Die Diskussion um den Emissionshandel in der Europäischen Union
Darstellung und kritische Würdigung
- Art: Staatsexamensarbeit
- Autor: Lars Lürig
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 78 Seiten
- Dateigröße: 422,2 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8115-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8115-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8115-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Lürig, Lars März 2004: Die Diskussion um den Emissionshandel in der Europäischen Union, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Umweltpolitik, Umweltökonomie, Zertifikate, Klimaschutz, Klimapolitik
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Staatsexamensarbeit von Lars Lürig
Einleitung:
Mit der Einführung eines EU-weiten Handels mit CO2-Emissionsrechten für ausgewählte Industriesektoren zum 1.1.2005 kommt ein in der ökonomischen Literatur seit langem als wirksam und effizient eingestuftes Instrument, erstmals international und großflächig zur Anwendung. Das ausgerechnet die Europäer dieses „neue Zeitalter“ internationaler umweltpolitischer Regulierung einläuten, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn anders als z.B. die USA, die 1997 den Emissionshandel quasi zur conditio sine qua non für ihre eigene Teilnahme an einem internationalen Klimaschutzregime machten, standen die Europäer einem solchen Konzept zunächst sehr zurückhaltend gegenüber.
Die vorliegende Arbeit soll diesen erstaunlichen Sinneswandel und die ihn begleitende Diskussion dokumentieren und bewerten. Dazu ist sie grob in zwei Teile eingeteilt. Zu Beginn sollen zunächst naturwissenschaftliche und ökonomische Grundlagen der „Klimaproblematik“ kurz vorgestellt werden.
Anschließend soll eine Übersicht über den internationalen Prozess, der zum Kyoto-Protokoll führte, gegeben werden. Dieses eigentliche Klimaschutzregime ist insbesondere deshalb für die Entwicklung eines europäischen Emissionshandelssystems wichtig, da sowohl die Reduktionsziele der einzelnen Länder übernommen werden, als auch deren wahrscheinliche Nichterfüllung den wichtigsten Auslöser für eine gemeinschaftliche Lösung darstellt.
Die Instrumentendiskussion ist in der umweltökonomischen Literatur bereits ausführlich geführt worden und kann hier nur am Rande behandelt werden. Ganz darauf verzichten möchte ich jedoch nicht, da die dargestellten Vorteile einer Zertifikatslösung gegenüber Auflagen bzw. Abgabenlösung einen nicht unerheblichen Anteil am beschlossenen Paradigmenwechsel in der EU-Umweltpolitik gehabt haben dürften.
Zu Beginn des zweiten Teils wird eine Übersicht der bisherigen klimapolitischen Maßnahmen in der EU und in den einzelnen Mitgliedsstaaten gegeben. Sowohl die wenigen bisherigen gemeinschaftlichen, als auch die zahlreichen einzelstaatlichen Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass ohne zusätzliche Anstrengungen die meisten EU-Staaten ihr „Kyotoziel“ verfehlen würden.
Nachdem die Kommission, als Konsequenz aus dieser Erkenntnis, im Jahr 2000 erstmals ein konkretes Konzept für einen europäischen Emissionshandel vorgelegt hatte, entbrannte eine intensive europaweite Diskussion über das Für und Wider eines solchen Ansatzes. Die Argumente der verschiedenen Akteure sollen vor allem beispielhaft an der Diskussion in der Bundesrepublik verdeutlicht werden. Es wird erkannt, dass die ökonomische Kritik an der Emissionshandelsrichtlinie sich, wie bereits im Eingangszitat von Wolfgang Roth angedeutet, vor allem auf Unternehmensbenachteiligungen im bestehenden Wettbewerb und auf Mehrfachbelastungen mit bestehenden Instrumenten konzentriert. Auf die ebenfalls häufiger geäußerte Ansicht der juristischen Unvereinbarkeit mit bestehendem Recht kann an dieser Stelle aus Platzgründen nicht näher eingegangen werden.
Ich erlaube mir aber die persönliche Bemerkung, dass es hierbei wohl eher um eine grundsätzliche Ablehnung aller, den Status Quo verändernden Maßnahmen geht. Anschließend werden dann die wesentlichen Regelungen der EU-Richtlinie vorgestellt und bewertet. Im Gegensatz zur Richtlinie werden zur Zeit die nationalen Allokationspläne noch „mit heißer Nadel gestrickt“ und die Details, die im Laufe der Anfertigung dieser Arbeit beinahe täglich „durchsickerten“, widersprachen sich zum Teil erheblich (z.B. in Sachen konkrete Teilnehmerzahl, Basisjahr, Anfangsmenge der ausgegeben Lizenzen, Behandlung von Stilllegungen etc) und konnten nur bedingt und nach dem derzeitigen Stand der Dinge, berücksichtigt werden.
