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Körperliches Training mit COPD-Patienten

Funktionelle und psychologische Aspekte

Körperliches Training mit COPD-Patienten
Über dieses Buch

Dissertation / Doktorarbeit von Kerstin Bastian

Zusammenfassung:

Mit dem Sammelbegriff „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“ (COPD = „chronic obstructive pulmonary disease“) wird eine variable Kombination von chronischer Bronchitis und Lungenemphysem charakterisiert, die durch eine langsam fortschreitende nicht bzw. lediglich teilreversible obstruktive Ventilationsstörung gekennzeichnet ist.

Weltweit zeigen chronische Lungenkrankheiten, insbesondere obstruktive Ventilations-störungen, einen Anstieg an Morbidität und Mortalität, vor allem bei Patienten in fortgeschrittenem Lebensalter. COPD ist derzeit die vierthäufigste Todesursache in den USA, nur noch übertroffen von Herz-, Krebs- und cerebro-vaskulären Erkrankungen.

Patienten mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (COPD) leiden besonders unter Dyspnoe, Belastungsintoleranz und einer eingeschränkten Lebensqualität. Das Konzept der in einen Bewegungsmangel mit sämtlichen negativen Folgen führenden „Dyspnoespirale“ dient als wichtiges Argument für die Durchführung von pneumologischen Rehabilitationsmaßnahmen. Ein körperliches Trainingsprogramms gilt dabei als unverzichtbar, um die Wiederherstellung einer höchstmöglichen körperlichen Leistungsfähigkeit zur Gewinnung weitgehender funktioneller Unabhängigkeit zu gewährleisten. Zahlreiche Studien mit unterschiedlicher Trainingsbelastung, Trainingsart als auch Dauer des Rehaprogramms belegen den Zugewinn an körperlicher Leistungsfähigkeit, die Abnahme von Dyspnoe und die Steigerung der Lebensqualität.

Ausgehend von diesen Überlegungen wurden in der vorliegenden Studie ein dreiwöchiges Ausdauertraining, Krafttraining und eine Kombination der beiden Trainingsprogramme für COPD-Patienten ohne und mit Indikation zur Sauerstofflangzeittherapie (LOX) im Rahmen einer stationären Rehabilitationsmaßnahme im Reha-Zentrum Reichshof-Eckenhagen entwickelt, durchgeführt und evaluiert. Ziel der vorliegenden Untersuchungen war die Überprüfung der Effekte unterschiedlicher Trainingsinhalte (Ausdauertraining, Krafttraining und Kombination der beiden) auf die Lungenfunktion, die arteriellen Blutgase, die körperliche Leistungsfähigkeit und die Dyspnoe sowie die mögliche Veränderung ängstlicher und depressiver Befindlichkeiten und der Lebensqualität.

