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Effiziente Gestaltung von virtual communities

Eine agenturtheoretische Analyse

Effiziente Gestaltung von virtual communities
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stephan Franz Furtner
  • Abgabedatum: März 2002
  • Umfang: 103 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Augsburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5350-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5350-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5350-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Furtner, Stephan Franz März 2002: Effiziente Gestaltung von virtual communities, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: virtual community, Anreiz, Agency, Agent, Agenturtheorie

Diplomarbeit von Stephan Franz Furtner

Einleitung:

Obwohl die möglichen Auswirkungen des Konzeptes der virtual community auf Wirtschaft und Gesellschaft in den letzten Jahren bereits erkannt und dargelegt wurden, existieren keinerlei Forschungsansätze, in denen die Beziehung zwischen dem Organisator und den Mitgliedern einer virtual community unter Verwendung einer fundierten ökonomischen Theorie analysiert werden. So wird zwar in der Literatur eine mögliche Entlohnung der Mitglieder für die Ausführung der an sie delegierten Tätigkeiten thematisiert; vor welchem theoretischen Hintergrund dies aber geschehen soll, bleibt gleichwohl unklar.

Eine virtuelle Gemeinschaft ist genauso wie ihr realweltliches Pendant auf die aktive Partizipation ihrer Mitglieder angewiesen. Nach Hagel/Armstrong stellen Mitglieder und besonders die von ihnen zur Verfügung gestellten Inhalte einen „einzigartigen Aktivposten“ dar und sind somit ein kritischer Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg einer virtual community.

Die größte Anziehungskraft einer virtuellen Gemeinschaft resultiert in erster Linie aus den Beiträgen der aktiven Mitglieder und erst zweitrangig vom Design der virtual community oder dem redaktionell erstellten Inhalten. „Member participation is seen as a key ingredient in weaving the fabric of a virtual community.“ Der Organisator der virtual community überträgt gewisse Aufgaben an die Mitglieder. Diese Aufgaben umfassen folgende Tätigkeiten: die Veröffentlichung von Erfahrungsberichten und Meinungen, das Anwerben neuer Mitglieder, die Bewertung von Beiträgen anderer Mitglieder, die Ansprache neuer Mitglieder, das „Hosten“ von Chats, und die Verwaltung und Überwachung anderer Mitglieder innerhalb der virtual community.

Je mehr das einzelne Mitglied sein Wissen und seine Erfahrung in Beiträgen publiziert und somit der Gemeinschaft zur Verfügung stellt, desto wertvoller ist es für den Aufbau der virtual community und desto größer wird das Wissen (in) der Gemeinschaft.

Das primäre Ziel des Organisators einer virtual community (VCO) muss somit darauf ausgerichtet sein, die Online-Partizipation der Mitglieder (Sammelbegriff für die Aktivitäten eines Mitgliedes in einer virtual community) zu koordinieren, zu unterstützen und zu fördern, dass die Mitglieder ein kollaboratives Verhalten zeigen, Informationen und Wissen austauschen und weitere Mitglieder akquirieren.

Das Tätigen von Transaktionen durch Mitglieder im Rahmen der virtual community ist eine Tätigkeit, an der der VCO ebenfalls großes Interesse hat, da er hierdurch Provisionseinnahmen erzielt. Üblicherweise werden daher vom Organisator auch entsprechende Anreize gegeben und das Mitglied für getätigte Transaktionen in der virtual community belohnt, bspw. durch das Anrechnen von Bonuspunkten. Da hier aber zwischen dem Mitglied und dem Organisator der virtual community keine Auftragsbeziehung im Sinne der Agenturtheorie entsteht, wird das Tätigen von Transaktionen durch Mitglieder einer virtual community im weiteren Verlauf der Arbeit nicht zu den relevanten, delegierten Tätigkeiten gezählt.

Die Weitergabe von Wissen und Informationen ist für den Wissenden mit Kosten verbunden. Diese entstehen dadurch, dass er Zeit, Mühe und Konzentration aufwenden muss, um die Information/das Wissen für Dritte zugänglich zu machen.

Das Fehlen geeigneter Anreizsysteme führt zum Symptom des „free-riding“. Die Mitglieder einer virtual community treten lediglich als Browser auf, d.h., sie konsumieren die Informationen und das Wissen, leisten aber selbst keinen eigenen Beitrag zur Generierung von Wissen. Je mehr Mitglieder als „free-rider“ auftreten, desto schwieriger gestaltet sich die Gewährleistung nützlicher Informationen und Interaktionen.

