auf die Globalisierung, die Handelsphasen, die (scheinbare) Abkoppelung der Finanz- von der Realwirtschaft, die Masse an Informationen und auf die Folgen für die Finanzmittler gelegt.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit gliedert sich in fünf Kapitel. In Kapitel 2 wird zunächst der Finanzmarkt mit seinen verschiedenen Funktionen beschrieben. Im Weiteren folgt eine Abgrenzung der unterschiedlichen Teilmärkte (Kapital-, Devisen-, Geld-, Terminmarkt) und die Vorstellung der Finanzmarktteilnehmer mit ihren verschiedenen Aufgaben. Die einzelnen Handelsphasen des Präsenzhandels werden detailliert dargestellt. Anschliessend wird erörtert, was unter einem elektronischen Finanzmarkt zu verstehen ist und welche Kriterien zu erfüllen sind, damit überhaupt von einem vollelektronischen Computerhandel gesprochen werden kann. Es folgt dann die Darstellung der Handelsphasen im Computerhandel. Das Ende des 2. Kapitels beschäftigt sich intensiv mit den verschiedenen Effizienzkriterien, die für die Finanzmärkte ganz elementar sind.

Kapitel 3 befasst sich ausschliesslich mit den klassischen Faktoren (Konjunktur, Wechselkurs, Bruttoinlandsprodukt, Inflation und Deflation), die auf die Finanzmärkte einwirken. Die Faktoren werden einzeln beschrieben und es wird aufgezeigt, inwiefern sie die Märkte beeinflussen.

Im 4. Kapitel geht es darum, welchen Einfluss die I.- u. K.-Technologie auf die internationalen Finanzmärkte nimmt. So werden die neuen Technologien maßgeblich für die Globalisierung der Finanzmärkte verantwortlich gemacht. Diese Globalisierungstendenzen beinhalten neben einigen positiven Aspekten, wie z.B. einer besseren Ressourcenallokation, jedoch auch Risikopotenziale, wie z.B. eine höhere Finanzmarktinstabilität. Die innovativen I.- u. K.-Systeme verändern ganz erheblich die Handelsphasen von Transaktionen. Am Phasenmodell eines Handelsgeschäftes (Informations-, Orderrouting-, Preisfeststellungs- und Abwicklungsphase) werden dann die Auswirkungen der Computerisierung bzw. Automatisierung, im besonderen Hinblick auf die Effizienz, analysiert. Es folgt ein Praxisbeispiel, das die vollelektronische Handelsplattform Xetra am Finanzplatz Frankfurt beschreibt. In diesem Beispiel wird u.a. auf die Grundprinzipien, die Handelsteilnehmer und die Handelsphasen eingegangen. Anschließend wird dann der Verdacht geprüft, inwieweit sich die Finanzwirtschaft, aufgrund hoher Finanzmarktpreise und hoher Volumina, von der Realwirtschaft abkoppelt bzw. abgekoppelt hat. Denn auch hier spielen die modernen Systeme der I.- u. K.-Technologie eine entscheidende Rolle, schließlich ermöglichen sie den ortsunabhängigen Handel (zu Echtzeitkursen), die Abwicklung sehr hoher Handelsvolumina bei sinkenden Transaktionskosten oder die Option sein Geld überall in der Welt investieren zu können. Ein weiterer Effekt, der sich durch die modernen Technologien mit ihren hoch entwickelten Übertragungstechniken ergibt, ist der einfache Zugang zu allen relevanten Informationen für eine Finanzinvestition. Doch die Masse an Informationen sorgt wiederum für Probleme bei der Informationsverarbeitung. Mit einer Analyse über die Auswirkungen von Technisierung und Automatisierung auf das Tätigkeitsfeld traditioneller Finanzmarktintermediäre schließt das 4. Kapitel ab.

