Direct-to-Consumer (DtC): Historische Entwicklung und Möglichkeiten auf dem deutschen Pharmamarkt
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Daniel Bülhoff
- Abgabedatum: März 2004
- Umfang: 93 Seiten
- Dateigröße: 597,7 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Technische Universität Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8201-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8201-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8201-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bülhoff, Daniel März 2004: Direct-to-Consumer (DtC): Historische Entwicklung und Möglichkeiten auf dem deutschen Pharmamarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Pharmamarketing, Pharmawerbung, Direct-to-Consumer-Advertising, Pharmakommunikation, Patientenkommunikation
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Diplomarbeit von Daniel Bülhoff
Zusammenfassung:
Die pharmazeutische Industrie sieht sich zu Beginn des neuen Jahrtausends einer Vielzahl von Problemen gegenüber gestellt. Auslaufende Schutzfristen und Patente für die bereits auf dem Markt eingeführten Präparate, generelle Positionierungs- und Penetrierungsprobleme für neue Therapiekonzepte sowie das hohe finanzielle Risikopotenzial bei der Erforschung und Entwicklung innovativer Medikamente sind nur ein Teil dieser Problematik.
Trotz Fusionen und Kooperationsstrategien der global agierenden Pharmaunternehmen wird die Situation auf dem Pharmamarkt immer schwieriger. In den nächsten zwei Jahren verlieren über 50% der 100 Top Produkte ihren Patentschutz und fallen als wesentliche Einnahmequelle für die Hersteller weg. Angesichts der immensen F&E-Ausgaben sind die Hersteller versucht, vorrangig sog. „Blockbuster“-Medikamente mit einem Umsatz im ersten Jahr von 1 Mrd. US-Dollar auf dem Markt zu bringen.
Die bei der Einführung entstehenden Kosten übersteigen oftmals die F&E-Ausgaben. Relativ hohe Margen von mehr als dreißig Prozent, die auch kritisiert werden, sind zu einem gewissen Teil notwendig, um als Ausgleich das hohe Risiko bei der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung zu kompensieren. Zudem besteht insbesondere in den USA ein riesiges Verlustpotenzial durch Medikamente, die sich nachträglich tatsächlich oder sogar nur angeblich als gesundheitsschädigend erweisen. Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe, wie einer der jüngeren Fälle mit ‚Lipobay’ von Bayer zeigt, sind nichts Ungewöhnliches.
Die in der EU weitaus stärkeren und strikteren Eingriffe in das Gesundheitswesen und den Markt für ethische (verschreibungspflichtige) Medikamente als in den USA bilden auf dem europäischen Markt ein zusätzliches Risiko. Mit den gesteigerten Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen und dem massiven Kostendruck bei der Entwicklung, Zulassung und Einführung eines Medikaments auf dem Absatzmarkt rückt auch die Bedeutung von Kommunikation und Marketing zwischen Hersteller und seinen möglichen Abnehmern immer weiter in den Vordergrund.
An der Debatte um mögliche Kommunikationsformen sind Mediziner, medizinische Fachorganisationen, Patientenverbände und -hilfsorganisationen, Verbraucherschützer, verschiedenste Kommissionen und Vereinigungen auf EU- wie auf nationaler Ebene, Patienten sowie auch die Hersteller beteiligt. Es herrscht vor allem jedoch Uneinigkeit über die Vorzüge und Nachteile von direkt auf den Konsumenten gerichteten Werbe- und Kommunikationsstrategien, kurz DTC-Kommunikation (Direct-to-Consumer).
In den USA wie auch in Neuseeland, in denen DTC-Werbung seit Beginn der 80er ein Thema ist, wird mittlerweile eine kontroverse Diskussion über die Auswirkungen von DTC auf die Branche geführt. Die Ausgaben für DTC-Kommunikation sind seit geraumer Zeit überproportional im Verhältnis zu den restlichen Werbeausgaben gestiegen, was als Indikator für die von der Industrie beigemessene Wichtigkeit gewertet werden könnte. Deshalb stellen sich angesichts dieses Trends auch für Deutschland bzw. die Europäische Union (EU) verschiedene Fragen: Soll die Gesetzgebung gelockert oder sogar dem amerikanischen Vorbild angepasst werden? Lassen sich DTC-Konzepte aus den USA einfach nach Europa transferieren? Herrscht in Europa ein anderes Verständnis von Verbraucherschutz und dem Ausmaß des Entgegenkommens auf die Interessen der Hersteller? Schützt die deutsche bzw. europäische Gesetzgebung den Verbraucher wirklich oder bevormundet sie ihn eher? Lässt sich DTC überhaupt angesichts der Möglichkeiten des Internets aufhalten und inwieweit werden DTC-Maßnahmen bereits umgesetzt?
