Restauratio und Resurrectio in der Jesaja-Apokalypse
- Art: Dissertation / Doktorarbeit
- Autor: Roland Kleger
- Abgabedatum: September 2001
- Umfang: 333 Seiten
- Dateigröße: 7,1 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: ETF Evangelische Theologische Faculteit Belgien
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8723-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kleger, Roland September 2001: Restauratio und Resurrectio in der Jesaja-Apokalypse, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Jesajabuch, Auferstehung, Tau der Lichter, Weltgericht, Israel
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Dissertation / Doktorarbeit von Roland Kleger
Einleitung:
Die Kapitel 24—27 des Jesajabuches — auch Jesaja-Apokalypse genannt — gehören zu jenen Texten des Alten Testaments, welche die Gelehrten besonders viel Tinte kosteten. Weshalb also noch eine weitere Arbeit über dieses Stück hinzufügen? Der bis heute bestehende Dissensus bezüglich mehrerer Fragen zur Jesaja-Apokalypse unter den Forschern zeigt, dass weiterhin ein Bedarf an Klärung vorliegt. Unsere Arbeit möchte ein weiterer Beitrag zu einer Lösung sein.
Den Anlass für diese Arbeit gab eine nähere Beschäftigung mit der Frage der Auferstehung im Alten Testament und die damit verbundene Feststellung, dass die Interpretation von Jes. 26:19 in diesem Zusammenhang besonders umstritten ist. Während ein Grossteil der Gelehrten der Meinung ist, mit der Wiederbelebung in Jes. 26:19 sei leibliche Auferstehung gemeint — ja es handle sich hier um den ersten klaren Hinweis auf eine leibliche Auferstehung im Alten Testament überhaupt — deuten zahlreiche andere Wissenschaftler die Stelle metaphorisch auf die nationale Wiederherstellung Israels und einige wenige auf die geistige Wiedergeburt. Welche dieser drei Deutungen ist richtig? Kann man die Frage überhaupt mit (letzter) Gewissheit beantworten?
Soviel ist klar: losgelöst vom Kontext, nur für sich genommen, kann der Vers à la limite tatsächlich jede der genannten Bedeutungen haben. Wenn überhaupt, dann ist eine Entscheidung zwischen den verschiedenen Vorschlägen nur im Lichte des Kontexts möglich. Damit verbunden ist (bzw. wird) aber nicht zuletzt auch die Frage der Genesis der Jesaja-Apokalypse: Bilden die vier Kapitel eine ursprüngliche Einheit oder sind sie das Resultat eines (mitunter langen) Wachstumsprozesses? Ist die so genannte Jesaja-Apokalypse ein buntes Patchwork, bestehend aus mehreren ursprünglich unabhängigen Perikopen, die bei der Zusammensetzung durch einen so genannten Redaktor oder Kompilator, je nachdem, vielleicht mitunter noch — zum Zweck der Anpassung an den neuen Kontext — umgeschrieben oder ergänzt wurden und wenn ja, ist zudem vielleicht noch an weitere noch spätere Glossen — wenn vielleicht auch nur von wenigen einzelnen Versen oder Versteilen — zu denken, oder bildete die ganze Apokalypse von Anfang an eine wesentliche Einheit, in welche aber später vielleicht doch noch die eine oder andere Passage (z. B. 24:21-23 oder 25:10b-12) oder vereinzelte Verse (z. B. 26:19) oder vielleicht auch nur das eine oder andere Sätzchen (z. B. 25:8a) oder mitunter sogar nur einzelne Ausdrücke oder Worte (z. B. meine Leiche in 26:19a ) eingesprengt wurden?
