Durchlässigkeit zwischen dualem Ausbildungssystem und Hochschulsystem in Österreich
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Armin Wolf
- Abgabedatum: Mai 2008
- Umfang: 107 Seiten
- Dateigröße: 1,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Österreich
- Bibliografie: ca. 67
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2917-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Wolf, Armin Mai 2008: Durchlässigkeit zwischen dualem Ausbildungssystem und Hochschulsystem in Österreich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: duale Berufsausbildung, Durchlässigkeit, Berufsreifeprüfung, Matura, Hochschulzugang
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Magisterarbeit von Armin Wolf
Einleitung:
‘Der Abschluss einer Lehre soll gleichwertig sein wie der einer höheren Schule’ argumentierte der österreichische Wirtschaftskammerpräsident, Christoph Leitl, in einem Interview mit dem Kurier. Der Ruf nach einer Aufwertung dualer Berufsausbildung und einer erhöhten Durchlässigkeit für Lehrlinge in Richtung Hochschulzugang wird immer lauter. Seit dem letzten großen Schritt zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen Lehrausbildung und Hochschulzugang mit Einführung der Berufsreifeprüfung (BRP) im Jahr 1997 sind nunmehr zehn Jahre vergangen. Aus einem aktuellen Anlass entstand die Idee für das Thema dieser Arbeit.
Im Mai 2007 erschien eine Forschungsarbeit des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, welche in die Zukunft gerichtete Modellvorschläge zur Kombination einer Lehrausbildung mit einer Hochschulzugangsberechtigung vorstellt. Als weitere Möglichkeit für Lehrlinge, eine Lehre mit einer Hochschulreife zu verbinden, könnte die Umsetzung eines dieser neu entwickelten Modelle ein weiterer Meilenstein nach Einführung der BRP für die duale Berufsausbildung in Österreich sein. Was genau dieses neue Modell zu leisten vermag, soll an dieser Stelle nicht vorweg genommen werden.
Diese Diplomarbeit verfolgt zweierlei Ziele. Zum Einen wird der Status quo der vertikalen Durchlässigkeit zwischen Berufsschulausbildung und Hochschulsystem in Österreich erfasst und mittels emanzipatorischer Kriterien analysiert. Zum Anderen wird die Institutionalisierung eines sogenannten integrativen Modells diskutiert und einer empirischen Untersuchung unterzogen. Anhand einer qualitativen Erhebung sollen Informationen darüber gewonnen werden, welche möglichen Auswirkungen mit der Institutionalisierung eines integrativen Modells einhergehen würden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | 1 |
| Teil I: Theorie | 4 | |
| 2. | Emanzipatorische Sichtweise der Berufsausbildung | 4 |
| 2.1 | Begriffsabgrenzung Emanzipation | 4 |
| 2.2 | Kriterien emanzipatorischer Betrachtung | 5 |
| 3. | Duale Berufsausbildung in Österreich | 8 |
| 3.1 | Begriffsabgrenzungen | 8 |
| 3.2 | Grundlagen des Österreichischen Berufsausbildungssystems | 10 |
| 3.2.1 | Lernort Betrieb | 10 |
| 3.2.2 | Lernort Berufsschule | 12 |
| 3.4 | Vertikale Durchlässigkeit als wirtschaftspolitische Herausforderung | 14 |
