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Drogenmissbrauch in der Adoleszenz als Folge einer frühen Traumatisierung

Theoretische Grundlagen und ihre Relevanz für die sozialarbeiterische Praxis

Drogenmissbrauch in der Adoleszenz als Folge einer frühen Traumatisierung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Vanessa Haag
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 68 Seiten
  • Dateigröße: 2,9 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Darmstadt Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5626-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5626-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5626-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Haag, Vanessa September 2001: Drogenmissbrauch in der Adoleszenz als Folge einer frühen Traumatisierung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Traum, Therapiemodelle, Drogen, Sexueller Mißbrauch, Psychotraumatologie

Diplomarbeit von Vanessa Haag

Einleitung:

Ein Ereignis, welches durch seine Intensität und Plötzlichkeit die psychischen Abwehrmechanismen eines Menschen überfordert, nennt man Trauma.

Sexueller Mißbrauch in der Kindheit ist ein solches traumatisches Ereignis, welches spezifische Folgen erwarten läßt. Die heutige Psychotraumatologie entstand aus verschiedene Forschungsrichtungen. Unter anderem Charcot, Janet und Freud, aber auch Horowitz und Sleye haben viel dazu zum heutigen Verständnis eines Traumas beigetragen. Im ersten Teil der Arbeit werden daher die verschieden Forschungsansätze der Traumaforschung bis zur Entwicklung des heute gängigen Verlaufsmodells dargestellt. Während eines traumatischen Ereignisses können Sinneserfahrungen nicht wie gewohnt verarbeitet werden. Daraus resultieren Amnesien, Dissoziationen, Flashbacks und Wiederholungszwänge. Der zweite Teil der Arbeit befaßt sich daher mit den vielfältigen Folgen einer frühen Traumatisierung durch sexualisierte Gewalterfahrung. Im dritten Teil der Arbeit wird dargelegt, wieso Drogenmißbrauch in der Adoleszenz als Folge einer frühen Traumatisierung anzusehen ist.

Drogenmißbrauch wird als destruktiver Coping-Mechanismus vorgestellt.

Im Gegensatz dazu werden im vierten Teil konstruktive Wege der Traumabearbeitung aufgezeigt. Dazu werden verschiedene Formen der Traumatherapie miteinander verglichen und auf ihre Anwendbarkeit in den Arbeitsfeldern der Sozialarbeit hin geprüft.

Mit einem Fallbeispiel wird im fünften Teil der Arbeit nochmals die These unterstützt, daß Drogenmißbrauch in der Adoleszenz direkt auf die Folgen eines Traumas zurückzuführen ist. In diesem Teil werden außerdem Defizite in der Behandlung traumatisierter Mädchen im Drogenhilfesystem aufgezeigt und Ideen vorgestellt, wie Hilfen für traumatisierte Mädchen und Frauen aussehen könnten.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Grundlagen der Psychotraumatologie 3
1.1 Die Geschichte der Psychotraumatologie 4
1.1.1 Die Ursprünge der Traumaforschung 5
1.1.2 Die Weiterentwicklung in verschiedene Forschungsrichtungen 6
1.1.3 Die Entwicklung in der Gegenwart: Das Verlaufsmodell 10
1.2 Traumadefinition 11
1.3 Zur Ätiologie des Traumas 13
1.3.1 Traumatisierung durch sexualisierte Gewalterfahrung in der Kindheit 16
1.3.2 Typologie 17
2. Folgen einer Traumatisierung 19
2.1 Überblick über allgemeine mögliche Traumafolgen 21
2.1.1 Dissoziation 24
2.1.2 Spezielle Folgen in der Adoleszenz 26
2.2 Folgen von Traumatisierung im sozialen Kontext 28
2.2.1 Wiederholungszwang 29
2.2.2 Retraumatisierung im Drogenmilieu 30
3. Coping-Mechanismen 32
3.1 Drogenmißbrauch als Beispiel destruktiver Coping-Mechanismen 34
3.2 Drogenmißbrauch in der Adoleszenz 35
4. Konstruktive Formen der Traumabewältigung 38
4.1 Vergessen und Verleugnen 39
4.2 Therapie 41
4.2.1 Analytisches Modell 42
4.2.2 Verhaltenstherapeutisches Modell 43
4.2.3 Imaginationsverfahren und Körpertherapie 44
4.2.4 EMDR 46
4.3 Relevanz von Psychotherapiemodellen für die sozialarbeiterische Praxis 47
4.3.1 Kritik und Vergleich der Modelle 48
4.3.2 Anwendbarkeit in den Arbeitsfeldern der Sozialarbeit 49
5. Bedeutung der Traumatisierung für die Drogentherapie 51
5.1 Bedeutung der Hypothese für die Praxis der Sozialarbeit im Drogenhilfesystem 52
5.2 Die Geschichte von Lilly 54
5.3 Ideen für die Zukunft 57
6. Zusammenfassung 59
Literaturverzeichnis 61
Abstract 65
Persönliche Erklärung 66