Ist die Jesaja-Apokalypse echt, d. h. ganz jesajanisch, oder wenigstens ein wesentlicher Teil davon, oder handelt es sich bei ihr um einen exilischen, einen früh- oder spätpostexilischen oder gar um einen Zusatz aus der makkabäischen oder hasmonäischen Zeit, ja vielleicht sogar aus dem christlichen Zeitalter? Sind die Kapitel wesentlich prophetisch, eschatologisch, proto- oder frühapokalyptisch oder apokalyptisch schlechthin? Muss wenigstens bei den einen oder anderen Vorstellungen in diesen vier Kapiteln an kananäischen, babylonischen, ägyptischen oder parsistischen Einfluss gedacht werden? Ist es vielleicht möglich, durch Identifizierung der mehrmals erwähnten gestürzten Stadt den Sitz im Leben dieser vier Kapitel zu bestimmen?
Wie kann von Überlebenden die Rede sein (24:6.13), wenn doch die Welt untergeht, d. h. zerbricht und nicht mehr aufsteht (24:20)? Wenn der Tod an jenem Tag wirklich verschlungen wird und alle Tränen weggewischt werden sollen (25:6-8), wie kann es dann noch heissen, dass an jenem Tag immer noch mit Kampf und Vernichtung gerechnet werden muss (27:4)? Ist sich vielleicht der Verfasser seines Selbstwiderspruchs nicht gewahr geworden oder muss — mit vielen Gelehrten — in Erwägung gezogen werden, dass 27:2-13 überhaupt oder wenigstens Teile davon, von anderer Hand oder gar anderen Händen stammen? Wer ist mit den Toten, die leben sollen (26:19) und wer mit den Toten, die nicht leben sollen (26:14) gemeint? Sind diese kontrastiven Aussprüche als bewusster Selbstwiderspruch zu verstehen oder durch Meinungsunterschied zwischen zwei verschiedenen Autoren bedingt? Besteht nicht auch ein Widerspruch zwischen 26:14 und 25:8a, wenn ja, ist dieser vielleicht auf differente Ansichten verschiedener Autoren zurückzuführen oder einfach durch eine spätere Interpolation eines Glossators entstanden? Dachte ein erster Autor vielleicht nur an nationale Wiederherstellung Israels, während ein Späterer, indem er 26:19 oder wenigstens den Ausdruck meine Leiche in 26:19a und vielleicht auch noch 25:8a hinzufügte, hier leibliche Auferstehung ausgedrückt haben wollte...? Diese Liste von verschiedenen Hypothesen und Fragen bzw. hypothetischen Fragen, könnte beliebig verlängert werden. Sie resultieren alle aus Beiträgen vieler Gelehrter, die sich mit der Jesaja-Apokalypse auseinandergesetzt haben und auf die wir in unserer Arbeit auch eingehen werden.
Bei alledem muss bedacht werden, dass bei vielen Hypothesen religionsgeschichtliche und/oder dogmatische Prämissen mitspielen. In zahlreichen Arbeiten kommt dies offen zum Ausdruck. So sagen z. B. viele Gelehrte explizit, dass die Jesaja-Apokalypse wegen den darin vorkommenden apokalyptischen Schilderungen, insbesondere wegen der Erwähnung der Auferstehung, gezwungenermaßen als postexilisches Stück betrachtet werden müsse. Umgekehrt kann für mehrere Gelehrte, weil sie Jes. 24—27 früher ansetzen — d. h. in die Zeit vor oder während des babylonischen Exils — in diesen Kapiteln a priori nicht leibliche Auferstehung gemeint sein, weil diese, wie sie meinen, in jener frühen Zeit in Israel noch kein Theologumenon gewesen sei. Andere wiederum sind wohl der Überzeugung, dass 26:19 — und vielleicht auch 25:8a — individuelle Auferstehung implizieren, glauben aber, dass es sich dabei um spätere Interpolationen handelt.
Man wird sich zu Recht fragen, ob es denn angesichts dieses Meeres von Vorschlägen bzw. Hypothesen überhaupt möglich ist, diesen vier Kapiteln etwas Verbindliches abzugewinnen — und zwar auch für unser Thema: Restauratio und Resurrectio in der Jesaja-Apokalypse. Es ist unseres Erachtens dann möglich, wenn man zunächst einmal fragt, was dieser Text per se sagt und welches seine Relation zu den anderen Teilen des Jesajabuches und letztendlich zum ganzen Alten Testament ist.
