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Der Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung von Existenzgründungsfinanzierungen

Eine empirische Untersuchung an bayerischen Sparkassen

Der Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung von Existenzgründungsfinanzierungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sven Kröber
  • Abgabedatum: Mai 2008
  • Umfang: 99 Seiten
  • Dateigröße: 802,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: AKAD-Fachhochschule Leipzig Deutschland
  • Bibliografie: ca. 59
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1528-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kröber, Sven Mai 2008: Der Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung von Existenzgründungsfinanzierungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kreditwürdigkeit, Existenzgründung, Finanzierung, Gründerperson, Kreditentscheidung

Diplomarbeit von Sven Kröber

Einleitung:

Sich selbstständig machen, etwas Eigenes aufbauen, viel Geld verdienen – das ist der Traum vieler. Wenn das eigene Kapital nicht ausreicht, um die Vision umzusetzen, müssen Kapitalgeber überzeugt werden, in das Vorhaben zu investieren. Für über die Hälfte der Gründer ist jedoch die Finanzierung das Hauptproblem. Investitionen in neugegründete Unternehmen sind mit einer sehr großen Unsicherheit behaftet. Bereits zwei Jahre nach Gründung ist jedes fünfte Unternehmen nicht mehr am Markt. Dabei sind Unternehmensgründungen wichtig für das Wachstum der heimischen Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. So wurden gemäß Schätzungen der KfW in 2006 etwa 510.000 neue vollzeitäquivalente Arbeitsplätze geschaffen. Der Erfolg eines neugegründeten Unternehmens wird vom Zusammenspiel einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Schließlich befindet sich das Unternehmen nicht alleine im luftleeren Raum, sondern ist eingebunden in seine Umwelt, die ständigen Veränderungen unterworfen ist.

Die Frage, die sich Existenzgründer und Gründungsberater häufig stellen, lautet: Nach welchen Kriterien vergibt die Bank Kredite an Existenzgründer? Ist es der auf Hochglanzpapier gedruckte Businessplan oder die Sicherstellung? Hängt es von der Ratingnote ab oder von der gewählten Branche? Welche Rolle spielt die Gründerperson bei der Kreditentscheidung?

Der Gründer ist schließlich die zentrale Person, die mit der Umwelt agieren muss, die Veränderungen wahrnehmen und auf sie reagieren muss und somit den Erfolg maßgeblich mitbestimmt. Vor Kreditausreichung sollte sich die Bank daher die Frage stellen, ob der Gründer in der Lage sein wird, das Vorhaben erfolgreich umzusetzen und die ausgereichten Mittel zuzüglich Zinsen zurückzuzahlen. Die Bank steht dabei vor der Herausforderung, einen Visionär von einem Träumer zu unterscheiden.

Gang der Untersuchung:

Diese Studie sucht die Antwort auf die Frage, wie die Person des Gründers im Rahmen der Kreditwürdigkeitsprüfung beurteilt wird und welchen Einfluss dies auf die Kreditentscheidung hat.

