Der Einfluss von Gesundheitsvorstellungen und Tätigkeitsmerkmalen auf die psychische Beanspruchung: Ein interkultureller Vergleich türkischer und deutscher Kleingastronomen
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Gökce Ipeklioglu
- Abgabedatum: Juni 2008
- Umfang: 172 Seiten
- Dateigröße: 975,8 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität Mannheim Deutschland
- Originaltitel: Der Einfluss von Gesundheitsvorstellungen und Tätigkeitsmerkmalen auf die psychische Beanspruchung: Ein interkultureller Vergleich türkischer und deutscher Kleingastronomen
- Bibliografie: ca. 111
- ISBN (eBook): 978-3-8366-1790-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Ipeklioglu, Gökce Juni 2008: Der Einfluss von Gesundheitsvorstellungen und Tätigkeitsmerkmalen auf die psychische Beanspruchung: Ein interkultureller Vergleich türkischer und deutscher Kleingastronomen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gesundheit, Psychische Beanspruchung, Karasek, Gastronomie, Türkei
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Diplomarbeit von Gökce Ipeklioglu
Einleitung:
Die betriebliche Gesundheitsförderung umfasst alle gemeinsamen Maßnahmen von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der jeweiligen Gesellschaft zur Verbesserung der Gesundheit von Arbeitnehmern. Sie versucht sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen zu mindern, indem gesunde Verhaltensweisen gefördert und vermeidbare gesundheitliche Belastungen am Arbeitsplatz abgebaut werden sollen.
Eine Hamburger sozial-empirische Studie aus dem Jahre 1998 hat jedoch gezeigt, dass die Gesundheitsförderung türkische Mitbürger weniger erreicht als deutsche Mitbürger. Die Studie zeigt auf, dass nur 18% der türkischen Befragten im Gegensatz zu 41% der deutschen Befragten überhaupt das reguläre Rentenalter erreichen, weil sie aus Krankheitsgründen vorzeitig aus ihrer Arbeit ausscheiden müssen. (Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales der Freien Hansestadt Hamburg, 1998).
Daraus erschließt sich die Frage, ob die Sozialversicherungen wie die Berufsgenossenschaften und Krankenkassen ihre Präventionsprogramme nicht auf kulturelle Aspekte hin ausrichten und auf die sozialen und kulturellen Unterschiede der Bevölkerungsgruppen differenziert eingehen sollten, um so eine effektive Gesundheitsförderung zu gewährleisten.
Problemstellung:
Ziel dieser Diplomarbeit ist aufzuzeigen, dass es kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Gesundheitsvorstellungen und Arbeitsplatzbelastungen gibt und sich daraus resultierend die psychischen Beanspruchungen in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterscheiden.
Mehrere Befunde weisen darauf hin, dass es grundsätzliche Unterschiede in der Auffassung von Gesundheit und Krankheit zwischen den Kulturen gibt.
In der Studie von Özelsel mit einer deutsch-türkischen Vergleichsstudie an 315 Probanden (Deutsche, Türken aus der Bundesrepublik Deutschland und Türken aus der Türkei) wird aufgezeigt, dass Türken in der Türkei dem eigenen Verhalten und der Qualität der Sozialbeziehungen weniger Einfluss auf den Erkrankungsverlauf beimessen als die Deutschen; Türken in der Bundesrepublik Deutschland liegen mit ihren Bewertungen in der Mitte.
In der vorliegenden Studie soll die Annahme überprüft werden, ob in den kulturell unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen die türkischen Kleingastronomen eine passivere, fatalistischere Einstellung, eine höhere Arbeitsplatzbelastung und dadurch stärker ausgeprägte psychische Beanspruchungen aufweisen als die Gastronomen der deutschen Stichprobe, da sie stärker durch ihre Religion und kulturelle Wertvorstellungen geprägt sind. Faltermaier deutet darauf hin, dass es kulturell geprägte Überzeugungssysteme gibt, die der Gesundheit und Krankheit Bedeutung zumessen, wodurch Verhaltens- und Wahrnehmungsrollen vorgegeben werden nach denen sich die Mitglieder einer sozialen Gruppe richten, um sich mit dieser zu identifizieren. Dazu wurden zwei türkische Stichproben, eine vom Mutterland (Türken (TR)), die zweite aus Deutschland (Türken (D)), zum Vergleich mit der deutschen Stichprobe herangezogen.
