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Die Klimaänderung (in) der Wachau: Die Klimaänderung der Wachauer Winzer

Ein empirischer Beitrag zum Verhältnis 'objektiver' Realität und konstruierter/benutzter 'Realität' bei ökonomischen Entscheidungen zur Anpassung in klimasensitiven Systemen

Die Klimaänderung (in) der Wachau: Die Klimaänderung der Wachauer Winzer
Über dieses Buch
  • Art: Dissertation / Doktorarbeit
  • Autor: Alexander Wimmer
  • Abgabedatum: Februar 2009
  • Umfang: 285 Seiten
  • Dateigröße: 7,4 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Wirtschaftsuniversität Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 189
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2718-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wimmer, Alexander Februar 2009: Die Klimaänderung (in) der Wachau: Die Klimaänderung der Wachauer Winzer, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Klimawandel, Vulnerabilität, Landwirtschaft, Weinbau, Winzer

Dissertation / Doktorarbeit von Alexander Wimmer

Einleitung:

Während der Vorbereitung auf die Weinbauprüfung im Rahmen der Diploma-Ausbildung der „WSET“ (Wines and Spirits Education Trust) bin ich 2002 auf das Buch von Gladstone „Viticulture and Environment“ gestoßen. In diesem Buch wird dargestellt, wie Weinbaugebiete anhand von Klimaparametern auf ihre Eignung zum Anbau spezifischer Rebsorten geprüft werden können. Dies erfolgt durch die Bestimmung der Wärmesumme, die der Rebe während der Vegetationsperiode für die physiologische Entwicklung zur Verfügung steht. Im umfangreichen Tabellenteil des Werks sind auch die Daten und die Bewertung der klimatischen Verhältnisse für den Weinbau in Wien angeführt. Die damals durchgeführte Überprüfung der Werte mit aktuellen Daten hatte ergeben, dass es zu einem Anstieg der Wärmesumme gekommen war. Zeitgleich erschien auch ein Zeitungsartikel, dass es durch die Klimaänderung zu einem Temperaturanstieg in Österreich gekommen war und die 90er Jahre die wärmsten waren, seit es Temperaturaufzeichnungen gibt.

Das Thema hatte begonnen mich zu interessieren, und meine erste Arbeit war die Diplomarbeit für die WSET-Ausbildung mit dem Titel „Klimaänderung als Voraussetzung für das Österreichische Rotweinwunder“. In dieser Abhandlung habe ich argumentiert, dass die Klimaänderung einen wesentlichen Beitrag zu den österreichischen Top-Rotweinqualitäten, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre entstanden sind, geleistet hat.

Im Jahr 2004 habe ich mich entschlossen, die nun vorliegende Dissertation zu verfassen. Es war von Anfang an klar, dass ich dies auf meiner Alma Mater, der Wirtschaftsuniversität Wien tun möchte und thematisch hat sich das Institut für Angewandte Regional- und Wirtschaftsgeographie angeboten. Die Geographie hat sich schon immer als Brückenfach verstanden; seit jeher war die Geographie sowohl eine Natur- als auch eine Sozialwissenschaft. Das hat sich auch dadurch bestätigt, dass Herr Professor Christian Staudacher sofort bereit war, die Arbeit zu betreuen. Ich möchte ihm ganz besonders danken für die Anregungen und Gespräche, die mir immer wieder neue Perspektiven eröffnet haben und auch dafür, dass ich mich durch seine Anleitungen in meinem Forschungsvorhaben immer unterstützt und nie eingeschränkt gefühlt habe. Mein Dank gilt auch den wissenschaftlichen Mitarbeitern am Institut für die Anregungen, kritische Hinterfragung der Konzepte und Diskussionen im Rahmen der Seminare. Als Zweitbegutachterin habe ich eine anerkannte Meteorologin gewinnen können, Frau Professor Helga Kromp-Kolb. Sie hat sichergestellt, dass auch der meteorologische Teil der Arbeit in der notwendigen Breite und Tiefe abgehandelt werden konnte. Auch ihr gilt mein Dank, für ihre Anregungen, die kritische Auseinandersetzung mit meinen Ausführungen und ihre Bereitschaft, eine interdisziplinäre Arbeit zu betreuen. Herrn Doktor Herbert Formayer danke ich für seine Unterstützung bei der Analyse der Wetterdaten.

