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Kann das Ehrenamt den Sozialstaat retten?

Möglichkeiten und Grenzen des diakonischen Ehrenamtes als eine Praxisform des Sozialstaates – eine kritische Reflexion

Kann das Ehrenamt den Sozialstaat retten?
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Verena Koch
  • Abgabedatum: Mai 2007
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 373,2 KB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Theologische Fakultät Paderborn Deutschland
  • Originaltitel: Möglichkeiten und Grenzen des diakonischen Ehrenamtes als eine Praxisform des Sozialstaates
  • Bibliografie: ca. 27
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0479-6
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0479-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Koch, Verena Mai 2007: Kann das Ehrenamt den Sozialstaat retten?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Deutschland, Diakonie, Ehrenamtliche Tätigkeit, Sozialstaat, Sozialpolitik

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38,00 €

Diplomarbeit von Verena Koch

Einleitung:

Das Ehrenamt, das vor einigen Jahren noch in der Versenkung verschwunden zu sein schien, taucht heute wieder verstärkt in der Öffentlichkeit auf. In vielen Stellenanzeigen wird der Umgang mit Ehrenamtlichen als Kompetenz gefordert. Politiker verweisen in ihren Reden und Podiumsdiskussionen auf den Wert ehrenamtlicher Mitarbeit, um Einsparungen zu erreichen. In der Gesellschaft lassen sich viele Formen ehrenamtlicher Hilfe beobachten. Spontane, aber auch langfristige Hilfsaktionen einzelner Bürger existieren neben organisierter Mitarbeit in Vereinen und Wohlfahrtsverbänden.

Aber was ist gemeint, wenn wir heute von Ehrenamt sprechen? Das Ehrenamt wird mittlerweile in viele neue Begriffe, wie zum Beispiel Bürgerschaftliches Engagement, Freiwilligenarbeit und Selbsthilfe, gekleidet. Im Anschluss an Einleitung und Begründung der Fragestellung soll es im zweiten Kapitel darum gehen, den Begriff Ehrenamt von anderen Formen freiwilliger Hilfe abzugrenzen, ihn zu definieren und Merkmale des Ehrenamtes herauszuarbeiten. Darüber hinaus werden die geschichtliche Entwicklung des Ehrenamtes sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen auf das Ehrenamt in den Blick genommen, die den Wandel vom „alten“ zum „neuen“ Ehrenamt im Hinblick auf verschiedene Aspekte wie zum Beispiel Finanzierung, Qualifizierung und Motive hervorrufen.

Gang der Untersuchung:

Im Kontext einer caritaswissenschaftlichen Arbeit betrachtet das folgende dritte Kapitel Ehrenamt aus der Perspektive der Diakonie. So werde ich als Grundlage den Begriff Diakonie definieren und seine theologische Begründung aufzeigen. Daraus lassen sich im nächsten Schritt Konsequenzen für den Einsatz Ehrenamtlicher und für den Umgang Ehrenamtlicher mit Not Leidenden aus diakonischem Verständnis formulieren.

Das Ehrenamt, das Politiker oft als eine Rettung des Sozialstaates ausrufen, scheint für diesen eine wesentliche Bedeutung zu haben. Das vierte Kapitel rückt den Begriff Sozialstaat, seine Aufgaben und seine geschichtliche Entwicklung in den Blickpunkt. Anschließend wird versucht, die Bedeutung des Ehrenamtes als eine Praxisform des Sozialstaates zu charakterisieren. Dabei ist die Verortung und die Rolle der Diakonie im Sozialstaat zu berücksichtigen.

An diese Überlegungen schließt sich direkt die Frage an, was das viel beschworene Ehrenamt denn tatsächlich für den Staat leisten kann. Können Ehrenamtliche als Lückenbüßer dienen oder für Einsparungen herhalten? Besteht hier nicht die Gefahr der Verdrängung hauptberuflicher Kräfte? Das fünfte Kapitel stellt heraus, was das Ehrenamt für den Staat leisten kann. Daran anknüpfend weist das sechste Kapitel kritisch auf die Grenzen ehrenamtlichen Einsatzes hin. Beide Kapitel münden abschließend in der provozierenden Frage, ob das diakonische Ehrenamt überhaupt als eine Praxisform des Sozialstaates gefordert werden darf? Sind Ehrenamtliche vielleicht nicht sogar zu schützen, dass sie nicht zu Vollzugsgehilfen der Politiker für eine ungerechte Sozialpolitik werden? Diese Ausgangsfrage meiner Arbeit ist unter Berücksichtigung der theologischen Kriterien, denen das Ehrenamt genügen muss, zu reflektieren. Auf diese Frage Antworten zu entwickeln, ist Intention des siebten Kapitels.