Nach der Definition der zentralen Begriffe Existenzgründung und Existenzgründungsfinanzierung stellt Kapitel 2 zunächst die Existenzgründungsfinanzierung aus Sicht der Bank dar, beleuchtet die Determinanten der Kreditentscheidung näher und geht auf die Kreditwürdigkeitsprüfung ein, in der die Person des Gründers eine besondere Rolle spielt. Welche Faktoren einen erfolgreichen Gründer ausmachen, untersucht Kapitel 3. Die theoretischen Vorüberlegungen aus Kapitel 2 und die Erkenntnisse über erfolgsrelevante Personenmerkmale aus Kapitel 3 dienen als Grundlage für die eigene Untersuchung im vierten Hauptkapitel. Die jeweiligen Existenzgründungsberater aller bayerischen Sparkassen wurden mit Hilfe eines selbstentwickelten Fragebogens schriftlich befragt, ob und in welcher Form sie die Personenmerkmale des Gründers bei der Kreditentscheidung berücksichtigen. Das fünfte Kapitel untersucht, in wie fern sich die durch die Gründungsforschung ermittelten Erfolgsfaktoren in den Entscheidungskriterien der Firmenkundenbetreuer wiederfinden und diskutiert Abweichungen. Im sechsten Hauptkapitel werden die Ergebnisse dieser Arbeit schließlich zusammengefasst und kritisch gewürdigt.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungen VI
Abbildungsverzeichnis VII
Tabellenverzeichnis IX
1. Einleitung 1
1.1 Einführung in das Thema 1
1.2 Methodik und Ziel der Studie 2
1.3 Begriffsdefinitionen 3
1.3.1 Gründungsbegriff 3
1.3.2 Existenzgründungsfinanzierung 5
2. Existenzgründungsfinanzierungen aus Sicht der Banken 7
2.1 Erhöhte Kreditrisiken bei Existenzgründungsfinanzierungen 7
2.2 Kreditwürdigkeitsprüfung von Existenzgründungen 10
2.2.1 Versagen der herkömmlichen Prüfungsverfahren 10
2.2.2 Prüfung der materiellen Kreditwürdigkeit 11
2.2.2.1 Analyse des Businessplanes 11
2.2.2.2 Analyse der Finanzplanung 12
2.2.2.3 Analyse des Branchenumfeldes 13
2.2.3 Prüfung der persönlichen Kreditwürdigkeit 13
2.2.4 Ratingverfahren zur Kreditwürdigkeitsprüfung 14
2.2.5 Prüfung der Kreditsicherheiten 15
2.3 Kreditentscheidung bei Existenzgründungsfinanzierungen 15
3. Erfolgsfaktor Gründerperson - ein kurzer Überblick über die aktuelle Gründungsforschung 17
3.1 Problematik der uneinheitlichen Informationsquellen 17
3.2 Die Personenmerkmale des Gründers als Erfolgsfaktor 19
3.2.1 Soziodemografische Faktoren 19
3.2.2 Humankapital 20
3.2.3 Persönlichkeitsmerkmale (Traits) 22
3.2.4 Gründungsmotivation 25
3.2.5 Unterstützung aus dem sozialen Netzwerk 25
4. Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung - eine Untersuchung an bayerischen Sparkassen 26
4.1 Gang der Untersuchung 26
4.1.1 Ziel der Untersuchung 26
4.1.2 Art der Untersuchung 27
4.1.3 Grundgesamtheit und Stichprobe 28
4.1.4 Entwicklung des Fragebogens 31
4.1.5 Ablauf der Untersuchung 35
4.2 Ergebnisse der eigenen Untersuchung 37
4.2.1 Rücklaufquote 37
4.2.2 Betreuung der Existenzgründer 38
4.2.2.1 Einteilung nach Betreuungseinheiten 38
4.2.2.2 Einteilung nach betreutem Kundenkreis 39
4.2.2.3 Berufserfahrung der Berater 41
4.2.2.4 Entscheidungsträger bei Gründungsfinanzierungen 41
4.2.3 Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung 42
4.2.3.1 Erläuterungen zur Darstellung der Ergebnisse 45
4.2.3.2 Soziodemografische Faktoren und Personenumfeld 47
4.2.3.3 Humankapital 51
4.2.3.4 Persönlichkeitsmerkmale (Traits) 54
4.2.3.5 Bisheriges Zahlungsverhalten und Vermögensverhältnisse 55
4.2.3.6 Gründungsmotivation 57
4.2.4 Auswirkungen des Ratings bei Existenzgründungsfinanzierungen 58
4.2.5 Top 10 der positiven und negativen Personenmerkmale 59
5. Vergleich der eigenen Ergebnisse mit den Erkenntnissen der Gründungsforschung 60
5.1 Soziodemografische Faktoren und soziales Umfeld 60
5.2 Humankapital 62
5.3 Persönlichkeitsmerkmale (Traits) 63
5.4 Bisheriges Zahlungsverhalten und Vermögensverhältnisse 64
5.5 Gründungsmotivation 65
6. Schlussbetrachtung 66
6.1 Zusammenfassung 66
6.2 Kritik 68
6.3 Handlungsvorschlag 69
6.3.1 Für die Gründer 69
6.3.2 Für die Banken 70
Anhang 71
Literaturverzeichnis 76
Quellenverzeichnis 81

Textprobe:

Kapitel 4.2.3, Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung:

Ziel der Befragung ist, den Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung von Existenzgründungsfinanzierungen zu untersuchen.

