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Drogenkonsum als Stressbewältigungsstrategie

Drogenkonsum als Stressbewältigungsstrategie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Beat Rechsteiner
  • Abgabedatum: September 2006
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 755,2 KB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Private Hochschule Wirtschaft Schweiz
  • Bibliografie: ca. 34
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9940-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9940-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9940-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rechsteiner, Beat September 2006: Drogenkonsum als Stressbewältigungsstrategie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Drogen, Stress, Kokain, Drogenkonsum, Stressbewältigung

Diplomarbeit von Beat Rechsteiner

Zusammenfassung:

Diese Arbeit untersuchte, ob Drogenkonsum zur Stressbewältigung (Coping) eingesetzt wird. Dies erfolgte insbesondere durch die Untersuchung, ob bei Personen, welche in ihrer Arbeitsumgebung mehr Stressfaktoren (sog. Stressoren) ausgesetzt sind, eher ein Drogenkonsum, als bei Personen, welche in ihrer Arbeitsumgebung weniger Stressfaktoren ausgesetzt sind, festzustellen ist. Die zentrale Frage resp. zu untersuchende Aussage (Hypothese) lautete:

„Je höher das Stresspotenzial einer Arbeitsumgebung ist, desto eher wird von den entsprechenden Mitarbeitern Kokain konsumiert“.

Die Untersuchung bezog sich auf in der Deutschschweiz lebende Personen mit einem höheren Bildungsabschluss resp. auf Führungskräfte, wobei zur schriftlichen Befragung eine bewusste Auswahl (Sample) getroffen wurde. Insgesamt wurden 1‘125 Personen befragt und 472 Fragebogen konnten statistisch ausgewertet werden. Neben der Fieldresearch erfolgte eine Deskresearch. Zusätzlich zu den arbeitsbedingten Stressoren wurde der private ‚Stress-Level‘ anhand der Life-Events nach Holmes ermittelt.

Es konnte festgestellt werden, dass Personen, bei welchen mindestens 50% der möglichen arbeitsbedingten Stressoren vorhanden sind, eher Drogen (Kokain und/oder Amphetamine) konsumieren, als Personen, bei welchen weniger als 50% der möglichen arbeitsbedingten Stressoren vorhanden sind (Konsumquote bei 5.1% resp. 2.7%). Allerdings konnte kein statistisch signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden.

Die Prüfung eines möglichen Zusammenhangs zwischen der Stressausprägung auf Grund der Life-Events und Drogenkonsums führte zu ähnlichen Resultaten. Die Personen mit einer hohen Stressausprägung konsumieren eher Drogen als Personen mit einer tiefen Stressausprägung (Konsumquote 3.8% resp. 2.7%). Aber auch hier konnte kein signifikanter Zusammenhang nachgewiesen werden. Als Schlussfolgerung kann festgehalten werden, dass die Hypothese nicht verifiziert werden konnte.

Was bedeutet diese Erkenntnis nun für die Arbeitswelt? Der Autor dieser Arbeit ist der Meinung, dass auf Grund der Ergebnisse nicht einfach davon ausgegangen werden darf, dass Drogenkonsum von Personen, welche im Arbeitsprozess integriert sind, als unproblematisch zu bezeichnen wäre. Wie die Ergebnisse zeigten, ist Stress am Arbeitsplatz ein ernstzunehmendes Thema. Und bei einer durchschnittlichen Drogenkonsumquote von 3.6% sollten die Arbeitgeber vor dieser Thematik die Augen nicht einfach verschliessen.

Eine gewisse Konzentration von Drogenkonsumierenden lässt sich in den Werbebranchen wie auch im Bereich des Gesundheits-/Sozialwesens resp. der Medizin feststellen. Die relativ tiefe Konsumquote von 1.4% bei Personen im Bereich ‚Banking‘ hat den Autor eher überrascht.

Generell kann sicher empfohlen werden, dass Unternehmen eine Sensibilität für Stress und Drogenmissbrauch entwickeln sollten und diese Themen durch eine offene Kultur auch enta-buisiert werden könnten.

Gang der Untersuchung:

Zu Beginn der Arbeit wird auf die Ausgangslage sowie die Problemstellung eingegangen. Im Abschnitt ‚Ziel und Zweck‘ der Arbeit wird die Hypothese formuliert. Anschließend folgen Ausführungen zum methodischen Vorgehen.

Der Theorieteil behandelt die Themen ‚Stress‘ sowie ‚Kokain‘. Nach dem theoretischen Teil folgt der empirische Teil.