Ein erstes Ziel unserer Arbeit ist es, mittels einer detaillierten Exegese und Strukturanalysen, sowie durch eine intensive sprachliche Auslegung, zu zeigen, dass die vier Kapitel von Anfang an eine Einheit gebildet haben müssen. Zudem wollen wir versuchen darzulegen, inwiefern der ganze Aufbau der verschiedenen Stücke und Passagen auch Hypothesen von angeblichen späteren Einsprengungen einzelner Verse (z. B. 26:19) unwahrscheinlich erscheinen lässt. Danach gilt es zu analysieren, was die für unser Thema relevanten Schlüsselstellen im Lichte des gesamten Kontexts wirklich bedeuten bzw. ausdrücken.
Wir schlagen dabei folgende Vorgehensweise und Methode vor: In einem ersten Kapitel bieten wir einen Forschungsüberblick, in welchem wir zuerst (I) Beiträge vom Ende des 18. Jahrhunderts (Eichhorn) bis zum Ende des 20. Jahrhunderts (Gileadi und O'Connell) analytisch resümieren und dann die Ergebnisse synthetisch zusammenfassen. Auf diese (und andere) Beiträge werden wir dann in den folgenden Kapiteln an geeigneter Stelle Bezug und Stellung nehmen. In einer zweiten Etappe (II) im ersten Kapitel legen wir dann die Hauptargumente dar, die von verschiedenen Gelehrten gegen die Einheit der Jesaja- Apokalypse geltend gemacht werden und nehmen dazu Stellung. In einer dritten Etappe (III) im ersten Kapitel zeigen wir Gründe, die für die Einheit der vier Kapitel avanciert werden.
Im zweiten Kapitel folgt eine eingehende exegetische Untersuchung von Jes. 24—27 mit einer Strukturanalyse des jeweiligen Stücks oder der einzelnen Passagen. Der crux interpretum Jes. 26:19 widmen wir nicht nur deshalb ein Extrakapitel (das 3. Kapitel), weil sie für unser Thema von zentraler Bedeutung ist, sondern auch, weil die Interpretation dieses Verses sowohl mit textkritischen als auch philologischen und theologischen Fragen verknüpft ist. Hinzu kommt die Erläuterung eines Arguments, welches von der Struktur des Stücks, zu welchem 26:19 gehört, abgeleitet werden kann.
Auf den Ergebnissen der ersten drei Kapitel aufbauend, wollen wir im vierten und letzten Kapitel versuchen, eschatologische und christologisch-theologische Schlüsse aus der Jesaja-Apokalypse zu ziehen. Hier wollen wir zeigen, inwiefern die Jesaja-Apokalypse auf ein messianisches Zwischenreich hindeutet und gleichzeitig zu erklären versuchen, wie sich dadurch die angeblichen Widersprüche sowohl innerhalb der Jesaja-Apokalypse, als auch zwischen der Jesaja-Apokalypse und anderen Teilen des Jesajabuches oder gewissen Stellen in anderen Büchern des Alten und des Neuen Testaments, als (eben) nur vermeintlich erweisen. Da wir vom hermeneutischen Prinzip überzeugt sind, dass die scriptura sacra sui ipsius interpres ist und die Offenbarung Gottes an seine Diener als progressiv verstanden werden muss, wollen wir in diesem Kapitel nebst auf Passagen in den anderen Teilen des Jesajabuches, auch auf andere Bücher des Alten Testaments sowie auf relevante Stellen im Neuen Testament Bezug nehmen und dann versuchen aufzuzeigen, dass das, was die Jesaja-Apokalypse bereits anklingen lässt (wenn vielleicht auch noch etwas enigmatisch), nämlich das Simultanereignis der nationalen Wiederherstellung und der leiblichen Auferstehung, auch durch andere Passagen in der Heiligen Schrift angedeutet wird.
