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E-Learning: Ein neues Instrument kritisch betrachtet aus der Sicht betrieblicher Personalentwicklung

E-Learning: Ein neues Instrument kritisch betrachtet aus der Sicht betrieblicher Personalentwicklung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claudia Meyer
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 877,5 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6186-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6186-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6186-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Meyer, Claudia September 2001: E-Learning: Ein neues Instrument kritisch betrachtet aus der Sicht betrieblicher Personalentwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Computergestütztes Lernen, betriebliche Weiterbildung

Diplomarbeit von Claudia Meyer

Einleitung:

In Anbetracht der immer intensiver werdenden Diskussion über die Kosten der beruflichen Bildung einerseits und die Klagen über die Effizienz von Bildungsmaßnahmen sowie Motivationsschwierigkeiten andererseits, über den Trend zum arbeitsplatznahen Lernen und höhere Ansprüche an die Medien, angesichts kürzerer Produktlebenszyklen und schnell veraltender Wissensbestände, weltweiter Kommerzialisierung von Bildungsangeboten und nicht zuletzt eines immer schneller werdenden technischen Fortschritts, reichen traditionelle Wege der Weiterbildung nicht mehr aus. Die Unternehmen sind daher auf der Suche nach neuen Weiterbildungsmethoden, die ihnen eine zeitnahe und wirtschaftliche Lösung ihrer Qualifizierungsprobleme versprechen.

Die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte, deren Rekrutierung sich in den einzelbetrieblichen Entscheidungen zunächst als der schnellste, einfachste und günstigste Weg anbietet, sind nur noch in begrenztem Umfang zur Lösung der anstehenden Qualifizierungsprobleme tauglich. So sind in Zeiten rascher Innovationen und hoher Marktflexibilität entsprechend qualifizierte Fachkräfte, die umgehend einsetzbar sind, selten zu finden. Des weiteren sind die gewonnenen betrieblichen Erfahrungen der Beschäftigten für die weitere Qualifizierung von erheblicher Bedeutung, und es hat sich gezeigt, dass auf einem ständig steigenden Qualifikationsniveau eine zunehmende Qualifikationsdifferenzierung und -individualisierung erfolgt, die nicht mehr ohne weiteres kurzfristig über den Arbeitsmarkt substituierbar ist.

Die Unternehmen sind daher darauf verwiesen, eher nach betrieblichen Lösungen ihres Weiterbildungsbedarfes zu suchen. Bei den konventionellen Weiterbildungsmethoden ist, abgesehen von der Ortsgebundenheit und Dauer, das Zahlenverhältnis von Dozenten und Lernern für die Kosten ausschlaggebend. Dieses Zahlenverhältnis lässt sich mit der Seminarmethode, die den Kern der traditionellen Weiterbildungsmaßnahmen bildet, nicht wesentlich verändern, wenn die angestrebten Lernziele auch erreicht werden sollen. Der Übergang zur Vortragsmethode, die dieses Zahlenverhältnis auflöst, ist nur zur begrenzten Informationsvermittlung geeignet. Beim herkömmlichen Fernunterricht mit Lehrbriefen und begleitendem Direktunterricht lässt sich das Betreuungsverhältnis vom Dozenten zu den Lernenden in begrenztem Rahmen erweitern. Bei dieser Variante werden jedoch die Lernzeiten zumindest teilweise in die Freizeit verlagert. Zugleich ist neben einem höheren Entwicklungsaufwand nur wenig Flexibilität in den Lernzielen und Lerninhalten gegeben.