| 3.5 | Stellenwert und Image dualer Ausbildung | 17 |
| 3.6 | Ausbildungstrend im Zeitablauf | 18 |
| 4. | Vertikale Durchlässigkeit dualer Berufsausbildung | 22 |
| 4.1 | Begriffsabgrenzungen | 22 |
| 4.2 | Studienberechtigungsprüfung | 22 |
| 4.3 | Berufsreifeprüfung | 23 |
| 4.4 | Reifeprüfung an Schulen für Berufstätige | 26 |
| 4.5 | Status quo vertikaler Durchlässigkeit in Österreich | 27 |
| 4.6 | Kritisch emanzipat. Betrachtung der Instrumente vertikaler Durchlässigkeit | 28 |
| 4.7 | Höhere vertikale Durchlässigkeit durch bessere Anrechnungsmöglichkeiten | 30 |
| 5. | Modellbeispiele zur Lehre mit Matura | 32 |
| 5.1 | Praktizierte Modellkombinationen | 32 |
| 5.1.1 | Teilintegration der BRP in die Lehrausbildung | 32 |
| 5.1.2 | Lehre mit Matura bei SPAR | 34 |
| 5.2 | Neues Modell der Lehre mit Matura in Tirol | 35 |
| 5.3 | Kritische emanzipatorische Betrachtung praktizierter Modelle | 38 |
| 6. | Institutionalisierung eines integrativen Lehre-mit-Matura-Modells | 40 |
| 6.1 | Begriffsabgrenzungen | 40 |
| 6.2 | Integrative Modellvorschläge des BMWA | 42 |
| 6.2.1 | Trialität mit einer höheren berufsbildenden Schule | 42 |
| 6.2.2 | Trialität mit Tertiäreinrichtung oder Weiterbildungseinrichtung | 43 |
| 6.2.3 | Duale berufsbildende Schule | 44 |
| 6.3 | Kritisch emanzipatorische Analyse integrativer Modellvorschläge | 45 |
| 6.4 | Argumentationslinien für die Institutionalisierung eines integrativen Modells | 49 |
| Teil II: Empirie | 54 | |
| 7. | Mögliche Auswirkungen der Institutionalisierung eines integrativen Lehre- mit-Matura-Modells | 54 |
| 7.1 | Qualitatives Denken als Grundvoraussetzung empirischer Sozialforschung | 54 |
| 7.2 | Methode des problemzentrierten Interviews | 55 |
| 7.3 | Forschungsaufbau | 56 |
| 7.3.1 | Bestimmung der Stichprobe | 57 |
| 7.3.2 | Gestaltung der Interviews | 58 |
| 7.4 | Qualitative Inhaltsanalyse in neun Stufen nach Phillip Mayring | 59 |
| 8. | Auswertung der problemzentrierten Interviews | 66 |
| 8.1 | Auswertung Interview 1 | 66 |
| 8.2 | Auswertung Interview 2 | 67 |
| 8.3 | Auswertung Interview 3 | 68 |
| 8.4 | Auswertung Interview 4 | 68 |
| 8.5 | Auswertung Interview 5 | 69 |
| 8.6 | Vergleichende Interpretation der Ergebnisse | 70 |
| Teil III: Zusammenführung Theorie und Empirie | 74 | |
| 9. | Parallelen zwischen Theorie und Forschungsergebnissen | 74 |
| 10. | Handlungsvorschläge | 78 |
| 11. | Fazit & emanzipatorische Schlussbetrachtung | 80 |
| Literaturverzeichnis | 82 | |
| Internetverzeichnis | 86 | |
| Verzeichnis der Gesetze & Rechtsverordnungen | 91 | |
| Anhang | 92 |
Textprobe:
Kapitel 6.1 Begriffsabgrenzungen:
Institutionalisierung:
Institutionalisierungsprozesse stellen konkrete Kontexte für die Herausbildung von sozialen Strukturen dar, die nach Max Weber durch Rationalismus geprägt sind. Unter Institutionalisierungen sind Innovationen im Gefüge der gesellschaftlichen und sozialen Organisationsstruktur, die aus einem Bewusstseinswandel ihre Initialkraft erhalten, zu verstehen. Durch die Institutionalisierung eines Ausbildungszweiges wird dieser in das Regelschulwesen aufgenommen.
