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Zur Rolle der Musik bei den Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele von 1896 bis 1972

Zur Rolle der Musik bei den Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele von 1896 bis 1972
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Elizabeth Schlüssel
  • Abgabedatum: Juli 2001
  • Umfang: 856 Seiten
  • Dateigröße: 18,0 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5006-9
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5006-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schlüssel, Elizabeth Juli 2001: Zur Rolle der Musik bei den Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele von 1896 bis 1972, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Coubertin, 1936, Hymne, München, Idee

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Dissertation / Doktorarbeit von Elizabeth Schlüssel

Einleitung:

Die Arbeit beginnt mit einem Rekurs auf das antike griechische Musikverständnis, erläutert musikalische Geschmackspräferenzen Coubertins und behandelt eingehend in chronologischer Abfolge das Musikdargebot der Festfeiern von Athen bis München. Die Rolle der Olympischen Hymnen wird besonders herausgestellt.

Der Streit um die Spisak-Hymne von 1956 erscheint als Kampf um das ideelle Erbe Coubertins, d. h. um die Frage, ob die OS vorrangig sich erzieherischem Impetus oder der Zelebration von Siegertypus und gefälligem Unterhaltungsinteresse verschreiben sollten. Zwischen „Markt oder Tempel“ habe man sich zu entscheiden, hatte Coubertin pointiert gefordert. Das Bild des „Tempels“ stand für die weltverbessernde pädagogisch-ethische Dimension seiner Olympischen Idee, in der „Markt“-Orientierung sah er deren Untergang voraus. Der Symbolik der olympischen Kernrituale suchte er eine entsprechend erhaben-feierliche Tönung beizugeben. Carl Diem, Generalsekretär der Olympischen Spiele 1936, verwies darauf, Coubertins Vorstellungen in vollendeter Form entsprochen zu haben.

Die Berliner Eröffnungsfeier verlief hinsichtlich ihrer nationalistischen Implikationen in den Bahnen vorheriger olympischer Festfeiern. Einzigartig war der Grad der Indienstnahme der musikalischen Inszenierung für den Führerkult. Merkwürdigkeiten weisen auf Eingriffe des Regimes hin und lassen die Verantwortlichen opportunistischer erscheinen, als sie im nachhinein zugestehen wollten. Verdeckte politische Einflussnahme auf Musik und Musiker hinter den Kulissen war auch dem Gestaltungsprozess der Festfeiern der sog. „heiteren Spiele“ von 1972 nicht fremd. Als Gegenbild zu den Berlin-Feiern konzipiert, kehrte die Münchener Eröffnungsinszenierung eine beflissene Nation- und Traditionsvergessenheit hervor. Die Absatzbewegung von Coubertinschen Festvorstellungen, die unterhaltungsoptimierende Neustrukturierung des Olympischen Festprotokolls und die globale Marktgängigkeit heutiger hollywoodesker olympischer Festshows erhielten durch Münchener Vorarbeit kräftigen Anstoß.

Inhaltsverzeichnis:

