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Das Dreischluchtenprojekt

Die Sicht von Befürwortern und Gegnern

Das Dreischluchtenprojekt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Gunther Jauk
  • Abgabedatum: Oktober 2002
  • Umfang: 121 Seiten
  • Dateigröße: 10,8 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Karl-Franzens-Universität Graz Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6319-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6319-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6319-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Jauk, Gunther Oktober 2002: Das Dreischluchtenprojekt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: China, Yngtse, Staudamm, Umsiedlung, Three Gorges Project

Diplomarbeit von Gunther Jauk

Problemstellung:

China ist, seit der vorsichtigen Einführung wirtschaftlicher Reformen Ende der 1980er Jahre, einem umfassenden Modernisierungsprozeß unterworfen. Während die westlichen Volkswirtschaften mehr oder weniger vor sich hinstottern, wächst die chinesische Wirtschaft jedes Jahr um satte zehn Prozent. Der Vergleich der wirtschaftlichen Boomregionen Shanghai, Peking und Kanton-HongKong mit dem rückständigen Landesinneren läßt das noch lange nicht ausgeschöpfte Potential dieses Riesenstaates nur erahnen.

Durch die rasante wirtschaftliche Entwicklung leidet China an Energieengpässen, sodass zeitweise zwangsläufig ganze Industrien stillstehen. Diesem Problem will China mit dem Bau eines gigantischen Wasserkraftwerkes am Yangtse begegnen, dem Dreischluchtenprojekt. Erstmalig bereits 1919 vor allem im Hinblick auf die Hochwasserbekämpfung diskutiert, beschloß die kommunistische Führung erst 1992 endgültig den Bau des Dammes in Sandouping in Zentralchina. Damit wurde vielleicht die letzte Möglichkeit genutzt, bevor auch in China eine zunehmende politische Liberalisierung ein derart umstrittenes Projekt unmöglich machen würde.

Die Folgen des Dreischluchtenprojekts sind nämlich gravierend: Im Herbst 2002 wurde mit der vorläufigen Aufstauung des Yangtse auf 135 Meter begonnen, wenn nach der endgültigen Fertigstellung des Dammes 2009 der Wasserpegel in Sandouping 175 Meter betragen wird, werden bereits unzählige Städte und Ortschaften überschwemmt, und insgesamt etwa 1,7 Millionen Menschen umgesiedelt worden sein. Diese Arbeit befaßt sich neben dem Schicksal dieser Menschen auch mit den ökologischen Auswirkungen des Projektes, den Kosten und der Finanzierung, dem Verlust an Kulturgütern, militärischen Aspekten, technischen Details und der Überschwemmungsproblematik.

Wenn man sich als neutrale Person über das Dreischluchtenprojekt informieren will, ist es nicht leicht, an objektive Informationen zu kommen. Diese Arbeit geht der Reihe nach auf alle strittigen Themen in Bezug auf das Projekt ein - seien es nun Veränderungen im lokalen Klima, die Sedimentation, oder Auswirkungen auf die Schifffahrt - und läßt jeweils Befürworter und Gegner zu Wort kommen. Ziel der Arbeit ist, dass sich jeder Leser eine eigene Meinung zum Thema bildet. Fotos, Tabellen und Grafiken sollen dabei behilflich sein. Die Einstellung des Autors, die sich nach einem Chinaaufenthalt inklusive Besuch der Baustelle des Dreischluchtenprojektes und dreitägiger Bootsfahrt durch das zukünftige Reservoirgebiet, etwas geändert hat, ist am Ende angefügt.

Inhaltsverzeichnis:

