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Dissoziative Identitätsstörung

Eine Strategie des (Über-)lebens und ihre Relevanz für die soziale Arbeit

Dissoziative Identitätsstörung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor:
  • Abgabedatum: Juli 2004
  • Umfang: 84 Seiten
  • Dateigröße: 350,8 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abt. Aachen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8533-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8533-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8533-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: , Juli 2004: Dissoziative Identitätsstörung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Persönlichkeitsstörung, Missbrauch, Iatrogenität, Verbrechen, Psychotherapie

Diplomarbeit von

Problemstellung:

Menschen, die an einer dissoziativen Identitätsstörung leiden, wurden bereits in frühster Kindheit fortgesetzt sexuellem und/oder körperlichem Missbrauch in einem unvorstellbaren Maß ausgesetzt. Kinder, die misshandelt werden und sexueller Gewalt ausgeliefert sind, erleiden extreme Schmerzen und sind gezwungen, ihre intimsten Körpergrenzen aufzugeben. Um ein psychisches Überleben zu sichern, ist es dann die einzige Möglichkeit dieser Kinder, sich während der Missbrauchssituation von ihrem Körper zu trennen, um die extrem angstauslösenden und schmerzhaften Reize abzuwehren.

Es gibt immer noch nicht genügend professionelle Hilfen für Betroffene mit dissoziativen Symptomen. Für solche Opfer scheint es besonders schwer zu sein, geeignete Unterstützung und Hilfen zu bekommen. Das kann daran liegen, dass ihnen aufgrund der extremen Lebensgeschichten, nicht geglaubt wird und erschwerend noch sehr viel Unwissen über dieses Störungsbild vorhanden zu sein scheint. Sozialarbeiter stehen in einer Verantwortung sowohl Rat- und Hilfesuchenden Menschen, wie auch der gesamten Gesellschaft gegenüber. Somit ist es Aufgabe dieser Berufsgruppe, im Bedarfsfall kompetent und professionell zu agieren, auch wenn es sich um so tabuisierte Themen wie die des sexuellen/rituellen Missbrauchs handelt. Aus diesem Grunde ist es für den Helfer unerlässlich sich theoretisches Wissen über diese Bereiche anzueignen.

Diese Diplomarbeit soll dementsprechend wichtiges Grundwissen über das Störungsbild der DIS beleuchten und den Zusammenhang zwischen der meist sehr extremen Gewalt, als mögliche Ursache von DIS aufzeigen. Darüber hinaus wird ein Bezug zur Sozialen Arbeit hergestellt, indem für die Soziale Arbeit relevante Fragen und Aspekte explizit bearbeitet werden. Welche besonderen Kompetenzen werden dem Sozialarbeiter bei der Fallbearbeitung abverlangt? Wie können die Hilfen und Unterstützung für Betroffene effektiv arrangiert werden? Können Sozialarbeiter Fälle mit DIS-Betroffenen Menschen alleine bearbeiten, oder bedürfen sie zusätzlicher Institutioneller Hilfe? Dies sind nur einige Fragen, die sich ein sachfremder Sozialarbeiter unweigerlich stellt, sobald er sich intensiv mit dieser Thematik auseinandersetzt. Diese Arbeit soll deutlich machen, inwieweit die gestellten Anforderungen für die Soziale Arbeit eine Herausforderung darstellt, die über ein übliches Maß hinausgehen. Darüber hinaus soll diese Arbeit dem Helfer eine Hilfe zur Orientierung und zum Entwurf möglicher Handlungsstrategien mit Betroffenen bieten.

Gang der Untersuchung:

In Kapitel 2. erfolgt zunächst eine Erläuterung der historischen Wurzeln der dissoziativen Identitätsstörung. Die Geschichte der dissoziativen Störungen, ist die Geschichte der Besessenheiten und der Hysterie. Dissoziation ist das dahinter stehende Konzept, das beschreiben soll, wie die Phänomene und Symptomatiken entstehen, für die wir heute im klinischen Zusammenhang die Kategorien dissoziativer Störungen mit ihrer extremen Ausprägung der dissoziativen Identitätsstörung anlegen. Im Anschluss erfolgt eine Betrachtung der kontroversen Diskussion um die Iatrogenität der multiplen Persönlichkeitsstörung. Abschließend wird das dissoziative Kontinuum ausführlich beschrieben, es kann bis zur Ausprägung einer dissoziativen Identitätsstörung reichen.

Kapitel 3. beschäftigt sich mit der Entstehung von DIS. Es werden Studien aus den USA aufgeführt, um im Anschluss anhand des vier Faktoren Modells von Kluft, den Zusammenhang von schweren Missbrauch und der Entstehung von DIS aufzuzeigen.