Das Klima der Erde hat einen wesentlichen Einfluss auf die Lebensbedingungen von Menschheit und belebter Natur. Die atmosphärische Konzentration von Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid hat seit 1750 durch menschliche Aktivitäten merklich zugenommen, und die Werte der Zeit vor Beginn der Industrialisierung weit übertroffen. Die Erhöhung der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre und der Meere ist mittlerweile eindeutig nachweisbar, und ein weiterer Temperaturanstieg wird vorhergesagt. Selbst wenn die Konzentration der Treibhausgase und Aerosole auf dem Niveau von 2000 bleibt, wird eine weitere Erwärmung von ca. 0,1C pro Dekade erwartet. Die Klimaänderung wird die menschlichen Lebensverhältnisse und die Ökosysteme deutlich verändern. Das Ausmaß dieser Veränderung hängt davon ab, wie stark und wie schnell dieser Prozess voranschreitet, und welche Fähigkeiten die Gesellschaft und die Ökosysteme entwickeln, um sich an diesen anzupassen.

Weinbau und Klima sind untrennbar miteinander verbunden, und die klimatischen Verhältnisse einer Region spiegeln sich in den weinbaulichen Praktiken (Erziehungsform, Ausrichtung der Weingärten, Bewässerungsanlagen, etc.) wider. Oft findet Weinbau in klimatischen Grenzregionen statt, und die besten Weinbaugebiete der Welt befinden sich innerhalb enger klimatischen Grenzen. Durch die Klimaänderung ergeben sich neue Herausforderungen -Risiken wie Chancen - für den Weinbau.

In der aktuellen Paradigmendiskussion der Geographie spielt das Verhältnis von „objektiver Realität“, sprich dem „Raum“ und der Bedeutungszuweisung räumlicher Strukturen auf das Handeln eine grundlegende Rolle. Das ganze läuft unter dem Schlagwort „Raumdeterminismus“ bzw. „Raumexorzismus“. Es geht dabei um die Frage, ob und wie und ob überhaupt Physis, Materie, Raum, aber auch Bedeutungen, Regeln, Gesetze, Prominenzen usw. für das Handeln und für soziale Prozesse relevant sind und Wirkung haben bzw. diese sogar determinieren. Aus wissenschaftlicher Sicht für das Fach Geographie stellt die Arbeit einen empirischen Beitrag zur Paradigmendiskussion unter dem Stichwort „Natur-Gesellschaft-Beziehung“ dar.

Eine realistische Voraussage vom Ausmaß und Wirkung der Klimaänderung - global und regional - ist eine große Herausforderung für die Wissenschaft, die hohe gesellschaftliche Relevanz besitzt. Die Verbindung zwischen Klimaänderung und Umweltwandel ist auf der lokalen Skala noch sehr wenig untersucht worden. Umweltwandel führt dazu, dass die Menschen Anpassungen vornehmen, um umweltbedingte Störungen zu vermindern bzw. korrigieren oder die geänderten Bedingungen zum Vorteil ausnützen.