1. ZU ZIELSETZUNG, METHODIK UND GLIEDERUNG DER ARBEIT 1
2. ÜBER MUSIK UND MUSIKVERSTÄNDNIS IM ANTIKEN GRIECHENLAND UND DEREN NEUZEITLICHE REZEPTION 7
2.1 Zur Musik im archaischen und klassischen Griechenland 9
2.2 Antike Musikreflexion: Ethische und anti-ethische Musikauffassungen 17
2.2.1 Platon 19
2.2.2 Demokrit und Philodemos 21
2.2.3 Aristoteles 23
2.3 Zum Einfluss platonischen Gedankengutes auf Musikwissenschaftler im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 27
2.3.1 Georg Götsch 30
2.3.2 Richard Müller-Freienfels 33
2.3.3 Arnold Schering 34
2.3.4 Hanns Eisler 37
2.4 Zusammenfassung 39
3. PIERRE DE COUBERTIN UND DIE OLYMPISCHE FESTMUSIK 44
3.1 Zum Musisch-Pädagogischen der Vision des modernen Stadtgymnasiums 47
3.2 Zum Militärischen in Festmusik und musikalischer Erziehung 58
3.3 Olympische Festmusik als Träger der Ideale des modernen Olympismus 67
3.4 Zu den Bemühungen um festmusikalische Angemessenheit 71
3.4.1 Das „moderne Olympia“ als Kultstätte 74
3.4.2 „Tempel“-Musik als Ausweis olympischer Angemessenheit 79
3.5 Zu Coubertins konkreten Geschmacksvorstellungen und Präferenzen 80
3.6 Zu Coubertins Einfluss auf musikrelevante Fixierungen im Festprotokoll 101
3.6.1 Situation von 1996 104
3.6.2 Situation von 1972 108
3.6.3 Situation von 1936 113
3.6.4 Situation am Ende der Amtszeit Coubertins als IOC-Präsidenten 115
3.6.5 Veränderungen der Pflichtmusik im Überblick 117
3.7 Zusammenfassung 120
4. ZUR MUSIK DER ERÖFFNUNGS- UND SCHLUSSFEIERN VON ATHEN BIS MÜNCHEN 125
4.1 Athen 1896 125
4.1.1 Festliches außerhalb des Stadions als Vorläufer gegenwärtiger „künstlerischer Darbietungen“ 130
4.1.2 Hymnen von Athen: Olympische Pflichtmusik bis heute 133
4.1.2.1 Die griechische Königshymne 133
4.1.2.2 Die „Olympische Hymne“ von Palamas und Samaras 137
4.2 Paris 1900 149
4.3 St. Louis 1904 151
4.4 London 1908 154
4.5 Stockholm 1912 165
4.6 Antwerpen 1920 177
4.7 Paris 1924 194
4.8 Amsterdam 1928 207
4.9 Los Angeles 1932 221
4.9.1 Exkurs: Olympische Hymne von Walter Bradley-Keeler 236
4.9.1.1 Zur Identität des Komponisten 236
4.9.1.2 Zur Rezeption der Hymne 239
4.10 Berlin 1936 248
4.10.1 Zum Verhältnis von Carl Diem und Baron de Coubertin 250
4.10.2 Zum Musikdargebot 260
4.10.2.1 Friedensgeläut 269
4.10.2.2 Triumphale Begrüßung des deutschen Staatsoberhauptes 269
4.10.2.2.1 Fanfaren 270
4.10.2.2.2 Wagners „Huldigungsmarsch“ 276
4.10.2.2.3 „Doppelhymne“ 278
4.10.2.3 Preußens Märsche zum Einzug der Mannschaften 282
4.10.2.4 Weihemusik im kultischen Kernritual 291
4.10.2.4.1 Händels „Halleluja“ 291
4.10.2.4.2 Die Olympische Hymne von Lubahn/Strauss 294
4.10.2.4.2.1 Zur Textentstehung 294
4.10.2.4.2.2 Zur Vertonung 301
4.10.2.5 Diems Festspiel „Olympische Jugend“ - ein „spectacle approprié“? 309
4.10.2.5.1 Zum olympischen Geist des Entwurfs „Sieg der Jugend“ 313
4.10.2.5.2 Zum Problem der Textänderungen 320
4.10.2.5.3 Zum „Olympischen Hymnus“, dem Chorfinale der IX Symphonie Ludwig van Beethovens 335
4.10.3.6 „Spiele sind aus“ – musikalische Bedenklichkeiten der Schlussfeier 344
