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Durchstanzen von Flachdecken

Vergleichende Untersuchungen zu den Durchstanznachweisen nach DIN 1045 (88), EC 2 und DIN 1045-1

Durchstanzen von Flachdecken
Über dieses Buch
  • Art: Studienarbeit
  • Autor: Thoralf Schlüter, Falco Herrmann
  • Abgabedatum: April 2002
  • Umfang: 94 Seiten
  • Dateigröße: 2,7 MB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Hamburg-Harburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8935-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8935-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8935-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Thoralf Schlüter, Falco Herrmann April 2002: Durchstanzen von Flachdecken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Stahlbeton, Hochbau, Stützen, Tragwerk, Statik

Studienarbeit von Thoralf Schlüter, Falco Herrmann

Zusammenfassung:

Die Nachweise für das Durchstanzen sowie die eng damit verbundene Querkraftbemessung haben sich im Laufe der Zeit immer wieder verändert. Neue Erkenntnisse aus Versuchen sowie aus mechanischen Überlegungen haben sowohl für den EC2 als auch für die neue DIN 1045-1 zu geänderten Formeln im Vergleich zur alten DIN 1045 (88) geführt. Grundsätzlich führte die Bemessung nach alter Norm nicht zu völlig unsicheren oder andererseits völlig überdimensionierten Bauteilen, neue Überlegungen und ein neues Sicherheitskonzept sollen jedoch zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Sicherheit führen. Aus diesem Grunde ergeben sich Unterschiede hinsichtlich der Beanspruchbarkeit eines Bauteils, wenn es nach den verschiedenen Normen gerechnet wird.

Ziel dieser Vertieferarbeit ist es, sinnvolle Vergleiche zwischen den Normen durchzuführen. Dazu sollen in einem ersten Schritt die Hintergründe der verschiedenen Rechenverfahren aufgezeigt sowie die Bruchmodelle (Hintergründe) erläutert und verglichen werden. Anhand dieser Voruntersuchungen erfolgt dann ein qualitativer und quantitativer aussagekräftiger Vergleich.

Einleitung:

Flachdecken werden im heutigen Hoch- und Industriebau immer häufiger eingesetzt, weil sie in mehrfacher Hinsicht Vorteile bieten. Der Wegfall der Balken reduziert die Schalungskosten, beschleunigt den Bauablauf und erleichtert die Montage der Gebäudetechnik. Durch die gegenüber Unterzugsdecken geringere Konstruktionshöhe lassen sich Geschoss- und Gebäudehöhe verringern und damit Bau- und Betriebskosten senken.

Maßgebend für die Dimensionierung von Flachdeckensystemen ist neben der Beschränkung der Durchbiegung in aller Regel die Sicherheit gegen Durchstanzen. Durch neue Regelwerke kann sich die Bemessungs- und Konstruktionspraxis von Flachdecken deutlich verändern.

Ausgehend von der Harmonisierung der Normung in Europa, galt jahrelang der Eurocode 2 als Nachfolger der derzeit noch gültigen DIN 1045. Eine verbindliche Einführung des EC 2 scheitere bisher daran, dass man sich noch auf keinen einheitlichen Stand einigen konnte. Aus diesem Grund entschied sich der deutsche Normenausschuss, eigenständig ein neues Normenkonzept, die DIN 1045-1, in Anlehnung an den EC 2 zu erarbeiten.

In dieser Vertieferarbeit werden die Durchstanznachweise nach allen drei Normen vergleichend erläutert. Anschließend werden die maßgebenden Einflussgrößen auf ihre Wirkung im Nachweis untersucht und deren markanten Unterschiede herausgearbeitet. Dabei werden zum einen Unterschiede in den Randbedingungen der Nachweise qualitativ herausgearbeitet und zum anderen die für die Sicherheit gegen Durchstanzen wichtigen Parameter, Deckendicke, Stützweite, Biegebewehrungsgrad, Betonfestigkeit und Stützendurchmesser in einem quantitativen Vergleich untersucht. Die unterschiedlichen Einflüsse auf den Durchstanznachweis nach jeweiliger Normung werden herausgestellt.