Den radikalsten Lösungsweg bieten zweifellos computerunterstützte Weiterbildungsmethoden. E-Learning ist das neue Zauberwort unserer Tage. Die Chancen und Lernpotentiale, die sich auf dem Gebiet computerunterstützten oder multimedialen Lernens eröffnen, werden deshalb seit einigen Jahren in aller Breite und in sämtlichen Fachdisziplinen intensiv diskutiert. Mit dem Einsatz neuer Medien und E-Learning werden in der betrieblichen Weiterbildung hohe Erwartungen verknüpft, und aus unternehmerischer Sicht können für die Attraktivität apersonaler Lernmedien eine ganze Reihe von Gründen genannt werden. So liegen ihre Kostenvorteile auf der Hand, denn sie versprechen die Substitution des Dozenten durch Übertragung der Lernziele, Lerninhalte und Lernmethoden, Übungen und Lernerfolgskontrollen auf ein elektronisches Trägermedium, die Reduktion der Schulungs- und Ausfallzeiten und den Wegfall der Reisekosten. Ein Seminar oder eine Unterweisung kann z.B. mittels Videokonferenztechnik zeitgleich an weit auseinanderliegenden Orten stattfinden. Zudem ist die Zahl der mit einem interaktiven Lernsystem erreichbaren Lernenden unbegrenzt. Die zweifellos noch hohen Entwicklungskosten fallen mit wachsender Teilnehmerzahl immer weniger ins Gewicht, so dass die Qualifizierungskosten pro Teilnehmer tendenziell auf die Arbeits- bzw. Lernzeitkosten sinken. Diese sind nicht weiter reduzierbar, es sei denn, Qualifizierungsteile werden in die unbezahlte Freizeit verlagert. Je höher jedoch die Anforderungen an die Qualität der Lernsoftware sind, desto teuerer ist ihre Entwicklung. Produktionskosten im siebenstelligen Bereich sind keine Seltenheit.

Durch den Einsatz computerunterstützten Lernens kann es gelingen, die bisherige Trennung von Arbeiten und Lernen zu überwinden. Computergestützte Lernsysteme ermöglichen vor allem den zeit- und ortungebundenen Zugriff auf Wissen, so dass die Lernenden flexibel und bei Bedarf die computergestützten Bildungsangebote unabhängig von tradierten Zeitrastern kosteneffizient nutzen können, ohne auf soziale Kommunikation und Interaktion verzichten zu müssen. Unternehmen können dadurch eine homogene und schnelle Distribution von Wissen realisieren. Der Lerner wandelt sich vom bloßen Rezipienten, der häufig lediglich Informationen konsumiert, hin zum individuellen Gestalter, der seine Lernumgebung, die Lernschritte, Lernzeiten und das Lerntempo individuell und autonom gestalten kann. Dies fördert die Entwicklung einer Lern- und Arbeitskultur, die von den Lernenden selbst getragen und weiterentwickelt wird. Über die zeitliche und räumliche Entkoppelung der Wissensvermittlung hinaus, eröffnen die Potentiale interaktiver Multimediasysteme vielfältige Chancen zur didaktisch-pädagogischen Anreicherung, Belebung und Neugestaltung von Lern- und Wissensinhalten. Gegenüber konventionellen Lernformen können durch multimediale, anschauliche und realitätsnahe Darstellungen komplexe Sachverhalte verständlich gemacht werden. Weiterhin eröffnen computergestützte Lernsysteme den Lernenden eine schnelle Lernerfolgskontrolle und gewährleisten durch Teletutoren, die mittels E-Mail oder Videokonferenz für Rückfragen zur Verfügung stehen, eine individuelle Betreuung der Lernenden.

Die Unternehmen gehen davon aus, dass durch das offene, selbstgesteuerte und individuelle Lernen mit dem Medium Computer insbesondere die Motivation der Lerner geweckt wird und dadurch sowohl ein effektiveres als auch effizienteres Lernen zustande kommt. In der öffentlichen Diskussion gilt es fast als selbstverständlich, von den neuen Medien und vom E-Learning tiefgreifende Innovationen oder gar Revolutionen im Bildungssektor zu erwarten. Die Forschungsergebnisse hierzu sind jedoch keineswegs eindeutig und berechtigen nicht im geringsten zu einer derartigen Euphorie, denn bei dem Einsatz computerunterstützter Medien in der beruflichen Weiterbildung ergeben sich eine Reihe vielfach unterschätzter Schwierigkeiten. Die Komplexität, die hinter dem Begriff E-Learning steht, macht es notwendig, das Thema einzugrenzen.

In der vorliegenden Arbeit wird Stellung zum Thema "E-Learning: Ein neues Instrument kritisch betrachtet aus der Sicht betrieblicher Personalentwicklung" genommen. "E-Learning" bezieht sich in dieser Arbeit auf computerunterstützte Anwendungen, die in Form von Lernprogrammen ein "neues Instrument" darstellen, um dem berufslebenslangen Lernen Rechnung zu tragen. Zur weiteren Eingrenzung wird eine Betrachtung aus dem Blickwinkel "betrieblicher Personalentwicklung" vorgenommen. Die Untersuchung bezieht sich hierbei ausschließlich auf das Personalentwicklungsinstrument der beruflichen Weiterbildung.