Gleichzeitig gilt es darzulegen, dass dies aber ohne messianisches Zwischenreich nicht wirklich möglich ist. Da, wo wir auch auf Parallelen in der jüdischen Apokalyptik und in der rabbinischen Literatur hinweisen, geschieht dies nicht, um unsere Argumentation darauf abzustützen, sondern lediglich, um auf eventuelle Parallelen in jenen Texten hinzuweisen. Last but not least gilt es auch auf die umstrittene Frage einzugehen, wer die Person ist, die in der Jesaja-Apokalypse auf dem Zion herrscht. Wir wollen versuchen zu zeigen, dass der teleologisch konzipierte Aufbau des ganzen Jesajabuches und dessen zentrales Thema des Messias vermehrt dafür sprechen, dass es der Messias ist, der hier in Gegenwart seiner Vollendeten auf dem Zion über alle Völker und Nationen herrscht.
Inhaltsverzeichnis:
| Abstract | v | |
| Vorwort | xi | |
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Einheit und Authentizität der Jesaja-Apokalypse | 4 |
| I. | Beiträge zur Frage | 4 |
| II. | Argumente gegen die Einheit und Authentizität der Jesaja-Apokalypse | 49 |
| A. | Metrikanalyse als Argument gegen die Einheit | 49 |
| B. | Textkritik und „dogmatisch“ motivierte Emendationen | 50 |
| C. | Datierung aufgrund der (mutmaßlichen) Identifizierung der feindlichen Stadt | 52 |
| 1. | Ninive | 52 |
| 2. | Jerusalem | 52 |
| 3. | Babylon | 53 |
| 4. | Susa | 54 |
| 5. | Moabitische Stadt | 54 |
| 6. | Tyrus | 55 |
| 7. | Sidon | 55 |
| 8. | Karthago | 56 |
| 9. | Samaria | 56 |
| 10. | Rom | 56 |
| 11. | Verschiedene Städte | 56 |
| 12. | Eine symbolische Stadt | 57 |
| D. | Erfordern apokalyptische Passagen eine Spätdatierung? | 59 |
| E. | Gibt es widersprüchliche Aussagen, die auf verschiedene Redaktoren hinweisen? | 61 |
| 1. | Weltuntergang und doch Überlebende? | 62 |
| 2. | Partikularismus oder Universalismus? | 62 |
| 3. | Feind besiegt und doch noch Kampf und Gericht? | 62 |
| III. | Argumente für die Einheit und Authentizität der Jesaja-Apokalypse | 62 |
| A. | Externe Argumente | 62 |
| 1. | Die LXX und Qumran | 62 |
| 2. | Jesus Sirach | 62 |
| 3. | Das NT (Jesus und die Apostel) | 63 |
| 4. | Die jüdische Literatur | 63 |
| B. | Die Uneinigkeit der Kritiker | 63 |
| C. | Vorurteile und Zirkelschlüsse der Kritiker | 64 |
| D. | Interne Argumente | 66 |
| 1. | Einzelne Aussagen als Indiz auf ein frühes Datum | 66 |
| a.) | Die Erwähnung Moabs in 25:10 | 66 |
| b.) | Die Erwähnung von Götzendienst in 27:9 | 66 |
| c.) | Die Erwähnung von Assur in 27:13 | 67 |
| 2. | Sprachliche und thematische Parallelen zu anderen Teilen des Jesajabuches | 68 |
| 3. | Die Struktur der Jesaja-Apokalypse spricht für die Einheit des Textes | 70 |
| 2. | Kapitel: Exegese von Jesaja 24 27 | 75 |
| I. | Das Kommende Weltgericht: 24:1-20 | 75 |
| A. | Jahwe richtet die ganze Welt: Vv 1-6 | 78 |
| 1. | Alle sind vom Gericht betroffen: Vv 1-3 | 78 |
| 2. | Der Bundesbruch als Ursache des Gerichts: Vv 4-6 | 80 |
| B. | Die feindliche Stadt: Vv 7-12 | 84 |
| C. | Die Ernte und der Überrest: V. 13 | 89 |