In der Arbeit sollen die durch die Klimaänderung verursachten Anpassungsprozesse im Weinbau in der Region „Wachau“ untersucht werden: Neben einer objektiven Bewertung der Klimaänderung durch die Analyse regionaler Klimadaten und den daraus entstehenden Herausforderungen im Weinbau soll in dieser Arbeit analysiert werden, wie die unmittelbar betroffenen Winzer die Klimaänderung wahrnehmen und beurteilen und welche Anpassungsmaßnahmen sie planen, um den Folgen der Klimaänderung zu begegnen. Veränderte klimatische Bedingungen haben nicht nur eine hohe Relevanz für die laufende Bewirtschaftung der Weingärten, sie reichen so weit in die Zukunft, dass es notwendig werden kann, die weinbaulichen Praktiken (z.B. Sortenstrategie, Erschließung neuer Weinbaulagen, etc.) zu ändern. Es ist wichtig zu erforschen, inwieweit die Klimaänderung bereits stattgefunden hat, welche Szenarien für die Zukunft möglich sind und wie weit oder nahe die Winzer von den tatsächlichen Gegebenheiten in der Planung und Durchführung ihrer Anpassungsmaßnahmen entfernt sind. Für das Abschätzen von zukünftigen Handlungen (Prognose) ist es entscheidend, die „Beeinflusser“ (= Handelnden) selbst über ihr zukünftiges Handeln zu befragen. Die Ergebnisse dieser Befragung ergeben zwar keine Fakten im Sinne des tatsächlichen Eintritts, können aber ganz wesentlich zur Erhellung einer zukünftigen Entwicklung beitragen. Sollte sich herausstellen, dass die bereits umgesetzten oder geplanten Anpassungsmaßnahmen nicht ausreichen, um den Folgen einer Klimaänderung zu begegnen, dann besteht individueller und (gesellschafts-)politischer Handlungsbedarf, damit die Winzer durch entsprechende Maßnahmen (Trainings, Infokampagnen, Förderungen) in die Lage versetzt werden, sich der Herausforderung Klimaänderung zu stellen.

Zur Untersuchung der Bewertung der Klimafolgen durch die Weinproduzenten und der Anpassungsmaßnahmen werden qualitative Methoden der Sozialforschung angewendet. Der Untersuchungsgegenstand ist noch nicht in der Tiefe erforscht worden, dass die sehr komplexen Zusammenhänge in unterscheidbare Variablen zerlegt und deren Wirkung darüber isoliert und geprüft werden können.

Ausgehend von der Tatsache, dass die Klimaänderung auch in Österreich stattfindet, möchte ich mit meiner Dissertation anhand der Weinbauregion Wachau folgende Gruppen von Themenstellungen behandeln:

Klimafolgenforschung: Wie vulnerabel (verwundbar) ist das „System“ Weinbau gegenüber Veränderungen des Klimas? Wie können Toleranzgrenzen des „Systems“ Weinbau, ab der die möglichen Folgen der Klimaänderung eine Gefahr für das System darstellen, definiert werden?

Klimaforschung: Hat die Klimaänderung in der Wachau bereits stattgefunden? Welche klimatischen Verhältnisse sind in der Wachau in den nächsten Jahrzehnten zu erwarten?

Weinbauökonomie: Welche Auswirkungen hat die Klimaänderung auf den Weinbau? Welche (weinbau-)technischen Anpassungsmaßnahmen sind geeignet, um die Folgen der Klimaänderung zu mindern bzw. auszunützen?

Wahrnehmungs- und Handlungstheorie: Wie wird die Klimaänderung von den Winzern wahrgenommen und bewertet? Welche Anpassungsmaßnahmen planen die Winzer, bzw. können sie sich vorstellen umzusetzen?

Change Mangement: Wie erfolgt der organisationale und individuelle Umgang mit Widersprüchen die sich aus den Änderungen der Umwelt ergeben?

