Zur Effizienz und Effektivität der Leistungserbringung in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als Ergebnis eines prozessorientierten Content Management
Am Beispiel des WDR Köln
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Martin Gomolka
- Abgabedatum: Juli 2003
- Umfang: 245 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Gelsenkirchen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9220-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9220-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9220-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Gomolka, Martin Juli 2003: Zur Effizienz und Effektivität der Leistungserbringung in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als Ergebnis eines prozessorientierten Content Management, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Medienmanagement, Strategische Planung, Digitalisierung, Prozessorganisation, Systemintegration
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Diplomarbeit von Martin Gomolka
Einleitung:
Seit Beginn der 1980er Jahre haben sich unter dem Einfluss globaler Entwicklungen die vorherrschenden Paradigmen der Wirtschafts-, Kultur- und Sozialpolitik in der Bundesrepublik Deutschland grundlegend verändert. Es lässt sich ein kontinuierlicher Wandel von vormals politikdominierenden Begriffen wie Sozialverträglichkeit, Grundversorgung oder Verteilungsgerechtigkeit hin zu Konzepten verfolgen, die unter dem Begriff der Ökonomisierung eine Vielzahl von Trends und Entwicklungen versammeln. Der Einfluss dieses Phänomens auf die Leitlinien der (Medien-)Politik verdichtet sich in populären Schlagworten wie Globalisierung, Liberalisierung, Deregulierung und Privatisierung.
Die weitreichenden Implikationen dieser Entwicklungen betreffen längst nicht mehr nur die Privatwirtschaft, sondern erstrecken sich auch auf die in unterschiedlichen Formen erbrachten öffentlichen Leistungen. So wird deutlich, dass vor dem Hintergrund der angespannten Finanzlage öffentlicher Haushalte nur eine Überprüfung und Verbesserung der Wirtschaftlichkeit und Effektivität notwendige finanzielle Handlungsspielräume erhalten kann.
Der klassische Rundfunkauftrag, der in der verfassungsrechtlichen Figur der Grundversorgung seine Entsprechung findet, betont vor allem die Funktionen der (Massen-) Medien für eine pluralistische und demokratische Staatsordnung. Über Jahrzehnte fand diese Auffassung ihren Ausdruck in einer ausgeprägten Angebotsorientierung und dem Bestreben, medienpolitische Steuerungsmöglichkeiten zu erhalten. Die Deregulierung des Mediensystems setzt dagegen auf eine Nachfrageorientierung in Verbindung mit einer erhofften Selbstregulierung der Märkte. Diesen Ausprägungen der Ökonomisierung ist ebenfalls das bundesdeutsche Mediensystem ausgesetzt, das im Jahr 1984 mit der Einführung des dualen Systems im Rundfunkbereich seine folgenreichste Veränderung erfuhr: Dem bis dato monopolistischen, gebührenfinanzierten öffentlichrechtlichen Rundfunk erwuchsen mit der Etablierung neuer, privater Sender Wettbewerber um Rezipienten und Aufmerksamkeit. Infolgedessen lässt sich Medienhandeln heute zunehmend in der Logik von Effizienz und Profitmaximierung verstehen. Mediengüter sind Waren, über deren Marktbedingungen Angebot und Nachfrage entscheiden. Aufmerksamkeit wird zur maßgeblichen Richtgröße, die im Ergebnis über Angebot und Akzeptanz einzelner Medienproduzenten und ihre Erzeugnisse entscheidet.