Anschließend findet in Kapitel 4. eine Auseinadersetzung mit dem möglichen Täterkreis statt. Dieser reicht häufig von der Familie bis zum organisierte Verbrechen. Diese Themen sind noch weitgehend tabuisiert, da sich Privatpersonen und Öffentlichkeit oftmals Gewalt in einem solchen Ausmaß und in derartiger Form nicht vorstellen können.

In Kapitel 5. wird eine ausführliche Erklärung des multiplen Systems erfolgen. Neben der Phänomenologie wird die Komorbidität erläutert, da multiple Menschen meist nicht nur unter der DIS, sondern auch unter einer Vielzahl psychiatrischer, neurologischer und medizinischer Symptome leiden. Im Anschluss wird auf die Strukturierung eines multiplen Systems und typische Persönlichkeitstypen eingegangen, die bei den meisten Betroffenen vorzufinden sind. Den Abschluss dieses Kapitels bildet eine kritische Auseinandersetzung mit neusten Erkenntnissen aus der Gehirnforschung.

Das Kapitel 6. befasst sich mit wichtigen diagnostischen Kriterien. Ein großes Problem der Diagnostik bei DIS-Betroffenen entsteht dadurch, dass multiple Menschen oft eine Fülle unterschiedlicher Symptome aufweisen und dies häufig zu unterschiedlichen Fehldiagnosen führt.

In Kapitel 7. werden psychotherapeutische Schritte zur Behandlung von multiplen Menschen vorgestellt.

Im abschließenden Kapitel 8. werden die Konsequenzen für die Sozialarbeit bzw. die praktische Umsetzung der konzeptionellen Aspekte in der sozialen Arbeit aufgezeigt. Leitlinien im Umgang mit DIS-Betroffenen werden ausführlich und praxisnah dargestellt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Die dissoziative Identitätsstörung 3
2.1 Zur Geschichte der dissoziativen Identitätsstörung 3
2.2 Verdacht der Iatrogenität 6
2.3 Definition im Zusammenhang des dissoziativen Kontinuums 8
2.3.1 Allgemeine Definitionen 8
2.3.2 Dissoziatives Kontinuum 10
2.3.3 Definitionen in der ICD-10 11
2.3.4 Dissoziation nach dem DSM-IV 12
2.3.4.1 Dissoziative Amnesie 13
2.3.4.2 Dissoziative Fugue 13
2.3.4.3 Dissoziative Identitätsstörung 14
2.3.4.4 Depersonalisierungsstörung 16
2.3.4.5 Nicht näher bezeichnete dissoziative Störungen 16
3. Entstehung 17
3.1 Sexueller Missbrauch 17
3.2 Rituell sexueller Missbrauch 19
3.3 Das vier Faktoren Modell 21
4. Täterkreis 25
4.1 Familie 25
4.2 Bekanntenkreis 26
4.3 Organisiertes Verbrechen 27
4.4 Frauen als Täter und Mittäter 29
4.5 Satanische Kulte 30
5. Das multiple System 32
5.1 Phänomenologie 32
5.2 Komorbidität 32
5.2.1 Depressionen 32
5.2.2 Dissoziative Symptome 33
5.2.3 Angst und Phobiensymptome 33
5.2.4 Substanzmissbrauch und -abhängigkeit 34
5.2.5 Halluzinationen 34
5.2.6 Selbstverletzende Verhalten oder Selbstmordversuche 34
5.2.7 Kopfschmerzen 35
5.3 Personen und Persönlichkeiten 35
5.3.1 Primär-Persönlichkeit 36
5.3.2 Kind-Persönlichkeiten 37
5.3.3 Verfolger-Persönlichkeit 37
5.3.4 Beschützer-Persönlichkeiten 38
5.3.5 Gegengeschlechtliche Persönlichkeit 38
5.3.6 Beobachter-Persönlichkeit 39
5.3.7 Weitere Persönlichkeitstypen 39
5.3.8 Kenntnis der Persönlichkeiten untereinander 39
5.3.9 Switchen (Umschalten) 40
5.4 Gehirnforschung 40
6. Diagnostik 42
6.1 Spezifische Merkmale 42
6.2 Unspezifische Merkmale 43
7. Psychotherapie 46
7.1 Aufbau der therapeutischen Beziehung und Stabilisierung 47
7.2 Diskussion über Diagnose und Therapieziele 47
7.3 Vertrag 48
7.4 Förderung der inneren Kommunikation 48
7.5 Traumabearbeitung 49
7.6 Integration/Fusion 50
7.7 Postintegrative Arbeit 51
8. Relevanz für die Soziale Arbeit 52
8.1 Allgemeine sozialpädagogische Aspekte 52
8.2 Mögliche Kontaktbereiche 52
8.3 Grundhaltung und Anforderungen des Sozialarbeiters im Umgang mit DIS-Betroffenen 53
8.4 Qualitätsmerkmale der Informations-, Aufklärungs- und Beratungsarbeit 56
8.5 Kooperation von Helfer in Helfersystemen 57
8.6 Krisenintervention 58
8.7 Sozialpädagogischer Tätigkeitsbereich 59
8.7.1 Prävention 60
8.7.2 Bereich der Beratung, Information und Begleitung 61
8.7.3 Professionell-therapeutischer Bereich 62
8.7.4 Bereich der Selbsthilfegruppen 64
9. Rechtliche Rahmenbedingungen 67
10. Fazit 68
Literaturliste 71