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ich habe mich in meiner Arbeit bisher ausführlich mit Ätiologiemodellen und Bedingungsfaktoren posttraumatischer Anpassung befaßt, doch wozu brauchen wir all diese Modelle in der Praxis als SozialarbeiterInnen ? Ich hoffe, durch meine Darstellungen zu dem Verständnis beizutragen, daß eine traumatische Erfahrung eine Erschütterung auf allen Ebenen bedeutet. Auf der körperlichen, der seelischen, der biologischen, der kognitiven, der systemischen und der kulturellen Ebene. Wenn wir verstehen, daß jede Traumatisierung eine ganz eigene Geschichte hat mit ganz spezifischen Bedeutungen, eingebettet in ein ganz spezifisches Ökosystem von helfenden und schwächenden Einflüssen, dann wird erklärbar, warum Interventionen wirken, oder auch nicht. Und damit meine ich nicht nur therapeutische Interventionen. SozialarbeiterInnen können in jedem Arbeitsfeld traumatisierten Personen begegnen, und immer spielen sie dann bewußt oder unbewußt eine Rolle im Ökosystem der Betroffenen. Mit all den korrektiven und helfenden Möglichkeiten, aber auch all den Gefahren und Schwierigkeiten im Umgang mit Traumatisierten. In [...]

Die traumatische Erfahrung ist im wichtigen Kernbereich des Traumaschemas vor allem sensomotorisch und bildhaft gespeichert, oft abgespalten vom verbalen und explizit logischen Denken. Imaginationen kommt hier eine Brückenfunktion zu, indem sie über „..das Medium bildhaften Denkens Verhaltensinszenierung und Körperempfinden mit der Sphäre sprachlichen Ausdrucks und mit rationalem Verstehen vermitteln“ ( Fischer/Riedesser 1999, S.221). Imagination entspricht im Wesentlichen sehr alten schamanischen Vorgehensweisen Das, was die meisten Traumatisierten spontan sowieso schon tun, macht sich diese Therapieform zu nutze und verbessert und unterstützt diese Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten sind z.B. Vorstellungen von einem hilfreichen Wesen oder einem guten Ort. Viele Menschen, auch Betroffene, tun diese Art der therapeutischen Hilfe erst einmal als esoterisch ab, oder sagen, nur schöne Bilder würden ihnen nicht helfen. Dem entgegnet Sachsse „ Sie haben mir gerade lang und breit erläutert, daß Sie irgendwelche schlimmen Bilder von Sachen, die 15 Jahre zurückliegen, völlig aus der Bahn werfen können, daß sie dann Symptome kriegen, und es ihnen schlecht geht. Schlechte Bilder wirken bei Ihnen, ich bin sicher gute wirken auch.[...] Lernen sie zu derealisieren, lernen sie zu dissozieren, trainieren Sie sich in den Fähigkeiten, die sie sowieso schon haben !“(Sachsse, 1998 ) Jeder Mensch verfügt über Selbstheilungskräfte, und genau die sollen durch Imagination unterstützt werden. Zu den guten Bildern, die trainiert werden sollen, gehören mysthische, märchenhafte Vorstellungen eines guten Ortes. Nach Sachsse sollen diese Vorstellungen nicht an reale Menschen geknüpft sein, damit sie nicht enttäuscht werden können. Innere Helfer, wie z.B. Gestalten für Mut, Stärke und Weisheit sind ebenso Bestandteile vieler Imaginationstherapien. Um Intrusionen [...]