Diese Untersuchung greift die Sachzwänge auf, die auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dazu veranlassen, seinen Erfolg zum Beispiel anhand einer Zuschaueranteilquote messen zu lassen. Auch für ihn gilt: Ein Programm, das unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfände, verlöre seine gesellschaftliche, durch den Grundversorgungsauftrag abgesicherte, Legitimation. Gleichzeitig erwächst den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbietern aus dem Gebührenprivileg die Verpflichtung, Programme informierender, kultureller, bildender und unterhaltender Art anzubieten. Hier sind es zu einem guten Teil die Qualität und Vielfalt der dargebotenen Leistungen, die in der Öffentlichkeit als Hauptargument für den besonderen Status des Public Service Broadcasting dienen: „Informationsprogramme, die nicht bloß auf Agenturberichten aufbauen, sondern auf eigene, unabhängige Recherche, haben ihren Preis....Fernsehspiele, Sportberichterstattung und Kulturprogramme, die sich am öffentlich-rechtlichen Qualitätsstandard orientieren, kosten ebenfalls viel Geld.“ Hier werden Maßnahmen skizziert, wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten diesen Anforderungen der Umwelt im Rahmen der Unternehmensführung Rechnung tragen können. Im Vordergrund steht dabei das Dilemma, welches sich in ihrer „Doppelstrategie“ dokumentiert, die sich zwischen den zentralen Merkmalen der Wettbewerbswirtschaft, Effizienz und Freiheit der Konsumentenentscheidung auf der einen und der auf dem Marktversagensargument (in Informationsmärkten) fußenden Pflicht zur Grundversorgung auf der anderen Seite aufhält.
Vor dem Hintergrund real gesunkener Mittel werden seit Beginn der 1990er Jahre unter dem Stichwort „Strukturreform“ Möglichkeiten diskutiert, die Arbeit des institutionalisierten öffentlichen-rechtlichen Rundfunk kosteneffizienter zu gestalten. Hier stehen jedoch nicht die Ansätze zur Reform des öffentlich-rechtlichen Systems als Ganzes, sondern die Maßnahmen, die im Sinne moderner Management-Konzepte den Prozess der Leistungserstellung ins Zentrum möglicher Restrukturierungen rücken, im Vordergrund.
Der technologischen Entwicklung fällt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle zu: Durch die Digitalisierung der Produktions- und Distributionstechnik eröffnen sich Innovationspotenziale, die systemweit eine Vervielfachung der Kanäle versprechen. Auf der Unternehmensebene bieten sich Chancen, Rationalisierungspotenziale und Synergien sowohl innerhalb der Wertschöpfungskette als auch auf organisatorisch-institutioneller Ebenen zu realisieren.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Abbildungen und Tabellen | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 3 |
| 2. | Grundlegende Definitionen | 6 |
| 2.1 | Effizienz und Effektivität | 6 |
| 2.1.1 | Effizienzprinzip- Abbildung der Effizienz | 7 |
| 2.1.2 | Effektivität | 9 |
| 2.1.3 | Effektivität und Effizienz im Rundfunk - Zielsystematisierung | 11 |
| 2.1.3.1 | Sach- und Formalziele der Unternehmenstätigkeit | 11 |
| 2.1.3.2 | Aktuelles Beispiel: Gebührendiskussion | 12 |