Abschließend werden in Kapitel 5 die wichtigsten Ergebnisse und Konsequenzen der Arbeit zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Zielsetzung 1
1.2 Gang der Untersuchung 3
2. Der Finanzmarkt 5
2.1 Marktformen 8
2.1.1 Der Kapitalmarkt 10
2.1.2 Der Devisenmarkt 10
2.1.3 Der Geldmarkt 11
2.1.4 Der Terminmarkt 11
2.2 Finanzmärkte und Finanzplätze 12
2.3 Die Finanzmarktteilnehmer 13
2.3.1 Finanzintermediäre als Anbieter von Finanzdienstleistungen 13
2.3.2 Kapitalgeber und Kapitalnehmer 14
2.3.3 Betreiber der Handelsplattformen 16
2.4 Die Handelsphasen 16
2.4.1 Die Informationsphase 17
2.4.2 Die Order-Routingphase 18
2.4.3 Die Preisfeststellungsphase 18
2.4.4 Die Abwicklungsphase 18
2.5 Der elektronische Finanzmarkt 20
2.5.1 Was ist ein elektronischer Finanzmarkt? 20
2.5.2 Anforderungen an elektronische Finanzplätze 23
2.5.2.1 Verfügbarkeit 23
2.5.2.2 Sicherheit 23
2.5.3 Die Architektur eines elektronischen Finanzplatzes 24
2.5.4 Muss-Kriterien für einen elektronischen Finanzplatz 25
2.5.5 Transaktionsphasen beim elektronischen Handel 27
2.5.5.1 Die Informationsphase 27
2.5.5.2 Die Order-Routingphase 28
2.5.5.3 Die Preisfeststellungsphase 28
2.5.5.4 Die Abwicklungsphase 29
2.6 Die Effizienz der Finanzmärkte 30
2.6.1 Die Informationseffizienz 30
2.6.2 Die Markttransparenz 31
2.6.3 Die Liquidität 31
2.6.4 Die Konsolidierung des Orderstromes 32
2.6.5 Die Preisstetigkeit 32
2.6.6 Die Integrität 32
3. Klassische Einflussfaktoren auf die Finanzmärkte 34
3.1 Der Wechselkurs 34
3.2 Die Konjunktur 36
3.3 Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 38
3.4 Inflation und Deflation 39
4. Die Auswirkungen des Einsatzes von I.- u. K.-Technologie auf die internationalen Finanzmärkte 41
4.1 Die Globalisierung der Finanzmärkte 43
4.2 Die Auswirkungen der I.- u. K.-Technologie auf die Effizienz in den unterschiedlichen Handelsphasen 50
4.2.1 Die Informationsphase 51
4.2.2 Die Order-Routingphase 53
4.2.3 Die Preisfeststellungsphase 54
4.2.4 Die Abwicklungsphase 57
4.2.5 Praxisbeispiel Xetra 59
4.2.5.1 Grundprinzipien 60
4.2.5.2 Handelsteilnehmer 62
4.2.5.3 Orderformen 63
4.2.5.4 Die Handelsphasen 64
4.3 Abkoppelung der Finanzwirtschaft von der Realwirtschaft 66
4.4 Die Inflation der Information 72
4.4.1 Die Information 72
4.4.2 Die Informationsverarbeitung 73
4.4.3 Der Zeitfaktor 76
4.4.4 Finanzmarkteffizienz 77
4.5 Die Auswirkungen der I.- u. K.-Technologie auf das Tätigkeitsfeld der Finanzintermediäre 81
5. Fazit 86
Literaturverzeichnis 89

Textprobe:

Kapitel 3, Klassische Einflussfaktoren auf die Finanzmärkte: Die technologische Entwicklung übte v.a. in den letzten zwanzig Jahren einen großen Einfluss auf die Finanzmärkte aus. Doch die Finanzmärkte wurden schon seit je her von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Die wichtigsten Faktoren werden in den folgenden Kapiteln kurz vorgestellt.