Inhaltsverzeichnis:

1. Ausgangssituation 7
1.1 Begründung der Fragestellung 8
1.2 Sozialstaatliche Entwicklung 9
1.2.1 Individualisierung und Solidarisierung 9
1.2.2 Demographische Entwicklung 10
1.2.3 Wachsende Arbeitslosigkeit 11
1.3 Vom fürsorglichen zum schlanken und aktivierenden Staat 12
1.4 Ehrenamt in der Diakonie 12
1.4.1 Ehrenamt als Ersatz für das Hauptamt in der Diakonie 13
1.4.2 Ehrenamt als Rekrutierung 14
2. Allgemeines Verständnis des Ehrenamtes 15
2.1 Abgrenzung des Ehrenamtes von anderen Arten des Engagements 15
2.1.1 Selbsthilfe 15
2.1.2 Freiwilligenarbeit 16
2.1.3 Bürgerschaftliches Engagement 16
2.1.4 Ehrenamt 17
2.2 Elemente des Begriffes Ehrenamt 18
2.2.1 Definition des Ehrenamtes 18
2.2.2 Kriterien ehrenamtlichen Handelns 19
2.2.2.1 qualifiziert 19
2.2.2.2 organisiert 19
2.2.2.3 identitätsbildend 20
2.2.2.4 werteorientiert 20
2.2.2.5 unentgeltlich 20
2.3 Geschichte des Ehrenamtes 21
2.3.1 Preußische Städteordnung 21
2.3.2 Elberfelder System 22
2.3.3 Berufliche Professionalisierung sozialer Arbeit 22
2.3.4 Bedeutungsverlust des Ehrenamtes 23
2.3.5 Renaissance des Ehrenamtes 24
2.4 Ehrenamt im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen 25
2.4.1 Individualisierung 25
2.4.1.1 Einflussfaktoren der Individualisierung 26
2.4.1.2 Der Wandel vom „alten“ zum „neuen“ Ehrenamt 26
2.4.1.2.1 Zunahme der Gratifikationsleistungen 27
2.4.1.2.2 Ehrenamt als Verwirklichung eigener Lebensbedürfnisse 28
2.4.1.2.3 Ehrenamt als gegenseitige Leistungsvereinbarung 28
2.4.1.2.4 Ehrenamt als Baustein der eigenen Biographie 29
2.4.1.2.5 Ehrenamt als flexibles Handeln 29
2.4.1.3 Konsequenzen für das Ehrenamt 30
2.4.1.3.1 Akzeptanz der Individualisierung 30
2.4.1.3.2 Ehrenamt als Anklage notverursachender Strukturen 31
2.4.2 Funktionale Differenzierung 32
2.4.2.1 Grundlagen der Systemtheorie 32
2.4.2.2 Die Aufgabe der Religion im System 33
2.4.2.3 Diakonie als Leistung der Religion 34
2.4.2.4 Konsequenzen für das Ehrenamt 34
2.4.2.4.1 Abwehr der Instrumentalisierung des Ehrenamtes 34
2.4.2.4.2 Ehrenamt als Kritik an sozialstrukturellen Zusammenhängen 35
2.5 Fazit 36
3. Theologische Grundlagen für das Ehrenamt in der Diakonie 37
3.1 Vorklärungen 37
3.1.1 Allgemeines Verständnis von Diakonie 37
3.1.2 Ehrenamt als Praxisform der Diakonie 38
3.2 Diakonie als Reich-Gottes-Praxis Jesu 40
3.2.1 Kennzeichen und Optionen der Reich-Gottes-Botschaft 40
3.2.2 Das Reich Gottes zwischen Gegenwart und Zukunft 40
3.2.3 Das Reich Gottes zwischen Geschenk und Anspruch 42
3.2.4 Reich-Gottes-Botschaft und Prophetie 43
3.2.5 Diakonie als prophetischer Prozess 44
3.2.6 Anforderungen an die Diakonie 45
3.2.7 Konsequenzen für das Ehrenamt in der Diakonie 46
3.2.7.1 Ehrenamt als politisch ambitioniertes Handeln 46
3.2.7.2 Ehrenamt unter dem Prinzip der Option für die Armen 47
3.2.7.3 Ehrenamt als Ort der Beziehung gleichberechtigter Subjekte 47
3.2.7.4 Offenheit für Prophetie im Ehrenamt 49
3.3 Die Beziehung Gottes zum Menschen in der Diakonie 50
3.3.1 Der Mensch als selbstherrliches Subjekt 50
3.3.2 Der Mensch in der Beziehung zum Anderen 50
3.3.3 Die Gestaltung der Beziehung zum Anderen 51
3.3.4 Gottes Spur im Angesicht des Anderen 51
3.3.5 Der Vorrang der Not Leidenden 52
3.3.6 Diakonie als Zeugnis Gottes 53
3.3.7 Konsequenzen für das Ehrenamt aus diakonischem Verständnis 53
3.3.7.1 Ehrenamt als Ort der Verwirklichung des Zeugnisses Gottes 53
3.3.7.2 Ehrenamt als Anspruch der Verantwortung für den Anderen 54
3.4 Zuwendung Gottes zu Not Leidenden im Alten Testament 56
3.4.1 Klage 56
3.4.2 Nächstenliebe 57
3.4.3 Konsequenzen für das Ehrenamt aus diakonischem Verständnis 58
3.5 Fazit 59
3.5.1 Theologisches Verständnis der Diakonie 60
3.5.2 Konsequenzen für das Ehrenamt aus diakonischem Verständnis 61
4. Diakonisches Ehrenamt im Kontext des Sozialstaates 63
4.1 Allgemeines Verständnis Sozialstaat 63
4.1.1 Ziele und Aufgaben des Sozialstaates 64
4.1.2 Finanzierungssysteme sozialstaatlicher Leistungen 65
4.1.3 Gesetzliche Grundlagen des Sozialstaates 67
4.2 Geschichte des Sozialstaates 68
4.2.1 Die Sozialgesetzgebung Bismarcks 68
4.2.2 Weimarer Republik 69
4.2.3 Ausbau des Sozialstaates in der Nachkriegszeit 69
4.2.4 Krise des Sozialstaates ab Mitte der 70iger Jahre 70
4.3 Diakonie und Sozialstaat 71
4.3.1 Verortung der Diakonie im Sozialstaat 71
4.3.2 Diakonie als Partner des Sozialstaates 72
4.3.3 Diakonisches Ehrenamt als Praxisform des Sozialstaates 74
4.4 Fazit 75
5. Möglichkeiten des diakonischen Ehrenamtes im Sozialstaat 76
5.1 Ehrenamt als Entlastung von Steuerungsproblemen des Staates 76
5.2 Ehrenamt als Partizipationsmöglichkeit der Bürger 78
5.3 Ehrenamt zur Erschließung neuer Handlungsfelder 79
5.4 Ehrenamt als kostengünstige Ressource 80
5.5 Symbolische Bedeutung des Ehrenamtes für den Sozialstaat 81
6. Grenzen des diakonischen Ehrenamtes im Sozialstaat 83
6.1 Verdrängung regulärer Beschäftigungsverhältnisse 83
6.2 Verlust von Professionalität und Qualität von Sozialleistungen 84
6.3 Ehrenamt als Kompensation gesellschaftlicher Defizite 85
6.4 Profilverlust und Überforderung des Ehrenamtes 86
7. Diakonisches Ehrenamt als Praxisform des Sozialstaates? Fazit 88
Literaturverzeichnis 90