VORWORT 3
ZUSAMMENFASSUNG 3
SUMMARY 5
INHALTSÜBERSICHT 6
ABBILDUNGSVERZEICHNIS 10
TABELLENVERZEICHNIS 11
1. EINLEITUNG 12
1.1 EINFÜHRUNG 12
1.2 ZIELE DER ARBEIT 12
1.3 METHODIK DER ARBEIT 13
2. AUFGABEN, NUTZEN UND AUSMASSE DES DSP 14
2.1 ÜBER DAS DSP 14
2.1.1 Ausmaße und Aussehen 14
2.1.2 Der Konstruktionszeitplan 15
2.1.3 Der Standort des DSP 16
2.1.4 Merkmale des Dreischluchtenreservoirs 18
2.2 AUFGABEN UND NUTZEN DES DSP 20
2.2.1 Die Flutkontrolle 20
2.2.2 Die Energieerzeugung 22
2.2.3 Vorteile für die Schifffahrt 23
2.2.4 Sonstige Vorteile 24
3. Das DSP – Eine Chronologie 24
3.1 CHINA UND DIE WASSERKRAFT 24
3.2 DIE STANDORTSUCHE FÜR DEN DREISCHLUCHTENDAMM 26
3.3 BESTIMMUNG DER GRÖSSE DES DAMMES 28
3.4 DIE CHRONOLOGIE – EINE ZEITTAFEL 29
4. Ökologische Auswirkungen des DSP 31
4.1 DIE BEFÜRWORTER 31
4.1.1 DIE ERFORSCHUNG DER AUSWIRKUNGEN DES DSP 31
4.1.2 ÖKOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN IM RESERVOIRGEBIET 32
4.1.2.1 Auswirkungen auf das lokale Klima 32
4.1.2.2 Auswirkungen auf Wassertemperatur und -qualität 33
4.1.2.3 Auswirkungen auf Organismen im Wasser 34
4.1.2.4 Auswirkungen auf terrestrische Pflanzen 35
4.1.2.5 Auswirkungen auf terrestrische Tiere 35
4.1.2.6 Auswirkungen auf Böden und Geologie 35
4.1.2.7 Direkte Auswirkungen durch die Dammkonstruktion 36
4.1.3 HYDROLOGISCHE AUSWIRKUNGEN AM MITTELLAUF DES YANGTSE 37
4.1.4 ÖKOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN IM MÜNDUNGSGEBIET DES YANGTSE 38
4.1.4.1 Hydrologische Auswirkungen im Mündungsgebiet 38
4.1.4.2 Das Eindringen von Salzwasser im Mündungsgebiet 39
4.1.4.3 Auswirkungen auf den Nährstoffgehalt 39
4.1.5 DIE SEDIMENTATION 40
4.1.5.1 Die Sedimentationsfracht des Yangtse 40
4.1.5.2 „Trübes Wasser raus, klares behalten“ 42
4.1.5.3 Der Effekt auf den Hochwasserpegel in Chongqing 42
4.1.6 DAS „DREI SCHLUCHTEN-UMWELTSCHUTZPROGRAMM“ 43
4.2 DIE GEGNER 45
4.2.1 ÖKOLOGISCHE AUSWIRKUNGEN IN DER RESERVOIRREGION 45
4.2.2 DIE SEDIMENTATION 46
4.2.2.1 Die Sedimentation im Reservoirgebiet 46
4.2.2.2 Sedimentation flussabwärts des Staudammes 48
4.2.2.3 Eine genaue Sedimentationsprognose ist unmöglich 48
4.2.2.4 Auswirkungen der Sedimentation auf die Schifffahrt 50
4.2.2.5 Die Abreibung durch Sedimente 50
4.2.3 FELSSTÜRZE UND HANGRUTSCHUNGEN 51
4.2.4 DAS DSP ALS AUSLÖSER FÜR ERDBEBEN? 53
5. Das Umsiedlungsprogramm 53
5.1 DAS OFFIZIELLE CHINA 53
5.1.1 DER GENERALPLAN ZUR BEVÖLKERUNGSUMSIEDLUNG 53
5.1.2 WARUM DIE DREI SCHLUCHTEN ZUR UMSIEDLUNG GUT GEEIGNET SIND 55
5.1.2.1 Nützung der natürlichen Ressourcen 56
5.1.2.2 Der relative Anteil der ländlichen Umsiedler ist gering 57
5.1.2.3 Kein Zeitdruck bei der Umsiedlung 57
5.1.2.4 Die „Developmental Resettlement“-Politik 58
5.1.2.5 Der Rückhalt durch die Regierung 58
