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Dynamik der modernen Gesellschaft

Ein systemtheoretischer Entwurf der Weltgesellschaft unter Berücksichtigung von Politik, Wirtschaft und Massenmedien vor dem Hintergrund der Globalisierung

Dynamik der modernen Gesellschaft
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Stefan Weißenborn
  • Abgabedatum: April 2002
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 1,2 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6616-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6616-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6616-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Weißenborn, Stefan April 2002: Dynamik der modernen Gesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schnittstelle, Evolutionstheorie, Internet/Online-Medien, Organisation, Systemtheorie

Magisterarbeit von Stefan Weißenborn

Zusammenfassung:

Im Rahmen dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, Möglichkeiten und Realitäten gesellschaftlicher Dynamik in der modernen Gesellschaft zu beschreiben. Aus explizit systemtheoretischer Warte in der Tradition Niklas Luhmanns erfolgt zu diesem Zweck zunächst eine skizzenhafte Beschreibung der modernen Gesellschaft mit Schwerpunkt auf drei sozialen Systemen: dem Funktionssystem Wirtschaft, dem Funktionssystem Politik und dem Funktionssystem Massenmedien. In diesem Kontext wird das Schnittstellenkonzept als heuristisches Instrument zur Konkretisierung struktureller Kopplungen sozialer Systeme entwickelt. Diese Annahmen werden dann um evolutionstheoretische Implikationen erweitert.

Im Anschluss daran werden Globalisierung und Provinzialisierung von Wirtschaft, Politik und Massenmedien skizziert. Damit einhergehen wird die Beschreibung der interdependenten Dynamik der drei Funktionssysteme unter explizit globalen Aspekten.

Das Massenmediensystem wird dabei eine Sonderstellung einnehmen, die zumindest die folgenden Fragen aufwirft: Gibt es eine gesamtgesellschaftliche Funktion der Massenmedien hinsichtlich des politischen Diskurses? Kann man vor dem Hintergrund des Entzugs nationalstaatlicher Kontrolle im Sinne einer Abnahme politischer Effektivität und Absicherung von einer Verantwortung der Massenmedien sprechen? Der Fokus bei der Beantwortung dieser Fragen wird auf der beobachtbaren Konvergenz von Massenmediensystem und Wirtschaftssystem zu vermeintlicher ‚Last‘ des politischen Funktionssystems liegen, die jedoch systemtheoretisch exakter und mit einem Hilfskonstrukt der Globalitätsdifferenz der Funktionssysteme modelliert wird. Globalitätsdifferenzen werden dabei vor allem auf gesellschaftlicher Organisationsebene, und die beobachteten allgemeinen Tendenzen immer als Varianten struktureller Kopplung und Schnittstellen, also: als Interpenetrationen verdeutlicht werden.

Auf einer theoretisch abstrahierenderen Ebene wird der Begriff der Kommunikation als konstitutives und konstruierendes Moment jeglicher kulturellen und sozialen Realität unter Punkt 3.2. ‚Sonderfall: Massenmediensystem‘ diskutiert werden. Die Befunde werden für den Rest der Arbeit gewinnbringend ausgewertet.

Komplementär zu Globalisierung wird Provinzialisierung, deren Begriff spezieller unter Begriffen wie Regionalisierung, Lokalisierung etc. geführt wird, ihre Berücksichtigung finden. Dabei wird Provinzialisierung systemtheoretisch wie empirisch als integrativer Bestandteil von Globalisierung zu erfassen sein.

In diesem Zusammenhang wird die Transzendierung von Territorien oder: der Bedeutungsverlust des Raumes deutlich werden – aber eben auch ergo provozierte Gegenphänomene vor allem in Form der Behauptung und Neo-Genese kultureller, nationaler sowie generell territorial einschränkbarer Identitäten. Annahmen über Mythenbildung und Virtualität bzw. Artifizialität werden dabei ansatzweise in die Überlegungen integriert.