Inhaltsverzeichnis:

1. Ausgangssituation 7
1.1 Begründung der Fragestellung 8
1.2 Sozialstaatliche Entwicklung 9
1.2.1 Individualisierung und Solidarisierung 9
1.2.2 Demographische Entwicklung 10
1.2.3 Wachsende Arbeitslosigkeit 11
1.3 Vom fürsorglichen zum schlanken und aktivierenden Staat 12
1.4 Ehrenamt in der Diakonie 12
1.4.1 Ehrenamt als Ersatz für das Hauptamt in der Diakonie 13
1.4.2 Ehrenamt als Rekrutierung 14
2. Allgemeines Verständnis des Ehrenamtes 15
2.1 Abgrenzung des Ehrenamtes von anderen Arten des Engagements 15
2.1.1 Selbsthilfe 15
2.1.2 Freiwilligenarbeit 16
2.1.3 Bürgerschaftliches Engagement 16
2.1.4 Ehrenamt 17
2.2 Elemente des Begriffes Ehrenamt 18
2.2.1 Definition des Ehrenamtes 18
2.2.2 Kriterien ehrenamtlichen Handelns 19
2.2.2.1 qualifiziert 19
2.2.2.2 organisiert 19
2.2.2.3 identitätsbildend 20
2.2.2.4 werteorientiert 20
2.2.2.5 unentgeltlich 20
2.3 Geschichte des Ehrenamtes 21
2.3.1 Preußische Städteordnung 21
2.3.2 Elberfelder System 22
2.3.3 Berufliche Professionalisierung sozialer Arbeit 22
2.3.4 Bedeutungsverlust des Ehrenamtes 23
2.3.5 Renaissance des Ehrenamtes 24
2.4 Ehrenamt im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen 25
2.4.1 Individualisierung 25
2.4.1.1 Einflussfaktoren der Individualisierung 26
2.4.1.2 Der Wandel vom „alten“ zum „neuen“ Ehrenamt 26
2.4.1.2.1 Zunahme der Gratifikationsleistungen 27
2.4.1.2.2 Ehrenamt als Verwirklichung eigener Lebensbedürfnisse 28
2.4.1.2.3 Ehrenamt als gegenseitige Leistungsvereinbarung 28
2.4.1.2.4 Ehrenamt als Baustein der eigenen Biographie 29
2.4.1.2.5 Ehrenamt als flexibles Handeln 29
2.4.1.3 Konsequenzen für das Ehrenamt 30
2.4.1.3.1 Akzeptanz der Individualisierung 30
2.4.1.3.2 Ehrenamt als Anklage notverursachender Strukturen 31
2.4.2 Funktionale Differenzierung 32
2.4.2.1 Grundlagen der Systemtheorie 32
2.4.2.2 Die Aufgabe der Religion im System 33
2.4.2.3 Diakonie als Leistung der Religion 34
2.4.2.4 Konsequenzen für das Ehrenamt 34
2.4.2.4.1 Abwehr der Instrumentalisierung des Ehrenamtes 34
2.4.2.4.2 Ehrenamt als Kritik an sozialstrukturellen Zusammenhängen 35
2.5 Fazit 36
3. Theologische Grundlagen für das Ehrenamt in der Diakonie 37
3.1 Vorklärungen 37
3.1.1 Allgemeines Verständnis von Diakonie 37
3.1.2 Ehrenamt als Praxisform der Diakonie 38
3.2 Diakonie als Reich-Gottes-Praxis Jesu 40
3.2.1 Kennzeichen und Optionen der Reich-Gottes-Botschaft 40
3.2.2 Das Reich Gottes zwischen Gegenwart und Zukunft 40
3.2.3 Das Reich Gottes zwischen Geschenk und Anspruch 42
3.2.4 Reich-Gottes-Botschaft und Prophetie 43
3.2.5 Diakonie als prophetischer Prozess 44