Kapitel 3.1, Der Wechselkurs: Als Wechselkurs bezeichnet man den Preis einer fixen inländischen Währungseinheit (z.B. 1 Dollar), ausgedrückt in Einheiten einer ausländischen Währung. Durch den Wechselkurs wird also das Austauschverhältnis zwischen zwei Währungen definiert. Wechselkurse gibt es in der Regel für sämtliche Währungen.

Dass Wechselkursveränderungen einen Einfluss auf den Erfolg einzelner Unternehmen und damit auf Erfolg einer gesamten Währungszone haben, kann fast täglich anhand von Schlagzeilen wie ‚ein starker Euro schwächt die europäische Exportwirtschaft’ gelesen werden. Speziell die deutschen Unternehmen sind aufgrund der hohen Exportquote sehr stark von den Schwankungen betroffen. Nach dem endgültigen Zusammenbruch des Systems fixer Wechselkurse von Bretton Woods im Jahre 1973 hat die Volatilität der Wechselkurse stark zugenommen. Unerwartete Wechselkursschwankungen stellen für international tätige Unternehmen ein hohes Risiko dar.

Je nach Wechselkurssystem wird zwischen fixen und flexiblen Wechselkursen unterschieden. Wechselkursänderungen ergeben sich in einem System flexibler Wechselkurse durch Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten. Folgendes Beispiel soll die Schwankungen in einem flexiblen Wechselkurssystem verdeutlichen: Ein Land A pflegt Handelsbeziehungen mit Land B. Wenn B mehr von A kauft als umgekehrt, dann weist A einen Handelsüberschuss und B ein Defizit auf. Da Land B mit der Währung des Landes A seine Handelswaren kauft, steigt die Nachfrage nach der Währung des Landes A stärker an als die der Währung B, somit gewinnt die Währung A gegenüber der von B an Wert. Die Ausfuhren von Land A werden somit teurer, sodass B weniger abnimmt. Die Ausfuhren von Land B hingegen werden billiger, sodass A mehr abnimmt. Damit entsteht dann wieder ein Gleichgewicht.

Wechselkurse werden auch maßgeblich durch die Zinssätze bestimmt. Hat ein Land A beispielsweise höhere Zinsen als ein Land B, muss es mit Kapitalimporten rechnen, da das Ausland (z.B. Land B) sein Kapital im Land A investieren wird. Dadurch steigt das Angebot an Devisen des Landes B, die Währung von Land A wird aufgewertet, die von Land B abgewertet. Da das Kapital immer zu den höheren Zinsen fließt, spielen die Leitzinsen eine große Rolle. Sie werden von den Notenbanken festgesetzt und gehören zum finanzpolitischen Instrumentarium der Notenbanken. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Anleger sehr schnell auf weltweite Zinsunterschiede und auf erwartete Wechselkursänderungen reagieren. An den Finanzmärkten herrscht also eine hohe Flexibilität der Kapitalströme.

In einem System fixer Wechselkurse kommt es hingegen nicht zu einer Veränderung der Austauschrelation. Hier fungiert die Veränderung der zentralen Währungsreserven als wichtigster Indikator zur Beurteilung der Qualität des Gleichgewichts im gesamten Zahlungsverkehr mit dem Ausland. Ein Angebotsüberhang an Devisen aus dem Leistungs- und Kapitalverkehr führt zu einer Aufstockung der Währungsreserven durch die Zentralbank. Umgekehrt greift die Zentralbank bei einem Devisendefizit ein und gibt entsprechende Währungsreserven ab.