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 3
1. EINLEITUNG 14
1.1 Forschungskonzept 15
1.1.1 Problemstellung 15
1.1.2 Forschungsziel 16
1.1.3 Forschungsfragen 18
1.1.4 Forschungshaltung 19
1.2 Methoden 21
1.2.1 Analyse vergangenes Klima und zukünftiges Klima in der Wachau 21
1.2.2 Einfluss des Klimas auf den Weinbau 21
1.2.3 Untersuchung der subjektiven Bewertung (= Einstellungen) der Klimaänderung 22
1.2.4 Individuelle Strategien im Umgang mit Veränderung 22
1.3 Auswahl der Interviewteilnehmer – Sampling 22
1.3.1 Fallkonstruktion im Sample, Fallgruppen- und Fallauswahl 24
1.3.2 Auswahl der Betriebe für die Durchführung der Interviews 25
1.4 Qualitätssicherung und Vermeidung von Bias 27
1.4.1 Qualitätssicherung 27
1.4.2 Vermeidung von Bias 28
1.5 Reichweite der Forschung 28
1.6 Vorwissen 30
1.7 Aufbau der Arbeit 31
2. UNTERSUCHUNGSREGION: WEINBAUGEBIET WACHAU 34
2.1 Österreichs bekanntestes Weinanbaugebiet: Die Wachau 34
2.2 Das Klima der Wachau 37
2.3 Bodenverhältnisse in der Wachau 40
2.4 Rebsorten in der Wachau 40
2.5 Weinkategorien der Wachau 41
2.6 Vinea Wachau - die Qualitätsvereinigung 42
2.7 Betriebsstrukturen in der Wachau 44
2.7.1 Arbeitskräfteeinsatz 47
2.7.2 Ertrag 48
3. KLIMAFOLGENFORSCHUNG 49
3.1 Anpassung an die Klimaänderung 51
3.1.1 Aspekte der Anpassung an die Klimaänderung 52
3.2 Impact Assessment und Vulnerabilität 55
3.2.1 Impact Assessment 55
3.2.1.1 Zusammenfassung - Impact Assessment 59
3.2.2 Vulnerabilität 60
3.2.2.1 Konzept der Vulnerabilität 60
3.2.2.1.1 Vulnerabilität als Risk-of-Exposure 61
3.2.2.1.2 Vulnerabilität als Social-Constructed-Phenomenon 62
3.2.2.1.3 Synthetische Ansätze 64
3.3 Methodische Konsequenzen 67
4. WETTER - KLIMA – KLIMAÄNDERUNG 69
4.1 Temperaturschwankungen im 20. Jahrhundert 72
4.2 Das Klimasystem der Erde 77
4.3 Klimaantrieb 79
4.3.1 Astronomischer Klimaantrieb 80
4.3.2 Tektonischer Klimaantrieb 82
4.3.3 Anthropogener Klimaantrieb 82
4.3.3.1 Treibhauseffekt 83
4.3.3.2 Landnutzungsänderungen 87
4.4 Wechselwirkungen im Klimasystem 88
4.5 Klimamodelle 91
4.6 Unsicherheiten in Klimamodellen 95
4.7 Direkte Beobachtungen neuester Klimaänderungen 100
4.8 Klimaänderung in Österreich 104
5. KLIMA UND WEINBAU 106
5.1 Weinbau 109
5.1.1 Natürliche Faktoren des Anbaugebietes 109
5.1.1.1 (Makro-)Klima und die individuellen klimatische Ausprägungen 109
5.1.1.2 „Licht Qualität“ 112
5.1.1.3 Lage/Topographie (Mesoklima) 112
5.1.1.4 Weinbautechnik 113
5.1.1.5 Boden 113
5.2 Phänologie 113
5.2.1 Physiologische Entwicklungszeit 115
5.3 Modelle zur Bestimmung der Wärmesumme 116
5.3.1 Modell zur Bestimmung der Wärmesumme nach Gladstone 116
5.3.1.1 Zentrale Annahmen und Voraussetzungen im Modell von Gladstone 117
5.3.1.2 Zentrale Komponenten im Modell von Gladstone 117
5.3.1.3 Standardklimadaten als Grundlage für die Bewertung der Weinbaugebiete 119
5.3.1.4 Wärmesummen-Index nach Gladstone – Berechnung 120
5.3.1.5 Gruppierung der Rebsorten nach benötigten Growing-Degree-Days 121
5.3.2 Modell zur Bestimmung der Wärmesumme nach Huglin 122
5.3.2.1 Huglin Indizes für wichtige Rebsorten 122
5.4 Berechung der Wärmesumme - Modellanwendung aufdie Weinbauregion Wachau 123
5.4.1 Wärmesumme nach Gladstone - Erläuterung der Berechnung 123
5.4.2 Interpretation der Daten 125
5.4.2.1 Station Krems - Interpretation der Daten 125
5.4.2.2 Station Joching - Interpretation der Daten 126
5.4.2.3 Der westliche Teil der Wachau – Spitz 126
5.4.3 Huglin Index - Berechnung und Interpretation der Werte 127
5.5 Toleranzbereich des Systems 127
5.6 Ausgewählte Studienergebnisse - Klimaänderung und Weinbau 130
5.7 Zusammenfassung - Auswirkungen der Klimaänderung auf den Weinbau 136
5.8 Weinbauliche Anpassungsmaßnahmen an die Klimaänderung 137
6. VERGANGENE UND ZUKÜNFTIGE KLIMATISCHE VERHÄLTNISSE IN DER WACHAU 141
6.1 Daten und Methoden zur Analyse des Klimas 141
6.2 Homogenitätsprüfung der Daten der Wetterstation Krems 145
6.2.1 Berechnung der Korrekturfaktoren 149
6.2.2 Tabelle der ermittelten Korrekturfaktoren 153
6.3 Analyse der Wetterdaten - „Vergangenes Klima“ 154
6.3.1 Temperaturauswertungen 154
6.3.1.1 Ganzjahrestemperatur 154