Die vorliegende Arbeit ist insofern "kritisch", als in deren Tenor die an das computergestützte Lernen geknüpften Erwartungen vor dem Hintergrund der aktuellen Forschung kommentiert werden. Im Hinblick auf die Themenstellung dieser Arbeit erklärt sich die Notwendigkeit, zunächst einige begriffliche Definitionen vorzunehmen, Lernprogramme hinsichtlich ihrer Historie und Unterscheidungsmerkmale einzuordnen sowie an das neue Lernkonzept geknüpfte lernpsychologische Erkenntnisse und Theorien vorzustellen, um eine fundierte Basis zu schaffen, die zum eigentlichen Thema hinführt. Im Fokus dieser Arbeit steht die kritische Betrachtung der Analyse jeweiliger Voraussetzungen für eine Implementation sowie Planung computergestützter Lernangebote in der beruflichen Fortbildung. Diese erfolgt in Anlehnung an das sog. Instruktionsdesign, das die Lernziele, die Lerner-Eigenschaften und die Auswahl und Vorbereitung des Lerninhalts für die Implementation einer betrieblichen Bildungsmaßnahme mit Hilfe eines Lernprogramms genau untersucht. So wird die Bedeutung der Festlegung der Lernziele herausgestellt und erläutert, für welche Lernzieldimensionen der Einsatz von Lernprogrammen sinnvoll erscheint und inwieweit sie mit dem Medium Computer umgesetzt werden können. Wichtig ist zudem die Analyse des Vorwissens, der Motivation und der Lerngewohnheiten der für ein computergestütztes Angebot vorgesehenen Lerner, denn wenn die Untersuchung dieser Aspekte vor der Einführung eines Lernprogramms unterbleibt, kann es im späteren Lernprozess zu Schwierigkeiten (z.B. Ablehnung) kommen. Des weiteren werden Methoden, die bei der Auswahl der Lerninhalte zum Tragen kommen, aufgezeigt und erläutert, wie die Vorbereitung des Lehrstoffs erfolgt.

Ein weiteres Hauptthema dieser Arbeit ist zudem die Untersuchung der Eignung verschiedener Lernformen für computerunterstütztes Lernen und der jeweils optimalen Lernsoftware. Analysiert werden hierbei die Lernformen, die für die betriebliche Weiterbildung von besonderer Bedeutung sind. Da ist zunächst das offene Lernen, weil gerade die Umsetzung dieser Lernform mittels computerunterstützter Programme von Unternehmen oft als grundsätzlich gegeben vorausgesetzt wird. Kooperatives Lernen ist eine Lernform, die Team- und Kommunikationsfähigkeit fördert und damit organisatorisches Geschick genauso voraussetzt wie die Fähigkeit, sich an anderen zu orientieren und aufeinander einzulassen. Diese Form des Lernens gewinnt immer mehr an Bedeutung, da in der heutigen Zeit die Anforderungen an soziale Kompetenzen erheblich steigen. Handlungsorientiertes Lernen wird zunehmend praktiziert und ist daher auf seine Übertragbarkeit auf neue Medien zu prüfen. Weiterhin wird dargestellt, inwieweit eine unternehmensinterne und -externe Betreuung computergestützten Lernens möglich und sinnvoll ist und ob das Medium Computer anschauliches, realitätsnahes Lernen bewirken kann. Letzterer Punkt ist für die Weiterbildung zum einen deshalb interessant, weil die Anschauungskraft des Mediums erläutert wird und zum anderen, weil das Liefern von Realitätsnähe durch Bildungsmaßnahmen für das Erlernen spezifischer, unternehmensbezogener Tätigkeiten Voraussetzung ist.

