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Direct-to-Consumer-Marketing

Entwicklungsstand und Chancen auf dem deutschen Pharmamarkt

Direct-to-Consumer-Marketing
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jörg Simon
  • Abgabedatum: Dezember 2005
  • Umfang: 157 Seiten
  • Dateigröße: 2,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9648-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9648-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9648-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Simon, Jörg Dezember 2005: Direct-to-Consumer-Marketing, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: DTC, Direct to Consumer, Direct Marketing, Arzneimittel, Pharmamarketing

Diplomarbeit von Jörg Simon

Einleitung:

In unserer heutigen Gesellschaft, in welcher die individuelle Lebensgestaltung sehr ausgeprägt ist und das Gesundheitsbewusstsein der Menschen zunimmt, überträgt sich der Wunsch nach Selbstbestimmung auch auf den medizinischen Bereich. Patienten informieren sich eigenständig über Arzneimittel und vertrauen bei deren Verschreibung nicht mehr allein den Ärzten. Aufgrund dieser zunehmenden Emanzipation der Endverbraucher gewinnt die direkte Patientenansprache im Allgemeinen und somit im verschreibungspflichtigen Sektor das Direct-to-Consumer (DTC)-Marketing immer mehr an Bedeutung. Die pharmazeutische Industrie in den USA investierte im Jahr 2004 bereits 4,1 Mrd. US$ in DTC-Werbemaßnahmen. Damit ist der Bereich ‚DTC‘ in den USA ein bedeutender Faktor beim Absatz rezeptpflichtiger Medikamente. Gerade angesichts der Fragen, ob die Effizienz des Außendienstes hinsichtlich der Ärzteansprache noch gewährleistet ist und die Mediziner weiterhin als die hauptsächlichen Meinungsbildner fungieren, bietet DTC den Pharmaunternehmen die Chance, bisherige Marketingkonzepte neu zu gestalten.

In der pharmazeutischen Industrie in Deutschland ist zurzeit ein abwartendes Verhalten bezüglich einer konsequenten und umfassenden Patientenansprache zu beobachten. Ein Grund dafür ist im Verbot von Werbemaßnahmen für verschreibungspflichtige Medikamente laut der europäischen Direktive 92/28/EWG vom 31. März 1992 zu sehen. Darüber hinaus herrscht kein Konsens über die Wirksamkeit von DTC-Instrumenten und kritische Anmerkungen seitens der Politik oder u.a. von Verbraucherschutzorganisationen gegenüber dem DTC-Marketing erschweren das Vorgehen. Aufgrund dieser Uneinigkeit und Unsicherheit ist es sinnvoll, den Entwicklungsstand und die möglichen Ansätze von DTC zu beschreiben sowie die Chancen und Risiken der direkten Patientenansprache für die Marktteilnehmer aufzuzeigen. Für die deutschen Pharmaunternehmen stellt das DTC-Marketing gegenüber der Vermarktung von rezeptfreien Arzneimitteln relatives Neuland dar. Ihnen sollen daher Empfehlungen bezüglich des DTC-Konzeptes gegeben werden.

Kapitel 2 stellt zunächst das Arzneimittel als ein Produkt mit besonderen Eigenschaften vor. Nach einer folgenden Begriffsklärung und der Einordnung von DTC in das Pharmamarketing werden Ziele des DTC-Konzeptes genannt und begründet, warum DTC als Strategie aufgefasst werden kann. Da die Erfahrungen von DTC in anderen Staaten bei der Konzeption von DTC-Maßnahmen für den deutschen Markt berücksichtigt werden sollten, wird in Kapitel 3 die internationale Entwicklung, besonders von DTC-Werbung als ein Bereich des Direct-to-Consumer-Marketing, dargestellt. In Kapitel 4 werden zunächst der deutsche Pharmamarkt sowie die Markteilnehmer und deren Einstellungen charakterisiert. Aufbauend auf diesen und den rechtlichen Rahmenbedingungen werden die in Deutschland möglichen DTC-Instrumente beschrieben und die Ergebnisse der im Rahmen dieser Arbeit durchgeführten Befragung von Vertretern der Pharmabranche sollen helfen, den Entwicklungsstand von DTC zu deuten.

In Kapitel 5 werden Auswirkungen sowie Vor- und Nachteile von DTC wiedergegeben und Kapitel 6 beinhaltet Empfehlungen für die Pharmaunternehmen, welche DTC-Maßnahmen implementieren wollen oder bereits umsetzen. Diese beiden Kapitel greifen wichtige Punkte, die in der Arbeit zuvor angesprochen werden, zur Verdeutlichung auf und präsentieren weitere Argumente und Ratschläge.