Zu Beginn wird auf die Operationalisierung sowie auf die Besonderheiten bei Untersuchungen in sensitiven Bereichen eingegangen. Anschließend folgt die Datenauswertung und die Überprüfung der Hypothese.

Die Ergebnisse werden kritisch diskutiert. Die Arbeit schließt mit einem Fazit sowie einem Ausblick resp. weiteren Empfehlungen.

Inhaltsverzeichnis:

1. VORWORT UND DANKSAGUNG 4
2. MANAGEMENT SUMMARY 5
3. AUFBAU DER ARBEIT 6
4. AUSGANGSLAGE UND PROBLEMSTELLUNG 6
5. ZIEL UND ZWECK DER ARBEIT 7
6. ABGRENZUNG DER ARBEIT 7
7. VERTRAULICHKEIT DER ARBEIT 8
8. METHODISCHES VORGEHEN 8
8.1 Deskresearch 8
8.2 Fieldresearch 8
8.2.1 Grundgesamtheit und Sample 8
8.2.2 Fragebogen 10
8.2.3 Repräsentativität 11
8.2.4 Validität 12
9. THEORETISCHER TEIL – STRESS 13
9.1 Einleitung 13
9.2 Stress aus arbeitspsychologischer Sicht 14
9.3 Grundlagen „Stress“ 14
9.4 Drei wesentliche Stresstheorien 16
9.4.1 Reizorientierte Stressdefinition 16
9.4.2 Reaktionsorientierte Stressdefinition 17
9.4.3 Interaktionale / Transaktionale Stressdefinition 18
9.5 Begriffsdefinition: Stressor, Stressreaktion, arbeitsbedingter Stress 20
9.6 Stressmodelle 20
9.7 Ursachen von Stress 23
9.8 Schutz vor Stress 26
9.9 Stresssymptome / Folgen von Stress 26
9.10 Stressbewältigungsstrategien 27
10. THEORETISCHER TEIL – KOKAIN 28
10.1 Einleitung 28
10.2 Kokainkonsum in Zahlen 29
10.3 Was ist Kokain 32
10.4 Die Wirkungen von Kokainkonsum 33
10.5 Konsumverhalten / Konsumentenprofile 34
10.6 Ursachen von Drogenkonsum 35
10.7 Folgen von Kokainkonsum 37
10.8 Kokainismus – kein neues Phänomen 38
11. EMPIRISCHER TEIL 39
11.1 Operationalisierung – Stressquellen ausserhalb des Arbeitsplatzes 39
11.2 Operationalisierung – Stressquellen am Arbeitsplatz 40
11.3 Operationalisierung – Drogenkonsum als Stressbewältigungsstrategie 42
11.4 Operationalisierung – Das Modell im Überblick 43
11.5 Datenerhebung in sensitiven Bereichen 44
11.5.1 Fragebogen 44
11.5.2 Definition von sensitiven Fragen 45
11.5.3 Design von sensitiven Fragen 45
12. DATENAUSWERTUNG UND ÜBERPRÜFUNG DER HYPOTHESE 48
12.1 Datenauswertungen 48
12.1.1 Soziodemographische Merkmale 48
12.1.2 Stress 49
12.1.3 Drogenkonsum 53
12.1.4 Weitere Auswertungen 58
12.1.5 Unterschiede zwischen Gruppe 1 und Gruppe 2 64
12.2 Überprüfung der Hypothese 67
12.3 Diskussion der Ergebnisse 70
13. WEITERE EMPFEHLUNGEN 73
14. SELBSTSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG 75
15. VERZEICHNISSE 76
15.1 Literaturverzeichnis 76
15.2 Abbildungsverzeichnis 78
15.3 Tabellenverzeichnis 79
15.4 Abkürzungsverzeichnis 81
16. ÜBER DEN AUTOR 82
17. ANHANG 83
17.1 Begleitbrief zur Umfrage 83
17.2 Fragebogen 84
17.3 Details zur Operationalisierung / Dichotomisierung 88
17.4 Statistische Auswertungen (SPSS Syntax) 91
17.4.1 Prüfung der internen Validität 91
17.4.2 Häufigkeitsauszählungen 91
17.4.3 Kreuztabellen für verschiedene Auswertungen 92
17.4.4 Prüfung der Hypothese 94
Textprobe:

Kapitel: 9.2. Stress aus arbeitspsychologischer Sicht:

Die technologischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind einem andauernden Wandlungsprozess unterworfen. Dieser Wandel hat auch einen Einfluss auf die Erwerbsarbeit, indem sich auch diese laufend verändert. Unternehmen haben sich laufend den veränderten Umweltbedingungen anzupassen und Mitarbeitende haben sich laufend an die veränderten Unternehmensbedürfnisse anzupassen. Für die Mitarbeitenden können diese Veränderungen mit Belastungen, insbesondere mit psychischen Belastungen verbunden sein.