Auf Basis der Vorüberlegungen wurde die Arbeitshypothese H1 aufgestellt, die besagt, dass der Gründer, aufgrund seiner Bedeutung für den Erfolg des Unternehmens, einen hohen Einfluss auf die Kreditentscheidung hat.

Alle Berater gaben einstimmig an, die Person des Gründers im Rahmen der Kreditprüfung zu beurteilen. In der Praxis wird also stets eine persönliche Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt. Die Ergebnisse bestätigen eindeutig, dass die Beurteilung des Gründers einen Einfluss auf die Kreditentscheidung hat.

Als die drei wichtigsten Kriterien für die Kreditentscheidung wurden die Kapitaldienstfähigkeit, das Gründungskonzept und die Beurteilung der Gründerperson angegeben. Es folgen mit etwas Abstand die Kriterien Eigenkapitaleinsatz, Vermögensverhältnisse und die Sicherstellung mit mittlerer Wichtigkeit. Dass diese Kriterien relativ nah beieinanderliegen, ist schlüssig, da der Eigenkapitaleinsatz und die Stellung von Sicherheiten häufig von den Vermögensverhältnissen abhängig sind. Interessant ist, dass die Sicherstellung in der Wichtigkeit hinter dem Eigenkapitaleinsatz und den Vermögensverhältnissen rangiert. Weniger wichtig für die Kreditentscheidung ist die Branchenzugehörigkeit des Gründers sowie die Ratingnote. Dass die Ratingnote offensichtlich den geringsten Einfluss auf die Kreditentscheidung bei Existenzgründungen hat, überrascht etwas, wurde doch das Thema Rating und seine Auswirkungen auf die Finanzierungsmöglichkeiten der Firmenkunden in der letzten Zeit sehr breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Der Verfasser führt die geringe Priorität der Ratingnote darauf zurück, dass im Existenzgründungsrating vorwiegend qualitative Faktoren bewertet werden. Der Betreuer bildet sich auf Basis derselben Faktoren und zahlreichen weiteren „Softfacts“, die nicht in das Rating einfließen, selbst ein Urteil, unabhängig von der Ratingsystematik. Dieses hat für ihn vermutlich ein höheres Gewicht als das programmtechnisch ermittelte Bonitätsurteil. (Abbildung 4.6: Prioritäten bei der Kreditentscheidung von Existenzgründungsfinanzierungen).

Ein Teilnehmer hat sich zum Rating wie folgt geäußert: „Das Rating liefert kein Ergebnis, das nicht schon vorher bekannt ist.“ Weiterhin ist zu beachten, dass die Einführung der Ratingprogramme erst wenige Jahre zurückliegt und dass es sowohl bei den Kunden als auch bei den Kundenbetreuern noch spürbare Akzeptanzschwierigkeiten gibt. Das Thema Rating wird im Kapitel 4.2.4. noch einmal aufgegriffen.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Beurteilung der Gründerperson einen hohen Einfluss auf die Kreditentscheidung nimmt. Die Arbeitshypothese H1 wurde somit eindeutig bestätigt.

Die Arbeitshypothese H2 besagt, dass sich durch die unterschiedlich organisierte Betreuung der Existenzgründer Unterschiede in der Beurteilung ergeben.

Bereits bei der Beurteilung der Entscheidungskriterien nach ihrer Priorität zeigt sich, dass es Unterschiede in der Beurteilungsweise zwischen den Existenzgründungsexperten und den Firmenkundenbetreuern gibt. So räumten die Existenzgründungsexperten der Beurteilung der Gründerperson die höchste Priorität ein, danach folgten erst das Konzept und die Kapitaldienstfähigkeit. Auch die Beurteilung der Branchen ist den Existenzgründungsexperten wichtiger als den Firmenkundenbetreuern. Der Branchenanalyse wurde seitens der Existenzgründungsexperten sogar eine höhere Priorität eingeräumt als der Sicherstellung. In Bezug auf die Wichtigkeit der einzelnen Beurteilungskriterien wurde die Arbeitshypothese H2 zumindest teilweise bestätigt. Im Folgenden wird die Hypothese H2 auch auf ihre Gültigkeit hinsichtlich der einzelnen Personenmerkmale untersucht.