6.3.1.2 Temperatur während der Vegetationsperiode (April - Oktober) 155
6.3.1.3 Temperatur im Quartal Q2 (April-Juni) 157
6.3.1.4 Huglin Index und Wärmesummenindex nach Gladstone 158
6.3.2 Phänologie 160
6.3.2.1 Beginn der Rebblüte 160
6.3.3 Besondere Tage 161
6.3.4 Niederschlag 162
6.3.5 Zusammenfassung der Ergebnisse 164
6.3.5.1 Einschub - westliche Wachau (Joching, Spitz) 166
6.4 Zukünftiges Klima 167
6.4.1 Projekt reclip:more 167
6.4.1.1 Zuverlässigkeit der Modellergebnisse (Unsicherheit) 169
6.4.1.2 Ergebnisse des reclip:more Projektes 170
6.4.2 Klimaszenariofür die Wachau 172
6.4.3 Toleranzbereich des Systems - Analogie auf die zukünftigen Verhältnisse 176
6.4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse 178
7. EINSTELLUNGEN ZUR UMWELT UND ANPASSUNGSMAßNAHMEN 181
7.1 Einstellungen 183
7.1.1 Erwerb von Einstellungen 183
7.2 Einstellungen und Verhalten/Handeln 185
7.2.1 Exkurs - Verhalten und Handeln 186
7.2.2 Einstellungen gegenüber Objekten und spezifischen Verhaltensweisen 187
7.2.3 Einstellungen gegenüber einem Verhalten „Theory of planned Behavior“ 188
7.2.3 Methodische Konsequenzen 190
8. ANPASSUNG AN VERÄNDERUNG 192
8.1 Einflussfaktoren auf landwirtschaftliche Entscheidungen 193
8.1.1 Externe Einflussfaktoren der Produktionsentscheidung 195
8.1.1.1 Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union 195
8.1.1.2 Kapitalisierung und Technologisierung der Landwirtschaft 199
8.1.2 Interne Einflussfaktoren der Produktionsentscheidung 202
8.1.2.1 Motive und Ziele von Landwirten als Einflussfaktoren auf Entscheidungen 206
8.1.2.2 Rolle der Familie als Einflussfaktor auf Entscheidungen von Landwirten 207
8.1.3 Landwirtschaft als Ausdruck der Natur-Gesellschaft-Beziehung 210
8.2 Methodische Konsequenzen 213
8.2.1 Theoriegeleitete Differenzierung der Fragestellung und Entwicklung des Interviewleitfadens 213
8.3 Umgang mit Veränderung - Change Management 219
8.3.1 Organisationaler Umgang mit Widersprüchen 219
8.3.2 Widerstand gegen Wandel 221
9. ERFASSUNG UND AUSWERTUNG DER EINFLUSSFAKTOREN AUF DAS ANPASSUNGSVERHALTEN DER WINZER 224
9.1 Erfassung der Einflussfaktoren - Qualitative Inhaltsanalyse 224
9.1.1 Technik der qualitativen Inhaltsanalyse 224
9.1.2 Festlegung des Materials 224
9.1.3 Analyse der Erhebungssituation 225
9.1.4 Formale Charakteristik des Materials 225
9.1.5 Richtung der Analyse 226
9.1.6 Theoriegeleitete Differenzierung der Fragestellung 226
9.1.7 Hauptfragestellungen an das Analysematerial 227
9.1.8 Ablaufmodell der Analyse 227
9.2 Auswertung der Einflussfaktoren auf das Anpassungsverhalten 230
9.2.1 Betriebliche Einflüsse 230
9.2.1.1 Gute und schlechte Jahre 230
9.2.1.2 Gesellschaftliche Entwicklungen 232
9.2.1.3 Staatliche Regelungen und Gesetze 232
9.2.1.4 Wirtschaftliche Entwicklungen 233
9.2.1.5 Technologische Entwicklungen 234
9.2.1.6 Umwelteinflüsse 234
9.2.1.7 Zukünftige Chancen und Risiken 236
9.2.1.8 Zusammenfassung - Betriebliche Einflüsse 237
9.2.2 Klimaänderung - Wahrnehmung und Einstellungen 238
9.2.2.1 Wahrnehmung der Klimaänderung 238
9.2.2.2 Einfluss der Klimaänderung auf die Region/Betrieb 239
9.2.2.3 Wahrnehmung verschiedener Ausprägungen des Klimas 240
9.2.2.4 Wahrnehmung und Einstellungen gegenüber konkreten Ausprägungen der Klimaänderung in der Vergangenheit 241
9.2.2.5 Einstellungen gegenüber möglichen zukünftigen klimatischen Verhältnissen 242
9.2.2.6 Zuordnung der Aussagen zu den drei Einstellungskomponenten 242
9.2.2.7 Anpassungsmaßnahmen 244
9.2.2.8 Zusammenfassung -Wahrnehmung und Einstellungen 246
9.2.3 Einstellungen gegenüber potentiellen Anpassungsmaßnahmen an die Klimaänderung 248
9.2.3.1 Zusammenfassung -Einstellungen gegenüber Anpassungsmaßnahmen 253
9.2.3.2 Subjektive Verhaltenskontrolle 253
9.2.3.3 Subjektive Normen 255
10. DAS „CHANGE MANAGEMENT“ DER WINZER 257
10.1 Umgang mit Veränderung durch die Winzer 259
10.2 Widerstand gegen Veränderung durch die Winzer 260
10.2.1 Einstellungen gegenüber Veränderungen – Änderungsbereitschaft 261
10.2.2 Einstellung gegenüber Veränderungen – Änderungsfähigkeit 265
11. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN 269
ANHANG A - STRUKTURIERUNGSDIMENSIONEN INTERVIEW 272
LITERATURVERZEICHNIS 274