Kapitel 3.2 Die Konjunktur: Unter Konjunktur werden allgemein ökonomische Bewegungen verstanden, die i.d.R. als (wellenartige) Schwankungen der Wirtschaftslage beobachtet werden können. Konjunktur bezeichnet den Gesamtprozess des wiederkehrenden Auf- und Abschwung (volks-) wirtschaftlicher Aktivitäten, der in verschiedene Phasen eingeteilt wird. Es werden in der Regel vier Konjunkturphasen unterschieden, die in ihrer Gesamtheit einen Konjunkturzyklus ergeben:

Konjunkturaufschwung: Im Konjunkturaufschwung (Expansion) erhöht sich die private Nachfrage und die Investitionstätigkeit der Unternehmen nimmt zu. Folglich steigen dadurch die Produktion, die Beschäftigung und das Volkseinkommen.

Hochkonjunktur: In der Hochkonjunktur (Boom) ist ein hoher Beschäftigungsgrad erreicht. Kurzfristig kann die Produktion kann nicht mehr zunehmen, da die betrieblichen Kapazitäten bereits ausgelastet sind. Die hohe Nachfrage kann nicht mehr gedeckt werden und es kommt zu Produktionsengpässen und Preiserhöhungen. Hinzu kommt, dass die Zinsen, aufgrund der hohen Nachfrage nach Kapital, auf den Geld- und Kapitalmärkten steigen.

Konjunkturabschwung: Im Konjunkturabschwung (Rezession) gehen Nachfrage und Investitionstätigkeit stark zurück. Investitionen, die in der Hochkonjunkturphase getätigt wurden, erweisen sich als unrentabel. Viele Unternehmen geraten dadurch in finanzielle Schwierigkeiten, die Beschäftigung geht zurück und die Kurse der Aktiengesellschaften sinken.

Depression: Die Depression (Tiefstand) ist gekennzeichnet durch eine allgemeine Stagnation der wirtschaftlichen Entwicklung bei Unterauslastung des Produktionspotenzials und hoher Arbeitslosigkeit. Durch Rückgang der Zinsen und der Preise wird die Basis für einen neuen Aufschwung geschaffen.

Die Dauer der Konjunkturzyklen liegt etwa zwischen einem und bis zu zehn Jahren, wobei die einzelnen Phasen meist unterschiedliche Längen aufweisen. Da sich in den einzelnen Konjunkturphasen die Renditen der Unternehmen oder auch die Zinsen sehr unterschiedlich entwickeln, kommt es natürlich auch zu entsprechend unterschiedlichen Entwicklungen an den Finanzmärkten. Die Konjunktur ist ein sehr elementarer Einflussfaktor der Finanzmärkte.

Kapitel 3.3, Das Bruttoinlandsprodukt (BIP): Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist ein Wert für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Dieser Wert beinhaltet alle im Inland hergestellten Waren und Dienstleistungen (Wertschöpfung), soweit diese nicht als Vorleistungen für die Produktion anderer Waren und Dienstleistungen verwendet werden. Die reale Wirtschaftsentwicklung wird auf Vorjahresbasis im Zeitablauf frei von Preiseinflüssen dargestellt. Die Veränderungsrate des preisbereinigten BIP dient als Maßstab für das Wirtschaftswachstum der einzelnen Volkswirtschaften. Das BIP ist damit die wichtigste Größe in den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Wenn z.B. das BIP-Wachstum höher als erwartet ausfällt, führt das auf den Zinsmärkten zu erhöhten Inflationsängsten und die Zinsen werden steigen. Die Notenbanken werden dann gegebenenfalls die Leitzinsen erhöhen, da sie bestrebt sind, die inflationären Tendenzen möglichst frühzeitig einzudämmen. Somit sind es auch hier die Notenbanken, die mit ihrer Politik einen erheblichen Einfluss auf die Märkte ausüben. Die Auswirkungen auf die Aktienmärkte bei einer Leitzinserhöhung und gleichzeitig hohem BIP-Wachstum sind nicht eindeutig abzusehen. Wenn sich die Wirtschaft gut entwickelt, bedeutet es zunächst gute Gewinne für die Unternehmen und eine positive Aktienentwicklung. Doch durch die Inflationsängste und den damit verbundenen Zinssteigerungen kann auch Geld von den Aktienmärkten abgezogen werden. Dieses Beispiel zeigt, dass sich die Folgen der Einflussfaktoren an den Finanzmärkten nur sehr schwer prognostizieren lassen, da die Wirkungszusammenhänge sehr komplex sind.