Zusammenfassend belegt die Untersuchung, dass alle Patienten mit COPD von einem kurzfristigen und intensiven körperlichen Training profitieren. Es wäre wünschenswert, wenn diese Ergebnisse den in der Praxis im Vergleich zu den anderen „großen“ Lungenerkrankungen (Asthma bronchiale und Lungenkrebs) noch viel zu häufig anzutreffenden „therapeutischen Nihilismus“ in Hinblick auf ein körperliches Training beeinflussen können. Vielleicht spielt dabei unterschwellig das negative „Image“ der COPD als selbstinduzierte Erkrankung älterer Raucher immer noch eine gewichtige Rolle.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 1
2. LITERATURBESPRECHUNG 4
2.1 Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) 4
2.1.1 Definition 4
2.1.2 Symptome 5
2.1.2.1 Dyspnoe 5
2.1.3 Risikofaktoren 7
2.1.4 Epidemiologie 7
2.1.5 Ökonomische Aspekte 8
2.1.6 Pathogenese 9
2.1.7 Limitierungen der körperlichen Belastbarkeit bei Patienten mit COPD 9
2.1.8 Diagnostik 13
2.1.9 Medikamentöse Therapie 14
2.1.9.1 Sauerstofflangzeittherapie 15
2.2 Pneumologische Rehabilitation 16
2.2.1 Definitionen 17
2.2.2 Ziele der pneumologischen Rehabilitation 17
2.2.3 Pneumologische Rehabilitation in Deutschland 18
2.2.4 Das „Reha-Team“ in der Pneumologie 19
2.2.5 Bestandteile der pneumologischen Rehabilitation 20
2.2.5.1 Edukative Maßnahmen 20
2.2.5.2 Psychosoziale Maßnahmen 21
2.2.5.3 Ernährungsberatung 21
2.2.5.4 Körperliches Training 22
2.2.5.4.1 Training der unteren Extremitäten 22
2.2.5.4.2 Training der oberen Extremitäten 24
2.2.5.4.3 Atemmuskeltraining 25
2.2.5.4.4 Training mit Sauerstoff 25
2.2.5.4.5 Kurzfristige pneumologische Rehabilitationsmaßnahmen 26
2.2.5.5 Assessment in der pneumologischen Rehabilitation 27
3. METHODIK 31
3.1 Funktionelles Assessment 31
3.1.1 Untersuchungsgut 31
3.1.2 Untersuchungsgang 33
3.1.3 Bestimmung anthropometrischer Größen 34
3.1.4 Lungenfunktionsdiagnostik 35
3.1.4.1 Lungenvolumina 36
3.1.5 Blutgasanalyse 38
3.1.6 Sauerstoffsättigung 39
3.1.7 Maximalkrafttest der inspiratorischen Atemmuskulatur 39
3.1.8 Submaximaler Krafttest der Skelettmuskulatur 40
3.1.9 Fahrradergometrischer Ausdauertest 43
3.1.10 6-Minuten-Gehstreckentest 44
3.1.11 Test alltagsmotorischer Fertigkeiten 46
3.1.12 Dyspnoe 48
3.1.13 Belastungsempfinden 49
3.2 Psychologisches Assessment 49
3.2.1 Untersuchungsgut 50
3.2.2 Untersuchungsgang 50
3.2.3 Hospital Anxiety and Depression Scale - deutsche Version 50
3.2.4 Aachener Lebensqualitätsinventar 51
3.3 Das Trainingsprogramm 52
3.3.1 Ausdauertraining 52
3.3.2 Krafttraining 53
3.3.3 Ausdauer- und Krafttraining als kombiniertes Training 53
3.3.4 Standardtherapien 53
3.4 Statistik 54
4. ERGEBNISSE 56
4.1 Ergebnisse des funktionellen Assessments 56
4.1.1 Anthropometrische Daten 56
4.1.2 Ergebnisse der Lungenfunktionsdiagnostik 58
4.1.2.1 Inspiratorische Vitalkapazität (IVC) 58
4.1.2.2 Inspiratorische Kapazität (IC) 59
4.1.2.3 Residualvolumen (RV) 60
4.1.2.4 Einsekundenkapazität (FEV1) 61
4.1.2.5 Forcierte Vitalkapazität (FVC) 62
4.1.2.6 Auf die Totallungenkapazität bezogenes Residualvolumen (RV/TLC) 63
4.1.2.7 Tiffeneau-Index (FEV1/IVC) 64
4.1.2.8 Blutgasanalyse (PaO2 und PaCO2) 65
4.1.2.9 Maximale Atemmuskelkraft (PIMAX) 66
4.1.3 Zusammenfassung der Ergebnisse der Lungenfunktionsdiagnostik 66
4.1.4 Submaximaler Krafttest 68
4.1.5 Ausdauertest 70
4.1.6 Zusammenfassung der Ergebnisse der Kraft- und Ausdauertests 71
4.1.7 6-Minuten-Gehstreckentest 73
4.1.8 Test alltagsmotorischer Fertigkeiten 77
4.1.9 Zusammenfassung der Ergebnisse im 6-Minuten-Gehstreckentest und im Test alltagsmotorischer Fertigkeiten 80
4.2 Ergebnisse des psychologischen Assessments 82
4.2.1 Hospitality Anxiety and Depression Scale 82
4.2.2 Aachener Lebensqualitätinventar 83
4.2.3 Zusammenfassung 85
4.3 Überprüfung auf signifikante Zusammenhänge 86
4.4 Einfluss des Trainingsprogramms 89
5. DISKUSSION 91
5.1 Lungenfunktionsdiagnostik undBlutgasanalyse 91
5.2 Maximale Atemmuskelkraft 93
5.3 Submaximaler Krafttest 93
5.4 Ausdauertest 97
5.5 6-Minuten-Gehstreckentest 100
5.6 Test alltagsmotorischer Fertigkeiten 102
5.7 Dyspnoe 103
5.8 Belastungsempfinden 105
5.9 Hospitaliy Anxiety and Depression Scale 106
5.10 Aachener Lebensqualitäts-Inventar 107
5.11 Diskussion des Assessments 108
5.12 Abschließende Betrachtung 115
6. ZUSAMMENFASSUNG 117
7. LITERATUR 121
Anhang 1: Hospitality Anxiety and Depression Scale - deutsche Version (HADS-D) 139
Anhang 2: Aachener Lebensqualitäts-Inventar (ALQI) 141
Anhang 3: Signifikante Korrelationen 153