Textprobe:

Kapitel 5.2.1, Physiologische Entwicklungszeit: Die physiologische Entwicklungszeit ergibt sich aus der Wärmesumme, die eine Pflanze benötigt, um ihre Entwicklung abzuschließen. Die Wärmesumme wird als Summe der „Growing Degree Days“ GDD (Wärmegradtagen) angegeben. Folgende Parameter werden verwendet um den Temperatureffekt auf das Wachstum und die Entwicklung abzubilden:

unterer Temperatur-Schwellenwert: die Entwicklung der Pflanze setzt ein bzw. stoppt, wenn die Temperatur unter den Schwellenwert fällt; oberer Temperatur-Schwellenwert: die Entwicklungsrate der Pflanze flacht ab; Ein Growing Degree Day (GDD) berechnet sich folgendermaßen:

GDD=(tmax + tmin) /2 - tbase GDD = Growing Degree Days (Wärmegradtage = Wärmegrade pro Tag) tmax = tägliche Maximumtemperatur tmin = tägliche Minimumtemperatur (tmax + tmin) / 2 entspricht der Durchschnittstemperatur t tbase = Basistemperatur ab der das Wachstum der Rebe einsetzt tbase ist unterschiedlich für die verschiedenen Pflanzen und wird meist experimentell ermittelt. Für die Rebe wird tbase generell mit 10°C angenommen, d.h. ab dieser Temperatur setzt das Wachstum der Rebe ein, während bei niedrigeren Temperaturen das Wachstum eingestellt ist.