Kapitel 3.4, Inflation und Deflation: Unter Inflation werden anhaltende Preisniveausteigerungen verstanden bzw. kommt es durch die Inflation zu einem Kaufkraftverlust des Geldes. Die Entstehung der Inflation wird im Allgemeinen in der Existenz der inflatorischen Lücke gesehen. Diese ist dann gegeben, wenn das Güterangebot unterhalb der monetären Gesamtnachfrage liegt. Die Inflation wird durch die Inflationsrate gemessen. Doch die Inflationsmessung ist sehr problematisch und umstritten, da es nicht ganz klar ist, welcher Preisindex als repräsentativer Indikator (z.B. Preisindex der Lebenshaltung bzw. Konsumentenpreisindex oder Produzentenpreisindex) gilt. Nach dem Ausmaß der Preisniveausteigerungen in einer Zeiteinheit wird zwischen schleichender, trabender oder Hyperinflation unterschieden.

Je nach Ursache kann die nachfrageseitige, die angebotsseitige und die importierte Inflation differenziert werden. Während es bei der nachfrageseitigen Inflation zu einem allgemeinen Anstieg der Güternachfrage im Konjunkturaufschwung kommt, wird die angebotsseitige Inflation durch Preisaufschläge Markt beherrschender Unternehmen oder Lohnerhöhungen verursacht. Die aus dem Ausland importierte Inflation wird durch ein Ansteigen der Importgüterpreise hervorgerufen. Wirksam bekämpfen lässt sich eine Inflation durch eine Verknappung der Geldmenge. Als wirkungsvolles Mittel, kommt hier wieder eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Notenbanken zum Einsatz.

Die Auswirkungen der Inflation für die Finanzmärkte lassen sich nicht immer eindeutig prognostizieren. Bspw. war in der Vergangenheit eine hohe Inflationsrate und die damit erwartete Zinserhöhung sehr negativ für die Aktienmärkte. Da die Aktienmärkte in jüngster Vergangenheit offensichtlich mehr Angst vor nachlassender Wirtschaftstätigkeit als vor steigenden Zinsen haben, sind die Auswirkungen der Inflation nun neutral bis positiv zu bewerten.

Das Gegenstück zur Inflation ist die Deflation. Unter Deflation wird ein, über eine längere Zeit anhaltendes, Absinken des allgemeinen Preispreisniveaus verstanden. In diesem Fall kommt es also nicht zu einem Kaufkraftverlust, sondern zu einer Kaufkraftsteigerung. Ursache hierfür ist ein Überhang des gesamtwirtschaftlichen Güterangebots bei kostendeckenden Preisen über der gesamtwirtschaftlichen kaufkräftigen Güternachfrage (deflatorische Lücke, Nachfragelücke), wenn das Wachstum der Geldmenge längere Zeit geringer ist als das Wachstum des realen Sozialproduktes. Die Deflation tritt i.d.R. zusammen mit einer wirtschaftlichen Depression auf und verlangt somit grundsätzlich wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen. Diese Maßnahmen treffen dann die Finanzmärkte in Form von Leitzinssenkungen, denn schließlich soll die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder stimuliert werden.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass es zu sehr komplexen Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Einflussfaktoren kommt. Deshalb ist eine Prognose über zukünftige Entwicklungen an den Finanzmärkten nur bedingt möglich.

Arbeit zitieren:
Deubel, Andreas Februar 2006: Einfluss der Informationstechnologie auf die internationalen Finanzmärkte, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Finanzmarkt, Informationstechnologie, Globalisierung, Realwirtschaft, Finanzwirtschaft

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