Zusätzlich wird in dieser Studie angenommen, dass sich die zwei türkischen Stichproben in ihren Werten insofern ähneln werden, dass sie in die gleiche Richtung gehen. Jedoch werden die Türken (TR) die belastenderen Werte als die Türken (D) aufweisen und beide türkische Stichproben werden sich von der deutschen wesentlich unterscheiden. Die Türken in der Bundesrepublik werden eine Mittelposition einnehmen und die Türken aus der Türkei aufgrund ihres niedrigeren Sozial- und Bildungsstatus die passivsten und niedrigsten Werte aufzeigen. Durch die Bestätigung dieser Annahme können wichtige Erkenntnisse abgeleitet werden, nämlich dass die Anpassungsleistung der hiesigen Migranten durch eine spezifische Integrationsbemühung verbessert werden kann, da sie dadurch bessere Gesundheitswerte aufweisen und somit auch die wirtschaftlich-sozialen Ausgaben reduzieren würden.
Gang der Untersuchung:
Zur Vergleichsmessung der zwei Kulturgruppen Türken und Deutsche wurden aus den Mitgliedsbetrieben der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN) in Mannheim, hauptsächlich aus der Mannheimer Region, türkische (N=41) und deutsche (N=57) Kleingastronomen befragt. Zusätzlich wurde eine rein türkische Stichprobe aus dem westlichen Gebiet (Didim, Antalya) der Türkei (N=41) erfasst.
Im Theorieteil wird zunächst die Verantwortung der Arbeitswelt im Bereich der Gesundheitsförderung angesprochen und welche Handlungsfelder von dieser abgedeckt werden (Kapitel 2). Im heutigen Deutschland machen ausländische Arbeitnehmer eine große und wichtige wirtschaftliche Kraft aus, auf die man spezifischer eingehen kann, um den ökonomischen Aufschwung zu stabilisieren. Die Migration und ihre damit für die Migranten verbundenen Risiken werden im Kapitel 3 besprochen. Besonders die türkischen Gastarbeiter haben einen quantitativen Stellenwert im wirtschaftlichen Bereich und zeichnen sich durch ihre Andersartigkeit in ihren kulturellen Vorstellungen und religiösen Sitten im Vergleich zu den deutschen Arbeitern aus. Zum besseren Verständnis wird auf diese Besonderheiten der kulturellen Unterschiede mit der Beschreibung des Islams und ihrer Bedeutung für die türkische Minderheitengruppe in Deutschland eingegangen.
Die differenten Wahrnehmungen kultureller Gruppen können sich unter anderem auch durch subjektive Gesundheitsvorstellungen erklären lassen. Es werden zwei wichtige Aspekte der Gesundheitsvorstellung, die Gesundheitskonzepte nach S. Laffrey und die Kontrollüberzeugung zur Gesundheit nach Lohaus und Schmidt beschrieben (Kapitel 4). Eine weitere Differenzierungsmöglichkeit der Kulturgruppen ergibt sich aus der Betrachtung der Arbeitssituation, unter welchen Arbeitsbedingungen gearbeitet wird und wie stark die jeweiligen Aspekte der Arbeit als belastend wahrgenommen werden. Im Zusammenhang mit diesen kulturspezifisch arbeitsbedingten Wahrnehmungen eignet sich die Anwendung des Job-Demand-Control-Modell von Karasek im FIT-Fragebogen von Richter et al. (Kapitel 5).
Ausgehend von den Ergebnissen des Bundesgesundheitssurvey von 1998/99 werden die am häufigsten auftretenden Störungsgruppen Angststörungen, depressive Störungen und Somatisierungsstörungen in das Gesamtmodell der salutogenetischen Perspektive von Faltermaier einbezogen (Kapitel 6). Dies ist das durch die subjektive und soziale Konstruktion der Gesundheit erweiterte Modell der Salutogenese von Antonovsky (Kapitel 7). Fragestellung und Hypothesen werden in Kapitel 8 besprochen.