Ziel dieser Arbeit ist es, unter Verwendung des theoretischen Konstruktes der Agenturtheorie Empfehlungen zu geben, mit denen der Organisator einer virtual community die Beziehung zu den aktiven Mitgliedern effizient gestalten kann, so dass diese ihre Online-Partizipation steigern und zum Erfolg der virtual community beitragen. Rockwell formuliert dazu treffend „How can I get the members of my community to become its co-creators?“ Dabei wird unterstellt, dass die virtual community bereits eine gewisse kritische Anzahl an Mitgliedern überschritten hat, um eine sinnvolle Interaktion und Kommunikation zwischen den Mitgliedern gewährleisten zu können. Die vorliegende Arbeit soll nicht zu letzt zur Diskussion um die ökonomische Fundierung der digital economy beitragen und die hohe Relevanz ökonomischer Theorien in der digital economy unterstreichen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Problemstellung 1
1.1 Problemstellung der Arbeit 1
1.2 Zielsetzung der Arbeit 3
1.3 Vorgehensweise 3
2. Virtual communities 5
2.1 Statische Betrachtung von virtual communities 5
2.1.1 aus soziologischer Sichtweise 8
2.1.1.1 Konzept der Gemeinschaft 8
2.1.1.2 Konzept der Virtualität 10
2.1.1.3 Anwendung der Konzepte auf die virtual community 12
2.1.2 aus ökonomischer Sichtweise 15
2.1.2.1 Vorteilhaftigkeit virtueller communities 15
2.1.2.2 Elemente einer virtual community 19
2.1.3 Eigene Definition einer virtual community 21
2.2 Dynamische Betrachtung von virtual communities 22
2.2.1 Entwicklung von Webseiten zu virtual communities 22
2.2.2 Dynamische Kreisläufe in virtual communities 25
2.2.3 Differenzierung unterschiedlicher Mitgliedstypen in virtual communities 27
3. Agenturtheorie 32
3.1 Eignung der Agenturtheorie für die Beziehung zwischen Organisator und Builder einer virtual community 34
3.2 Erkenntnisinteresse 36
3.3 Grundannahmen und Konzepte der Agenturtheorie 38
3.3.1 Die vertragliche Beziehung zwischen Prinzipal und Agent 38
3.3.2 Eigenschaften der Akteure 39
3.3.3 Agenturkosten als Vorteilhaftigkeitskriterium 41
3.4 Hauptaussagen der Agenturtheorie 44
3.4.1 Agenturprobleme 44
3.4.1.1 Adverse selection / hidden information 45
3.4.1.2 Moral hazard / hidden action 46
3.4.2 Möglichkeiten zur Disziplinierung des Agenten 47
3.4.2.1 Kontrollsysteme 48
3.4.2.2 Informationssysteme 49
3.4.2.3 Anreizsysteme 50
3.4.2.3.1 Bemerkungen zum Stand der Forschung 51
3.4.2.3.2 Basiselemente eines Anreizsystems 55
3.4.2.3.2.1 Arten von Belohnungen 56
3.4.2.3.2.2 Bemessungsgrundlage 58
3.4.2.3.2.3 Funktionaler Zusammenhang 60
4. Anwendung der Agenturtheorie auf die Vertragsbeziehung zwischen Organisator und Builder der virtual community 61
4.1. Die Vertragsbeziehung aus agenturtheoretischer Sicht 61
4.1.1 Die vertragliche Beziehung zwischen Organisator und Builder einer virtual community 61
4.1.2 Eigenschaften der Akteure 63
4.1.3 Agenturkosten zur Beurteilung des Vertrages zwischen VCO und Builder 65
4.2 Agenturprobleme mit dem Builder 66
4.2.1 bei der Veröffentlichung von Erfahrungsberichten, Meinungen und Wissen 67
4.2.2 bei der Anwerbung neuer Mitglieder 68
4.2.3 bei der Bewertung von Mitgliederbeiträgen 68
4.2.4 bei der Ansprache neuer Mitglieder 68
4.2.5 beim Hosten von Chats 69
4.2.6 bei der Administration der virtual community 69
4.3 Möglichkeiten zur Disziplinierung des Builders 70
4.3.1 Kontrollsysteme 70
4.3.2 Informationssysteme 72
4.3.3 Anreizsysteme 74
4.4 Bewertung der Vorteilhaftigkeit der Disziplinierungsmechanismen 78
5. Effiziente Mechanismen zur Disziplinierung des Builders 80
6. Kritische Würdigung und Ausblick 82
Abbildungsverzeichnis 86
Literaturverzeichnis 87