Trotz der Vielzahl der eventuell auftretenden Probleme, insbesondere durch unterschiedliche Detailregelungen in den Mitgliedsstaaten, auf die im Folgenden näher einzugehen ist, möchte ich schon zu Beginn meine positive Grundhaltung für einen EU-Emissionshandel nicht verhehlen.
Inhaltsverzeichnis:
| Gliederung | II | |
| Abkürzungen | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Grundlagen | 3 |
| 2.1 | Die Wissenschaft vom Klimawandel | 3 |
| 2.2 | Die Treibhausgase | 3 |
| 2.3 | Auswirkungen der Klimaerwärmung | 5 |
| 2.4 | Die Klimaproblematik aus ökonomischer Sicht | 6 |
| 3. | Internationale Klimaschutzpolitik | 8 |
| 3.1 | Die Klimarahmenkonvention | 8 |
| 3.2 | Das Kyoto-Protokoll | 10 |
| 3.2.1 | Projektbezogene Mechanismen | 12 |
| 3.2.2 | Emissionshandel | 12 |
| 3.3 | Die Vereinbarungen von Marrakesch | 14 |
| 3.4 | Die Beurteilung der Verhandlungsergebnisse | 16 |
| 3.5 | Die Rolle umweltökonomischer Instrumente | 17 |
| 3.5.1 | Ordnungsrechtliche Regulierungen | 18 |
| 3.5.2 | Abgaben | 18 |
| 3.5.3 | Handelbare Zertifikate | 19 |
| 3.5.3.1 | Die Umsetzung von Zertifikatslösungen | 20 |
| 3.5.3.2 | Vorrausetzungen für einen funktionierenden Markt handelbarer Emissionslizenzen | 21 |
| 3.5.3.3 | Probleme handelbarer Emissionslizenzen | 21 |
| 4. | Zwischenfazit | 23 |
| 5. | Klimapolitik in der Europäischen Union | 24 |
| 5.1 | EU-weite Maßnahmen | 24 |
| 5.2 | Maßnahmen in den Mitgliedsstaaten | 26 |
| 5.2.1 | Selbstverpflichtungen | 26 |
| GLIEDERUNG III | ||
| 5.2.2 | Europäische „Ökosteuern“ | 28 |
| 5.3 | Motive für die Entwicklung eines EU-weiten Emissionshandels | 28 |
| 5.4 | Der Fahrplan zum EU-Emissionshandel | 30 |
| 6. | Die Diskussion um einen europäischen Emissionshandel | 30 |
| 6.1 | Umweltschutzorganisationen | 31 |
| 6.2 | Unternehmen und Unternehmerverbände | 31 |
| 6.3 | Europäisches Parlament | 33 |
| 6.4 | Die Diskussion in Deutschland | 33 |
| 6.4.1 | Gegner des Emissionshandels | 34 |
| 6.4.2 | Befürworter des Emissionshandels: Umweltverbände und „pragmatische“ Unternehmen | 35 |
| 6.4.3 | Kompromisse in der AGE | 37 |
| 6.5 | Die wissenschaftliche Diskussion am Beispiel zweier Extrempositionen | 38 |
| 6.5.1 | Die „PRIMES“-Studie | 38 |
| 6.5.2 | „Zertifikatehandel für CO2 Emissionen auf dem Prüfstand“ | 41 |
| 7. | Die Emissionshandels-Richtlinie der EU | 43 |
| 7.1 | Teilnehmende Anlagen | 44 |
| 7.2 | Ausnahmen für teilnehmende Anlagen | 44 |
| 7.3 | Pool-bildung von Anlagen | 45 |
| 7.4 | Zuteilung der Zertifikate | 45 |
| 7.5 | Kontrolle und Sanktionen | 46 |
| 7.6 | Flexible Mechanismen | 47 |
| 7.7 | Banking und Borrowing | 48 |
| 8. | Bewertung des zukünftigen EU-Emissionshandels | 48 |
| 8.1 | Allokationsschwierigkeiten auf der Makroebene | 48 |
| 8.2 | Allokationsschwierigkeiten auf der Mikroebene | 50 |
| 8.3 | Doppeleffekte in Deutschland | 56 |
| 8.4 | Projektbasierte Mechanismen | 60 |
| 9. | Fazit und Ausblick | 61 |
| 10. | Literatur | 66 |
| Schlusserklärung | 73 |