Die Initiative für ein neues Konzept bzw. Modell beruflicher Ausbildung erwächst häufig aus der öffentlichen Diskussion neuer Ideen. Nach Formulierung einer politisch wirkungsvollen Absicht gilt es ein entsprechendes politisches Programm für die Entwicklung und Umsetzung der Idee zu entwerfen. Konkrete Maßnahmen zur Realisierung des Modells werden in der Implementierungsphase durchgeführt. Durch die Implementierung eines neuen Modells kommt es zu Veränderungen der schulischen Praxis. Wie sich die anfängliche Idee umsetzen wird und zu welchen konkreten Veränderungen die Implementierung eines neuen Modells führt, kann im Voraus leider nicht festgelegt oder geplant werden.
Die Institutionalisierung von Bildung wird von Daniel Dravenau treffend beschrieben als …’gleichbedeutend mit der selektiven Bewertung von Bildungsprozessen und der hierarchischen Differenzierung von Bildungsgängen und -zertifikaten, kurzum mit der Ungleichheit von Bildung. Erst indem Lernprozesse durch schulische Institutionen methodisch isoliert und produziert werden, können sie auch als individuelle Leistungen messbar und zur Grundlage von schulischen Ausleseprozessen gemacht werden.’ Dieses Zitat veranschaulicht, dass durch die Institutionalisierung von Bildung die Erfassung schulischer Leistung überhaupt erst möglich wird.
Integratives Lehre-mit-Matura-Modell:
Ein integratives Lehre und Matura-Modell ermöglicht den gleichzeitigen Erwerb von einem Lehrabschluss und einer Hochschulberechtigung (Matura). Bisher praktizierte Modellkombinationen der Lehre mit Matura in Österreich ermöglichen den Erwerb einer Hochschulreife erst nach erfolgter LAP und vollendetem 19. Lebensjahr.
Um einer Verwechslung vorzubeugen wird darauf hingewiesen, dass der Begriff eines integrativen Lehre und Matura-Modells vom Begriff ‘integrativer Berufsausbildung’ zu trennen ist. Unter integrativer Berufsausbildung wird die Ausbildung von Jugendlichen …’ mit sozialen, begabungsmäßigen oder körperlichen Benachteiligungen…’ im Rahmen der Lehrlingsausbildung verstanden. Eine genaue Regelung der Lehrlingsausbildung von benachteiligten Jugendlichen findet sich im BAG 2006, § 8b Abs. 4.
Innerhalb dieser Arbeit wird als Synonym für ein integratives Lehre-mit-Matura-Modell auch der Begriff eines integrativen Modells verwendet. Der gleichzeitige bzw. parallele Erwerb von Lehre und Matura findet in Deutschlands Berufsbildungsforschung die Bezeichnung eines doppelqualifizierenden Bildungsgangs. Nachdem der Begriff eines integrativen Modells abgegrenzt wurde, erhält der LeserIn im Folgenden einen Einblick in Aufbau und Struktur neu entwickelter Verknüpfungsvarianten von Lehre und Matura.
Integrative Modellvorschläge des BMWA:
Unter der Projektleitung von Sabine Archan und Peter Schlögl erschien im Mai 2007 eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit. Im Rahmen dieses Projektes wurden Modellvorschläge zur Erhöhung der Durchlässigkeit für Lehrlinge entwickelt. In Workshops diskutierten ExpertInnen aus dem Bereich der Berufsbildung über die grundsätzlichen Standpunkte zum Thema Lehre mit Matura und führten die entwickelten Modelle einer Bewertung zu.
Im Folgenden werden jene Modellkonzepte angeführt, die den gleichzeitigen Erwerb einer dualen Ausbildung und einer Hochschulreife ermöglichen sollen.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836629171
Arbeit zitieren:
Wolf, Armin Mai 2008: Durchlässigkeit zwischen dualem Ausbildungssystem und Hochschulsystem in Österreich, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
duale Berufsausbildung, Durchlässigkeit, Berufsreifeprüfung, Matura, Hochschulzugang