Gang der Untersuchung:

In der vorliegenden Arbeit wurden auffällige Unterschiede in den verschiedenen Nachweisen auf Durchstanzen nach DIN 1045 (88), Eurocode 2 und der in Kürze verbindlich in Kraft tretenden, neuen DIN 1045-1 herausgearbeitet. Die Betrachtung der Einflüsse maßgebender Eingangsparameter mit den in Abschnitt 5 entwickelten und im Anhang graphisch veranschaulichten Zusammenhängen lässt schnell erkennen, dass DIN 1045-1 und Eurocode 2 in den meisten Fällen sehr ähnlich auf die Variation der Parameter im Nachweis reagieren und sich die Ergebnisse in einigen Bereichen deutlich von denen aus DIN 1045 (88) unterscheiden. Dies lässt sich in erster Linie dadurch erklären, dass die Erarbeitung der neuen deutschen Norm in enger Anlehnung an die europäische Normung erfolgte.

Im quantitativen Vergleich wurde der Einfluss der für das Durchstanzen wichtigsten Parameter Stützweite, Biegebewehrungsgrad, Stützendurchmesser und Betonfestigkeit auf die Deckendicke herausgearbeitet. Auffällig ist, dass im Bereich geringer Betonfestigkeiten der Eurocode die wirtschaftlichsten Ergebnisse hinsichtlich einer Minimierung der Deckendicke erzielt.

Im Bereich hoher Betonfestigkeiten lassen sich jedoch mit den Festigkeiten aus DIN 1045 (88) größere Tragreserven mobilisieren. Im Vergleich mit den Ergebnissen aus den beiden anderen Normen wird jedoch deutlich, dass diese Reserven zu hoch sind. Beide neuen Nachweisformate sind den Ergebnissen zahlreicher theoretischer und experimenteller Versuche an Flachdeckensystemen und -ausschnitten in den letzten Jahrzehnten angepasst und bilden mit den so neu entwickelten semiempirischen Formeln den Versagenszustand des Durchstanzen wirklichkeitsnäher ab. Mit diesem Hintergrundwissen und den Ergebnissen aus den in Abschnitt 5 erarbeiteten Zusammenhängen kann nachgewiesen werden, dass die Vermutung einer Überschätzung der Tragfähigkeit höherfester Betone nach DIN 1045 (88) zutrifft (ab B 45, teilweise schon ab B 35).

Ein weiterer markanter Unterschied ist der Einfluss des kritischen Rundschnitts. Insbesondere in experimentellen Versuchen wurde nachgewiesen, dass der schubbewehrte Bereich bei punktgestützten Flachdecken im Hochbau nach DIN 1045 (88) zu klein gewählt ist. Die erforderliche Verankerung der Schubbewehrung ist nicht gewährleistet und ein Versagen außerhalb des schubbewehrten Bereiches kann stattfinden. In den beiden neuen Normen wird dieser Problematik mit einer besseren Erfassung der Stützengeometrie und -lage, insbesondere in Randbereichen (Überstände) sowie mit einer generellen Vergrößerung begegnet. Die resultierenden Rundschnitte bilden die tatsächliche Bruchfigur beim Durchstanzversagen genauer ab.

Die in dieser Arbeit und anderen, vorangegangenen Untersuchungen zum Durchstanzen gewonnen Erkenntnisse zeigen die Notwendigkeit einer neuen und dem heutigen Kenntnisstand angepassten Regelung des Durchstanznachweises auf.