| D. | Jubel der Erretteten: Vv 14-16a | 91 |
| E. | Die ganze Welt wird vom Gericht getroffen: Vv 16b-20 | 94 |
| 1. | Es gibt kein Entrinnen: Vv 16b-18 | 94 |
| 2. | Die Schuld als Ursache des Gerichts: Vv 19-20 | 96 |
| II. | Jahwe herrscht auf dem Zion: 24:21 25:12 | 98 |
| A. | Feinde entmachtet Jahwe herrscht auf Zion: 24:21-23 | 98 |
| 1. | Die himmlischen Armeen und die Könige der Erde sind entmachtet: V. 21 | 101 |
| 2. | Sie warten auf das Gericht: V. 22 | 108 |
| 3. | Jahwe herrscht in Jerusalem: V. 23 | 111 |
| B. | Danklied: Die feindliche Stadt ist zerstört: 25:1-5 | 115 |
| 1. | Dank für die Zerstörung der feindlichen Stadt: Vv 1-2 | 117 |
| 2. | Auch ein Rest aus den Nationen gibt Jahwe die Ehre: V. 3 | 118 |
| 3. | Jahwe beschützt die Schwachen: Vv 4-5 | 119 |
| C. | Das Festmahl auf dem Berg Zion: 25:6-8 | 121 |
| 1. | Jahwe bereitet das Festmahl: V. 6 | 123 |
| 2. | Jahwe vernichtet die Hülle, die über den Nationen liegt: V. 7 | 123 |
| 3. | Jahwe vernichtet den Tod: V. 8 | 126 |
| D. | Jubellied: Freude auf dem Berg Zion: 25:9-10a | 145 |
| E. | Die ragende Festung Moabs stürzt: 25:10b-12 | 147 |
| III. | Jahwes Sieg: Wiederherstellung und Gericht: Kap. 26 | 152 |
| A. | Das Siegeslied im Lande Juda: Vv 1-6 | 158 |
| 1. | Die sichere Stadt Jahwes: Vv 1-2. | 159 |
| 2. | Vertrauen auf Jahwe: Vv 3-4 | 164 |
| 3. | Die feindliche Stadt ist zerstört: Vv 5-6 | 165 |
| B. | Gebet im Vertrauen: Vv 7-19 | 167 |
| 1. | Reflexion: der Gerechte und der Ungerechte: Vv 7-10 | 169 |
| 2. | Jahwes Sieg gegen die fremden Herren: Vv 11-15 | 173 |
| 3. | Gebet: Jahwe alleine kann Leben schaffen: Vv 16-19 | 185 |
| C. | Paränese: Bewahrung und Gericht: Vv 20-21 | 191 |
| 1. | Jahwes Volk wird bewahrt im Gericht: V. 20 | 192 |
| 2. | Jahwe richtet die ungerechten Erdbewohner: V. 21 | 193 |
| IV. | Vernichtung der Antagonisten und Restitution Israels durch Jahwe: Kap. 27 | 194 |
| A. | Jahwe richtet die Schlange: V. 1 | 196 |
| B. | Das Weinberglied: Wiederherstellung Israels: Vv 2-6 | 202 |
| C. | Züchtigung und Gericht: Vv 7-11 | 209 |
| D. | Die Rückkehr und Wiederherstellung Israels: Vv 12-13 | 219 |
| 3. | Kapitel: Exegetische cruces in Jesaja 26:19 | 225 |
| I. | Die Sektion 19a | 225 |
| A. | Der Parallelismus „ / „ | 225 |
| B. | Indikativ Futurum oder Jussiv? | 228 |
| II. | Die Sektion 19a | 228 |
| A. | Imperative oder Futura? | 228 |
| B. | Die Bedeutung dieser Sektion | 229 |
| 1. | Wenn man V. 19 als göttliches Orakel betrachtet | 229 |
| a.) | Variante beide Verben in 19a seien Futura | 229 |
| b.) | Variante beide Verben in 19a seien Imperative | 230 |
| c.) | Variante Imperativ gefolgt von einem Perfekt konsekutivum in 19a | 230 |
| 2. | Wenn man V. 19 als Teil des Gebets zu Jahwe betrachtet | 230 |
| a.) | Und die zwei Imperfekte von 19a als Optative deutet | 230 |
| b.) | Und die beiden Imperfekte von 19a als Futura deutet | 232 |
| 3. | Welche Variante ist vorzuziehen? | 232 |
| III. | Die Sektion 19b | 233 |