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Bemessungsgrundlage dient der Herstellung einer Beziehung zwischen dem Leistungsverhalten (effort) des Agenten und seiner Entlohnung.244 Nach Rousek lassen sich Bemessungsgrundlagen in drei Gruppen differenzieren.245 1. Beitrag zum Gesamterfolg Bei der Wahl des Beitrages zum Gesamterfolg als Bemessungsgrundlage wird der Agent nach seinem persönlichen Anteil an der Erlangung des Erfolges entlohnt. Somit wird er die Konsequenzen, die seine Handlungen für das Ergebnis und folglich für den Prinzipal haben, berücksichtigen. Insofern werden die Interessen von Prinzipal und Agent in Einklang gebracht. Ein Nachteil besteht allerdings darin, dass die subjektive Wahrnehmung eines Agenten über seinen persönlichen Beitrag zum Gesamterfolg von der Beurteilung des Prinzipals abweichen kann. Er empfindet dann eine Anreizungerechtigkeit, wenn seiner Meinung nach sein persönlicher Einsatz stärker zur Erlangung eines Erfolges beiträgt als der anderer Agenten.246 Des Weiteren erzeugt diese Bemessungsgrundlage kompetitives und somit unkooperatives Verhalten der Agenten untereinander. [...]

verbunden, sondern werden zusätzlich vom Prinzipal zur Verfügung gestellt.238 Klassische extrinsische Anreize sind bspw. finanzielle Gratifikationen wie Gehalt, Gewinnbeteiligungen und Prämien oder auch Beförderungen und Statussymbole.239 Nach heutiger Sicht ist die Kombination extrinsischer und intrinsischer Anreize entscheidend für die Motivation und somit Leistung des Agenten.240 • Leistungs- versus Partizipationsanreize Die Differenzierung in Leistungs- bzw. Partizipationsanreize beinhaltet eine Unterscheidung auf Basis des Leistungsverhaltens des Agenten. Während beim Leistungsanreiz die Leistung des Agenten in mehreren Ausprägungen qualitativ gemessen wird, um den Anreizmechanismus sinnvoll einsetzten zu können, wird beim Partizipationsanreiz die Leistung des Agenten quantitativ in binärer Ausprägung gemessen (im Sinne von „teilgenommen“ oder „nicht teilgenommen“). • Individual- versus Gruppenanreize Ein weiteres Unterscheidungskriterium besteht darin, an wen der Anreiz gerichtet wird. Grundsätzlich bestehen zwei Möglichkeiten: Der Anreiz kann entweder an einen Agenten individuell oder aber an eine Gruppe von Agenten gerichtet werden. Den Anreiz an eine Gruppe zu richten ist besonders dann sinnvoll, wenn das Leistungsverhalten des einzelnen Gruppenmitgliedes für den Prinzipal nicht beobachtbar ist. Allerdings kann bei Gruppenanreizen das Phänomen des „freeridings“ auftreten.241 • Belohnung versus Bestrafung Durch die Androhung von Negativsanktionierungen im Falle einer mangelhaften Leistung sieht sich der Agent gezwungen, vertragskonform zu handeln, da eine mögliche Bestrafung nicht nur materielle, sondern auch soziale Folgen (z.B. Statusverlust) nach sich zieht. Hax sieht in Belohnungen den Vorteil, dass diese im Gegensatz zu Bestrafungen den Agenten nicht nur motivieren, „drohende Nachteile [...]

untersuchte unter anderem im Bereich der positiven Agenturtheorie sieben empirische Arbeiten. In sechs dieser sieben Untersuchungen werden zentrale Aussagen der Agenturtheorie eindeutig bestätigt.223 So kommen Amihud/Lev im Rahmen einer empirischen Untersuchung unter 309 Fortune 500 Unternehmen zu dem Ergebnis, dass Unternehmen, in denen der Kapitalgeber keinen direkten Einfluss auf das Management ausüben kann (Eigenkapitalstreuung durch eine Vielzahl von Kleinaktionären), einen höheren Grad an Diversifikation aufweisen als solche Unternehmen, in denen bspw. ein Großaktionär Einfluss auf das Management nimmt.224 Eine Erklärung für die Diversifikationsentscheidung des Managements besteht darin, dass es in seiner Rolle als Agent versucht, das Risiko seiner Entlohnung zu senken, indem es eine Spezialisierung der Unternehmensaktivitäten vermeidet. Eine derartige Diversifikation steht der Möglichkeit zur Realisierung von Skalenund Erfahrungskurveneffekten entgegen und ist für den Prinzipal nicht optimal. Dieser bevorzugt, über die Streuung seiner Investitionen eigenständig zu entscheiden und präferiert Beteiligungen an spezialisierten Unternehmen. [...]

Arbeit zitieren:
Furtner, Stephan Franz März 2002: Effiziente Gestaltung von virtual communities, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
virtual community, Anreiz, Agency, Agent, Agenturtheorie

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