Der Einfluss der Gospelmusik auf den Jazz zwischen 1950 und 1970
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Micha Keding
- Abgabedatum: August 2001
- Umfang: 105 Seiten
- Dateigröße: 1,7 MB
- Note: 1,1
- Institution / Hochschule: Hochschule für Künste Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8957-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8957-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8957-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Keding, Micha August 2001: Der Einfluss der Gospelmusik auf den Jazz zwischen 1950 und 1970, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: afroamerikanisch, Horace Silver, Cannonball Adderley, Hardbop, Gospel
In den Warenkorb
58,00 €
Diplomarbeit von Micha Keding
Einleitung:
In seinem „Jazzbuch“ schreibt Joachim Ernst Behrendt: „Musiker wie Milt Jackson, Horace Silver, Ray Charles haben in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre eine Soul-Welle ausgelöst, die ihre entscheidenden Impulse aus der Gospelmusik bezog...“ Als begeisterter Gospelliebhaber und Chorleiter regte mich diese Aussage an, konkret nach diesen Impulsen zu fragen. Es interessierte mich, welche Elemente die Komponisten und Solisten aus der Gospelmusik übernahmen und in ihr Spiel integrierten.
Bei der Untersuchung musste ich wegen der Vielzahl der Musikstile die Bereiche des Jazz eingrenzen. Ich beschränke mich auf die Musiker des sogenannten „Hardbop“, da hier der Einfluss der Gospelmusik am stärksten spürbar war. Von diesen Musikern ging im Wesentlichen die von Behrendt genannte Soul-Welle aus, die danach viele Musiker beeinflusste.
Zunächst beschreibe ich geschichtlich die Entstehung der Gospelmusik und stelle ihre musikalischen Merkmale ausführlich dar. Zur Verdeutlichung habe ich jeweils Hörbeispiele angefügt.
Anschließend gehe ich drei prägende Werke des Hardbop chronologisch durch, in denen der Einfluss der Gospelmusik zum Tragen kommt:
- „The Preacher” von Horace Silver.
- „Moanin’” von Bobby Timmons.
- „This Here” von Cannonball Adderley.
Die „Transkriptionen stammen von den Aufnahmen der ersten Erscheinungen der Stücke. Die Analysen der Kompositionen und Soli sollen die Elemente repräsentativ herausstellen, die von der Gospelmusik in den Jazz übernommen worden sind.
Die Jazzmusiker, die für diese Stücke als Komponisten oder Interpreten stehen, sollen kurz vorgestellt und nach ihrer Beziehung zur Gospelmusik befragt werden. Weiterhin werden andere Musiker dieser Zeit im Hinblick auf das vorliegende Thema beleuchtet.
Der bedeutendste Stil im Jazz der 40er Jahre war der Bebop. Anfang der 50er Jahre folgte eine Weiterführung aller Errungenschaften des Bebop in mehrere Richtungen.
Zum Einen wurde die Rhythmik intensiviert, woraus sich Konzepte entwickelten, die in ungeraden Taktarten und polymetrischen Rhythmen z.B. von Max Roach, Art Blakey, Dexter Gordon u.a. realisiert wurden. Ebenso entwickelten sich improvisatorische und harmonische Weiterführungen der im Bebop gebräuchlichen Harmonik. Komponisten ließen auch Stilelemente aus afrikanischen, afrokubanischen oder brasilianischen Kulturen in den Jazz einfließen.
Zum anderen waren da Musiker wie Lennie Tristano, Lee Konitz, Miles Davis u.a., die nach der Aufgeregtheit des Bebop eine Phase des eleganten, ruhig und überlegt gespielten, gewissermaßen professionalisierten Jazz folgen ließen. Vor allem weiße Musiker prägten diesen Stil, der als "Cool Jazz" bezeichnet wurde.
Des Weiteren kam eine Musikart auf, die mit „Third Stream Music“ bezeichnet wurde. Sie verband klassische Musik mit dem Jazz. Diese Musik zeichnete sich durch eine an der Klassik angelehnte reine Phrasierung und die Einbeziehung klassischer Instrumente wie z.B. Violine oder Oboe aus. Der rhythmische Puls trat hier in den Hintergrund. Bedeutendster Vertreter dieser Musik war Gunther Schuller.