| A. | Wie ist zu übersetzen? | 233 |
| 1. | Gräser-, Pflanzen- oder Feldtau | 234 |
| 2. | Tau der Heilung | 234 |
| 3. | Tau des Lebens | 235 |
| 4. | Glückstau | 235 |
| 5. | Tau der Totengeister | 235 |
| 6. | Der Ausdruck sei eine Anspielung an die kanaanäische Götterwelt | 235 |
| 7. | Tau, der die Leuchte nicht erlöschen lässt | 236 |
| 8. | Tau von Lichtpartikeln | 237 |
| 9. | Lichttau oder Tau von Lichtern | 238 |
| B. | Die Bedeutung dieser Sektion | 240 |
| 1. | Wenn man 26:19 als göttliches Orakel betrachtet | 240 |
| 2. | Verheissung Gottes und Antwort des Volkes wechseln ab | 240 |
| 3. | Wenn der Prophet zu seinem Volk spricht | 241 |
| 4. | Wenn der Prophet zu Gott und dann zu den Toten spricht | 241 |
| 5. | Wenn der Vers Rede des Propheten zu Gott ist | 242 |
| IV. | Die Sektion 19b | 243 |
| A. | Die verschiedenen Übersetzungsvorschläge | 243 |
| 1. | Und das Land (die Erde) der Gottlosen wird fallen | 243 |
| 2. | Und du wirst das Land der Riesen stürzen | 244 |
| 3. | Du wirst die Riesen zu Boden werfen | 245 |
| 4. | Dein Tau wirft das Land der Schatten nieder | 246 |
| 5. | Und die Erde der Schatten wird vertrocknet werden | 246 |
| 6. | Und das Land der Schatten wird gebären | 247 |
| 7. | Und die Erde wird Schatten gebären | 247 |
| 8. | Und die Erde wird die Schatten herauswerfen/fallen lassen | 249 |
| 9. | Und auf das Land der Schatten wirst du ihn fallen lassen | 250 |
| B. | Die Bedeutung dieser Sektion | 251 |
| V. | Die Bedeutung von Jesaja 26:19 im Lichte des Gesamtkontextes | 252 |
| A. | Geistliche Wiedergeburt | 253 |
| B. | Nationale Wiederherstellung | 254 |
| C. | Leibliche Auferstehung | 257 |
| 4. | Kapitel: Systematisch-theologische Erwägungen zur Jesaja-Apokalypse | 263 |
| I. | Nationale Wiederherstellung Zwischenreich | 263 |
| A. | Israel und die Landverheißung | 263 |
| B. | Die Jesaja-Apokalypse und die Restauratio Israels | 264 |
| C. | Auch andere Stellen sprechen für ein Zwischenreich | 267 |
| II. | Die prophetisch-teleskopische Schau des Zwischenreiches und des Zustandes der Vollendung als Erklärung für vermeintliche Widersprüche | 271 |
| A. | Weltuntergang und doch Überlebende? | 272 |
| B. | Verschlingung des Todes und doch noch Sünde, Krieg und Tod? | 275 |
| C. | Werden nur die Toten Jahwes wieder leben? | 282 |
| III. | Zwei verschiedene Auferstehungen und das Zwischenreich im Neuen Testament | 283 |
| A. | Joh. 5:28-29 und Apg. 24:15 | 283 |
| B. | Offb. 20 | 283 |
| C. | 1. Kor. 15:22-28 | 287 |
| D. | Wie sind die Ewigkeitszustandsbeschreibungen in Texten zu verstehen, die wir dem Millennium zuordnen? | 288 |
| IV. | Die Jesaja-Apokalypse: Antizipierung der Johannes-Apokalypse | 293 |
| V. | Die Jesaja-Apokalypse und die chiliastische Interpretation von Offenbarung 20 | 296 |
| VI. | Konklusion mit theologisch-christologischen Erwägungen | 297 |
| A. | Der Messias ist der Herrscher auf Zion | 297 |
| B. | Das Thema des Messias im Jesajabuch spricht für die Deutung auf ein irdisches Zwischenreich | 300 |