Psychische Belastungen, deren Folgen und dessen Bewältigungsmöglichkeiten werden zukünftig sicher zu noch wichtigeren Themen. Jeder Mensch sieht sich immer wieder mit herausfordernden oder beanspruchenden Situationen konfrontiert. Mit vielen dieser Situationen kann der Mensch gut umgehen, andere bereiten ihm Schwierigkeiten. Der Mensch ist überfordert, fehlbenansprucht, gestresst.

Menschen sind heute auf Grund von steigender Konkurrenz um und am Arbeitsplatz, Angst vor Entlassung, neuen Technologien, Job-Outsourcing, verbunden mit der Anforderung von höherer Produktivität und infolge stärkerem Druck (z. B. Umsatzziele, flexible Anpassung an neue Organisationsformen) unter Stress, was zu vermehrten Absenzen infolge Arbeitsstress führt.

Eine durch die Britische HSE (Health and Safety Executive) im Jahr 2002 durchgeführte Untersuchung zeigt, dass Personen mit Managementaufgaben sowie Personen mit höherem Bildungsstand überdurchschnittlich gestresst sind. Diese Erkenntnis deckt sich mit den Ergebnissen der von Ramaciotti und Perriard durchgeführten Studie ‚Die Kosten des Stresses in der Schweiz‘. Diese Feststellung erscheint dadurch als besonders interessant, da sich diese Arbeit genau auf diese Gruppe (Grundgesamtheit) bezieht.

Ramaciotti und Perriard (2000) haben nachgewiesen, dass die Arbeit als Stressquelle eine zentrale Rolle spielt, und dies signifikant stärker als Einflüsse ausserhalb der Arbeit.

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Schweizerische Fachstelle für Alkohl- und andere Drogenprobleme (sfa/ispa) hält in ihrem Bericht ‚Sucht und Männlichkeit‘ aus dem Jahre 2006 fest, dass die Problematik des Kokainkonsums schwer zu fassen ist und dass über den Konsum von illegalen Drogen in der Berufswelt keine Daten vorliegen, wobei aber befürchtet wird, „dass der Kokainkonsum in einer Gesellschaft, die immer höhere Anforderungen stellt, im Steigen begriffen ist.“ (S. 59). In der gleichen Studie wird ausgeführt, dass Frauen eher zu einem regelmässigen Konsum und Männer eher zu einem episodischem Konsum neigen, wobei die statistische Aussagekraft auf Grund der Fallzahlen allerdings schwach sei. Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hält in ihrem Thesenpapier ‚Kokain und Designerdrogen‘ (2004) fest, dass die Erfassung von Daten über Konsumenten schwierig ist. Das BAG unterscheidet in ihrem Thesenpapier vom Jahre 2004 zwei Konsumentengruppen: 1. Regelmässige und intravenös konsumierende Personen (meist in Verbindung mit Heroin). 2. Kokain-Schnupfer (Sniffer), welche meist nur gelegentlich konsumieren, dies aber oft in Kombination mit Tabak, Alkohol, oder Canabis. Im Tagungsbericht zur Nationalen Designerdrogen und Kokainkonferenz (2006) unterscheidet das BAG Konsumenten z. B. nach ihrer sozialen Integration. Es führt aus, dass sich jemand, der konsumiert, um in seiner Arbeit leistungsfähiger zu sein, seinen Konsum aber soweit beschränkt, dass er in der Ausübung seiner Arbeit nicht behindert wird, bezüglich Motivation von jemandem, der mit dem Konsum problematischen Lebensumständen oder anderen belastenden persönlichen Situationen auszuweichen versucht, unterscheidet. Der problematische Konsum von psychoaktiver Substanzen ist bei manchen Männern als Ausdruck ihrer Männlichkeit zu verstehen, wobei ihnen der Konsum die soziale Integration erleichtert und sie durch den Konsum auch Probleme zu lösen versuchen, indem sie diese aus ihrem Bewusstsein verdrängen (O’Loughlin et. al., 2004; zit. in sfa, 2006). Kokain, in der Form von kristallinem Pulver, wird von etwa 60% der Konsumierenden durch ein Rohr intranasal geschnupft. Als Rohr wird oft eine Banknote verwendet. Eine ‚Linie‘ Kokain entspricht etwa 50 - 100 mg Pulver, wobei ein chronischer Kokainkonsument 500 mg bis 1 g reines Kokain pro Tag konsumieren kann (Parnefjord , 2001). Dies entspricht etwa 10 ‚Linien‘ pro Tag. Kokain wird über alle Schleimhäute absorbiert, deshalb wird, wenn auch seltener, das Einreiben von Mundschleimhäuten oder Genital- und Analschleimhäuten praktiziert. Eine alternative Konsumform bietet sich durch das intravenöse Spritzen, bei welcher die Wirkung wesentlich schneller eintritt (Parnefjord, 2001). Es ist davon auszugehen, dass es nicht das typische Konsumentenprofil gibt. Das BAG schlägt in ihrem Thesenpapier ‚Kokain und Designerdrogen‘ vom Jahre 2004 entsprechend auch vor, ‚Lifestyle-Forschung‘ zu betreiben, um die Profile der Kokainkonsumierenden sorgfältig zu erheben und zu analysieren, da es sich um sehr unterschiedliche Gruppen handle. [...]