Trotz des unterschiedlichen Aufbaus des amerikanischen und europäischen Gesundheitssystems, vor allem in der Finanzierung, wird davon ausgegangen, dass sich Implikationen und Erfahrungen mit DTC aus den USA auch in Europa niederschlagen würden. Ob dies realistisch ist, kann derzeit nicht beantwortet werden.
Da rezeptpflichtige Präparate das wachstumsstärkste und profitabelste Segment in der Branche ausmachen, stellt sich auch unter der Annahme, dass DTC weiterhin keine Option in Deutschland sein wird, die Frage, welche generellen Kommunikationsmaßnahmen ergriffen werden können. Dabei sollen rechtliche Rahmenbedingungen, der Schutz des Verbrauchers wie auch die Interessen der Pharmaunternehmen berücksichtigt werden.
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, einen ausführlichen Überblick über DTC-Kommunikation in der Pharmabranche zu geben und die unterschiedlichen Positionen und Meinungen der Beteiligten differenziert zu überprüfen. Vorrangig werden aufgrund des Mangels an deutschen Quellen angloamerikanische Studien zur Analyse und Bewertung von DTC und seinen Auswirkungen herangezogen.
Das 2. Kapitel beginnt mit der Beschreibung der Ausgangslage von DTC für die Hauptbeteiligten. Nach einem Definitionsversuch und der Beschreibung der verschiedenen Arten und Regularien von DTC wird die internationale Entwicklung in den USA sowie Neuseeland geschildert. Im 3. Kapitel wird die aktuelle Situation in Deutschland und der EU vorgestellt. Hier wird vor allem auf den rechtlichen Rahmen in Deutschland eingegangen, gefolgt von einer Darstellung der möglichen und genutzten Formen der Patientenansprache seitens der Hersteller. Anschließend folgt eine kritische Auseinandersetzung mit den Argumenten für und gegen DTC. Gegenstand des 4. Kapitels bilden die Informations- und Kommunikationsbeziehungen zwischen Arzt und Patient sowie zwischen Herstellern und Ärzten. Im 5. Kapitel werden innovative Formen der Patientenansprache vorgestellt, die teilweise bereits eingesetzt werden, jedoch ausbaufähig und optimierbar sind. Besonderer Fokus liegt hier auf den Möglichkeiten und dem Potenzial des Internets. Zum Abschluss wird aus den vorangegangenen Ausführungen ein Fazit gezogen und ein Ausblick für die weitere Entwicklung von DTC gegeben.
Wenn im Rahmen dieser Arbeit von DTC-Maßnahmen jedweder Art gesprochen wird, beziehen sich diese Ausführungen ausschließlich auf den Markt für ethische Medikamente, falls nicht anders angegeben.
Inhaltsverzeichnis:
| Abkürzungsverzeichnis | I | |
| Abbildungs- und Tabellenverzeichnis | III | |
| Anhangsverzeichnis | IV | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Ausgangslage von DTC | 3 |
| 2.1 | Begriffsdefinition | 5 |
| 2.2 | Drei Arten von DTC | 6 |
| 2.3 | Regularien der drei Anzeigentypen | 8 |
| 2.4 | Internationale Erfahrungen | 10 |
| 2.4.1 | DTC in den USA | 10 |
| 2.4.2 | DTC in Neuseeland | 18 |
| 2.4.3 | Erfolg von DTC-Werbung | 22 |
| 3. | Aktueller Stand in Deutschland und der EU | 24 |
| 3.1 | Rechtliche Situation in Deutschland | 24 |
| 3.2 | Genutzte Formen der Patientenansprache durch Pharmaunternehmen | 30 |
| 3.3 | Pro und Contra | 33 |
| 4. | Informations- und Kommunikationsverhalten | 40 |
| 4.1 | Arzt-Patienten-Verhältnis | 40 |
| 4.2 | Kommunikation Pharmahersteller und Ärzte | 44 |
| 5. | Innovative Formen der Patientenansprache | 49 |
| 5.1 | Public Relations | 49 |
| 5.2 | Internet-Informationen | 50 |
| 5.3 | Einsatz alternativer Marketinginstrumente und Formen | 55 |
| 6. | Fazit & Ausblick | 60 |
| Literaturverzeichnis | V | |
| Anhang | XVII |