Automatisiert erstellter Textauszug:

Bei diesem Befund sollte man allerdings bedenken, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt. Außerdem zeigen die Scanner-Bilder zwar eine veränderte Hirnaktivität, wenn der Experimentator die Versuchsperson zum Persönlichkeitswechsel aufforderte, jedoch beweist dies nicht, dass damit die neurophysiologische Grundlage der Multiplen Persönlichkeitsstörung gefunden wurde. Veränderte Hirnprozesse könnten z. B. auch eintreten, wenn sich die Versuchsperson nur vorstellt, eine andere Persönlichkeit zu sein. Dennoch kann es im Bereich des Möglichen liegen [nach Meinung der Verfasserin], dass die modernen bildgebenden Verfahren in Zukunft unser Verständnis dissoziativer Prozesse wesentlich vertiefen werden. Besonders interessant dürfte die Unterscheidung zwischen krankhaften und normalen Dissoziationen sein. Die Korrelate des Persönlichkeitswechsels zeigten sich nämlich im Hippocampus, der bei dieser Patientin deutlich verkleinert war. Diese Hirnregion spielt bei Gedächtnisprozessen eine wesentliche Rolle. [...]

Nach Deistler und Vogler (2002) kann es nun sein, dass das gesamte Trauma von einer Identität durchlebt wird, andererseits kann es sein, dass sich verschiedene Alter-Personen das Trauma aufteilen. Wenn sich ein traumatisches Erlebnis mehrfach zu verschiedenen Zeitpunkten wiederholt, ist es möglich, dass dieses Trauma in einem Alter als eine einzelne „Sequenz“ (State) abgespeichert wird, so dass diese Alter-Person vielleicht immer in einen anderen Bewusstseinszustand gerät, wenn sie z.B. einen Kaminhaken sieht. Es besteht weiterhin die Variante, dass einzelne Aspekte des Traumas separat für sich abgespalten werden. Die einzelnen Identitäten in einer multiplen Persönlichkeit bilden ein individuelles System, welches an die persönlichen Lebensbedingungen angepasst ist. Jede Persönlichkeit ist mit eigenen Werten, Akzenten und Stimmen, Körperhaltung und Sprachen, Mimik und Gestiken, Kleidungsstilen, Besitztümern und Handschriften ausgestattet. Ebenso können sie laut Orban (1996) ihre eigenen Allergien und Krankheiten haben und unterschiedliche Reaktionen auf Medikamente zeigen. Jede Person würde z.B. im Bezug auf die fünf Säulen der Identität (siehe 8.8.2) ganz eigene Angaben geben. Trotz der vielfältigen Unterschiede, gibt es einige Persönlichkeitstypen, die immer wieder beobachtet werden können. [...]

Die Existenz einer oder mehrer „Persönlichkeiten“ mit bestimmten eigenen Merkmalen innerhalb einer Person, gilt als spezifisches Merkmal für eine DIS. Nach Klein (1997) ist eine Persönlichkeit eine Einheit mit einem festen, beständigen und wohlbegründeten Selbstbild, die ein stetes Verhaltens- und Gefühlsrepertoire auf bestimmte Reize zeigen. Sie muss einen Funktionsbereich, einen Bereich emotionaler Reaktionen und eine signifikante Lebensgeschichte ihrer eigenen Existenz haben. Andere dissoziierte Anteile, die die oben genannten Merkmale nicht aufweisen, werden Persönlichkeitsfragmente oder States genannt. Laut Deistler und Vogler (2002) handelt es sich bei States um Persönlichkeitszustände, die relativ stereotyp auf einen bestimmten Außen- oder Innenreiz reagieren. Wenn z.B. eine betroffene Person immer bei der Wahrnehmung einer [...]

Arbeit zitieren:
, Juli 2004: Dissoziative Identitätsstörung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Persönlichkeitsstörung, Missbrauch, Iatrogenität, Verbrechen, Psychotherapie

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