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Duales System auf dem Prüfstand: Das Problem Ausbildungsreife

Duales System auf dem Prüfstand: Das Problem Ausbildungsreife
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sven Buttelmann
  • Abgabedatum: April 2000
  • Umfang: 101 Seiten
  • Dateigröße: 927,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Hochschule Bremen, University of Applied Sciences Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-2723-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-2723-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-2723-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Buttelmann, Sven April 2000: Duales System auf dem Prüfstand: Das Problem Ausbildungsreife, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ausbildungsreife, Duales System, Betriebliche Ausbildung, Duale Ausbildung

Diplomarbeit von Sven Buttelmann

Einleitung:

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich kritisch mit dem dualen Ausbildungssystem und den etwaigen inhärenten Unzulänglichkeiten, welche dieses aufweist. Im besonderen soll auf die Ausbildungsreife eingegangen werden. Hintergrund dieser Auseinandersetzung mit dem Thema ist der Umstand, dass sich die angeblich zunehmend unzureichende Ausbildungsreife der deutschen Schulabgänger Gegenstand der öffentlichen Diskussion ist. Es soll dabei verdeutlicht werden, dass Qualifikationsdefizite nicht ausschließlich den Jugendlichen selber zugeschrieben werden können, sondern Ursachen unter anderem auch in der Gesellschaft und der Wirtschaft zu finden sind.

Gang der Untersuchung:

Diese Problematik der Ausbildungsreife soll aufgegriffen werden, um mögliche Verbesserungen zur Stärkung der Ausbildungsfähigkeit deutscher Jugendlicher aufzuzeigen. Zunächst soll das deutsche Berufsbildungssystem im wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Strukturwandel dargestellt werden, wobei der Schwerpunkt auf die duale Ausbildung gelegt wird. Anhand der Einflussfaktoren soll aufgezeigt werden, dass die Ausbildung nicht nur vom Betrieb abhängig ist, sondern von einer Vielzahl interner sowie externer Personengruppen oder anderer Faktoren bedingt ist.

Eine Bestandsaufnahme der Berufsausbildung soll im besonderen Auskunft über die derzeitige Situation der betrieblichen Ausbildung sowie die schulische Vorbildung der Auszubildenden hinsichtlich Alterstruktur bzw. Wahl des Ausbildungsberufes geben. Basierend darauf wird die Ausbildungsreife der Ausbildungsplatzbewerber untersucht. Den Anforderungen der Wirtschaft werden die Leistungsprofile der Ausbildungsplatzbewerber gegenübergestellt, um so Defizite in verschiedenen Kompetenzbereichen aufzuzeigen. Anschließend wird auf mögliche Ursachen eingegangen.

