Durchführung einer Machbarkeitsstudie zur Vorbereitung der Überführung der kommunalen Bibliotheken in eine adäquate neue Gesellschaftsform (gGmbH)
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Romy Stefanie Becker
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 156 Seiten
- Dateigröße: 4,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Hochschule Zittau/Görlitz (FH), Standort Görlitz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9452-0
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9452-0 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9452-0 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Becker, Romy Stefanie Januar 2006: Durchführung einer Machbarkeitsstudie zur Vorbereitung der Überführung der kommunalen Bibliotheken in eine adäquate neue Gesellschaftsform (gGmbH), Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: psychologische Aspekte, Kommunikationsmittel, Kostenpläne, Praxis, Öffentlicher Dienst
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Diplomarbeit von Romy Stefanie Becker
Einleitung:
Die gegenwärtige Situation der kommunalen öffentlichen Bibliotheken ist alles andere als hoffnungsvoll. Die kommunale Finanzkrise ist nahezu überall virulent vorhanden und die freiwilligen Leistungen stehen vielerorts auf dem Prüfstand. Haushalts- und Stellenpläne werden mit der Zielstellung des Reduzierens oder des Einsparens sorgfältig durchforstet. Gleichzeitig finden Bemühungen statt, geeignete Managementmethoden und betriebswirtschaftliche Denk- und Verfahrensweisen in der öffentlichen Verwaltung einzuführen.
Ein Teilaspekt dieser Entwicklungen ist es, für einige Teilbereiche der kommunalen Dienstleistungen in anderen Organisations- und Rechtsformen effizientere und effektivere Arbeitsweisen anzustreben. Angesicht der desolaten Finanzlage der Kommunen kann es eine Lösung sein, die öffentlichen Bibliotheken in anderen als den bisher vorhandenen Betriebsformen zu führen. Jedoch sind noch immer die örtlichen Begebenheiten und die Notwendigkeit jener Überlegungen von entscheidender Bedeutung. Erforderlich erscheint dennoch die Befassung mit der Thematik, da im Vordergrund die Frage stehen sollte: Was ist besser: eine geschlossene Bibliothek oder eine Bibliothek in einer anderen Betriebsform?
Ein sich durch die ganze Gesellschaft ziehender Widerspruch zwischen verbaler Kulturförderung und realem Kulturabbau ist zu verzeichnen. Öffentliche Bibliotheken sind Bausteine von Kultur und sie gehören zu den Orten, die den Menschen ein Gefühl von Heimat vermitteln. In dieses soziale Basisgefüge sind die Bibliotheken eingebettet und übernehmen die vielfältigsten Rollen wie etwa die der lebenslangen Bildung. Aber auch die Rolle der Information und Kommunikation in der Kommune, der Integration unterschiedlicher Gruppen, in der Praktizierung zivilgesellschaftlichen Engagements als auch in der Ausübung demokratischen Denkens und Handelns wird ihr zu Teil.
Die Bibliothek ist ein wichtiger Standortfaktor, und sie ist es um so mehr, als sie nicht nur mit den Schulen zusammenarbeitet, sondern ein vielfältiges Netzwerk mit örtlichen und regionalen Einrichtungen der Weiterbildung, der beruflichen Fortbildungseinrichtungen der Wirtschaft, Studieninstituten, Fachhochschulen o. ä. bildet. Die öffentlichen Bibliotheken sind ein unverzichtbarer Teil dieser Bildungslandschaften.“ Über die Änderung der Verwaltungsstrukturen wird momentan in vielen Kommunen der Bundesrepublik Deutschland gesprochen. Eine Gemeinsamkeit in den Überlegungen ist darin zu finden, den öffentlichen Dienst generell wirtschaftlicher als auch effektiver zu gestalten. Im Spannungsfeld zwischen Einsparungen durch Kostenreduzierung und dem Erhalt von Strukturen spielen die Diskussionen um die Veränderung von Verwaltungsstrukturen in Kommunen eine entscheidende Rolle. Ein Ziel könnte es sein, Kosten zu senken und die Strukturen dennoch zu erhalten. Dazu ist es den Kommunen überlassen, ob jene Ziele ohne Begleiterscheinungen wie der Verlust der politischen Entscheidungsgewalt oder der Delegation von Verantwortungen umsetzbar sind.