Zum Beispiel würde über eine 5-Tages-Periode mit einem Maximum von 30C und einem Minimum von 15C jeder Tag zur Wärmesumme [(30 + 15) ÷ 2)] – 10 = 12,5 beitragen und die Wärmesumme 5 × 12,5 = 62,5 GDD betragen.

Die Wärmesumme, welche eine Pflanze benötigt, um die Entwicklung abzuschließen, ist immer gleich. D.h., mit dem Klimaparameter Temperatur kann bestimmt werden, ob der Wärmebedarf einer bestimmten Pflanze (Rebe) unter den vorherrschenden (regionalen) klimatischen Verhältnissen erreicht wird.

Kapitel 5.3, Modelle zur Bestimmung der Wärmesumme: Die Rebe ist eine ziemlich empfindliche Pflanze und sie stellt hohe Ansprüche an das Klima. Deshalb ist es kein Wunder, dass sie längst nicht überall auf der Erde wächst. Die Weinanbaugebiete liegen fast ausschließlich zwischen dem 30. und dem 50. Breitengrad Nord sowie dem 30. und 40. Breitengrad Süd. Außerhalb dieser Zonen ist es der Rebe entweder zu kalt oder zu warm. Innerhalb der genannten Zonen sind bzw. sollten verschiedene Traubensorten an die jeweiligen Standortverhältnisse optimal angepasst sein. Um den Einfluss des Klimas (und im speziellen der Temperatur) auf die Traubenreife bestimmen zu können, bedarf es eines Modells, das es ermöglicht, ein bestimmtes Anbaugebiet anhand klimatischer Daten zu bewerten und in weiterer Folge abzuleiten, ob die Voraussetzungen zur Produktion bestimmter Rebsorten gegeben sind.

Kapitel 5.3.1, Modell zur Bestimmung der Wärmesumme nach Gladstone: Gladstone beschäftigt sich seit 1960 mit den Auswirkungen des Klimas auf die Physiologie von Pflanzen. Im Jahr 1992 hat er seine Erkenntnisse in dem viel beachteten Buch „Viticulture and Environment“ publiziert. Dieses Buch ist 1994 mit einem Preis des „Office International de la Vigne et du Vin“ (OIV) ausgezeichnet worden. Das von Gladstone entwickelte Modell ermöglicht es, anhand klimatischer Daten zu bestimmen, ob die thermischen Bedingungen zum Anbau bestimmter Rebsorten in einem Gebiet (Region und Einzellagen) erfüllt sind.

Kapitel 5.3.1.1, Zentrale Annahmen und Voraussetzungen im Modell von Gladstone: Es ist möglich, die Traubenreife anhand von standardisierten Klimadaten zu bestimmen. Da sich die Rebsorten hinsichtlich des Reifezeitpunkts unterscheiden, ist es notwendig, diese in Gruppen nach benötigter Wärmesumme zu unterteilen (siehe Tab. 5.3).

Kapitel 5.3.1.2, Zentrale Komponenten im Modell von Gladstone: Das Modell basiert auf den GDD (Growing Degree Days = Wärmegradtage), die für die Vegetationsperiode der Weinrebe (April – September/Oktober) berechnet werden (siehe Kap. 5.3.1.4).

In Abb. 5.2 ist dargestellt, wie sich das physiologische Wachstum einer Rebe in Abhängigkeit von der Temperatur verhält. Diverse Untersuchungen in kontrollierten Umgebungen haben gezeigt, dass die stärkste physiologische Entwicklung zwischen 10°C-19°C (unterer und oberer Temperatur-Schwellenwert) stattfindet und dann stark abnimmt. Dies hat zentrale Bedeutung im Modell von Gladstone und entscheidenden Einfluss auf seine Berechnungen.

Arbeit zitieren:
Wimmer, Alexander Februar 2009: Die Klimaänderung (in) der Wachau: Die Klimaänderung der Wachauer Winzer, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Klimawandel, Vulnerabilität, Landwirtschaft, Weinbau, Winzer

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