3.2.6 Anforderungen an die Diakonie 45
3.2.7 Konsequenzen für das Ehrenamt in der Diakonie 46
3.2.7.1 Ehrenamt als politisch ambitioniertes Handeln 46
3.2.7.2 Ehrenamt unter dem Prinzip der Option für die Armen 47
3.2.7.3 Ehrenamt als Ort der Beziehung gleichberechtigter Subjekte 47
3.2.7.4 Offenheit für Prophetie im Ehrenamt 49
3.3 Die Beziehung Gottes zum Menschen in der Diakonie 50
3.3.1 Der Mensch als selbstherrliches Subjekt 50
3.3.2 Der Mensch in der Beziehung zum Anderen 50
3.3.3 Die Gestaltung der Beziehung zum Anderen 51
3.3.4 Gottes Spur im Angesicht des Anderen 51
3.3.5 Der Vorrang der Not Leidenden 52
3.3.6 Diakonie als Zeugnis Gottes 53
3.3.7 Konsequenzen für das Ehrenamt aus diakonischem Verständnis 53
3.3.7.1 Ehrenamt als Ort der Verwirklichung des Zeugnisses Gottes 53
3.3.7.2 Ehrenamt als Anspruch der Verantwortung für den Anderen 54
3.4 Zuwendung Gottes zu Not Leidenden im Alten Testament 56
3.4.1 Klage 56
3.4.2 Nächstenliebe 57
3.4.3 Konsequenzen für das Ehrenamt aus diakonischem Verständnis 58
3.5 Fazit 59
3.5.1 Theologisches Verständnis der Diakonie 60
3.5.2 Konsequenzen für das Ehrenamt aus diakonischem Verständnis 61
4. Diakonisches Ehrenamt im Kontext des Sozialstaates 63
4.1 Allgemeines Verständnis Sozialstaat 63
4.1.1 Ziele und Aufgaben des Sozialstaates 64
4.1.2 Finanzierungssysteme sozialstaatlicher Leistungen 65
4.1.3 Gesetzliche Grundlagen des Sozialstaates 67
4.2 Geschichte des Sozialstaates 68
4.2.1 Die Sozialgesetzgebung Bismarcks 68
4.2.2 Weimarer Republik 69
4.2.3 Ausbau des Sozialstaates in der Nachkriegszeit 69
4.2.4 Krise des Sozialstaates ab Mitte der 70iger Jahre 70
4.3 Diakonie und Sozialstaat 71
4.3.1 Verortung der Diakonie im Sozialstaat 71
4.3.2 Diakonie als Partner des Sozialstaates 72
4.3.3 Diakonisches Ehrenamt als Praxisform des Sozialstaates 74
4.4 Fazit 75
5. Möglichkeiten des diakonischen Ehrenamtes im Sozialstaat 76
5.1 Ehrenamt als Entlastung von Steuerungsproblemen des Staates 76
5.2 Ehrenamt als Partizipationsmöglichkeit der Bürger 78
5.3 Ehrenamt zur Erschließung neuer Handlungsfelder 79
5.4 Ehrenamt als kostengünstige Ressource 80
5.5 Symbolische Bedeutung des Ehrenamtes für den Sozialstaat 81
6. Grenzen des diakonischen Ehrenamtes im Sozialstaat 83
6.1 Verdrängung regulärer Beschäftigungsverhältnisse 83
6.2 Verlust von Professionalität und Qualität von Sozialleistungen 84
6.3 Ehrenamt als Kompensation gesellschaftlicher Defizite 85
6.4 Profilverlust und Überforderung des Ehrenamtes 86
7. Diakonisches Ehrenamt als Praxisform des Sozialstaates? Fazit 88
Literaturverzeichnis 90