4.11 London 1948 352
4.11.1 Olympische Hymne „Non Nobis, Domine“ von Kipling/Quilter 360
4.11.2 Londons Abschiedslied 369
4.11.3 Diems Festkritik 374
4.12 Helsinki 1952 377
4.12.1 Olympische Hymne von Lyy/Linjama 382
4.12.2 Zum finnischen Andachtsnimbus 388
4.12.3 Sibelius‘ Zutat zur Schlussfeier 390
4.12.4 Westdeutsche Stimmen zum Fest 393
4.13 Melbourne 1956 400
4.13.1 Zur Eröffnungsfeier 401
4.13.2 Zur Schlussfeier 405
4.13.3 Exkurs: Die Geschichte der Olympischen Hymne von 1956 410
4.13.3.1 Zur Vorgeschichte der IOC-Entscheidung 412
4.13.3.2 Prince Pierre contra Lord Burghley: der Textstreit 422
4.13.3.3 Spisaks Komposition: eine teure musikalische Sternschnuppe 439
4.13.3.3.1 Zum internationalen Komponistenwettbewerb 440
4.13.3.3.2 Das Desaster um die Urheberrechte 448
4.14 Rom 1960 466
4.14.1 Hymnische Bemühungen 469
4.14.2 Zum Problem der Verträglichkeit von Feierlichkeit und Spektakel 473
4.15 Tokio 1964
4.16 Mexiko-Stadt 1968 501
4.16.1 Zur Eröffnungsfeier 504
4.16.2 Zur Schlussfeier 512
4.17 München 1972 519
4.17.1 Münchens Bewerbung als Olympia-Stadt 522
4.17.2 Der Prozess der musikalischen Gestaltung der Festfeiern 535
4.17.2.1 Zur Arbeit von mit Festmusik befassten Gremien 541
4.17.2.1.1 Reformimpulse aus dem Arbeitskreis Sport und Kultur im Beirat des DSB 543
4.17.2.1.2 Der Kunstausschuss 553
4.17.2.1.3 Das sogenannte Komponistentreffen 565
4.17.2.1.4 Der sperrige Arbeitskreis Musik 570
4.17.2.1.5 Die vorläufige Arbeitsgruppe für die Eröffnungs- und Schlussfeier: Umsetzung der Anti-Berlin-Option in Münchener „Reform“-Drehbücher 577
4.17.2.1.5.1 Zur 1. Sitzung: Zielvorgaben und erste Vorschläge 587
4.17.2.1.5.2 Zur 2. Sitzung: Merkwürdigkeiten in und um Ummingers Drehbuch-Entwurf 589
4.17.2.1.5.3 Zur 3. Sitzung: Detailerörterung 608
4.17.2.1.5.4 Zur 4. Sitzung: Not an Musikverstand 611
4.17.2.1.5.5 Zur 5. Sitzung: Erörterungen zum Schlussfeierkonzept 616
4.17.2.1.5.6 Zur 6. Sitzung: Killmayers befruchtende Mitarbeit 619
4.17.2.1.6 Zu den gebilligten Konzepten 625
4.17.2.2 Zum Werden einzelner Musikstücke bzw. –segmente 633
4.17.2.2.1 Einzugsmusik im Edelhagen-“Sound“ 634
4.17.2.2.2 Olympische Fanfare von Rehbein 647
4.17.2.2.3 Goodmans Neufassung der Olympischen Hymne 654
4.17.2.2.4 „Goaßlschnalzen“ als politisches Problem 660
4.17.2.2.5 Orffs „Gruß der Münchener Schuljugend“ 666
4.17.2.2.6 Killmayer: Komponist für das Unpathetisch-Feierliche 669
4.17.2.2.6.1 Ankunft, Entzündung und Verlöschen des Olympischen Feuers 671
4.17.2.2.6.2 Alphornblasen 676
4.17.2.2.6.3 Musik zu Pienes „Regenbogen“ 677
4.17.2.2.7 Pendereckis „Ekecheiria“ 682
4.17.2.2.8 Glockenspiel 687
4.17.3 Zum Attentat und seinen Folgen 690
4.17.4 Zum Verkauf der Fernsehrechte 696
4.17.5 Zur Rezeption der Münchener Eröffnungsfeier 699
4.17.6 Verlust von Festwürde, Gewinn von Marktwert als Folgen der Münchener Reformstrategie 703
4.17.7 Schlussbemerkungen zum Münchener Festkonzept 710
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS 715
ANHANG