Die permanente Kürzung der Finanzmittel, Personalkürzungen, Kürzungen der Erwerbungsetats veranlassen die Kommunen vielerorts über die Veränderung der Organisation der Bibliotheken nachzudenken. Die kulturelle Daseinsvorsorge würde eine radikale Umschichtung von Finanzmitteln zugunsten von Kultur und Bildung erfordern.
Im Verlauf des Jahres 2006 soll unter Beibehaltung der dezentralen Struktur die Möglichkeit geprüft werden, einen Teil der Oberlandbibliotheken in eine gemeinsame Gesellschaft zu überführen.
Ziel ist es, Steuerungsmöglichkeiten zu verbessern als auch den Bestand an Medien in den Bibliotheken abzusichern. Weiterhin soll die Optimierung von Leistungs-, Kosten- und Netzstrukturen erzielt und die Auslagerung von bestimmten Management- und Servicefunktionen untersucht werden. Ein weiteres Ziel ist das Aufzeigen von Synergieeffekten, das heißt die wesentlichen Vorteile, welche die neue Gesellschaft als Gesamtkonstrukt gegenüber der jetzigen Lage erwerben könnte.
Dazu wurde im Zeitraum Juli bis Dezember 2005 eine Machbarkeitsstudie mit der Entwicklung eines langfristig tragfähigen Unternehmenskonzeptes durchgeführt, in welche die Städte bzw. Gemeinden Seifhennersdorf, Neugersdorf, Ebersbach, Eibau, Oderwitz und Großschönau involviert wurden.
Auf der Grundlage der Machbarkeitsstudie soll der Erhalt der Bibliotheken sowie die langfristig Sicherung ihrer Finanzierbarkeit beurteilt und ermöglicht werden. Es handelt sich bei dieser Studie um ein Pilotprojekt für den Freistaat Sachsen, welches bei erfolgreicher Umsetzung im Oberland Vorbildcharakter für eine Vielzahl von Bibliotheken haben könnte.
Dazu würden die Bibliotheken aus der jeweiligen Kommune ausgegliedert und in eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) überführt werden. Somit entstehen verbesserte Fördermöglichkeiten, welche von einer Gemeinde alleine nicht beansprucht werden können, sondern nur in einem großen Bibliothekenverbund zu realisieren sind.
Diese so genannte institutionelle Förderung, welche durch den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien gewährleistet wird, könnte die Finanzierbarkeit der Bibliotheken bis zu mindestens 5 Jahren sichern. Die Bibliotheken werden durch die finanzielle Ausstattung für Bücher und Mobiliar sehr viel attraktiver für die Leser und Besucher. Daher sollte diese Fördermöglichkeit als eine Chance gesehen werden, weil in Zukunft mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Projektförderung für Buchanschaffungsmittel zurückgehen wird. Je mehr Bibliotheken der Unternehmensgründung beitreten, desto größer ist der Nutzen.
Inhaltsverzeichnis:
| TABELLENVERZEICHNIS | III | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| QUELLENVERZEICHNIS | VI | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | VIII | |
| VERZEICHNIS ANHANG | IX | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | DIE STUDIE | 3 |
| 2.1 | BEGRÜNDUNG FÜR DIE STUDIE „OBERLANDBIBLIOTHEKEN“ | 3 |
| 2.2 | ZIEL DER UNTERSUCHUNGEN | 4 |
| 2.3 | ZEITLICHER ABLAUF DER STUDIE | 5 |
| 3. | DAS BIBLIOTHEKENKONSTRUKT | 7 |
| 3.1 | ÄNDERUNG DER RECHTSFORM | 7 |
| 3.2 | BEGRÜNDUNG DER GMBH | 8 |
| 3.3 | VORTEILE EINER ÜBERFÜHRUNG | 11 |
| 4. | DIE BIBLIOTHEKEN | 13 |
| 4.1 | INVOLVIERTE BIBLIOTHEKEN | 13 |
| 4.2 | STANDORTE UND EINRICHTUNG | 16 |
| 4.3 | PERSONALSTRUKTUR | 28 |
| 5. | WIDERSTÄNDE SEITENS DER BIBLIOTHEKSMITARBEITER | 30 |
| 5.1 | EINSTELLUNG DER BIBLIOTHEKSMITARBEITER | 30 |
| 5.2 | ÄNGSTE UND UNSICHERHEITEN | 35 |
| 5.3 | KOMMUNIKATIONSPOLITIK | 38 |