Textprobe:

Kapitel 2.4.1.2, Der Wandel vom „alten“ zum „neuen“ Ehrenamt:

Die durch die Individualisierung hervorgerufenen gesellschaftlichen Veränderungen wirken sich auf das Verständnis ehrenamtlicher Mitarbeit sowie auf das Selbstverständnis der ehrenamtlich Mitarbeitenden aus. Merkmale des „alten“ Ehrenamtes wie Aufopferung, Altruismus, Kontinuität, Unterordnung, mangelnde Selbstbestimmung und die Dominanz von Frauen in ehrenamtlichen Arbeitsfeldern treten zugunsten neuer Motive in den Hintergrund. Menschen erhoffen sich heute in ehrenamtlicher Mitarbeit Kontakt und Geselligkeit, Spaß und Selbstbestimmung, persönlichkeitsbildende Selbsterfahrung und neue Formen sozialen Umgangs. Bevor ich die Veränderungen im „neuen“ Ehrenamt eingehender erläutere, schließe ich mich der Kritik von Kampmann-Grünewald an, dass es nicht darum gehen soll, die Konstitutionsbedingungen „neuen“ Ehrenamtes zu undifferenziert soziologischen Großtheoremen, wie zum Beispiel der Individualisierung, zuzuordnen. So findet „neues“ Ehrenamt, wenn auch oft gegenteilig behauptet, noch immer in traditionellen Organisationen statt. Dennoch möchte ich einige auf der Individualisierung beruhende Veränderungen in Motivation, Erwartung und Verpflichtung erläutern.