Klimaschutzprogrammen unterschiedlicher Ausprägungen begründet. Kritische Stimmen sehen in der Präferenz zugunsten von Entscheidungen in den Nationalstaaten den Versuch eingespielte Lobbying-Verbindungen zu nutzen. So könnten große Emittenten (auch in Verbindung mit z.B. Gewerkschaften) durch selektive Abgabe von Informationen (Warnung vor Wettbewerbsverzerrungen und Arbeitsplatzabbau) an nationale Politiker und Bürokraten versuchen, möglichst milde Kriterien zu erreichen88. Wie zu erwarten war, sprachen sich fast alle Unternehmen für eine Erstzuteilung auf der Basis von historischen Emissionen aus. Überraschender war schon die generelle Ablehnung von der Möglichkeit eines Opt-outs. Hier hatte man vor allem Bedenken vor Wettbewerbsnachteilen, falls einzelne Sektoren in verschiedenen Ländern teilnehmen oder nicht teilnehmen müssen. Ähnlich kritisch wurde die Möglichkeit eines Opt-ins von Sektoren beurteilt. Eine freiwillige Teilnahme von Emittenten aus den verpflichten Sektoren, die die vorgeschlagene Bezugsgröße [...]
Grandfathering-Verfahrens; Firmen, die einen zukünftigen Rechtehandel gestalten könnten, für eine ausreichende Marktgröße und Liquidität; Gutachter und Beratungsfirmen für strenge Monitor- und Sanktionsmechanismen. Auch wenn einzelne Unternehmen die rechtliche Zuständigkeit der EU anzweifelten, erkannten die meisten von ihnen die Vorteile einer EU-weiten Regelung, da sonst jede einzelne Regierung versucht sein könnte, der eigenen Industrie Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Einige Unternehmen stimmten dem Kommissionsansatz zu, den Emissionshandel zunächst mit den energieintensiven Sektoren zu beginnen. Die meisten jedoch sprachen sich für eine möglichst große Einbeziehung sowohl der einzelnen Sektoren als auch der unterschiedlichen Treibhausgase aus. In der Frage nach der Allokation sprachen sich die meisten Emittenten zwar für einheitliche Behandlung auf EU-Ebene aus, gleichzeitig würde jedoch ebenfalls eine Mehrheit es bevorzugen, wenn die Entscheidungen über die Höhe der „Caps“ der Sektoren und Einzelunternehmen, in den Mitgliedsstaaten fallen würden. Dies wurde allgemein mit den unterschiedlichen Verpflichtungen im Rahmen des BSA als auch mit den existierenden nationalen [...]
Die Reaktionen der Unternehmen ähnelten sich in den Bedenken, dass ein europäisches Emissionshandelssystem Wettbewerbsnachteile bedeuten könnte. Auch wurde befürchtet, dass die Industrie einen unzumutbaren Reduktionsanteil im Vergleich zu anderen Sektoren (z.B. Transport, Haushalte) erbringen muss und es wurden andere Ansätze und Maßnahmen für die nicht am Emissionshandel teilnehmenden Sektoren gefordert. Als bedenklich wurden potenziell ungleiche Belastungen, verursacht durch die unterschiedlichen Minderungsziele des BurdenSharing-Agreement, eingestuft. Die meisten Emittenten und Emittentenverbände akzeptieren inzwischen das Vorsorge bzw. Verursacherprinzip und lehnen Emissionsverringerungen nicht mehr grundsätzlich ab87. Das Ziel, die Kosten dabei möglichst gering zu halten oder sogar noch zusätzliche Renten zu schöpfen, spiegelt dabei nur rationelles Handeln wieder und ist völlig legitim. So sind auch die unterschiedlichen sektorspezifischen Interessen in der Diskussion zu erklären. Die [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832481155
Arbeit zitieren:
Lürig, Lars März 2004: Die Diskussion um den Emissionshandel in der Europäischen Union, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Umweltpolitik, Umweltökonomie, Zertifikate, Klimaschutz, Klimapolitik