Sozusagen als Antwort auf den Cool Jazz und die Third Stream Music spielten v.a. schwarze Musiker in einer Art und Weise, die als „funky“ bezeichnet wurde. Sie war lebendiger, in harmonischer und melodischer Hinsicht eher einfacher gestrickt und enthielt Elemente der Blues- und Gospelmusik. Damit besann man sich auf die Ursprünge afroamerikanischer Musik, die in den schwarzen Kirchen und in einigen Bluesformen erhalten geblieben waren.
Das Wort „funky“ wird mit „sumpfig“ oder „stinkig“ übersetzt. Es bezeichnete die Afroamerikaner aus der Sicht der Weißen als dreckig und erdbehaftet. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff abgelöst von dem postiveren Begriff „soul“ oder „Soul-Jazz“. In ihm sollte die schwarze Seele als Qualitätsmerkmal benannt werden und nicht das abfällig bezeichnete „Stinkige“ des Negers.
Der Begriff „soul“ kommt ursprünglich aus der christlichen Terminologie und bezeichnet die von den Sünden befreite Seele.
„Funk“ und „Soul“ waren nicht nur eine Beschreibung einer bestimmten Musikrichtung sondern eng verbunden mit dem politischen und sozialen Kontext im Amerika der 50er Jahre.
Die Gospelmusik wurde in dieser Situation als ein großer und wichtiger amerikanischer Musikstil erkannt, der aus den afroamerikanischen Kirchen erwuchs. Die Negro Spirituals wurden nicht mehr verdrängt und als Lieder der Unterdrückung verachtet sondern als Teil der schwarzen Identität anerkannt.
Die Ära ab Mitte der 50er Jahre, die Weiterführung des Bebop und die Antwort auf den Cool Jazz und den Third Stream wird als Hardbop bezeichnet.
Die Wortschöpfung kommt nicht etwa von der Bedeutung des Wortes „hard“ im Sinne von „schwer/schwierig“ sondern von dem erdigen perkussiven Sound und einem harten und treibenden Beat in der Musik. Als ihre wichtigsten Pioniere werden u.a. Horace Silver und Art Blakey genannt.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Einordnung des Themas in den musikgeschichtlichen Kontext | 3 |
| 3. | Die Gospelmusik | 6 |
| 3.1 | Geschichte und Entwicklung | 6 |
| 3.2 | Musikalische Stilbeschreibung | 14 |
| 4. | Jazzmusiker | 20 |
| 4.1 | Horace Silver | 21 |
| 4.1.1 | Kurzbiographie | 21 |
| 4.1.2 | Beziehung zur Gospelmusik | 22 |
| 4.1.3 | Ananlyse von „The Preacher“ – Thema | 25 |
| 4.1.4 | Analyse von „The Preacher“ – Klaviersolo | 31 |
| 4.2 | Bobby Timmons | 36 |
| 4.2.1 | Kurzbiographie | 36 |
| 4.2.2 | Beziehung zur Gospelmusik | 37 |
| 4.2.3 | Analyse von „Moanin’“ – Thema und Coda | 38 |
| 4.3 | Cannonball Adderley | 42 |
| 4.3.1 | Kurzbiographie | 42 |
| 4.3.2 | Beziehung zur Gospelmusik | 43 |
| 4.3.3 | Analyse von “This Here” – Thema | 47 |
| 4.3.4 | Analyse von “This Here” – Saxophonsolo | 51 |
| 4.4 | Milt Jackson | 56 |
| 4.5 | Art Blakey | 59 |
| 4.6 | Joe Zawinul | 61 |
| 4.7 | Charles Mingus | 64 |
| 4.8 | Weitere Musiker | 68 |
| 5. | Zusammenfassung | 71 |
| 6. | Anhang | 74 |
| 6.1 | Legende zu den Transkriptionen und Analysen | 74 |
| 6.2 | Transkriptionen | 75 |
| 6.3 | Verzeichnis der Hörbeispiele | 93 |
| 6.4 | Literaturverzeichnis | 95 |
| Anlage | Hörbeispiele auf CD |
Auch wenn man als Leser nicht so genau weiß, wie es die Musiker in ihren Anekdoten mit der Wahrheit halten, ist das Zustandekommen von Moanin’ typisch für die Musiker jener Zeit. Bobby Timmons, der in den Proben eine kurze 8-taktige Phrase zu seinem eigenen Vergnügen spielt, wird von seinen Mitmusikern angehalten, daraus ein Stück zu komponieren. Es war eine Phrase, die Timmons „im Ohr hatte“, die aus seinem Gefühl oder aus seinen Erinnerungen kam. Der Titel „Moanin’“ weist auf die Assoziation mit der afroamerikanischen Kirche hin, obwohl das „moaning“ der Gemeinde in den Gottesdiensten genaugenommen etwas anderes bedeutete als es hier im Stück zu hören ist. Der Gegensatz zur ausgeklügelten Komposition, wie sie unter den meisten Jazzern üblich war, wird hier deutlich. [...]