Kapitel 2.4.1.2.1, Zunahme der Gratifikationsleistungen:

Die Trennlinie von unbezahltem Ehrenamt und bezahlter Erwerbsarbeit beginnt unscharf zu werden. Die Bedeutung monetärer Gratifikationsleistungen nimmt zu. Das Ehrenamt ist vielfach ohne Geld nicht mehr zu haben. Es entwickelt sich eine Balance zwischen Geben und Nehmen , die es auszutarieren gilt. Anreize wie finanzielle Vergünstigungen, Zertifikate und Tätigkeitsnachweise für den Berufseinstieg sowie Nachweise für die Rentenversicherungen sollen öffentliche Wertschätzung symbolisieren. Dadurch gerät das Ehrenamt in Gefahr, die Gestalt von Honorartätigkeiten, Billiglohnarbeit oder „Ersatz-Erwerbsarbeit“ anzunehmen.

Kapitel 2.4.1.2.2, Ehrenamt als Verwirklichung eigener Lebensbedürfnisse:

Berufliche Weiterentwicklung stellt ein Anliegen dar, aus dem heraus eine ehrenamtliche Tätigkeit aufgenommen wird. Für Frauen besitzt es zum Beispiel die Funktion der Qualifikation für den Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase. Menschen nutzen ihre beruflichen Kompetenzen bewusst für das Ehrenamt und umgekehrt. Darüber hinaus ist die Tätigkeit verbunden mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung in Form von weiterführenden Erfahrungen und Lernprozessen. Wie selbstverständlich die Verknüpfung von Ehrenamt mit anderen Lebensfeldern und -bedürfnissen erlebt wird, zeigt auch die Differenzierung verschiedener Typen ehrenamtlich tätiger Personen nach Notz , von denen ich nur zwei Beispiele kurz erwähnen möchte. So dient zum Beispiel das Ehrenamt Frauen, die an Versorgungsaufgaben in der Familie gebunden sind, als außerhäusliches Betätigungsfeld und Kontakt zur Öffentlichkeit, während Senioren im Ehrenamt soziale Relevanzerfahrung im Alter suchen. Anhand der verschiedenen Personengruppen wird deutlich, wie sich die Rückerstattungserwartungen der Ehrenamtlichen ausgeweitet und gewandelt haben.

Kapitel 2.4.1.2.3, Ehrenamt als gegenseitige Leistungsvereinbarung:

Das Ehrenamt ist heute zeitlich befristet und setzt genaue Aufgabenbeschreibungen, sogar gegebenenfalls einen Kontrakt voraus. Neben der selbstverständlichen Aufwandsentschädigung gewinnt auch die vorbereitende Qualifizierung für die Tätigkeit sowie die kontinuierliche Begleitung während der Mitarbeit an entscheidender Bedeutung. Qualifizierung und Begleitung sind eine verbindlich zu gewährleistende Aufgabe der jeweiligen Träger. Dies lässt sich am Beispiel der Telefonseelsorge veranschaulichen, da hier der Arbeit am Telefon eine fünfzehn Monate dauernde Ausbildung vorausgeht. Die anschließende Telefonberatung wird durch Supervision begleitet.

Kapitel 2.4.1.2.4, Ehrenamt als Baustein der eigenen Biographie:

Das Ehrenamt geschieht lebensphasenorientiert, das heißt, dass es bestimmte Situationen im Leben eines Menschen gibt, in denen er sich engagiert. Fallen in einer Lebensphase Motiv, Anlass und Gelegenheit zusammen, kommt erst Engagement zustande. Die Mitarbeit basiert auf einer eigenständigen Entscheidung und einer bewussten Wahl als Element des selbstbestimmten Lebenskonzepts, als ein Bestandteil der „Bastelbiographie“. Ausgangspunkt ist die eigene Betroffenheit bezüglich des Tätigkeitsinhalts , das heißt, dass sich zum Beispiel eine Mutter mit Kindern im Grundschulalter bei den Kommunionvorbereitungen einbringt. Die lebensphasenabhängige Ausprägung des Ehrenamtes lässt sich ebenfalls anhand der von Notz unterschiedenen Typen ehrenamtlich Tätiger verdeutlichen.

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Arbeit zitieren:
Koch, Verena Mai 2007: Kann das Ehrenamt den Sozialstaat retten?, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Deutschland, Diakonie, Ehrenamtliche Tätigkeit, Sozialstaat, Sozialpolitik

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