Es werden im Anschluss daran einige Institutionen bzw. Organisationen, z. B. Bundesanstalt für Arbeit, vorgestellt. Hierbei wird skizziert, welche Aufgaben sie im Berufsbildungsbereich wahrnehmen und welche Maßnahmen sie zur Stärkung der Ausbildungsreife ergreifen. Da diese Institutionen mit ihren Aktivitäten nicht sämtliche Anforderungen, die von Wirtschaft und Gesellschaft als bedeutend angesehen werden, abdecken, ergibt sich Handlungsbedarf. Resultierend aus diesem Bedarf sollen Empfehlungen dazu beitragen, mögliche Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Berufsbildung in der Bundesrepublik Deutschland im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel 2
2.1 Berufsbegriff 2
2.2 Bildung und Beruf 3
2.3 Berufsqualifikation 4
2.4 Berufsbildungsziele 4
2.5 Berufsbildungsbereiche 5
3. Das duale System der Berufsausbildung 6
3.1 Historische Entwicklung des dualen Ausbildungssystems 6
3.2 Reform der Berufsbildung durch das Berufsbildungsgesetz 7
3.3 Träger und Institutionen der Berufsausbildung 8
3.4 Ausbildung im Betrieb 9
3.5 Ausbildung in der Schule 10
4. Determinanten der Ausbildung 13
4.1 Kontext des Ausbildungssystems 13
4.1.1 Externe Einflussfaktoren 13
4.1.2 Interne Einflussfaktoren 14
4.2 Personen und Personengruppen 15
4.2.1 Externe Akteure 16
4.2.2 Interne Akteure 17
5. Struktur und Bestand der Berufsausbildung 19
5.1 Schulische Vorbildung und Altersstruktur der Auszubildenden 21
5.2 Schulische Vorbildung und Wahl des Ausbildungsberufes 23
5.3 Betriebliche Berufsausbildung 23
6. Ausbildungsreife der Ausbildungsplatzbewerber 25
6.1 Anforderungen der Unternehmen an die Bewerber 25
6.1.1 Fachliche Kompetenz 26
6.1.2 Persönliche Kompetenz 27
6.1.3 Soziale Kompetenz 28
6.2 Leistungsprofile der Ausbildungsplatzbewerber 28
6.2.1 Langzeitstudie der BASF AG bei Ausbildungsplatzbewerbern 30
6.2.2 Testergebnisse hessischer Industrie- und Handelskammern 30
6.2.3 Untersuchung des Psychologischen Dienstes der Bundesanstalt für Arbeit 32
6.2.4 Trend zur formaler Höherqualifizierung 33
6.3 Anforderungen der Betriebe aus der Sicht von Auszubildenden 34
6.4 Ursachen unzureichender Eingangsqualifikation 35
6.4.1 Allgemeinbildende Schulen 35
6.4.2 Elternhaus 37
7. Aktivitäten zur Förderung der Ausbildungsreife 38
7.1 Bundesländer 38
7.1.1 Ausbildungsvorbereitende Maßnahmen im Lande Bremen 38
7.1.2 Bildungsoffensive Bayern 39
7.1.3 Kritik zum allgemeinbildenden Schulwesen 40
a Lehrpersonal 41
b Berufsvorbereitung 42
7.2 Betriebe 43
7.2.1 Auswahl der Bewerber nach dem Ausbildungsmarketing unter Berücksichtigung des Baustein-Modells 43
a Die Bewerbungsunterlage 45
b Das Telefoninterview 45
c Einzelbewerber- und Gruppengespräche 45
d Eignungstests 46
e Arbeitsproben 46
7.2.2 Förderprogramme der BASF AG 47
7.2.3 Kritik an die Adresse der Unternehmen 48
7.3 Bundesregierung in Verbindung mit dem Bündnis für Arbeit, Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit 49
7.3.1 Sofortprogramm zum Abbau von Jugendarbeitslosigkeit 50
a Maßnahmen zur Ausbildungsförderung 51
b Stand der Umsetzung Oktober 1999 52
7.3.2 Weiterentwicklung der Konzepte zur Förderung benachteiligter Jugendlicher 53
7.3.3 Kritische Betrachtung 54
7.4 Bundesanstalt für Arbeit 55
7.4.1 Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen 55
7.4.2 Ausbildungsbegleitende Hilfen, Berufsbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen 57
7.4.3 Stellungnahme zu den Aktivitäten der Bundesanstalt für Arbeit 57
7.5 Bundesarbeitsgemeinschaft „Schule Wirtschaft“ 58
7.5.1 Vorbereitung der Schüler auf das betriebliche Auswahlverfahren 59
7.5.2 Berufsorientierungs- und Qualifizierungsprojekt 60
7.5.3 Projekt „Fit für die Ausbildung“ 61
7.5.4 Kritische Betrachtung 61
7.6 Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung 62
7.6.1 Aktivitäten der Bund-Länder-Kommission 63
7.6.2 Kritische Betrachtung 65
8. Anregungen zur Verbesserung der Lage 66
8.1 Allgemeinbildendes Schulwesen 66
8.2 Qualifizierung der Schüler 67
8.3 Förderung benachteiligter Jugendlicher 69
8.4 Vorbereitung auf das Berufsleben 70
8.5 Lehrpersonal 71
9. Schlusswort 73
Anlagen

Automatisiert erstellter Textauszug:

Eng gesetzte Rahmenbedingungen haben es zudem den Lehrkräften erschwert, den Wandel in der Zusammensetzung, die veränderten Persönlichkeitsstrukturen der Schüler und auch die Erwartenshaltung der Abnehmer (Eltern, Kinder, Arbeitgeber, Gesellschaft) zu erfüllen. Dabei kann davon ausgegangen werden, daß der „gute“ Pädagoge durchaus in der Lage ist, aus jedem Kind etwas zu machen, wenn er die Möglichkeit dazu bekommt. Abhängig ist dies allerdings u. a. von Klassenstärken und ihrer Zusammensetzung, den zu vergebenen Budget, der Organisationsform der Schule, der Kompetenz der Lehrkräfte für weitreichende Entscheidungen. Bei Zuständigkeiten wie beispielsweise der Wahl der Schullaufbahn hat sich durch das Elternrecht eine Kompetenzverschiebung zu Lasten der Lehrer vollzogen. Dies beeinflußt die Motivation der Lehrer im hohen Maße negativ. Das Wissen um die Befähigungen der Schüler macht den Pädagogen zum kompetentesten Entscheider. Doch in der Praxis wird die Bedeutung seiner Empfehlung reduziert. Übertrieben dargestellt würde eine elterliche Fehlentscheidung nur noch durch späteres Sitzenbleiben oder Rückführung auf die abgebende Schule korregiert werden. Die zeigt eine Vergeudung pädagogischer Kompetenz und eine Demotivation der Kinder auf.94 Auch die Überalterung der Kollegien rächt sich, weil die Bundesländer seit Jahren kaum Lehrer eingestellt hat. Es werden junge Pädagogen gebraucht, die frei von langgepflegten Vorurteilen wie den von der Wirtschaft geforderten genormten Menschen sind. Vernachlässigt wurde auch die Techniken, die für Ausbildung der Schüler gebraucht werden. Zwar wird großen Wert auf Fachwissen gelegt, dabei aber die fachübergreifenden Zusammenhänge kaum berücksichtigt. Viele Lehrer verharren auf Wissen aus ihrer Referendarzeit. Dies scheint der bequemste Weg im Unterrichtsalltag zu sein, immer dasselbe Wissen aus Lehrbüchern zu vermitteln. Im Schnitt verbleiben Lehrbücher ca. fünf Jahre im Umlauf. Greifen Lehrer auf alte Lehrunterlagen zurück, verliert dies den Bezug zur Aktualität und die Schüler werden mit überholtem Wissen konfrontiert. Mit der Anzapfung neuer Wissensquellen tun sich Lehrer im Vergleich zu ihren Schüler schwerer. Initiativen wie „Schule ans Netz“ sind Anlaß, Lehrer und Schüler den Umgang mit neuen Medien heranzuführen bzw. zu erleichtern.95 Der Computer, der Lernen und Studieren am Arbeitsplatz oder in seiner Nähe möglich macht, wird das Lehren und Unterrichten in Beraten und Betreuen verwandeln; Probleme des Transfers des Gelernten in konkrete Anwendungen werden reduziert. Für die Produktion multimedialer und interaktiver Lerneinheiten wie für das telekommunikative und telekooperative Lehren und Lernen müssen sich neue didaktische und pädagogische Qualifikationen sowohl für die Lehrenden und Beratenden wie für die Autoren multimedialer und interaktiver Lernmodule herausbilden. [...]