Die Persönlichkeit hat sich im Laufe der Zeit oft an die traumatische Erfahrung angepaßt, hat gelernt mit ihr zu leben. Die traumatische Erfahrung wurde meist abgespalten, und die Persönlichkeitsstrukturen wurden wie ein Schutzwall um die Wunde herum organisiert. Die Bewältigung erfolgt daher in verschieden Phasen. Nach Janet steht am Anfang die Stabilisierung, dann die Traumabearbeitung und die Reintegration des Traumas in die Persönlichkeit. Freud setzt auf den bereits in Kapitel 2.2.1 dargestellten Wiederholungszwang. Eine Bewältigung des Traumas integriert optimalerweise beide Konzepte. Jede Traumatisierung hat ihre eigene Geschichte mit ganz spezifischen Bedeutungen, eingebettet in ein spezifisches Ökosystem von helfenden und schwächenden Einflüssen. So ist erklärbar, warum die Bewältigung nicht immer gleich funktioniert und auch Interventionen von außen, bei dem einen Fall wirken können und in einem anderen Fall versagen. Die Traumabewältigung findet allerdings immer innerhalb eines instabilen Zyklus statt. Innerhalb eines dynamischen und konflikthaften Vorgangs kann die Traumaverarbeitung jederzeit pathologisch entgleisen (s. Phasenmodell Horowitz). In den vorangegangenen Kapiteln habe ich bereits darauf hingewiesen zu welchen Folgen es dann kommen kann. Ziel einer Traumabewältigung ist es, die traumatische Erfahrung zu integrieren. Dazu gehört es, die unterbrochene Reaktion (s. Verlaufsmodell) abzuschließen. Eine Möglichkeit ist dabei das kontrollierte Wiedererleben und damit das zum Abschlußbringen der traumatischen Erfahrung. Dies kann am Besten innerhalb einer Therapie geschehen. Verschieden Therapieformen werde ich im Kapitel 4.2 vorstellen. Aber eine Therapie ist nur eine Form einer Traumabewältigung und geht im Sinne einer Aufarbeitung sogar über die reine Bewältigung hinaus. Für alle ist jedoch wichtig, wieder ein Sicherheitsgefühl zu entwickeln, Grenzen zu setzten und zu akzeptieren, zu lernen, die eigenen emotionalen Bedürfnisse zu erkennen und ohne die Hilfe anderer zu befriedigen. Ebenso wichtig ist es, zu erlernen, wie man mit Worten Gefühle verstehen und interpretieren kann. Allerdings gibt es Frauen, die auch ohne therapeutische Hilfe konstruktive Wege finden, innere Zustände regulieren zu lernen. Nicht immer müssen es die destruktiven Wege des Suchtmittelkonsums oder der Selbstverletzung sein, die zur Entlastung und Bewältigung eines traumatischen Ereignisses führen. Doch leider finden die wenigsten konstruktive Möglichkeiten, ihr Trauma zu bewältigen. Der destruktive Weg, z.B. der Drogenkonsum, scheint hier der [...]

Arbeit zitieren:
Haag, Vanessa September 2001: Drogenmissbrauch in der Adoleszenz als Folge einer frühen Traumatisierung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Traum, Therapiemodelle, Drogen, Sexueller Mißbrauch, Psychotraumatologie

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