Inhaltsverzeichnis:

Formelzeichen 4
1. EINLEITUNG 6
2. GRUNDSÄTZLICHES ZUM DURCHSTANZEN 7
2.1 Geschichtlicher Überblick 7
2.2 Durchstanzen – Wirkungsweise und mechanisches Modell 8
3. BEMESSUNG UND KONSTRUKTION 13
3.1 Einleitung 13
3.2 Bemessung und Konstruktion nach DIN 1045 (07.1988) 13
3.2.1 Allgemeines 13
3.2.2 Nachweisverfahren 14
3.2.3 Lasteinleitung und kritischer Rundschnitt 16
3.3 Bemessung und Konstruktion nach EC 2 (06.1992) 17
3.3.1 Allgemeines 17
3.3.2 Nachweisverfahren 18
3.3.3 Lasteinleitung und kritischer Rundschnitt 19
3.3.4 Bauteile ohne Durchstanzbewehrung 21
3.3.5 Bauteile mit Durchstanzbewehrung 22
3.3.6 Mindestmomente bei ausmittiger Belastung 23
3.4 Bemessung und Konstruktion nach DIN 1045-1 (07.2001) 25
3.4.1 Allgemeines 25
3.4.2 Nachweisverfahren 26
3.4.3 Lasteinleitung und Nachweisschnitte 27
3.4.4 Bauteile ohne Durchstanzbewehrung 30
3.4.5 Bauteile mit Durchstanzbewehrung 32
3.4.6 Mindestmomente bei ausmittiger Belastung 36
3.5 Zur Einführung der neuen Normen 38
4. QUALITATIVER VERGLEICH DER VORSCHRIFTEN 39
4.1 Einleitung 39
4.2 Sicherheitskonzepte 39
4.3 Betonfestigkeitsklassen 40
4.4 Berücksichtigung von Lastausmitten 41
4.5 Kritischer Rundschnitt 42
4.6 Einfluss der Durchstanzbewehrung 43
4.7 Konstruktives 45
4.7.1 Mindestplattendicken 45
4.7.2 Mindestschubbewehrung 45
4.7.3 Biegebewehrung 45
4.7.4 Kollapsbewehrung 46
5. QUANTITATIVER VERGLEICH – WIRTSCHAFTLICHKEITSBETRACHTUNG 47
5.1 Einleitung 47
5.2 Herangehensweise – Herleitung der Formeln 48
5.2.1 DIN 1045 48
5.2.2 EC 2 50
5.2.3 DIN 1045-1 52
5.3 Einfluss der Betonfestigkeit 54
5.4 Einfluss der Spannweite auf die Deckendicke 55
5.5 Einfluss der Biegebewehrung auf die Deckendicke 58
5.6 Einfluss des Stützendurchmessers auf die Deckendicke 61
6. ZUSAMMENFASSUNG 63
Tabellenverzeichnis 65
Abbildungsverzeichnis 66
Literaturverzeichnis 67
ANHANG 71

Automatisiert erstellter Textauszug:

Einer vergleichenden Betrachtung der Durchstanznachweise sind gleiche Betonfestigkeiten als Eingangsparameter zugrunde zu legen. Unterschiedliche Prüfverfahren nach alter und neuer Normung führen jedoch zu nicht direkt vergleichbaren Festigkeiten. Nach DIN 1045 wird der Beton nach seiner bei der Güteprüfung im Alter von 28 Tagen an Würfeln mit 200 mm Kantenlänge ermittelten Druckfestigkeit βWN in Festigkeitsklassen B 5 bis B55 eingeteilt [1]. Nach EC 2 (Regelung der Prüfverfahren in DIN EN 206) und DIN 1045-1 (Regelung der Prüfverfahren in DIN EN 206 und DIN 1045-2) werden die Druckfestigkeiten an Würfeln mit 150 mm Kantenlänge (fck, cube) oder an Zylindern mit d = 150 mm und h = 300 mm (fck, cyl) im Alter von 28 Tagen ermittelt und in Festigkeitsklassen C 12/15 bis C 50/60 eingeteilt. Hierbei bezeichnet der erste Wert die Zylinder- und der zweite Wert die Würfeldruckfestigkeit. Zusätzlich zu den differierenden Prüfkörperabmessungen wirken sich auch unterschiedliche Lagerungsbedingungen auf die Druckfestigkeit der Betone aus, so dass diese nur annähernd miteinander verglichen werden können. Eine Umrechnung der Druckfestigkeiten kann mit den folgenden Gleichungen vorgenommen werden. f cube = 0,97 ⋅ β WN f cyl = 0,84 ⋅ βWN [...]