| 2.1.3.3 | Ziel-Mittel-Ebenen | 14 |
| 2.1.3.4 | Mehrdimensionalität des öffentlich-rechtlichen Zielsystems | 16 |
| 2.1.3.5 | Weitere Handlungsfelder öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten | 16 |
| 2.1.3.6 | Zwischenfazit | 18 |
| 2.2 | Content Management | 19 |
| 2.2.1 | Content: Essence und Metadaten | 19 |
| 2.2.2 | Abgrenzung zum Media Asset Management | 20 |
| 2.2.3 | Begriffliche Erweiterung – Integration des Workflows | 21 |
| 3. | Prozessorganisation | 24 |
| 3.1 | Gebilde- versus Prozessstruktur | 24 |
| 3.2 | Operatives Management | 27 |
| 3.3 | Prozessorientierung | 29 |
| 3.4 | Prozess/Geschäftsprozess | 33 |
| 3.4.1 | Geschäftsprozess – Identifikation | 35 |
| 3.4.2 | Primäre/sekundäre Prozesse | 37 |
| 3.4.3 | Anzahl von Kernprozessen | 39 |
| 3.5 | Kernprozesse in Rundfunkunternehmen | 40 |
| 3.5.1 | Wertschöpfungskette | 40 |
| 3.5.2 | Verflechtungen und Verknüpfungen | 42 |
| 3.5.2.1 | Beispiele Verknüpfungen und Verflechtungen | 43 |
| 3.5.2.2 | Verknüpfungen auf monetärer Ebene | 45 |
| 3.5.3 | Empfehlungen zur Prozessanalyse | 47 |
| 3.5.4 | Prozesstypen als Gegenstand der Prozessverbesserung/-erneuerung | 49 |
| 3.5.5 | Geschäftsprozessmodellierung | 50 |
| 3.5.5.1 | Geschäftsprozessmodellierung mit ARIS | 51 |
| 3.5.5.2 | Modellebenen | 52 |
| 3.6 | Prozessorientierung/Prozessorganisation in Literatur und Praxis | 53 |
| 3.6.1 | Management-Konzepte als Reaktion auf Umweltveränderungen | 53 |
| 3.6.2 | Neuorientierung durch moderne Managementkonzepte | 57 |
| 3.6.3 | Ein Syntheseansatz: Das Konzept des Geschäftsprozessmanagements | 58 |
| 3.7 | Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologie für Prozessorganisation | 62 |
| 3.7.1 | Kritik | 63 |
| 3.7.2 | und Gegenkritik | 63 |
| 3.8 | Restrukturierungen in Rundfunkunternehmen | 65 |
| 3.8.1 | Beispiel: Content Management im Hörfunk | 67 |
| 3.8.2 | Strategische Geschäftseinheiten als Basis der Restrukturierung | 68 |
| 3.8.3 | Beispiel: Interne Leistungsverrechnung WDR | 70 |
| 4. | Medien – Massenmedien – Rundfunk | 73 |
| 4.1 | Medienbegriff/Kommunikation | 74 |
| 4.2 | Medienunternehmen | 75 |
| 4.2.1 | Betriebswirtschaftlicher Unternehmensbegriff | 76 |
| 4.2.2 | Vielfältiges Zielsystem | 77 |
| 4.2.3 | Erweitertes Verständnis von Medienunternehmen | 78 |
| 4.3 | Medienprodukte | 78 |
| 4.3.1 | Sachziel beeinflusst die Gesamtstrategie | 79 |
| 4.3.2 | Doppelcharakter | 79 |
| 4.3.3 | Medienprodukte als ökonomische Güter | 80 |
| 4.3.3.1 | Marktfähigkeit | 81 |
| 4.3.3.2 | Nichtrivalität und Kostenstruktur | 82 |
| 4.3.3.3 | Fixkostendegression | 82 |
| 4.3.3.4 | Ausschlussprinzip | 83 |
| 4.3.3.5 | Meritorisierung und externe Effekte | 85 |
| 4.3.3.6 | Qualitätsbewertung/Indeterminiertheit | 88 |
| 4.3.3.7 | Zeitelastizität und Materialität des Verbrauchs | 93 |
| 4.3.4 | Strategische Implikationen der Gutseigenschaften für Medienunternehmen | 96 |
| 5. | Der Bezugs- und Ordnungsrahmen von Rundfunkveranstaltern | 98 |
| 5.1 | Einleitend: Aktuelle Entwicklungen/Situationsbeschreibung | 99 |
| 5.1.1 | Ökonomisierung | 100 |