| Bibliographie | 307 |
117 man annimmt (und wir tun es), dass der Jubel in 25:9 (der auf den Fall des Feindes in 10b-12 folgt) und jener in 26:1 (der auf den Fall der feindlichen Stadt in 26:5-6 folgt) durch dasselbe Ereignis bewirkt wird wie jener in 25:1ff (ausgelöst durch den Fall der Stadt in V. 2), dann wäre es nahe liegend, dass die in 25:1-5 geschilderten Ereignisse ebenfalls noch zukünftig sind. Delitzsch sieht in dieser Passage eine Parallele zu Kapitel 12198 und sagt: Der Proph., den wir schon von c. 12 her als Psalmisten kennen, macht den Choragen der Gemeinde der Zukunft und preist Jahve, daß er die mächtige Weltstadt zerstört und sich der bisher bedrängten Gemeinde als Schutz und Schirm vor der Tyrannei der Weltstadt bewiesen hat...199 Kaiser sieht die hier geschilderten Ereignisse in Parallele zu Ps. 86:9 und meint, "daß es sich wohl um die endzeitliche Bekehrung der Völker zu Jahwe handelt."200 Er ist sich darin also mit Delitzsch einig. Man muss natürlich hinzufügen, dass es dem Propheten in erster Linie darum geht, zum Ausdruck zu bringen, dass Jahwe sein Volk in aller Drangsal bewahren und hindurchtragen wird. [...]
Ist die Zerstörung der hier beschriebenen Stadt bereits erfolgt oder noch bevorstehend? Viele Exegeten meinen, dass das Ereignis bereits eingetreten ist, so z. B. Duhm, Lindblom und Wildberger. Es gibt aber mehrere Gründe, die gegen eine präteristische Interpretation sprechen. So weist Smend193 auf die Verbindung zwischen diesem Lied und jenen von 25:9; 26:1 und 27:2 hin. Für ihn ist klar, dass letztere durch das Volk Gottes im zukünftigen messianischen Reich gesungen werden sollen. Er nimmt deshalb an, dass auch dieses hier in jener Zukunft gesungen werden wird, bzw. "dass der Verfasser sich in seiner Einbildung in jene Zukunft versetzte, wo er das c. 24 seinem Volke angekündigte Unheil bereits hinter sich hat." Mit anderen Worten, in visionärer und proleptischer Art antizipiert der Prophet den zukünftigen Fall der feindlichen Stadt und beschreibt das sich noch zu Ereignende, wie wenn es schon geschehen wäre. Ähnlich Delitzsch: "Der Proph., ans Ende der Tage versetzt, feiert das Geschaute in Psalmen und Liedern."194 Wir teilen die Sicht Kaisers betreffs dieses Stückes: So gewinnt man den Eindruck, daß es sich nicht um einen, aus einem anderen Zusammenhang genommenen, Dankpsalm handelt, sondern um eine eigens für seinen jetzigen Ort bestimmte Komposition, ein prophetisches Danklied. Der in der Sprache der Psalmen wohlbewanderte Dichter gibt auf diese Weise seiner festen Gewißheit Ausdruck, daß die ungenannte Stadt, wie in 13 und 14 Babylon Symbol aller gottfeindlichen Machtkonzentration, einst von Jahwe vernichtet wird und nimmt so den Dank schon vorweg.195 Diese Sicht und Perspektive wird ganz klar durch die Stelle Jes. 14:1-3 und dann 4ff bestätigt. Dort geht es um das Spottlied, das dann in der Zukunft durch das erlöste Volk Israel angestimmt werden soll. Dieses steht natürlich