Der Schlussbetrachtung vorangestellt wird eine Bewertung der Effektivität und Effizienz computerunterstützter Lernprogramme gegenüber konventionellen Lernformen vorgenommen. Die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit werden in der Schlussbetrachtung zusammengefasst sowie Ansätze beschrieben, mit deren Hilfe die Potentiale, die die neuen Medien für veränderte Lernszenarien bergen, für die betriebliche Weiterbildung zum Tragen kommen können.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Grundlagen 5
2.1 Personalentwicklung 5
2.2 Fortbildung/Weiterbildung 8
2.3 Lernen 10
3. E-Learning 11
3.1 Begriffsdefinition 11
3.2 Historische Entwicklung 13
3.3 Computerunterstützte Lernprogramme 15
3.3.1 Tutorielle Unterweisung 16
3.3.2 Übungsprogramme („Drill-and-Practice“) 16
3.3.3 Hypertext und Hypermedia 17
3.3.4 Simulation 17
3.3.5 Intelligente tutorielle Systeme 18
4. Lerntheorien und deren Relevanz für das computerunterstützte Lernen 18
4.1 Behaviorismus 19
4.2 Kognitivismus 22
4.3 Konstruktivismus 23
5. Kritische Betrachtung der Analyse und Planung computergestützter Lernangebote für den Einsatz in der beruflichen Weiterbildung 26
5.1 Das Instruktionsdesign (ID): Ein systematisches Arbeitsverfahren für die Planung, Entwicklung und Evaluation von Lernprogrammen 26
5.1.1 Instruktionsparadigma und seine behavioristisch geprägten Grundlagen 28
5.1.2 Problemlösungsparadigma und seine kognitivistisch sowie konstruktivistisch geprägten Grundlagen 29
5.1.3 Kritik am Instruktionsdesign 30
5.2 Definition der Lernziele und ihre Vermittelbarkeit durch computergestützte Lernprogramme 31
5.3 Identifizierung der Lerner-Eigenschaften 36
5.3.1 Das Vorwissen des Lerners und daraus abgeleitete Empfehlungen für die Personalentwicklung 37
5.3.2 Die Motivation des Lerners und daraus abgeleitete Empfehlungen für die Personalentwicklung 42
5.3.3 Die Lerngewohnheiten des Lerners und daraus abgeleitete Empfehlungen für die Personalentwicklung 48
5.4 Auswahl und Vorbereitung des Lernstoffs 49
5.5 Planung der Instruktionsmethode und der Visualisierung 51
6. Untersuchung der Eignung verschiedener Lernformen für computergestütztes Lernen 53
6.1 Offenes Lernen 53
6.1.1 Selbstgesteuertes Lernen 54
6.1.2 Individuelles Lernen 57
6.1.3 Interaktives Lernen 58
6.1.4 Technische Realisierungsmöglichkeiten und Besonderheiten bei der Umsetzung offenen Lernens 59
6.2 Kooperatives Lernen 60
6.2.1 Lernumgebungen ohne integrierte Face-to-Face-Situationen: Probleme und Lösungsansätze 63
6.2.2 Lernumgebungen mit integrierten Face-to-Face-Situationen: Probleme und Ausblick 65
6.3 Handlungsorientiertes Lernen 67
6.4 Betreutes Lernen 71
6.4.1 Unternehmensinterne Betreuung 72
6.4.2 Unternehmensexterne Betreuung 72
6.5 Anschauliches und realitätsnahes Lernen 77
7. Vergleich: E-Learning und konventionelle Lernformen 80
7.1 Effektivität 80
7.1.1 Medien-Vergleichsuntersuchungen 81
7.1.2 Meta-Analysen 82
7.2 Effizienz 84
8. Schlußbetrachtung und Ausblick 89
9. Quellenverzeichnis 94
9.1 Monographien 94
9.2 Beiträge in Sammelwerken 96
9.3 Periodika 98

Automatisiert erstellter Textauszug:

Als eine zentrale Motivationsquelle des computergestützten Lernens wird zumeist die Möglichkeit der direkten Rückmeldung (Feedback) herangezogen194. Erfolgsmotivierte195 oder extrinsisch motivierte Lerner können in besonderer Weise angesprochen werden, indem sie eine schnelle Bewertung ihrer Antworten, wie es z.B. in Übungsprogrammen und tutoriellen Lernprogrammen der Fall ist, oder eine unmittelbare Rückmeldung auf ihre Eingaben, z.B. bei Simulationsprogrammen, erhalten. Falsche Antworten werden schnell korrigiert, und bei der Durcharbeitung des Lernprogramms wird der Arbeitsfortschritt oft über die bereits als bearbeitet angezeigten Programmteile in Form von Zwischeninformationen oder Lernfortschrittsberichten bzw. Lernfortschrittsbalken sichtbar196. Das Feedback ist folglich eine Art Barometer, an dem die Lerner ablesen können, wie weit sie vom erwarteten Ziel entfernt sind und was sie noch unternehmen müssen, um das Ziel zu erreichen. Diese Rückmeldungen können motivationsfördernde Funktionen übernehmen197. Aber nicht jede Rückmeldung hat zwangsläufig eine motivierende Wirkung. Eine als positiver Verstärker gemeinte Rückmeldung kann bei dem einen Lerner tatsächlich eine motivierende Wirkung besitzen, ein anderer Lerner hingegen empfindet sie als störend, lächerlich oder ärgerlich, wie das häufig bei intrinsisch motivierten Lernern der Fall ist. Die motivierende Kraft von Reizen ist daher relativ. Lob verliert seinen Anreizwert, wenn es zu regelmäßig gespendet wird. Lob, Anerkennung und Belohnung werden zudem vom Lerner gefiltert; dabei spielt in der Regel eine wesentliche Rolle, durch wen die Anerkennung gespendet wird. Lange Zeit ging man davon aus, daß es folglich einen Unterschied macht, ob es sich um ein Lob durch einen vom Empfänger geschätzten Menschen handelt oder ob die Verstärkung durch ein anony- [...]

41 thoden auf einem zeitlich begrenzten Neuigkeitseffekt und der Faszination des Computers beruht und nicht aus der Methode selbst resultiert. Das relative rasche Abklingen eines solchen Neuigkeitsreizes ist empirisch belegt191. Die Literatur gibt in diesem Zusammenhang keinen Aufschluß darüber, wie lange Neuigkeitseffekte durchschnittlich anhalten und welche Auswirkungen deren Verlust nach sich zieht. Offen bleibt nämlich die Frage, ob das Lernen aufgrund der verlorengegangenen Anfangsmotivation komplett eingestellt wird oder lediglich weniger Zeit für das Lernen mit dem Lernprogramm investiert wird. Es kann an dieser Stelle jedoch geschlußfolgert werden, daß der Lerner bei fehlender Akzeptanz des Computer-Mediums, jedoch vorhandenem Interesse am Lernthema weiterhin gewillt ist, das Programm durchzuarbeiten und den Lernprozeß nicht rigoros abbricht. Anders sieht es allerdings in einem Fall aus, in dem auch ein Interesse am Lerninhalt nicht vorhanden ist. Hier wird es schwierig, den Lerner zum Lernen mit dem Lernprogramm zu bewegen. Denkbar wäre hier ein intensiver Vorbereitungskurs, der explizit darauf ausgerichtet ist, die Ablehnung gegenüber dem Medium und dem Lerninhalt abzubauen. Fraglich erscheint hierbei jedoch, ob sich der damit verbundene zeitliche, organisatorische und finanzielle Aufwand lohnt und es in diesem Fall nicht ratsamer ist, von vornherein eine konventionelle Schulungsmaßnahme, wie ein Seminar, anzustreben. Wird der Computer trotz fehlender Akzeptanz dennoch als Lernmittel eingesetzt, besteht die Gefahr, daß ein vorhandenes Interesse am Inhalt durch eine Aversion gegenüber dem Medium verloren geht bzw. ein fehlendes Interesse am Inhalt verstärkt wird, so daß von einer solchen Vorgehensweise unbedingt abzuraten ist. Geeignet erscheint der Computer als Lehrmedium aus motivationaler Sicht grundsätzlich dann, wenn der Lerner ihm eine Haltung von Interesse, Neugier und Aufgeschlossenheit entgegenbringt192, obwohl SALOMON bereits in den 80er Jahren berichtete, daß Personen mit einer positiven Einstellung zu mediengestützten Lernwelten und einem daraus resultierenden höheren Interesse tendenziell weniger mentale Anstrengungen investieren und deswegen teilweise weniger gute Lernergebnisse erzielen als Personen mit einer eher ablehnenden Einstellung193. Im Regelfall kann jedoch bei positiver Einstellung zum Medium Computer ein vorhandenes Interesse an den Lerninhalten durch Einsatz computergestützter Lernprogramme verstärkt bzw. ein fehlendes Interesse an den ausgewählten Inhalten überwunden werden. Wenn sich die Motivation jedoch nicht durch ein didaktisch anspruchsvolles Programm während des Ablaufs des Lehr-/Lernprozesses stabilisieren läßt, wird das anfängliche Interesse des Lerners schnell erlahmen und fortan nicht nur zu einer Ablehnung der Lerninhalte, sondern auch des Mediums führen. Eine große Gefahr besteht in dieser Hinsicht vor allem bei behavioristisch geprägter Lernsoftware, z.B. Übungsprogrammen und tutoriellen Unterweisungen mit strenger Lernsteuerung durch das jeweilige Programm. Um die Motivation der Lerner dauerhaft aufrechtzuerhalten, erscheinen tutorielle Unterweisungen mit star190 191 [...]