Zum Nachweis der Sicherheit eines Tragwerkes oder eines seiner Teile gegen Versagen wird in DIN 1045 ein Sicherheitskonzept mit globalem Sicherheitsbeiwert verwendet. Dieser legt einen vorgegebenen Abstand zwischen einem charakteristischen Wert der Beanspruchung und dem charakteristischen Wert der Beanspruchbarkeit fest. Sämtliche Unsicherheiten auf der Einwirkungs- und Widerstandseite werden also durch einen einzigen globalen Sicherheitsfaktor berücksichtigt. Im Gegensatz dazu basiert das nach EC 2 und DIN 1045-1 identische Sicherheitskonzept auf der Verwendung von Teilsicherheitsbeiwerten. Unsicherheiten wird dort begegnet, wo sie entstehen. Diese Aufteilung der Sicherheitsbeiwerte auf die Last- und Materialseite führt in aller Regel zu einem gleichmäßigeren Zuverlässigkeits- bzw. Sicherheitsniveau als das nach DIN 1045 übliche Konzept der globalen Sicherheitsbeiwerte. Durch die Teilsicherheitsbeiwerte können die Unsicherheiten infolge der Einwirkungen (Lasten, Zwang), des Modells bei der Ermittlung der Schnittgrößen, des Bauteilwiderstands und des Modells zur Bestimmung der aufnehmbaren Schnittgrößen [...]

Auf europäischer Ebene sind mit den Eurocodes schon seit längerem technische Regelwerke für die Bemessung und Konstruktion von Tragwerken vorhanden, die zukünftig in allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft einheitlich genutzt werden sollen. Für die Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken liegt der Eurocode 2 bereits seit 1992 als Vornorm DIN V ENV 1992 vor, die in Deutschland schon jetzt in Verbindung mit ENV 206 (Beton – Eigenschaften, Herstellung, Verarbeitung und Gütenachweis) und mit den zugehörigen nationalen Anwendungsdokumenten angewendet werden darf. Parallel dazu gilt weiterhin die nationale Norm DIN 1045, die gegenwärtig überwiegend angewendet wird. Diese beruht allerdings noch weitgehend auf dem Kenntnisstand der 60er Jahre und berücksichtigt nicht den heutigen Stand einer Bemessung im Stahlbetonbau. War ursprünglich der Ersatz von DIN 1045 durch die neuen Bestimmungen für 1996 geplant, so ist gegenwärtig ein Zeitpunkt für eine endgültige Überführung von DIN V ENV 1992 in eine europäische Norm DIN EN 1992, bei deren Erscheinen die nationalen Normen zurückzuziehen sind, noch nicht absehbar. Dieser Umstand führte im Deutschen Ausschuss für Stahlbetonbau zu dem Beschluss, neue nationale Normen für den Betonbau zu erarbeiten, die sich eng an die europäischen Vornormen anlehnen. Für die Bemessung und Konstruktion von Tragwerken im Stahlbetonbau soll DIN 1045-1 gelten. Ein erster Entwurf wurde im Februar 1997 veröffentlicht. Nach Beschlüssen aus der Einspruchsverhandlung im Dezember 1998 wurde ein zweiter Entwurf der Fachöffentlichkeit vorgelegt. Nach erneuten Einspruchsverhandlungen im September 1999 und nachfolgender Überarbeitung liegt nun seit Juli 2001 die neue DIN 1045-1 vor. Verbindlichkeit erreicht die neue Vorschrift allerdings erst mit bauaufsichtlicher Einführung, die in Kürze bevorsteht. Der Zeitplan sieht dann für eine Übergangszeit noch eine Koexistenz von DIN 1045 (1988) und DIN 1045-1 vor. Diese soll mit dem Jahr 2003 ablaufen. [11], [25], [27] [...]

Arbeit zitieren:
Thoralf Schlüter, Falco Herrmann April 2002: Durchstanzen von Flachdecken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Stahlbeton, Hochbau, Stützen, Tragwerk, Statik

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