Timmons-Produzent und Plattenkritiker Orrin Keepnews schreibt: "The young pianist (Bobby Timmons)...is already recognized by a great many listeners as being among the most soulful of all."84 In einem Plattentext von Peter Keepnews (der Sohn von Orrin Keepnews) wird der Stil von Bobby Timmons analysiert und genau beschrieben. Er hebt hervor, dass das Spiel von Timmons "closer to the black church experience" war als das seines Vorgängers bei den „Jazz Messengers“, Horace Silver.85 "'Laid-back-swagger' pretty well describes the way he played piano, too..."86 ist ein weiterer Satz aus der Beschreibung. Der Ausdruck "swagger" („Stolzierer“) ist eine Anspielung auf den pathetischen Sound, der aus den Kirchen stammt. [...]
Bobby Timmons wurde 1935 in Philadelphia geboren und von seinem Großvater aufgezogen, der Geistlicher war. Schon in jungen Jahren spielte Bobby die Orgel in der Kirche. Im Alter von sechs Jahren bekam er Klavier- und Orgelunterricht von seinem Onkel, der Musikprofessor war. Bobby Timmons ging an die Philadelphia Musical Academy, um klassische Musik zu studieren. Im Alter von 22 Jahren begann er sich für den Jazz zu interessieren. Als stärkste Einflüsse nannte er Bud Powell, John Lewis, Art Tatum, Kenny Drew und James Forman, den Pianisten aus der damaligen Gillespie Band. Später waren seine größten Vorbilder Wynton Kelly und Bill Evans. Nachdem er eine Zeit lang in Philadelphia in diversen Rhythm & Blues Bands (z.B. „Trenier Twins“) gearbeitet hatte, wurde er ab 1956 der Reihe nach von Kenny Dorham, Chet Baker, Sonny Stitt und Maynard Ferguson verpflichtet. Zu Ruhm gelangte er mit „Art Blakey's Jazz Messengers“, denen er 1958/59 und 1960/61 angehörte. Dazwischen spielte er bei Cannonball Adderley. Timmons gilt als Mitbegründer des „Soul Jazz“ durch seinen größten Hit mit Art Blakey, "Moanin'", und weitere Hits mit Adderley: "This Here", gefolgt von "Dat Dere". Von 1961 bis zu seinem Tod 1974 (er starb an Leberzirrhose) leitete er sein eigenes Trio, mit dem er nur mäßigen Erfolg hatte. Bobby Timmons ist als Ensemblespieler und Komponist vieler Jazzstandards bekannt geworden und weniger als guter Solist. Er findet sich auf Platten anderer Musiker wieder wie Hank Mobley, Lee Morgan, Kenny Burrell, Art Farmer, Curtis Fuller u.a. Darüber hinaus machte er sich als Begleiter von Sängerinnen einen Namen, so z.B. von Dinah Washington, Dianne Warwick und Nancy Wilson.81 [...]
In den Warenkorb
58,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832489571
Arbeit zitieren:
Keding, Micha August 2001: Der Einfluss der Gospelmusik auf den Jazz zwischen 1950 und 1970, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
afroamerikanisch, Horace Silver, Cannonball Adderley, Hardbop, Gospel