5.1.3 DIE VERLAGERUNG VON INFRASTRUKTUR 59
5.1.4 DIE AUSBILDUNG DER UMSIEDLER 60
5.1.5 DIE UMSIEDLUNG DER LÄNDLICHEN BEVÖLKERUNG 61
5.2 DIE GEGNER 63
5.2.1 MANIPULATION VON DATEN 63
5.2.2 POLITISCHE MOTIVE DER MANIPULATION 66
5.2.3 UMSIEDLUNG - REICHT DIE ÖKOLOGISCHE KAPAZITÄT? 66
5.2.4 IST DIE LANDKNAPPHEIT ÜBERHAUPT ENTSCHÄRFBAR? 70
5.2.5 FALSCHE ANNAHMEN 70
5.2.6 KOSTENEXPLOSION DURCH DIE UMSIEDLUNG 72
5.3 WAS DIE BETROFFENE BEVÖLKERUNG DENKT 72
5.3.1 FELDSTUDIEN IN BETROFFENEN ORTSCHAFTEN 72
5.3.2 DAS WISSEN ÜBER DEN DAMM UND ÜBER POTENTIELLE PROBLEME 73
5.3.3 EINSTELLUNG GEGENÜBER MÖGLICHEN AUSWIRKUNGEN DES DSP 75
5.3.4 EINSTELLUNG GEGENÜBER DER UMSIEDLUNG 76
5.3.5 SOZIALE ASPEKTE UND DIE QUALITÄT DER NEUEN WOHNUNGEN 77
5.3.6 MEINUNG ZUR LANDWIRTSCHAFT 78
5.3.7 NEUE BESCHÄFTIGUNG AUSSERHALB DER LANDWIRTSCHAFT? 78
5.3.8 ERWARTUNGEN BEZÜGLICH DES KÜNFTIGEN EINKOMMENS 79
6. Das DSP und die Überschwemmungsproblematik 80
6.1 ÜBERSCHWEMMUNGEN IN CHINA 80
6.1.1 ZUNAHME DER KATASTROPHENEREIGNISSE 80
6.1.2 NATURKATASTROPHEN IN CHINA 82
6.1.3 ÜBERSCHWEMMUNGSKATASTROPHEN IN CHINA 83
6.1.3.1 Überschwemmungstypen 83
6.1.3.2 Historische Flutkatastrophen in China 84
6.1.3.3 Jüngste Flutereignisse am Yangtse 84
6.1.3.4 Ursachen immer häufigerer Überschwemmungen 85
6.2 DIE BEFÜRWORTER: FLUTKONTROLLE DURCH DAS DSP 86
6.3 DIE GEGNER 87
6.3.1 INEFFIZIENTE FLUTKONTROLLE DURCH DAS DSP 87
6.3.2 RECHTFERTIGUNG DES PROJEKTES 89
7. Kosten und Finanzierung des DSP 90
7.1 DIE KOSTENRECHNUNG DER BEFÜRWORTER 90
7.1.1 BERECHNUNG AUS DEM JAHR 1985 90
7.1.2 BERECHNUNG AUS DEM JAHR 1993 91
7.2 DIE KOSTENRECHNUNG DER GEGNER (IRN) 92
7.3 INVOLVIERTE FIRMEN UND FINANCIERS 92
7.3.1 AM DSP BETEILIGTE FIRMEN 92
7.3.2 DIE FINANCIERS DES DSP 96
7.3.2.1 Die Weltbank 96
7.3.2.2 Am DSP beteiligte Export–Kreditagenturen 96
7.3.2.3 Private Investoren 98
8. Der Verlust von Kulturgütern 99
8.1 DIE BEFÜRWORTER 99
8.2 DIE GEGNER 100
8.2.1 EINTEILUNG DER KULTURSCHÄTZE 100
8.2.2 BEISPIELE FÜR GEFÄHRDETE KULTURSCHÄTZE 102
9. Das DSP aus militärischer Perspektive 104
10. Meine Meinung 106
10.1 ZU AUFGABEN, NUTZEN UND AUSMASSEN DES DSP 106
10.1.1 DIE AUSMASSE 106
10.1.2 DIE FLUTKONTROLLE 106
10.1.3 DIE ENERGIEERZEUGUNG 107
10.1.4 VORTEILE FÜR DIE SCHIFFFAHRT 107
10.2 ZU DEN ÖKOLOGISCHEN AUSWIRKUNGEN 108
10.2.1 POSITIVE AUSWIRKUNGEN 108
10.2.2 NEGATIVE AUSWIRKUNGEN 109
10.3 ZUR UMSIEDLUNG 110
10.4 ZU KOSTEN UND FINANZIERUNG 111
10.5 ZUM VERLUST AN KULTURGÜTERN 112
10.6 DAS DSP AUS MILITÄRISCHER PERSPEKTIVE 114
10.7 DSP – JA ODER NEIN? 114
11. QUELLENVERZEICHNIS 115
11.1 BÜCHER UND ZEITSCHRIFTEN 115
11.2 INTERNET 116
12. ANHANG 118
12.1 ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS 118
12.2 UMRECHNUNGEN 118
12.3 SKIZZEN, FOTOS UND TABELLEN 119