Inhaltsverzeichnis:

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS V
ABBILDUNGSVERZEICHNIS VI
1. MOTIVATION UND AUFBAU DER ARBEIT 1
2. GRUNDLAGEN 2
2.1 Das Arzneimittel als zu bewerbendes Produkt 2
2.2 DTC – Eine Begriffsklärung 3
2.3 Einordnung von DTC in das Pharmamarketing 6
2.4 Ziele von DTC 8
2.5 DTC als Strategie 10
3. INTERNATIONALE ERFAHRUNGEN MIT DTC 11
3.1 DTC in den USA 11
3.1.1 Marktspezifische Rahmenbedingungen 11
3.1.1.1 Das Gesundheitssystem in den USA 11
3.1.1.2 Der Pharmamarkt in den USA 12
3.1.2 Entwicklung von DTC-Werbung und politisch-rechtliche Rahmenbedingungen 13
3.1.2.1 Historische Entwicklung 13
3.1.2.2 Formen von DTC-Werbung 16
3.1.2.3 Verstöße gegen DTC-Richtlinien 17
3.1.2.4 Entwicklung der DTC-Werbeausgaben 18
3.1.3 Entwicklungsstand und Ausblick 20
3.2 DTC in Neuseeland 23
3.2.1 Staatliche Regulierung und industrielle Selbstkontrolle 23
3.2.2 DTC-Werbeausgaben 24
3.2.3 Ausblick 25
4. DTC IN DEUTSCHLAND 26
4.1 Rahmenbedingungen 26
4.1.1 Der deutsche Pharmamarkt 26
4.1.1.1 Ökonomische Einordnung und Entwicklung des Marktes 26
4.1.1.2 Zulassung, Klassifizierung und Preisbestimmung von Pharmazeutika 28
4.1.1.3 Marktstruktur 30
4.1.1.4 Marktteilnehmer 31
4.1.1.4.1 Die pharmazeutische Industrie als Hersteller 31
4.1.1.4.2 Krankenversicherer als Leistungsfinanzierer 32
4.1.1.4.3 Großhandel und Apotheken als Absatzmittler 34
4.1.1.4.4 Ärzte als Leistungserbringer 35
4.1.1.4.5 Patienten als Leistungsempfänger und als Zielgruppe von DTC 36
4.1.1.4.6 Der Staat als Regulator 41
4.1.1.4.7 Weitere Marktteilnehmer 42
4.1.1.5 Das klassische Produkt-Marketing 43
4.1.1.6 Anforderungen an das künftige Pharmamarketing 44
4.1.2 Rechtliche Rahmenbedingungen 46
4.1.2.1 Das Heilmittelwerbegesetz 47
4.1.2.1.1 Darstellung wichtiger Paragraphen 47
4.1.2.1.2 Konsequenzen 48
4.1.2.1.3 Letzte Entwicklungen 49
4.1.2.1.4 Überwachung der Vorschriften und Vorgehen bei Verstößen 50
4.1.2.2 Entwicklungen auf europäischer Ebene 52
4.2 Entwicklungsstand und DTC-Instrumente 54
4.2.1 DTC-Ansätze und -Maßnahmen 55
4.2.1.1 Ansätze im Rahmen der Markenpolitik 55
4.2.1.2 Public Relations 56
4.2.1.3 Werbung 58
4.2.1.4 Informations- und Servicematerialien 60
4.2.1.5 Ansätze im Rahmen von Patient-Relationship-Management 60
4.2.1.6 Informationsveranstaltungen und Seminare 61
4.2.1.7 Ansätze im Rahmen von Disease und Case Management 62
4.2.1.8 Ansätze im Internet 63
4.2.1.9 DTC mittels Selbsthilfegruppen 65
4.2.1.10 Direct-from-Consumer und Marktforschung 66
4.2.2 Integration verschiedener Maßnahmen 67
4.2.3 Befragung von Pharmaunternehmen 68
4.2.3.1 Zweck und Stichprobe der Untersuchung 68
4.2.3.2 Aufbau des Fragebogens 69
4.2.3.3 Ergebnisse der Befragung 70
4.2.3.4 Resümee 72
5. DAS FÜR UND WIDER VON DTC 73
5.1 Auswirkungen auf die Patienten 74
5.2 Auswirkungen auf die Ärzte und das Arzt-Patienten-Verhältnis 77
5.3 Auswirkungen auf das Gesundheitswesen 79
5.4 Vor- und Nachteile für die Pharmaindustrie 82
6. EMPFEHLUNGEN FÜR DIE PHARMAUNTERNEHMEN 84
6.1 Voraussetzungen für DTC 85
6.1.1 Indikationsbezogene Voraussetzungen 85
6.1.2 Markt- und produktbezogene Voraussetzungen 85
6.1.3 Unternehmensbezogene Voraussetzungen 86
6.2 Anforderungen an DTC 87
6.2.1 Anforderungen bei der Planung eines DTC-Konzeptes 87
6.2.2 Anforderungen bei der Gestaltung einzelner DTC-Maßnahmen 88
6.2.3 Einbeziehung der Marktpartner 89
6.2.4 Kontrolle der DTC-Maßnahmen 90
7. FAZIT UND AUSBLICK 91
ANHANG 93
A. Kennziffern bezüglich der Gesundheits- und Arzneimittelausgaben ausgewählter Industrieländer 94
B. Beispiele für DTC-Anzeigen in den USA 95
C. Gesetzestexte und Richtlinien 96
D. Ausdrucke von Internetseiten 114
E. US-Studien hinsichtlich des von DTCA beeinflussten Konsumentenverhaltens 117
F. Fragebogen mit Antworten 119
LITERATURVERZEICHNIS 128
EHRENWÖRTLICHE ERKLÄRUNG 150