| 5.1.2 | Folgen/Auswirkungen auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk | 103 |
| 5.1.2.1 | Verlust von Marktanteilen | 103 |
| 5.1.2.2 | Gesunkene Werbeeinnahmen | 105 |
| 5.1.2.3 | Preissteigerung bei Programm-Ressourcen | 105 |
| 5.1.2.4 | Die Bedeutung der Rundfunkgebühr hat zugenommen | 107 |
| 5.1.2.5 | Sparzwang | 107 |
| 5.2 | Rechtliche und medienpolitische Umwelt | 109 |
| 5.2.1 | Medienrecht | 109 |
| 5.2.2 | Rechtliche Begriffsauffassung von Medien | 110 |
| 5.2.3 | Verfassungsrecht - Kommunikationsfreiheit (Art. 5 GG) | 111 |
| 5.2.4 | Konkretisierung der Medienfunktionen | 111 |
| 5.2.5 | Rundfunkrecht, Rundfunkordnung | 115 |
| 5.2.5.1 | Begriffsdefinition Rundfunk | 115 |
| 5.2.5.2 | Verfassungsrecht/Rundfunkurteile | 116 |
| 5.2.5.3 | Grundversorgung | 118 |
| 5.2.5.4 | Medienpolitische Diskussionen | 119 |
| 5.2.5.5 | Rundfunkstaatsvertrag | 120 |
| 5.2.5.6 | Kontrollinstanzen | 122 |
| 5.3 | Weitere Unternehmensumwelt | 122 |
| 5.3.1 | Kategorisierung der Umweltdeterminanten | 123 |
| 5.3.1.1 | Ansätze zur Abgrenzung der Umwelt | 124 |
| 5.3.1.2 | Dynamik und Komplexität der Umweltfaktoren/-determinanten | 126 |
| 5.3.2 | Globalisierung und Informationsgesellschaft | 127 |
| 5.3.3 | Deregulierung | 130 |
| 5.3.4 | Technologie | 132 |
| 5.3.4.1 | Massenmedien und Technologie | 132 |
| 5.3.4.2 | Bedeutung technologischer Innovationen für die Massenmedien -Digitalisierung | 132 |
| 5.3.4.3 | Digitalisierung der Medien, des Fernsehens und der medialen Wertschöpfungskette | 133 |
| 5.3.4.4 | Digitalisierung | 134 |
| 5.3.4.5 | Die Netze/das Medium | 137 |
| 5.3.4.6 | Integrationsfähigkeit digitaler Medien und Dienste – Desintegration von Information und Übertragungsmedium | 138 |
| 5.3.4.7 | Multimedia – Entwicklungslinien der Konvergenz | 139 |
| 5.3.4.8 | Integrierte Wertschöpfungsprozesse und digitale Technik | 142 |
| 5.3.5 | Einflüsse auf das Geschäftsmodell | 146 |
| 6. | Leistungserbringung – was ist die Leistung? | 147 |
| 6.1 | Rundfunkprogramm | 147 |
| 6.1.1 | Voll- oder Spartenprogramm | 148 |
| 6.2 | Rundfunkprodukte als ökonomische Güter | 150 |
| 6.2.1 | Rundfunkproduktion | 150 |
| 6.2.2 | Make or Buy – Die Tiefe der Rundfunkproduktion | 151 |
| 6.2.3 | Beispiel öffentlich-rechtlicher Rundfunk | 152 |
| 6.3 | Möglichkeiten zur Bewertung von Rundfunkprodukten | 154 |
| 6.3.1 | Tausch- oder Konsumeinheit | 154 |
| 6.3.2 | Quantitative Messung der Rundfunkproduktion | 155 |
| 6.3.3 | Qualitative Messung der Rundfunkproduktion | 156 |
| 6.3.3.1 | Qualitätsmanagement | 157 |
| 6.3.3.2 | Kriterien inhaltlicher Qualität | 158 |
| 6.3.3.3 | Beispiel: Programmcontrolling beim WDR | 159 |
| 6.4 | Typische Eigenschaften von Rundfunkprodukten | 161 |
| 6.4.1 | Dienstleistungseigenschaften | 161 |
| 6.4.2 | Prozesscharakter | 163 |
| 6.5 | Unikat-/Projektcharakter des Herstellungsprozesses | 164 |
| 6.5.1 | Koordinationsaufwand und erhöhtes Risiko | 166 |
| 6.5.2 | Koordinationsbedarf: räumlich, zeitlich, inhaltlich | 170 |
| 6.5.3 | Andere Sichten auf das Unikatproblem | 171 |
| 6.5.3.1 | (Re)Organisation des Produktionsablaufs | 171 |