| 6. | WIDERSTÄNDE SEITENS DER KOMMUNEN | 42 |
| 6.1 | WIDERSTÄNDE UND BARRIEREN | 42 |
| 6.2 | BESUCH IN DEN KOMMUNEN | 44 |
| 6.3 | EINSTELLUNG DER POLITISCHEN ENTSCHEIDUNGSTRÄGER | 46 |
| 7. | KOSTEN DER BIBLIOTHEKEN FÜR DIE GEMEINDEN / STÄDTE | 50 |
| 7.1 | IST - SITUATION DER BIBLIOTHEKSKOSTEN | 50 |
| 7.2 | SOLL - SITUATION DER BIBLIOTHEKSKOSTEN | 51 |
| 7.3 | PERSONALBEDARF | 52 |
| 8. | DIE FÖRDERMÖGLICHKEITEN | 54 |
| 8.1 | FÖRDERRICHTLINIEN | 54 |
| 8.2 | FÖRDERUNGSARTEN | 55 |
| 8.3 | RISIKEN DER FÖRDERUNG | 56 |
| 8.4 | SITUATION NACH 5 JAHREN | 57 |
| 9. | KOSTEN DER GMBH | 58 |
| 9.1 | FINANZIERUNGSMODELLE | 58 |
| 9.2 | GRÜNDUNGSKOSTEN DER GMBH | 61 |
| 9.3 | FOLGEKOSTEN DER GMBH | 63 |
| 9.4 | DAS STÄDTE-MODELL | 65 |
| 10. | SYNERGIEEFFEKTE | 66 |
| 10.1 | SYNERGIEEFFEKTE BEI GEMEINSAMER OBERLANDBIBLIOTHEK | 66 |
| 10.2 | SYNERGIEEFFEKTE FÜR EINZELNE OBERLANDBIBLIOTHEK | 67 |
| 11. | ZEITPLAN | 68 |
| 11.1 | BISHERIGER ZEITPLAN | 68 |
| 11.2 | KÜNFTIGER ZEITPLAN | 70 |
| 12. | SCHLUSS | 71 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 72 | |
| ANHANG | 75 | |
| Anhang 01 | Gesellschaftsvertrag | 76 |
| Anhang 02 | Grundlagenvertrag | 85 |
| Anhang 03 | Erstdatenerfassung | 90 |
| Anhang 04 | Mitarbeiterfragebogen | 107 |
| Anhang 05 | Ängste und Unsicherheiten | 111 |
| Anhang 06 | Handfragebogen | 122 |
| Anhang 07 | Beispiel eines künftigen Fragebogens | 127 |
| Anhang 08 | Regeln zur konstruktiven Verhaltens-Rückmeldung | 133 |
| Anhang 09 | Protokoll zur Bürgermeisterrunde | 136 |
| Anhang 10 | Checkliste | 139 |
| Anhang 11 | Zeitungsartikel vom 11.01.2006 | 143 |
| Anhang 12 | Zeitungsartikel vom 16.01.2006 | 145 |
Das Problem ist, dass bei der Bürgermeisterrunde, den Besuch in den Kommunen mit den Gesprächen sowie der Abschlusspräsentation jeweils andere Personen teilnehmen. Die Ursache ist zu wenig Interesse seitens der Entscheidungsträger als auch kein bzw. wenig Problembewusstsein. Die Wirkung ist der jeweils unterschiedliche Wissenstand der einzelnen Personen sowie verkrampfte, verklemmte als auch abneigende Meinungen und Einstellungen der Studie gegenüber. Die Folgen von Unwissen und Vorurteilen sind, dass es kein einheitliches Interesse am Projekt gibt und es zu keiner Zustimmung für das Projekt kommen wird. Außerdem wird es weniger erfolgreiche Ergebnisse geben, da die Meinungen der Beteiligten sehr gespalten sind. Die Lösung ist in der Aufklärung aller Mitarbeiter der Kommune über das Projekt anhand gezielter Unterlagen und Interviews zu bisherigen Erfahrungen, erlebten Missverständnissen, der Vorstellung über die Zukunft der eigenen Bibliothek sowie in direkten Gesprächen mit den Beteiligten zu finden. Die Umsetzung der Lösung ist, Gespräche mit den Entscheidungsträgern vor der Abschlusspräsentation im Januar zu vereinbaren. Das erlaubt die Möglichkeit eines höheren Wissensstandes der Mitglieder der 6 Kommunen vor der Präsentation. Ansonsten würden die Personen mit Unwissen zur Präsentation erscheinen und es würde zu Unstimmigkeiten bzw. unnötigen Diskussionen kommen. Zu dem Besuch in den Kommunen ist eine Checkliste anzulegen, in der die Widerstände beruhend auf schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit dokumentiert werden. Die Folge dieser Problemlösungsvariante ist, dass unnötige Diskussionen als auch die Basis für Diskussionen frühzeitig erkannt und beseitigt werden können. Zudem besteht die Möglichkeit zur einheitlichen Bejahung der Studie und der neuen Rechtsform für [...]