Die Phase des euphorischen Stadiums dauert, je nach Dosis und Konsumhäufigkeit, etwa 20 bis 60 Minuten (Parnefjord, 2001). Nach dem Rauschzustand folgt die Phase der erhöhten Müdigkeit, Erschöpfung und depressiven Stimmung. Die Rückkehr in die Realität wird oft als unerträglich beschrieben (Parnefjord, 2001). Im gleichen Zeitraum steigt das Bedürfnis, Kokain wieder zu konsumieren. Das BAG (2004) schreibt in ihrem Thesenpapier ‚Kokain und Designerdrogen‘, dass Kokainkonsum unberechtigterweise in gewissen Kreisen ein einseitig postives Image habe und nur mit Leistungssteigerung, Erfolg und Partystimmung verbunden werde. Die stimulierende Wirkung von Kokain ist bereits im Jahre 1883 dem Militärarzt Aschenbrandt aufgefallen, der den Soldaten 100 bis 500 mg Kokain verabreichte und danach eine „sehr erfrischende und stärkende Wirkung“ feststellte (Maier, 1926, S. 47). Auch Sigmund Freud, der bekannte Psychotherapeut, hat ebenfalls im Jahre 1883 die ersten Selbstversuche und Experimente an anderen mit Kokain durchgeführt, bei welchen nach der Einnahme eine „plötzliche Aufheiterung und ein Gefühl von Leichtigkeit“, gefolgt von „Euphorie“ auftrat, wobei er die Wirkung nach wiederholtem Konsum mit einem „Gefühl der Zunahme von Selbstbeherrschung, gesteigerter Lebenskraft und Arbeitsfähigkeit“ beschrieb; auch verschwand das „normale Nahrungs- und Schlafbedürfnis“ (Maier, 1926, S. 48). [...]

Kokain stimuliert das zentrale Nervensystem (ZNS) und äussert sich in einer starken Euphorie und einer allgemeinen Unruhe und Erregung (Blum, 1969; Crowley, 1973; Gay, 1981; zit. in Freye, 2005). Je nach Konsumart und -menge kann die Herzfrequenz um 30 bis 50% und der Blutdruck um 15 bis 20% ansteigen, wobei beim Schnupfen (Sniffen) von Kokain geringere Zunahmen festzustellen sind (Dressler et. al., 1990; Moor, 1969; zit. in Freye, 2005). Nach kurzer Zeit folgt die psychische Wirkung. Es entsteht das Gefühl, leistungsfähiger, stärker und intelligenter zu sein, die Stimmung verbessert sich und der Leistungsantrieb wird gesteigert, wobei viele das Gefühl haben, schwierige Aufgaben während des Rausches klarer durchdenken zu können (Parnefjord, 2001). Kokainkonsum steigert das Selbstwertgefühl, wirkt entängstigend, vermindert das Hungergefühl (Treeck, 2004) und weckt bei den Konsumenten die Hoffnung, normale Grenzen der Müdigkeit überspielen zu können, wach und stark zu sein (Vogt, 2000). Zusammenfassend hält Freye (2005) folgende wesentliche Wirkungen fest: Stark euphorisierend Gesteigerte Sinneswahrnehmung Zunahme der Kreativität Anorektische Wirkung (Unterdrückung des Hungergefühls) Bewusstseinserweiterung [...]

Arbeit zitieren:
Rechsteiner, Beat September 2006: Drogenkonsum als Stressbewältigungsstrategie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Drogen, Stress, Kokain, Drogenkonsum, Stressbewältigung

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