Im Empirieteil (Kapitel 9.1-9.3.) erfolgen die Beschreibung der Stichproben und Datenerhebung, der angewandten Methoden und Fragebogeninhalte mit den jeweiligen Gütekennwerten. Die deskriptiven Ergebnisse schließen sich in Kapitel 9.4. an. Zusätzlich erfolgen Zusammenhangsmessungen zwischen den jeweiligen Konzepten, die hypothetisch vorher abgeleitet wurden (Kapitel 9.5.1.- 9.5.4.). Im Anschluss daran wird in Kapitel 9.5.5. eine zusammenfassende Darstellung der gemessenen Zusammenhänge gegeben. Letztlich wird das Salutogenese-Modells von Faltermaier in einem Strukturgleichungsmodell überprüft.
In der Diskussion in Kapitel 10 werden die Einzelergebnisse interpretiert und im Fazit zusammenhängend betrachtet. Der Ausblick auf weitere Forschungsbereiche im Zusammenhang mit den getesteten Variablen bildet das Schlusswort dieser Arbeit. Den Schluss bilden Literaturverzeichnis (Kapitel 11) und Anhang.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Aktualität der Thematik | 1 |
| 1.2 | Zielsetzung der vorliegenden Untersuchung | 1 |
| 1.3 | Aufbau der Untersuchung | 3 |
| 2. | Gesundheitsförderung als staatliches und privates Handlungsfeld | 5 |
| 2.1 | Die Ottawa-Charta | 5 |
| 2.2 | Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt | 6 |
| 2.3 | Handlungsfeld Gesundheitsförderung der Berufsgenossenschaften | 6 |
| 3. | Migration | 8 |
| 3.1 | Definition und Geschichte der Migration | 9 |
| 3.2 | Türkische Arbeitsmigranten | 9 |
| 3.3 | Risiko Migration | 10 |
| 3.4 | Migration und Gesundheit | 10 |
| 3.5 | Selbstständigkeit als Migrationsfortschritt | .11 |
| 3.6 | Religion und kulturelle Identität | 12 |
| 3.6.1 | Gesundheit und Krankheit im Islam | 13 |
| 4. | Das Laiengesundheitssystem im Alltag | 15 |
| 4.1 | Das Laiengesundheitssystem | 15 |
| 4.2 | Subjektive Gesundheitsvorstellungen | 16 |
| 4.2.1 | Subjektive Konzepte von Gesundheit | 17 |
| 4.2.2 | Subjektive Theorien von Gesundheit | 19 |
| 4.2.2.1 | Gesundheitsbezogene Kontrollüberzeugungen | 20 |
| - Locus of Control (LOC; Rotter, 1966) | 20 | |
| - Zusammenhänge des LOC mit sozioökonomischen und religiösen Aspekten | 21 | |
| - Zusammenhänge des LOC mit kulturellen Aspekten | 22 | |
| 5. | Das Arbeitsumfeld als psychosozialer Risikofaktor | 24 |
| 5.1 | Arbeitsunfähigkeit und Kosten | 24 |
| 5.2 | Arbeit als Belastungsfaktor | 25 |
| 5.3 | Arbeitsbedingungen und Gesundheit | 25 |
| 5.4 | Körperliche Tätigkeit und Gesundheitswahrnehmung | 26 |
| 5.5 | Das Job-Demand-Control-Modell von Karasek (1979) | 27 |
| 5.6 | Zusammenhang von Arbeitsmerkmalen und psychischen Beanspruchungen | 30 |
| 6. | Psychische Beanspruchungen: Depression, Angst und Somatisierungsstörung | 32 |
| 6.1 | Psychische Störungen | 32 |
| 6.1.1 | Depression | 32 |
| 6.1.2 | Angst | 32 |
| 6.1.3 | Somatisierungsstörung | 33 |
| 6.2 | Kulturelle Unterschiede psychischer Beanspruchungen | 33 |
| 7. | Gesundheit im Alltag: eine salutogenetische Perspektive | 35 |
| 7.1 | Antonovskys Modell der Salutogenese (1979) | 35 |
| 7.2 | Die subjektive und soziale Konstruktion von Gesundheit: Antonovskys Modell der Salutogenese erweitert durch Faltermaier | 38 |
| 7.3 | Gesamtfazit des Theorieteils | 39 |
| 8. | Fragestellung und Hypothesen | 41 |
| 8.1 | Fragestellung | 41 |
| 8.2 | Hypothesen | 42 |
| 9. | Empirische Statistiken | 44 |
| 9.1 | Stichproben und Datenerhebung | 44 |
| 9.2 | Angewandte Methoden | 45 |
| 9.3 | Fragebogeninhalte und Gütekennwerte | 50 |
| 9.3.1 | Operationalisierung HSC | 50 |