Nach der Präsentation auf der Bürgermeisterrunde, welche Informationscharakter besaß und lediglich einen Zischenstand der Ergebnisse anhand der Auswertung des Mitarbeiterfragebogens geben sollte, sind viele Widerstände und Bedenken seitens der Bürgermeister, Hauptamtsleiter oder Kämmerer geäußert worden. Da nur zwei von 6 Kommunen von der Studie begeistert waren, bestand schneller und effektiver Handlungsbedarf. Zwei Kommunen waren nicht überzeugt und weitere zwei Kommunen waren sich unschlüssig. Die meisten Widerstände ergaben sich aus persönlichen Gründen und weil die Not in der jeweiligen Gemeinden noch nicht groß genug zu sein scheint. Als sinnvolles Kommunikationsmittel erachtet wurde das direkte Gespräch mit den politischen Entscheidungsträgern. 2 Phase: Überzeugung der Kommunen und Beseitigung der Widerstände und Blockaden 1. Schritt: Bürgermeisterrunde mit Unterlagen zu Förderung, Mitarbeiterfragebogen, Zeitplan 2. Schritt: Besuch in Kommunen und Gespräche mit verschiedenen Mitgliedern Folgender Problemlösungsprozess wurde entwickelt. Der Handlungsbedarf bestand darin, mehr Überzeugungsarbeit zu leisten. [...]
Im Folgenden sind die Widerstände seitens der Städte und Gemeinden nach den Kriterien Förderung, GmbH, Bibliotheksmitarbeiter und Kommunen gegliedert. Bzgl. Förderung • • • • • • • • • • • • Bedenken bezüglich der Fördermittel und Gefahr, dass institutionelle Förderung nicht gewährleistet wird Förderung als einziger Halt, wenn diese nicht kommt, sind alle Bemühungen umsonst gewesen Förderung wird nicht, wie angenommen, über 5 Jahre hinweg gewährleistet Förderung fällt nicht so hoch aus, wie angenommen zu große Unsicherheit bzgl. Förderung nach 5 Jahren Förderung dennoch keine Entlastung der Kommunen der Weg zurück in die Kommune wird nach 5 Jahren nicht wieder funktionieren sehr wage Angelegenheit, weil der Kulturraum in 2 Jahren kein Geld mehr haben kann was wird in 5 oder in 2 Jahren ohne Förderung wieso wird die Förderung nur auf 5 Jahre beschränkt wenn die Förderung abnimmt oder wegfällt, müssen die Gemeinden die Kosten alleine halten Bedenken, dass andere Gemeinden kein Geld mehr zahlen und somit nach 2 Jahren Schluss ist und die übrigen Gemeinden die Kosten der anderen Gemeinden tragen müssen oder es gibt keine institutionelle Förderung mehr • • Angst, dass nicht alle 6 Gemeinden an der GmbH mitwirken und man somit auf hohen Kosten sitzt Gefahr, dass zu wenig Gemeinden teilnehmen [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832494520
Arbeit zitieren:
Becker, Romy Stefanie Januar 2006: Durchführung einer Machbarkeitsstudie zur Vorbereitung der Überführung der kommunalen Bibliotheken in eine adäquate neue Gesellschaftsform (gGmbH), Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
psychologische Aspekte, Kommunikationsmittel, Kostenpläne, Praxis, Öffentlicher Dienst