Automatisiert erstellter Textauszug:

Infizierte zum richtigen Umgang mit Medikamenten sowie zu einer optimistischen Lebenseinstellung ermutigt und Gesunde zur Prävention durch Kondome aufgefordert wurden. Neben einer ganzen Reihe ähnlicher Anzeigen, in denen jeweils HIV-Infizierte zu Wort kamen, wurde eine Fachwerbekampagne bei Ärzten parallel durchgeführt, welche für verschiedene HIV-Medikamente von GlaxoSmithKline warb. Somit konnte das Unternehmen effektiv den Absatz seiner Produkte fördern.366 Neben dem Zuspruch, den diese Kampagne z.B. durch HIV-Infizierte bekam, meldeten sich auch Kritiker zu Wort, wie z.B. Prof. Jo Groebel, Generaldirektor des Europäischen Medieninstituts, welcher der Kampagne die Verharmlosung des Virus vorwarf, weil u.a. Anzeigen-Aussagen wie ‚Wahnsinn, wie viel mehr Du auf einmal mitkriegst‘ oder ‚Ich hatte früher kein so tolles Leben‘ die Nichtinfizierten von einer Prävention abhalten kann.367 Das rechte Bild zeigt eine Disease-Education-Anzeige im Zusammenhang mit dem darin nicht genannten Präparat ‚Fosamax‘ von MSD Sharp & Dohme mit der prominenten Unterstützung von Rosi Mittermaier, um auf die Krankheit Osteoporose bei Frauen aufmerksam zu machen. Mit Hilfe von gegeben ResponseMöglichkeiten wie Telefonnummern und beigefügten Antwortkarten konnten Interessierte weitere Informationen erhalten und es wurde ein weiterführender Dialog aufgebaut. Dabei waren 90% der Teilnehmerinnen auch an Osteoporose erkrankt.368 Ferner kann rechtlich erlaubte DTC-Werbung neben Print-Anzeigen durch Fernsehen, Hörfunk, Internet, durch Aushänge und Broschüren in Arztpraxen, durch Außenreklamen oder im Rahmen von Direct Marketing-Maßnahmen (z.B. zur Beantwortung von Telefonanfragen) umgesetzt werden. Da gerade bei den Massenmedien wie Fernsehen und Zeitschriften die Streuverluste groß sein können,369 und weil bei generischen Aufklärungskampagnen vor allem die Marktführer im jeweiligen Indikationsbereich profitieren,370 muss bei den einzelnen Indikationsgebieten und von Hersteller zu Hersteller entschieden werden, ob und welche DTC-Werbemaßnahmen sich rentieren. Hinsichtlich der Werbeausgaben für [...]