| 9.3.2 | Operationalisierung KKG | 52 |
| 9.3.3 | Operationalisierung FIT | 54 |
| 9.3.4 | Operationalisierung PHQ-D | 55 |
| 9.4 | Deskriptive Ergebnisse | 58 |
| 9.4.1 | Soziodemographische Merkmale der Probanden | 59 |
| 9.4.2 | Deskriptive Statistiken der untersuchten Merkmale | 65 |
| 9.4.2.1 | Gesundheitskonzepte | 66 |
| 9.4.2.2 | Kontrollüberzeugungen | 69 |
| 9.4.2.3 | Tätigkeitsmerkmale | 71 |
| 9.4.2.4 | Psychische Beanspruchung | 73 |
| 9.5 | Zusammenhänge der Variablen | 76 |
| 9.5.1 | Ergebnisse des Einflusses der Gesundheitskonzepte auf die psychische Beanspruchung | 77 |
| 9.5.2 | Ergebnisse des Einflusses der Kontrollüberzeugungen auf die psychische Beanspruchung | 81 |
| 9.5.3 | Ergebnisse des Einflusses der Tätigkeitsmerkmale auf die psychische Beanspruchung | 85 |
| 9.5.4 | Ergebnisse über die Zusammenhänge zwischen der Religiosität und einigen Variablen | 90 |
| 9.5.5 | Zusammenfassende Ergebnisse und das Strukturgleichungsmodell | 95 |
| 10. | Diskussion | 97 |
| 10.1 | Einzelergebnisse | 99 |
| 10.2 | Fazit und Ausblick | 105 |
| 11. | Literatur | 106 |
| Anhang | 121 |
Textprobe:
Kapitel 4.1, Das Laiengesundheitssystem: Nicht nur die Frage nach der Pathogenese (Entstehung und Entwicklung einer Krankheit), sondern auch nach der Salutogenese (Gesamtheit gesundheitsfördernder und erhaltender Faktoren), ist für die betriebliche Gesundheitsförderung wichtig. Gesundheitserhaltende Kräfte und Ressourcen stecken in jedem Menschen, auch das Wissen über gesundheitsbezogene Aktivitäten und Praktiken. Dieses Wissen als nicht-professionelles Gesundheitswissen, ergänzt mit dem dazugehörigen Handeln, bezeichnet man auch als das Laiengesundheitssystem. Breitkopf zeigen in ihren empirischen Untersuchungen den beträchtlichen Umfang einer Gesundheitsselbsthilfe im Rahmen des Laiengesundheitssystems im Alltag auf. Fast zwei Drittel aller Gesundheitsprobleme werden in der Familie behandelt, 37% aller verkauften Medikamente werden aufgrund von Selbstmedikation eingenommen. In der Public-Health-Forschung wird auf die Bedeutung dieses Laiengesundheitssystems aufmerksam gemacht. Bei der Förderung und Planung von Gesundheitsversorgungsstrukturen müssen die davon betroffenen Menschen auch aktiv daran beteiligt werden, damit Interventionsmöglichkeiten sinnvoll umgesetzt werden können. Denn ohne das Wissen über die gesundheitsbezogenen Motive, die wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen und die Verarbeitung von Krankheitserfahrungen sind präventive Maßnahmen nicht erfolgreich umsetzbar. Ein Hauptproblem von präventiven Interventionen ist, dass medizinisches und epidemiologisches Wissen relativ mechanisch in den Alltag übertragen wird, ohne die vorhandenen Lebensumstände, Lebensweisen und psychologischen und sozialen Bedingungen der Betroffenen angemessen zu berücksichtigen.
Kapitel 4.2, Subjektive Gesundheitsvorstellungen: Die sozialwissenschaftlich ausgerichtete Gesundheitswissenschaft hat inzwischen eine solide Erkenntnisbasis davon, dass individuelle und soziale Verhaltensweisen eine wesentliche Rolle bei der Genese von Krankheit und Gesundheit spielen. Dies bedeutet, dass weniger einzelne kognitive Faktoren als vielmehr komplexe Gesundheitsvorstellungen das Gesundheitssystem des Laien ausmachen. Begriffe wie subjektive Konzepte von Gesundheit und subjektive Theorien von Gesundheit und Krankheit ermöglichen den Blick auf das Alltagshandeln von gesunden und kranken Laien.