Automatisiert erstellter Textauszug:

Unterlauf des Stromes schützen. Die günstige geographische Lage macht es möglich, die großen Wassermassen des Flussoberlaufes besser zu kontrollieren. Vor der Hochwasserzeit wird der Wasserstand an der Staumauer von 175 auf 145m abgesenkt werden, damit hat der Damm eine zusätzliche Flutspeicherkapazität von 22,15 Mrd. m³. Mit dieser Maßnahme soll Hochwasser, das sich statistisch gesehen heute alle zehn Jahre ereignet, zukünftig nur noch alle hundert Jahre vorkommen. Sogar Jahrtausendfluten sollen bei weitem nicht mehr so große Schäden anrichten wie bisher. Durch den Wasserregulierungsmechanismus des DSP und in Verbindung mit anderen Hochwasserschutzmassnahmen, wie etwa die Flutumleitungen in dafür vorgesehene Überschwemmungsgebiete, sollte ein Brechen der Hauptdämme entlang dieser kritischen Flusssektion verhindert werden können. Die Ausmaße der Hochwasser für den Mittel- und Unterlauf des Yangtse und vor allem die Bedrohung der Stadt Wuhan werden also stark verringert. So sollen hervorragende Bedingungen geschaffen werden für eine durchgreifende Rehabilitierung und wirtschaftliche Verbesserung der gesamten Dongting–See–Region. [...]

geplanten normalen Poollevel von 175m deutlich größer sein wird als beim Assuanstaudamm, wird die Stauseefläche nicht einmal ein Sechstel davon betragen. Reservoirs können nach ihrer Wasserregulationskapazität in saisonale, jährliche und längerzeitliche eingeteilt werden. Diese Klassifikation ergibt sich aus dem Verhältnis von Wasserspeicherfähigkeit und jährlichen Wasserspeisung des Reservoirs durch den Fluss. Das DSP hat mit dem Poollevel von 175m eine Wasserspeicherkapazität von 39,3 Mrd. m³. Das ist eine der größten weltweit, verglichen mit der durchschnittlichen Wassermenge von 451 Mrd. m³, die jährlich das Kraftwerk passieren wird, allerdings sehr wenig. Der Yangtse führt in Sandouping 5,37mal mehr Wasser als der Nil und 6,55mal mehr als der Gelbe Fluss (WHITNEY, LUK, 1993, S.65). Beim DSP liegt das Verhältnis zwischen Speicherkapazität und jährlicher Speisung bei 1:11,48, daher kann es die Flut nur auf saisonaler Basis regulieren. Im Gegensatz dazu kann das Assuanstaudammreservoir die Wasserspeisung von über zwei Jahren aufnehmen und ist daher ein typisches längerzeitliches Reservoir. DSP Wasserspeicherkapazität in Mrd. m³ Mittlere jährliche Speisung in Mrd. m³ Verhältnis Reservoirtyp 39,3 451 1 : 11,48 saisonal Assuanstaudamm 164 72 2,28 : 1 längerzeitlich [...]

Die Drei Schluchten sind mit der Yangtsesektion von Fengije nach Sandouping gleichzusetzen. Dieses Gebiet ist gekennzeichnet durch abwechselnde Canyons aus Karbonatgrundgestein und breitere Talabschnitte aus Sandstein und Schiefer. Die imposanten und steil abfallenden Berghänge erheben sich in diesem Flussabschnitt im Schnitt an beiden Seiten 300 bis 500m, die zwölf Gipfel der Wushanberge sind sogar 700 bis 1.100m hoch (WHITNEY, LUK, 1993, S.64). Die durchschnittliche Flussbreite in den Canyons beträgt 200 bis 300m, die Maximale variiert in dieser Sektion zwischen 500 und 800m. An diesen breiten Stellen beträgt die Hanghöhe an den Flussrändern nur 100 bis 300m. Aufgrund dieser topographischen Gegebenheiten wird die zukünftige Stauseebreite bei Wasserständen von 150 bzw. 180m am Damm östlich von Fengije 800 bzw. 900m und westlich davon 1.200 bzw. 1.600m betragen, mit Maximalwerten von 1.700 bzw. 2.000m. Trotz der großen Länge des Reservoirs wird die Wasserfläche aufgrund ihrer Bandform mit 626 bzw. 1.100km² recht klein sein, was sehr außergewöhnlich für Reservoirs dieser Größe ist. [...]

Arbeit zitieren:
Jauk, Gunther Oktober 2002: Das Dreischluchtenprojekt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
China, Yngtse, Staudamm, Umsiedlung, Three Gorges Project

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