besonders parallel zu 25:9-12 (Triumph- oder Spottlied). Aber auch die beiden futurischen Verben in V. 1a (Pilel Impf. 1. P. Sing. mit Suffix von ) und (Hiph. Impf. 1. P. Sing. von ) und jene in V. 5 (Hiph. Impf. 2. P. Sing. mask. von ) und (Qal Impf. 3. P. Sing. mask. von ) könnten dafür sprechen, dass das Ereignis noch zukünftig ist. Auch die zwei Imperfekta in Vers 3 ( und : sie werden dich verherrlichen, bzw. dich fürchten) deuten auf die Zukunft hin. Dass mit 25:6ff das Ende der Drangsal gemeint ist, bestreitet kaum jemand. Das Verb in 25:6 lässt aber vermuten, dass die danach geschilderten Ereignisse unmittelbar auf jene, von denen in 25:2-5 die Rede ist, folgen. So auch Hitzig: "Die Verbindung von V. 23 mit dem Folgenden wird zwar durch C. 25, 1 5. unterbrochen; allein daselbst V. 6. durch eine bestimmte Rückweisung wieder hergestellt."196 Die Beobachtung Smends,197 wonach 25:3 ein logisches Bindeglied zwischen 24:21ff und 25:6ff darstellt, ist auf jeden Fall richtig. Wenn [...]
Jahwe, du bist mein Gott! Ich will dich erheben, deinen Namen preisen, denn du hast Wunderbares getan, Ratschlüsse von alters her, zuverlässig und wahr. 2Denn du hast aus der Stadt einen Steinhaufen, aus der befestigten Stadt ein Trümmerfeld gemacht, so dass der Palast der Fremden keine Stadt mehr ist; in Ewigkeit wird er nicht mehr aufgebaut werden. 3Deshalb wird das starke Volk dich ehren, wird die Stadt der gewalttätigen Nationen dich fürchten. 4Denn du bist dem Geringen eine Festung gewesen, eine Festung dem Armen in seiner Bedrängnis, eine Zuflucht vor dem Unwetter, ein Schatten vor der Hitze. 5Denn das Schnauben der Gewalttätigen ist wie ein Platzregen gegen eine Mauer. Wie Hitze in dürrer Gegend wirst du den Lärm der Fremden dämpfen. [Wie] Hitze durch den Schatten einer Wolke, so senkt sich der Gesang der Gewalttätigen. Dieses Stück könnte man mit einem antithetischen Schema wie folgt darstellen, bzw. resümieren: A Lob: Jahwe wird erhöht: V. 1 B Die feindliche Stadt dagegen für immer zerstört: V. 2 C Deshalb werden die Völker der feindlichen Stadt Jahwe verherrlichen: V. 3 B1 Denn Jahwe beschützt die Schwachen und Elenden: V. 4 A1 Jahwe unterdrückt die Tyrannen: V. 5 Vers 1 kontrastiert sowohl mit dem folgenden Vers 2, als auch mit dem abschliessenden Vers 5: Während Jahwe erhöht wird (V. 1: A), werden die feindliche Stadt und dessen Tyrannen (V. 2: B), d. h. die Bedrücker seines Volkes, vernichtet, bzw. unterdrückt (V. 5: A1). Diese wiederum kontrastieren mit den Schwachen und Elenden, die sie bedrückt haben, die aber von Jahwe beschützt werden (V. 4: B1). Im Zentrum dieses Stückes steht die Aussage,192 dass auch die Stadt der Völker Jahwe loben, bzw. fürchten wird (V. 3: C). [...]
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Arbeit zitieren:
Kleger, Roland September 2001: Restauratio und Resurrectio in der Jesaja-Apokalypse, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Jesajabuch, Auferstehung, Tau der Lichter, Weltgericht, Israel