Menschen machen sich Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit, die das gesundheitsbezogene Verhalten jedes Einzelnen prägen. Diese Vorstellungen beinhalten Kognitionen wie die Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit, das Wissen, die Überzeugungen, Attributionen und Einstellungen darüber und Denkmuster zu gesundheitlichen Fragen und Ereignissen. Im Englischen wird die subjektive Gesundheitsvorstellung als lay health beliefs bezeichnet, welche den Laien nicht missverständlich als defizitär und eingeschränkt in seinem Wissen einstufen soll, sondern ihn nur abgrenzt von den Vorstellungen und dem Wissen medizinischer und gesundheitlicher Experten. Das Laiengesundheitswissen, d.h. die subjektive Vorstellung über Gesundheit und Krankheit, wird durch eigene oder vom sozialen Umfeld vermittelte Erfahrungen erworben, wodurch der Laie ständig gefordert ist, sein Wissen zu erweitern und anzuwenden. Groeben bezeichnen Menschen als reflexive Subjekte, die ihr Wissen über sich und ihre Umwelt in Form von Theorien ordnen können, wodurch sie ihr Leben erklären.
Die subjektiven Gesundheitsvorstellungen werden als theoretisch neutraler Oberbegriff verstanden. In der Regel unterscheidet man unter dem Aspekt der subjektiven Gesundheitsvorstellung die subjektiven Konzepte von Gesundheit (lay health concept) und die subjektiven Theorien von Gesundheit (lay health theory). Das subjektive Konzept von Gesundheit umfasst die Einstellung des Laien darüber, was er sich persönlich unter seiner Gesundheit vorstellt. Die subjektive Theorie der Gesundheit hingegen beinhaltet Vorstellungen darüber, was die Gesundheit positiv oder negativ beeinflusst und welche Ursachen für das Bestehen von Gesundheit und das Entstehen von Krankheiten verantwortlich sind (Schwarzer, 2004). Außerdem sind Persönlichkeitseigenschaften wie Risiko- und Ressourcenwahrnehmung, Kontrollüberzeugungen und Kausalattributionen wesentliche Aspekte der subjektiven Gesundheitstheorien.
Kapitel 4.2.1, Subjektive Konzepte der Gesundheit: In dem Health and Lifestyle Survey von Blaxter werden 9003 Briten zu ihrer Gesundheit, Fitness und ihrem Lebensstil befragt. Zusätzlich werden sie aufgefordert, ihre Meinung zu Merkmalen der eigenen Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens zu äußern. Herzlich betont, dass subjektive Konzepte in einem gesellschaftlichen Kontext erworben werden und somit ein Individuum seine soziale Realität selbst konstruiert und dass diese Repräsentationen sich sowohl als aktive / positive als auch als passive / negative Konzepte der Gesundheit manifestieren können. Drei aktive und ein passives Konzepte der Gesundheit werden differenziert:
Gesundheit ist psychisches und physisches Wohlbefinden.
Gesundheit bedeutet eine Art körperliche Stärke und ein Reservoir an Energie, d.h. es ist ein persönliches Merkmal, das relativ stabil ist, aber sich auch im Laufe des Lebens wesentlich verändern kann.
Gesundheit bedeutet Leistungsfähigkeit, d.h. gesellschaftlich und sozial geforderte Funktionen aufrechterhalten zu können.
Gesundheit als Phänomen, das nur negativ definiert wird: Gesundheit ist die Abwesenheit von Krankheit, sie ist nicht erlebbar, d.h. sie wird nicht bemerkt. Nur wenn eine Krankheit auftritt, wird die verlorene Gesundheit wahrgenommen.