Neben der Art der Motivation ist für computerunterstütztes Lernen von Bedeutung, wie der Lernende zu den Lerninhalten steht und welche Einstellung er zum Medium Computer besitzt. Dabei sind prinzipiell vier motivationale Ausgangssituationen denkbar. Zunächst besteht die Möglichkeit, daß das Interesse am Inhalt gering ist, die Motivation zur Arbeit am Computer hingegen groß. Dabei soll es zunächst keine Rolle spielen, ob diese Motivation extrinsischer (z.B. mit der Arbeit am Computer werden bessere Arbeitsmarktchancen erwartet) oder intrinsischer Natur ist (z.B. die Lernatmosphäre wird als angenehm empfunden, das Medium besitzt einen Neuigkeitsreiz und ruft Neugier hervor). Möglich ist es daneben auch, daß das Interesse am Inhalt groß ist, die Motivation zum Lernen am Computer hingegen fehlt. Die Gründe hierfür können vielfältig sein, z.B. Angst vor der undurchsichtigen Technik, wenig stimulierende Erfahrungen in der bisherigen Arbeit am Computer, Präferenzen für eine sozial-kommunikative Lernumgebung u.v.m.. Die Einstellung eines Menschen gegenüber dem Computer als Medium des Lernens ist u.a. abhängig von seinen Erfahrungen mit anderen Formen des Lernens und von früheren Begegnungen mit diesem Medium. Hat der Lerner bisher Erfahrungen mit anderen Lernformen erworben, die in seiner Bewertung dem computerunterstützten Lernen wesentlich vorzuziehen sind oder hat er bereits unbefriedigende Erfahrungen damit gesammelt, wird seine Motivation dem Medium Computer gegenüber tendenziell gering sein. Letztlich gibt es noch zwei Extreme, nämlich daß sowohl das Interesse am Inhalt als auch das am Medium groß ist oder weder ein Interesse am Inhalt noch am Medium besteht. Zur Ermittlung der Einstellung der für eine computergestützte Bildungsmaßnahme vorgesehenen Lerner zu den Lehrinhalten und zum Medium Computer sollten im Vorfeld von den Verantwortlichen der Personalentwicklung Fragebögen oder Einstellungsskalen entworfen und verteilt werden, anhand derer die jeweiligen Haltungen der Mitarbeiter abgelesen werden können. Zu beachten ist, daß die potentiellen Lerner eine vermeintliche Pflicht darin sehen könnten, sowohl am Lerninhalt als auch am Lehrmedium interessiert zu sein, so daß es zu bewußten Falschantworten und damit zu Verzerrungen im Ergebnis kommen kann. Um einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken, sollten die Befragungen in jedem Fall die Anonymität des einzelnen gewährleisten. Von den Ergebnissen der Befragung hängt im wesentlichen die weitere Vorgehensweise ab. Ungeeignet erscheint ein Einsatz bei fehlender Akzeptanz des Mediums durch den Lerner189. CULAkzeptanz beschreibt die grundsätzliche Bereitschaft, mit Hilfe eines Lernprogramms zu lernen bzw. sich auf die Methodenkonzeption des computerunterstützten Lernens einzulassen. Man differenziert in diesem Zusammenhang eine anfängliche und eine dauerhafte Akzeptanz190. Diese Unterscheidung trägt der Tatsache Rechnung, daß die Anfangsmotivation bei den ersten Einsätzen der Me189 [...]

Arbeit zitieren:
Meyer, Claudia September 2001: E-Learning: Ein neues Instrument kritisch betrachtet aus der Sicht betrieblicher Personalentwicklung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Computergestütztes Lernen, betriebliche Weiterbildung

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