| 6.5.3.2 | Begrenzung der Unikateigenschaft durch Ressourcen und Prozesse | 172 |
| 6.5.3.3 | Empfehlungen | 180 |
| 7. | Fallbeispiel: Prozessorientiertes Content Management beim WDR | 183 |
| 7.1 | Aufbau und Funktionen von Content-Management-Systemen | 183 |
| 7.2 | Das Projekt „integrierte Produktions- und Speicherumgebung“ | 189 |
| 7.2.1 | Ursprünge | 189 |
| 7.2.2 | Projektverantwortliche | 190 |
| 7.2.3 | Der Projektverlauf – der derzeitige Stand | 191 |
| 7.2.4 | Content Management beim WDR: Probleme/auslösende Faktoren/Motive | 193 |
| 7.2.4.1 | Zeit/ Aktualität | 194 |
| 7.2.4.2 | Qualität/Recherchequalität | 195 |
| 7.2.4.3 | Mangelnde Datenintegration/Inselsysteme | 197 |
| 7.2.4.4 | Archivsicht – Digitalisierung der Bestände | 198 |
| 7.2.4.5 | Kostenaspekte Archiv und Digitalisierung - Die PRESTO-Studie | 200 |
| 7.2.4.6 | Ressourcenaspekte | 202 |
| 8. | Schlussbetrachtung | 204 |
| Literaturverzeichnis | 210 | |
| Anhang 1 | Erläuterung | |
| Anhang 2 | Abbildungen |
-102auch schon vor der Einführung des privaten Rundfunks Bestandteil der Zielsysteme öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten,548 diese wurden aber nicht zuletzt durch das Konkurrenzverhältnis zu den Privaten zu einem auch in der Öffentlichkeit diskutierten Kriterium, dem z.B. schon in der Diskussion um die Erhöhung der Rundfunkgebühren Mitte der 1990er Jahre eine hohe Bedeutung beigemessen wurde. Die Wirtschaftlichkeit, die bereits seit Ende der 1970er Jahre in verschiedenen Kennziffern549 gemessen wurde, und die Quote - als absolute Reichweite oder prozentualem Marktanteil - dominierten als quantitative Kriterien zunächst auch die Diskussion über Programme und deren Erfolg.550 Trotz der unterschiedlichen Zielsetzungen von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die mit der Grundversorgung beauftragt sind und privaten Rundfunkanbietern, denen Gewinnmaximierung als langfristiges Oberziel unterstellt werden kann551, wurde das Konkurrenzprinzip im dualen Rundfunksystem mit der Quote als Hauptindikator für den Erfolg akzeptiert.552 Langenbucher konstatiert: „Diese Quote mag die Goldwährung für den kommerziellen Rundfunk sein, für den öffentlichrechtlichen Rundfunk aber ist sie ein gefährliches Falschgeld.“553 Die Einführung des dualen Rundfunksystems554, die zuweilen als Folge des Primats der Ökonomie betrachtet wird555, muss als tiefgreifende Zäsur in der Rundfunkgeschichte der Bundesrepublik betrachtet werden: Einerseits hat sie zu einer deutlichen quantitativen Erweiterung von Programmangeboten und –formen geführt und zum anderen durch den scharfen Wettbewerb zwischen den Säulen des dualen Systems die Voraussetzungen für die Erfüllung der Funktionen und Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten grundlegend verändert. Der Wettbewerb zwischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter und privaten Rundfunkunternehmen äußert sich heute vor allem in einem Konkurrenzkampf um Kunden und Werbung.556 Geisler verortet die bewusst durch das BVerfG herbeigeführte Konkurrenz zwischen öffentlich-rechtlichen und pri- [...]