Automatisiert erstellter Textauszug:

Lord Burghley dachte nicht daran, in dieser Sache kampflos das Feld zu räumen. War schon nicht „Non nobis, Domine“ als offizielle olympische Dauerhymne durchzusetzen, so sollte dies auch keiner anderen vergönnt sein. Also vertrat er jetzt die liberale Position, jedes neue Organisationskomitee solle zukünftig in Eigenverantwortung die Hymne wählen, die ihm angemessen erscheine. 951 Das bedeutete konkret, man sollte die Freiheit haben, entweder eine der bisherigen Olympischen Hymnen zu übernehmen oder ggfs. jeweils eine neue zu kreieren. Offenbar erschien ihm dies in Anbetracht des Kommisionsberichtes die einzig erfolgsversprechende Strategie, die britische Option für zukünftige Aufführungen von „Non nobis, Domine“ weiter offen zu halten. In seiner Argumentation [...]

Das war bisher nie der Fall gewesen. Prince Pierre offerierte den IOC-Mitgliedern zugleich, er wolle dem Gewinner in einem solchen Wettbewerb ein Preisgeld von 1000 US-Dollar aus seiner Privatschatulle bezahlen, all dies, um vielleicht auf diese Weise endlich einmal zu einer wirklich geeigneten offiziellen Hymne zu kommen: „[...] et ainsi nous pourrions peut-être avoir une fois un hymne officiel approprié“. 952 Des Fürsten Vorstoß kam nicht spontan. Auch in den Reihen der Studienkommission, dessen Mitglied Prince Pierre ja war, war nach Einschätzung der Stimmung unter den IOC-Mitgliedern damit gerechnet worden, daß sich ein beträchtlicher Teil von ihnen aus den verschiedensten außermusikalischen Gründen Prinzipiell nicht mehr auf die Berliner Hymne verständigen wollte. Ein befriedigender Konsens in der Hymnenfrage schien trotz des Votums der Studienkommission wiederum in weite Ferne gerückt. Der wohl-kalkulierte Vorschlag Prince Pierres wies einen Ausweg aus diesem Dilemma. Es kam zur Abstimmung. Der Vorschlag des Monegassen wurde angenommen. [...]

Man vermeint, ein befreiendes Durchatmen bei vielen IOC-Mitgliedern verspüren zu können, wenn das Protokoll am Ende des Tagesordnungspunktes „Hymne Olympique“ notiert: „Il est décidé de choisir un hymne unique, et d’ouvrir un concours à ce sujet selon proposition faite par S.A.S. le Prince Pierre de Monaco, que le Président [Avery Brundage] remercie vivement.“ 953 Das politisch brisante Thema der Re-Installation der „deutschen“ Lubahn/StraussHymne war somit vom Tisch. Durchkreuzt schien ebenso die „britische“ Daueroption zugunsten der Kipling/Quilter-Hymne. Letzteres bedeutete zunächst eine herbe Enttäuschung für die australischen Gastgeber der bevorstehenden Spiele in Melbourne. Hier hatte man damit gerechnet, „Non Nobis Domine“ in der Eröffnungs- und Schlußfeier aufführen zu können. Um dies doch noch zu erreichen, intervenierte man noch einmal bei IOC-Präsident Avery Brundage. [...]

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Arbeit zitieren:
Schlüssel, Elizabeth Juli 2001: Zur Rolle der Musik bei den Eröffnungs- und Schlussfeiern der Olympischen Spiele von 1896 bis 1972, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Coubertin, 1936, Hymne, München, Idee

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