Im Vorfeld wurde die Arbeitshypothese H3 aufgestellt, die besagt, dass die Beurteilung der Gründerperson weniger durch objektive, fest vorgegebene Beurteilungsmaßstäbe der Kreditinstitute erfolgt, sondern überwiegend subjektiv durch die Berater geprägt ist.

Lediglich 6 % der Befragten gaben an, ein standardisiertes Verfahren oder eine Checkliste zur Beurteilung der Gründerperson zu verwenden. Die überwiegende Mehrheit der Gründungsberater beurteilt den Gründer subjektiv. Die Arbeitshypothese H3 wurde somit als zutreffend bestätigt.

Dies ist bereits ein Erklärung für die unterschiedliche Beurteilung der Existenzgründungsexperten und der Firmenkundenbetreuer, denn subjektive Beurteilungen sind von den Kenntnissen und Erfahrungen des Beurteilenden geprägt. Aufgrund der vorwiegenden Betreuung von Gründern und der somit größeren Anzahl an bearbeiteten Fällen verfügen die Existenzgründungsexperten der Sparkassen über mehr Erfahrungen als die Firmenkundenbetreuer, die seltener Existenzgründungsfälle beraten.

Die Ergebnisse zeigen, dass in jedem Fall eine persönliche Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt wird, die zum überwiegenden Teil subjektiv geprägt ist und dass das Ergebnis der Beurteilung der Gründerperson einen hohen Stellenwert in der Kreditentscheidung einnimmt. Aber welche Kriterien spielen bei der Beurteilung der Gründerperson eine Rolle und wie werden die einzelnen Merkmale beurteilt?

Erläuterungen zur Darstellung der Ergebnisse:

Nachfolgend sind die Ergebnisse der Beurteilung einzelner Personenmerkmale grafisch dargestellt. Die in den Grafiken abgebildeten Werte entsprechen den durchschnittlichen Bewertungen der Befragten. Der Mittelwert als Lagemaß sagt allein betrachtet jedoch noch nicht viel aus. Denn aus ihm geht nicht hervor, wie die Merkmalsausprägungen verteilt sind, d.h. wie „einig“ sich die Teilnehmer bei der Beurteilung der einzelnen Merkmale waren. So könnten im Extremfall 50 % der Befragten ein Merkmal positiv finden und die andere Hälfte das Merkmal als K.O.-Kriterium definieren. Im Ergebnis würde sich mit dem arithmetischen Mittel ein neutraler Wert errechnen, der jedoch nicht die Wirklichkeit widerspiegelt. Aus diesem Grund ist immer auch die Streuung der Werte zu beachten. Als Maßeinheit für die „Einigkeit“ in der Beurteilung wurde daher die Standardabweichung, eines der wichtigsten Streuungsparameter, gewählt. Die Mittelwerte und Standardabweichungen aller einzelnen Merkmale finden sich in Tabelle 0.5. im Anhang D. Zusätzlich zur Standardabweichung ist dort auch die Spannweite angegeben.

Insgesamt lässt sich sagen, dass in Bezug auf die Standardabweichung keine ungewöhnlich große Abweichung der Werte vom jeweiligen Mittelwert festgestellt wurde. Die höchste Standardabweichung bei der Bewertung der Personenkriterien lag bei 1,04, was einer Abweichung von etwa +/- einer Bewertungsklasse entspricht.

Zur Veranschaulichung der Ergebnisse wurde die grafische Darstellung gewählt, weil diese dem Leser die Interpretation im Vergleich zum reinen Zahlenwerk wesentlich erleichtert.

Arbeit zitieren:
Kröber, Sven Mai 2008: Der Einfluss der Gründerperson auf die Kreditentscheidung von Existenzgründungsfinanzierungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kreditwürdigkeit, Existenzgründung, Finanzierung, Gründerperson, Kreditentscheidung

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