-101spiegelt sich nämlich ein grundsätzlicher Ideologie- bzw. Wertekonflikt wider, der sich zwischen den Teilsystemen der Politik und der Wirtschaft bewegt und mit unterschiedlichen Auffassungen über die Beziehung zwischen Wirtschaft und Kultur verbunden ist.539 Wissenschaftlich offenbart sich hier der häufig auftretende Dissens zwischen der Ökonomie und anderen Disziplinen, die sich mit dem Mediensystemen befassen. Der Doppelcharakter der Medien, sowohl als Kulturgut und Wirtschaftsgut aufgefasst zu werden, andererseits kommerziell organisiert zu sein und dennoch eine öffentliche Aufgabe zu übernehmen, mündet in einem Spannungsverhältnis:540 Auf der einen Seite fördern funktionelle Erwartungen an die Medien die Bestrebungen nach steuernden Regelungen zur Durchsetzung der Meinungsvielfalt, andererseits steht die Integration der Medien in wirtschaftliche Zusammenhänge diesen Regelungsabsichten entgegen.541 Mit dem Start des deutschen Kabelpilotprojekts „Ludwigshafen“, das als Beginn des dualen Rundfunksystems542 gesehen wird, kann eine Veränderung der Prioritäten in der Rundfunkpolitik konstatiert werden: von der Kultur- hin zur Wirtschafts- bzw. Standortpolitik.543 Neben Deutschland kann die auch in anderen europäischen Gesellschaften erfolgte Zulassung privater Veranstalter als geradezu kulturevolutionärer Prozess verstanden werden. Hiermit ist nach Glotz in den Ländern mit einer Tradition des gemeinnützigen und gesellschaftlich kontrollierten Rundfunks ein „radikaler“ Klimawechsel eingetreten, der bis heute anhält.544 Durch das Auftreten privater, werbefinanzierter Wettbewerber wurde das Rundfunksystem, in dem bis dato hauptsächlich publizistischer Wettbewerb stattfand, um die ökonomische Wettbewerbsdimension ergänzt.545 Das duale System „..bedeutet die Gleichrangigkeit und Gleichwertigkeit von öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanbietern.“546 Infolge der Einführung des dualen Rundfunksystems entstand eine vorher nicht gekannte Konkurrenz zu anderen Programmen und ein Legitimationsdruck in der Öffentlichkeit für gebührenfinanzierten Rundfunk.547 Zwar waren Wirtschaftlichkeits-erwägungen [...]
5.1.1 Ökonomisierung Darin äußert sich nur ein Umstand eines Prozesses, der von der Medienwissenschaft als Ökonomisierung532 bezeichnet wird. Heinrich, der diesbezüglich keinen definitorischen Unterschied zum Begriff der Kommerzialisierung machen will533, sieht den Prozess der „Ökonomisierung“ durch zwei zentrale Denkmuster begründet: Einmal in der Annahme des rationalen Handelns von Individuen, das sich für ihn in der ökonomischen „Ethik“ der Kosten-Nutzen-Analyse äußert und zum Zweiten in der Akzeptanz des Wettbewerbs als grundsätzlich optimales Verfahren zur Maximierung der individuellen Wohlfahrt.534 Der normativen Ebene des „Ökonomismus“, die dem Markt grundsätzlich „unparteiliche Ergebnisse“ zuspricht, liegt nach Ulrich die Fiktion einer allgemeinen Effizienz zugrunde535, „die allen gleichermaßen zugute käme, also per se gemeinwohldienlich sei.“536 Für die Ökonomie entspricht das rationale Handeln von Individuen und Unternehmen dem ökonomischen Prinzip, und Entscheidungen unter dieser Prämisse werden als rational definiert.537 Diese an sich schlichte Grundannahme der Wirtschaftswissenschaft, die als rational das Erreichen bestimmter Ziele unter Ziel- bzw. Mittelrestriktionen versteht,538 hat in ihren Konsequenzen weitreichende Veränderungen für die öffentlichrechtlichen Rundfunkanbieter mit sich gebracht. In der in den vergangenen Jahren geführten Diskussion um eine Neugestaltung der Rundfunkordnung (Ordnungspolitik) [...]
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Gomolka, Martin Juli 2003: Zur Effizienz und Effektivität der Leistungserbringung in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten als Ergebnis eines prozessorientierten Content Management, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Medienmanagement, Strategische Planung, Digitalisierung, Prozessorganisation, Systemintegration