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Sollwerte der Einsekundenkapazität der einzelnen Trainingsgruppen unterscheiden sich nicht signifikant. Zum Zeitpunkt T1 hat die Ausdauergruppe mit LOX (P4) im Vergleich zu der Ausdauergruppe und Krafttrainingsgruppe ohne LOX (P1 und P2) eine signifikant reduzierte (absolute und relative) FEV1. Die FEV1 (%pred. ) der Kraftgruppe (P2) ist zusätzlich gegenüber der Ausdauer- und Kraftgruppe mit LOX (P6) signifikant größer. Die Trainingsgruppen mit LOX haben eine deutlich reduzierte Einsekundenkapazität (< 1,1 l bzw. < 48 %pred. ) im Vergleich zu den Gruppen ohne LOX (1,4 l bis 1,5 l bzw. 47 % bis 60 %pred. ). Damit können gemäß ERS-Kriterien (SIAFAKAS et al. 1995) alle Trainingsgruppen mit LOX als „schwer obstruktiv“ und alle Trainingsgruppen ohne LOX als „mittel“ bis „schwer obstruktiv“ eingestuft werden. Im Verlauf des Trainingsprogramms steigen die Werte für FEV1 (l) und FEV1 (%pred. ) mit Ausnahme der Kraftgruppe mit LOX (P5), die sich signifikant um 0,2 l (p = 0,011) bzw. 7,5 %pred. (p = 0,022) verschlechtert, an. Signifikante bis sehr signifikante positive Veränderungen ergeben sich für P1 mit einer Zunahme der Einsekundenkapazität um 0,13 l (p = 0,011) bzw. 5,6 %pred. (p = 0,009) und für P3 mit einer Zunahme der Einsekundenkapazität um 0,2 l (p = 0,018) bzw. 6,8 %pred. (p = 0,013). [...]

Die Sollwerte der einzelnen Trainingsgruppen unterscheiden sich nicht signifikant. Bei allen Trainingsgruppen ist das Residualvolumen deutlich erhöht, bei den sauerstoffpflichtigen Gruppen (P4 bis P6) annähernd um das Doppelte des Sollwertes. Sämtliche Trainingsgruppen ohne Sauerstofflangzeittherapie (LOX) haben zum Testzeitpunkt T1 ein signifikant geringeres Residualvolumen im Vergleich zu P6. Wird das Residualvolumen als Prozentsatz des Sollwertes berechnet, ergeben sich zu Beginn des Trainingsprogramms signifikante Unterschiede zwischen P1 und P2 einerseits und P6 andererseits. Die mittleren absoluten Werte liegen zum Testzeitpunkt T1 zwischen 3,0 l + 0,8 und 5,1 l + 2,0 und die Mittelwerte in Relation zum Sollwert zwischen 136,8 %pred. + 37,3 und 214,6 %pred. + 75,6. Die sauerstoffpflichtigen Gruppen (P4 bis P6) besitzen ein RV > 4 l bzw. > 190 %pred., während die Gruppen P1 bis P3 ein RV zwischen 3,0 l bis 3,2 l bzw. zwischen 137 %pred. bis 141 %pred. aufweisen. Statistisch signifikante Änderungen können im Verlauf der Reha-Maßnahme für keine Trainingsgruppe festgestellt werden. [...]

Die Sollwerte der einzelnen Trainingsgruppen unterschieden sich nicht signifikant voneinander. Die Kraftgruppe (P2) und die Ausdauergruppe mit LOX (P4) unterscheiden sich zu Beginn des Trainings hinsichtlich der IC (%pred. ) signifikant voneinander. Die mittleren Werte liegen zum Zeitpunkt T1 zwischen 1,7 l + 0,7 und 2,4 l + 0,5 bzw. zwischen 66,1 %pred. + 25,1 und 105,0 %pred. + 27,4. Im Verlauf des Trainingsprogramms verbessert sich bei allen Gruppen die IC (l) mit Ausnahme der Gruppen P5 und P6 bzw. die IC (%pred. ) mit Ausnahme der Gruppe P6. Nur die Gruppe P1 verbessert sich signifikant bezüglich der absoluten IC um 0,3 l (p = 0,022) und der relativen IC um 13,0 %pred. (p = 0,015), während sich die Gruppe P3 hinsichtlich der absoluten IC um 0,4 l (p = 0,005) und relativen IC um 16,2 %pred. (p = 0,008) sehr signifikant steigert. [...]

Arbeit zitieren:
Bastian, Kerstin November 2002: Körperliches Training mit COPD-Patienten, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sporttherapie bei Atemwegserkrankungen, Krafttraining, Ausdauertraining, Sporttherapie in der stationären Rehabilitation, Kurzfristige pneumologische Rehabilitationsmaßnahme

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