Es wird somit vom Begriff des Nationalstaates als treffenden oder deckungsgleichen Terminus für Gesellschaft an sich Abstand genommen, ohne dabei die Existenz von Nationalstaaten in Frage zu stellen. Als Gesellschaftsbegriff wird anstelle dessen der systemtheoretisch konsistente und ausschließliche Begriff der einen Weltgesellschaft eingesetzt. Ziel ist es letztlich auch, den Begriff der Weltgesellschaft als Gesellschaftsbegriff für die Soziologie erneut zu plausibilisieren, und dies, ohne dabei mit zu treffenden Annahmen über gesellschaftliche Evolution, Globalisierung und Provinzialisierung, mit der postulierten Sonderstellung des Massenmediensystems und allgemein mit den gemachten systemtheoretischen Annahmen bezüglich der drei herausgegriffenen Funktionssysteme in Konflikt zu geraten.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 5
2. Die moderne Gesellschaft aus systemtheoretischer Perspektive 7
2.1 Das Funktionssystem Politik 11
2.2 Das Funktionssystem Wirtschaft 14
2.3 Das Funktionssystem Massenmedien 16
3. Strukturelle Kopplungen und Schnittstellen 24
3.1 ‚Interpenetrationsdreieck' Politik - Wirtschaft - Massenmedien 25
3.2 Kultureller Sonderfall: Funktionssystem Massenmedien 33
3.3 Exkurs: Funktionssystem Wissenschaft 39
4. Strukturelle und funktionale Evolution: Dynamik der Funktionssysteme 46
4.1 Restabilisierung, Reproduktion und Stagnation 48
4.2 Struktureller und funktionaler Wandel 54
4.3 Systemgenese und Systemzerfall 63
5. System(at)ische Globalisierung und Weltgesellschaft 70
5.1 Internationale oder entnationalisierte strukturelle Kopplungen und Schnittstellen? 71
5.1.1 Welt-Wirtschaft 72
5.1.2 Internationale und entnationalisierte Politik 79
5.1.3 Globale Strukturen der Massenmedien 88
5.2 Schlussfolgerung: Organisationen der Massenmedien als Teil des ökonomischen Betriebes oder Teil und Vehikel des politischen Diskurses? 101
5.2.1 Globalisierung 102
5.2.2 Provinzialisierung 105
6. Zusammenfassung und Ausblick 108
7. Literaturverzeichnis 118

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Grenzen der Gesellschaft können dann nicht mehr mit Territorialgrenzen beschrieben werden. Die Zufälligkeit der o. g. historischen Kongruenz von politischen, territorialen, wirtschaftlichen und kommunikativen Grenzen wird aufgrund der Autopoiesis und Evolution der Teilsysteme, die deren Autonomie aufzeigt, erkennbar.107 “Die moderne Gesellschaft wird eine Kommunikationsgesellschaft.” (Blöbaum 1994, S. 193). Am Anfang des Kapitels deutete ich darauf hin, dass Mechanismen genannt werden können, die sowohl für Wandel als auch gleichermaßen für Restabilisierung und Reproduktion verantwortlich zeichnen.108 Und das scheint unter struktureller wie auch funktionaler Referenz zu gelten: Mit dem begrifflichen Instrumentarium der gesellschaftlichen Evolutionstheorie systemtheoretischer Prägung wird es möglich – wie auch [...]

derner bei gleichzeitiger Weiterentwicklung demokratischer Verfahren, z. B. verstanden als angewandte Dichotomisierung von Gewalt (in legitime und illegitime106), die eigens eine Kanalisierung des symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums Macht bewirkt. Mit zunehmendem Bedeutungsgewinn einer (hoch)industrialisierten Wirtschaft und der Generalisierung des Mediums Geld kann spätestens ab Mitte des 20. Jahrhunderts ein enges Interpenetrationsdreieck der drei jetzt weitgehend institutionell gefestigten Funktionssysteme Wirtschaft, Politik und Massenmedien beobachtet werden. “Evolutionäre Errungenschaften tendieren dazu, Resultate der Evolution zu zementieren. Man wird sie nicht wieder los” (Luhmann 1997a, S. 510). Das scheint vor allem für die genannten Funktionssysteme bis heute zu gelten. Und trotzdem gilt, dass Evolution nicht zu stoppen ist. Das evolutionäre Driften der Verbreitungstechnologien hat bislang deren technische Komplexität vorangetrieben, und der Effekt zeigt sich darin, dass immer mehr Verbreitungstechnologien ihrer Aufgabe der massenhaften Verbreitung von Sinnangeboten nachkommen, die so immer wichtiger für die gesellschaftliche Entwicklung werden: [...]

Der gängige Begriff der ‚digitalen Revolution‘ soll nicht als Ergebnis intentionaler Steuerung verstanden werden, sondern als Bezeichnung, die auf spezielle evolutionäre Errungenschaften verweist. 95 Selbstverständlich verdrängt Information Materie lediglich als Primärgut in seiner Funktion als relevantester Gegenstand wirtschaftlicher Operationen. Weitergehend könnte der Frage nachgegangen werden, ob Materie mittlerweile in dieser Funktion als Substrat von Information fungiert. 96 Wie anhand des US-amerikanischen mp3-sharing-servers Napster exemplifiziert werden kann. Die qualitätsgleiche Reproduzierbarkeit von Musik als Gut hob ad hoc die prinzipielle Güterknappheit des weltweiten Musik-CD-Marktes in Verbindung mit der Möglichkeit der Herstellung eigener CDs mittels CD-Rekorder auf und zog versuchte Regulierungen seitens der Politik und des Rechts nach sich, für die eigens Routinen entwickelt werden mussten/müssen. Selbstredend trifft dieser Sachverhalt in Analogie auf nicht-virtualisierbare Güter nicht zu. 56 [...]

Arbeit zitieren:
Weißenborn, Stefan April 2002: Dynamik der modernen Gesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schnittstelle, Evolutionstheorie, Internet/Online-Medien, Organisation, Systemtheorie

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