nis für das Unternehmen,357 was sich z.B. positiv auf die Markenbildung oder auf den Absatz auswirken kann. Nach Haas ist die zentrale Aufgabe von PR im Pharmabereich der Markenaufbau, welcher nach Glaubwürdigkeit verlangt. Unternehmen sollten sich zuerst auf PR-Maßnahmen konzentrieren, bevor andere Kommunikations-Aktivitäten initiiert werden.358 PR fördert wie die Produktwerbung den Absatz ohne diverse Nachteile dieser Werbung aufzuweisen: Beispielsweise wird produktbezogene DTC-Werbung in den USA von vielen Personen als eine Hauptursache der hohen Preise der Markenprodukte gesehen und die Vorschrift, Nebenwirkungen zu nennen, beeinträchtigt die Übermittlung der Werbebotschaft. Ferner sind PR-Maßnahmen meist preiswerter als Werbung und offerieren eine detailliertere und ausgewogenere Gesundheitsaufklärung. Sie erreichen neben den einzelnen Patienten viele Gruppen der Gesellschaft wie Gesetzgeber, Ärzte und Patientenorganisationen.359 Zu den Instrumenten von Public Relations gehören u.a. die Medienarbeit mit Presse, Rundfunk und Fernsehen, die Ausgabe von Informationsmaterialien, die Organisation von Konferenzen und Veranstaltungen sowie Internetauftritte.360 Gerade ein Vorteil der Medienarbeit ist es, dass im redaktionellen Teil der Medien verschreibungspflichtige Produkte genannt werden dürfen. Zudem sehen Konsumenten diese Form der Kommunikation neutraler und damit positiver als Werbung an. Wichtig für die erfolgreiche Medienarbeit ist der Aufbau eines kontinuierlichen Dialogs mit den Redaktionen, regelmäßige Versendung von Presseinformationen und Abhaltung von Pressekonferenzen, die z.B. Neuzulassungen und Studienergebnisse kommunizieren. Ebenso ist die Bereitstellung eines Pressefotoarchivs zweckmäßig, um eventuell Werbebotschaften visuell übermitteln zu können, zumal Redaktionen aus finanziellen Gründen oft auf eigene Fotoproduktionen verzichten. Auch Vorproduktionen für Hörfunk- und Fernsehsendungen wie z.B. Interviews mit Experten oder Trickanimationen von Wirkmechanismen sollten in Erwägung gezogen werden.361 An dieser Stelle soll auch die Möglichkeit von so genannten ‚Patient Channels‘, wie sie in USamerikanischen Kliniken vorzufinden sind und Ratgebersendungen zur Gesund357 358 [...]

Maßnahmen, die der Markenbildung und Kundenloyalität dienen. Hierzu können u.a. Patienten-Beziehungsmanagement-Programme oder Informationstouren gezählt werden. Bei ethischen Medikamenten kann es besonders wichtig sein, das Unternehmen als Marke zu etablieren. Denn Unternehmensmarken können beispielsweise bei Disease-Education Advertisements genannt und durch Public Relations rechtlich unproblematisch kommuniziert werden. Zusätzlich sollte erreicht werden, dass die Konsumenten eine Verbindung zwischen Unternehmensmarke und Produktmarke herstellen können. Ein positiver Imagetransfer kann durch ein ‚Corporate Design‘ unterstützt werden, z.B. durch die visuelle Anpassung der Informationsmaterialien, der Unternehmensmarke und der Verpackungen der Produkte oder durch die Verwendung gleicher Namensbestandteile in Produkt- und Unternehmensbezeichnungen. Ebenso helfen der Markenpolitik Internetangebote wie z.B. ‚Medworld‘353 des Unternehmens Boehringer Ingelheim. Hier werden durch die Kommunikationsplattform die Marke ‚Medworld‘ selbst, die Marke des Unternehmens und die Indikationsgebiete und Wirkstoffe firmeneigener Produkte in Verbindung gebracht.354 Ein Instrument der Markenpolitik ist die Nutzung von Abstrahlungseffekten. Das kann zum einen die gerade beschriebene Übertragung des Unternehmensimages auf die Produkte sein. Zum anderen können ein positives Markenimage und Kundenloyalität bei OTC-Produkten auf verschreibungspflichtige Präparate projektiert werden.355 Zufriedene Patienten der Selbstmedikation fragen somit eventuell beim Arzt nach einem rezeptpflichtigen Medikament des gleichen Unternehmens nach. Daher kann es von Vorteil sein, auch bei OTC- und RxProdukten ein Corporate Design zu verwenden. Hier wären als Beispiel die rezeptfreien und -pflichtigen Produkte des Generika-Herstellers Ratiopharm zu nennen. 4.2.1.2 Public Relations [...]

Arbeit zitieren:
Simon, Jörg Dezember 2005: Direct-to-Consumer-Marketing, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
DTC, Direct to Consumer, Direct Marketing, Arzneimittel, Pharmamarketing

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