Untersuchungen in verschiedenen Ländern bestätigen diese Aussage. Auch Blaxters Untersuchung kann diese Kategorien aufzeigen. Dabei werden die positiven Konzepte am häufigsten benannt: psychisches Wohlbefinden zu 42%, Gesundheit als körperliche Stärke zu 30% und Leistungsfähigkeit zu 28%. Die Abwesenheit von Krankheit als Gesundheitskonzept wird nur zu 13% angegeben. Allerdings weist Faltermeier in seiner Studie darauf hin, dass Menschen ein komplexes System an Gesundheitskonzepten aufweisen. Auf offene Fragen hin benennen Sie im Schnitt 2,8 Kategorien, wobei 90% der Personen zwei und mehr Kategorien angeben. Dies könnte sich dadurch erklären, dass ein Mensch sehr krank sein kann (z. B. Krebs) und für diesen Zustand ein weniger positives Gesundheitskonzept hat (geringe Leistungsfähigkeit, geringe Ressourcen), aber in anderen Lebensbereichen sich sonst gesund fühlt und somit ein positives Gesundheitskonzept heranzieht. Meist herrschen in bildungsschwächeren Schichten Einstellungsmuster und Handlungsorientierungen vor, die eher einer fatalistischen Vorstellung und Kontrollüberzeugung von Gesundheit und Krankheit unterliegen und eine geringere Präventivorientierung und Symptomaufmerksamkeit aufweisen. Zusätzlich sind die Selbstwirksamkeitsüberzeugungen in gesundheitlichen Belangen auch eher von einem instrumentellen Verhältnis zum Körper geprägt. Die Unterschiede in den sozialen Schichten erklären sich dadurch, dass die negative funktionale Definition der Gesundheit (die Abwesenheit von Krankheit und Leistungsfähigkeit) in den unteren Schichten häufiger wahrgenommen wird als in den mittleren und höheren Schichten, die die psychische Komponente des Wohlbefindens stärker differenzieren und betonen.
Da Migranten am Anfang häufig nur geringe materielle Ressourcen besitzen und dementsprechend ihre Lebenssituation nicht selten über einen längeren Zeitraum schwierig und defizitär ist, finden sie sich in der sozialen Hierarchie einer Gesellschaft meist in den unteren Schichten wieder. Laut einer Studie des Essener Zentrums für Türkeistudien ist das Haushaltseinkommen der Migranten niedriger als das der deutschen Haushalte. Im Jahre 2005 standen den türkischen Haushalten durchschnittlich 1.783 Euro monatlich zur Verfügung, was umgerechnet auf das Pro-Kopf-Einkommen knapp einem Drittel dessen entspricht, was den deutschen Haushalten zur Verfügung steht, da türkische Familien im Durchschnitt eine höhere Anzahl an Personen pro Haushalt aufweisen.
Kapitel 4.2.2, Subjektive Theorien der Gesundheit: Die subjektiven Theorien der Gesundheit beinhalten, wie schon definiert, die Wahrnehmung der Person über die positiven und negativen Einflüsse auf die eigene Gesundheit. Dabei werden psychosoziale Faktoren wie die psychische Ausgeglichenheit und positive soziale Beziehungen als auch Faktoren der eigenen Lebensweise (gute Ernährung, körperliche Fitness) in die Bewertung der Ursachen miteinbezogen. Auch Belastungen in der Familie, im Beruf oder im sozialen Umfeld, sowie Ruhe- und Entspannungsmöglichkeiten spielen eine wesentliche Rolle in den subjektiven Theorien über das Bestehen der eigenen Gesundheit.
Auch hier unterscheidet man wie bei den Gesundheitskonzepten zwischen mehreren Möglichkeiten der Auslegung. Faltermaier rekonstruiert auf Grundlage einer qualitativen Studie an 40 gesunden Personen 10 Typen von subjektiven Gesundheitstheorien, wodurch sich zeigt, dass Laien in der Lage sind, komplexe und differenzierte Theorien von Gesundheit zu entwickeln, die durchaus mit wissenschaftlichen Theorien vergleichbar sind. Zu nennen wären da einige, z. B. Gesundheit als Schicksal, als Folge von Umwelteinflüssen, biologischen Prozessen oder von Arbeitsbelastungen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836617901
Arbeit zitieren:
Ipeklioglu, Gökce Juni 2008: Der Einfluss von Gesundheitsvorstellungen und Tätigkeitsmerkmalen auf die psychische Beanspruchung: Ein interkultureller Vergleich türkischer und deutscher Kleingastronomen, Hamburg: Diplomica Verlag
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Gesundheit, Psychische Beanspruchung, Karasek, Gastronomie, Türkei