und zudem in ganz anderen Qualifikationsabschnitten der seinerzeit Betroffenen. Erfahrungsgemäß braucht der Entscheidungsträger von heute nicht zu befürchten, morgen hierfür zur Verantwortung gezogen zu werden.90 Zeitgemäße Bildung bedeutet nicht, das Bildungswesen nur unter Verwertungsinteressen zu betrachten, z. B. durch einseitige Berücksichtigung der Anforderungen der Wirtschaft. Schüler sind nicht Objekte der Interessenverbände von Wirtschaft und Staat. Eine Reduzierung hierauf widerspricht den Bildungsidealen einer aufgeklärten Gesellschaft. Wenn sich der gesellschaftliche Wandel so schnell vollzieht, daß die schulische Bildungs- und Erziehungsarbeit mit den Mitteln sowie Erkenntnissen von heute für die Welt von morgen sowieso sehr schnell wieder von gestern ist, so ist dies fatal. Nichts ist beständiger als der technologische, wirtschaftliche und soziale Wandel. Vielmehr ist den veränderte Lernverhältnissen mit entsprechenden Lehrmethoden zu begegnen. Wichtigstes Ziel ist es den Kinder Zuversicht und Zukunft zu geben. Dies gilt nicht nur für die Lehrer, sondern auch für die Eltern. Eine individuelle Wissensvermittlung ist gefragt. Die Schüler müssen das Gefühl bekommen, daß sie ihrer Selbst akzeptiert werden und sie etwas Nützliches zur Gemeinschaft beitragen können.91 Durch zeitgemäßen Unterricht, der mit den Entwicklungen in Arbeitswelt und Gesellschaft Schritt hält, muß praktisches Lernen, verstärkt durch lebensnahen, anschaulichen, projekt- und handlungsorientierten Unterricht, ermöglicht werden. Außerdem müssen die nötigen Freiräume für pädagogische Arbeiten eingeräumt werden, um das Leistungsvermögen und die Interessen der Schüler in der Berufsorientierungsphase in die Unterrichtsplanung einzubeziehen. Notwendig ist ebenso die verstärkte Förderung benachteiligter Jugendlicher, damit sie einen Schulabschluß erreichen können und nicht erst im Anschluß an die allgemeinbildende Schule ausbildungsfähig gemacht werden müssen. Es ist Aufgabe des Staates, das Niveau der Ausbildung und den Abschluß vorzugeben und die Vergleichbarkeit der Abschlüsse auch länderübergreifend sicherzustellen. Eine Abstimmung und Einigung auf einen bundesweiten Leistungsstandard, auch hinsichtlich einer besseren Bewertung der Schulleistungen durch die Arbeitgeber, ist sinnvoll. Hierzu gehört über das Setzen von Standards hinaus, den Schulleitungen, den Kollegien und den einzelnen Pädagogen die für ihre Arbeit erforderlichen Gestaltungsrechte und Verantwortungspflichten einzuräumen. Mit diesen Maßnahmen muß die Qualität der Schulen in Deutschland in einem ständigen Prozeß verbessert werden, damit die Konkurrenzfähigkeit des deutschen Bildungssystems im internationalen Wettbewerb gestärkt wird.92 [...]

Die Vermittlung der Ausbildungsreife ist eine zentrale Aufgabe der allgemeinbildenden Schule. Zwar kann die Schule nicht alleinig für gesellschaftliche Fehlentwicklungen und schon gar nicht für Erziehungsversäumnisse im Elternhaus verantwortlich gemacht werden. Dennoch hat sie die Verpflichtung, diesen Entwicklungen so weit wie möglich entgegenzuwirken.86 Es ist falsch, die Schule als Reparaturbetrieb für die Defizite der Gesellschaft anzusehen. Gefordert sind vor allem die Eltern. Die Schule unterstützt die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder. Ersetzen kann sie sie nicht.87 Die Situation der Schulen ist in Deutschland geprägt durch die seitens der Bürger an den Staat gegebene Verantwortung für die schulische Bildung ihrer Kinder. In 16 Bundesländern gehen die zuständigen Ministerien und somit auch die unterstellten Schulbehörden mit diesem Auftrag unterschiedlich um.88 Mit Blick auf Europa ergibt sich ein Bild der Kleinstaaterei. Ein Vorteil dieser Kulturhoheit der Bundesländer besteht allerdings darin, daß Probleme im politischen und sozialpolitischen Umfeld pragmatisch, direkt und über wenige Instanzen angegangen werden können. Dies gilt besonders für das Bildungswesen, speziell für die Information, Koordination und Abstimmung zwischen den verschiedenen Bildungsniveaus oder Schularten.89 Es drängt sich jedoch zudem der Verdacht auf, daß seitens der Politik die Verantwortung zur Ausbildungsreife gescheut wird. Offenbar ist es einfacher, mit dem Ruf die dargestellten Mißstände zu verhüllen oder ein Sandkastenspiel um Feinheiten und Wortwahl zu unterschiedlichen Schulstrukturmodellen zu treiben. Das Bildungswesen leidet darunter, daß sich der Erfolg bzw. Mißerfolg sogenannter innovativer Prozesse nicht kurzfristig bilanzieren lassen. die Folgen von Fehlentwicklungen werden erst später deutlich [...]

Arbeit zitieren:
Buttelmann, Sven April 2000: Duales System auf dem Prüfstand: Das Problem Ausbildungsreife, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ausbildungsreife, Duales System, Betriebliche Ausbildung, Duale Ausbildung

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