wohnheiten als bessere und günstigere Variante nicht ausreichend berücksichtigt, stattdessen eine Verschreibung von ‚Xenical’ in Betracht gezogen (Ministry of Health New Zealand 2000, S. 16). Ebenfalls wird angeführt, dass die DTCAufwendungen zwar gelegentlich den Umsatz des Präparats erhöhen, aber dadurch auch höhere Marketingausgaben entstehen. Diese müssten zwangsläufig auf d en Konsumenten abgewälzt werden (FUHRMANS/NAIK 2002, S. 2). Befürworter halten diesem letzten Argument entgegen, dass als Folge von DTC die Wettbewerbsintensität zwischen den Herstellern steigen würde und demnach die Preise für ethische Präparate eher sinken würden (KAPLAN 2002, S. 7). MASIA legte im September 2003 bei einer FDA-Anhörung zum Thema DTC Ergebnisse einer aktuellen Studie der Kaiser Family Foundation von 2003 vor, wonach DTC eindeutig nicht als Hauptfaktor für gestiegene Arzneimittelausgaben zu identifizieren sei. Demnach ist DTC nur zu 12% für den Anstieg verantwortlich. Neue Produkte, erhöhter Verbrauch existierender Präparate, gesunkene Schwellen zur Behandlung, eine alternde Bevölkerung, Preisänderungen und noch andere Faktoren ergeben die verbleibenden 88% (MASIA 2003, S. 4 und ROSENTHAL et al. 2003). FINDLAY (2001, S. 7) nennt einige diesen Faktoren zugrunde liegende Antriebskräfte, die den Ausgabentrend mitbeeinflussen: • Bessere Versicherungsleistungen für Medikamente mit geringeren Zuzahlungen seitens der Patienten, welche Ärzte wie Konsumenten gewissermaßen preisunempfindlicher machen • • • Die erhöhte Anzahl verfügbarer rezeptpflichtiger Medikamente, insbesondere für chronische Erkrankungen wie Diabetes, Asthma und Arthritis Verstärktes Auftreten dieser chronischen Erkrankungen bei der älteren Bevölkerung Dominanz von teureren Markenpräparaten auf dem Markt gegenüber günstigeren Generika (rezeptpflichtige Generika machten 2000 nur 9% des Gesamtabsatzes von rezeptpflichtigen Präparaten aus) • Schließlich auch die aggressiveren Vermarktungs- und Marketingmethoden gegenüber Ärzten und Patienten Das NIHCM zählt noch einen weiteren Faktor auf. Viele Pharmahersteller versuchen die Alleinverkaufsrechte bzw. Patente für ihre Präparate dadurch zu verlän- [...]
Dem in d) genannten Argument werden die in 3.2 bereits angesprochenen gestiegenen Ausgaben durch häufiger frequentierte Ärzte entgegen gehalten. Zudem wird befürchtet, dass massenhaft Hypochonder produziert werden u bei geringstem nd Verdacht einer Erkrankung sofort der Arzt konsultiert wird (MANSFIELD 1999, S. 11). Bei der Untersuchung der Henry J. Kaiser Family Foundation wurde festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit der Konsultation des Arztes nach dem Kontakt mit DTC auch von der Betroffenheit der Person abhängt. Für Personen, die selbst von einer Krankheit betroffen sind oder jemandem nahe stehen, der erkrankt ist, ist es zweimal so wahrscheinlich, dass sie den Arzt bezüglich des Präparats oder des Krankheitsbildes aufsuchen oder sich zusätzliche Informationen besorgen (siehe Abb. 9) (Henry J. Kaiser Family Foundation 2001, S. 5). [...]
Ein weiterer wichtiger Punkt in der Informationsdebatte ist das sog. „Disease Mongering“ (wörtlich übersetzt: Krankheitshandel). Darunter versteht man das Schaffen gänzlich neuer Krankheiten in der Wahrnehmung der Patienten. Beteiligte sind die Pharmahersteller, Ärzte und Patientenorganisationen, die durch Nutzung und intensiven Einsatz der Medien neue Märkte für ihre Produkte kreieren wollen. In verschiedenen Kategorien wird vorgeblich versucht, Aufmerksamkeit für s elten diagnostizierte und nicht ausreichend behandelte Krankheiten zu wecken. Dies geht dann teilweise so weit, dass gewöhnliche, einfache Beschwerden und unauffällige Symptome zu großen medizinischen Problemen erklärt werden und dadurch Furcht vor Krankheiten bzw. Gesundheitszuständen bei den Verbrauchern geschürt wird. Zur Behandlung dienen dann entsprechende Präparate aus dem eigenen Portfolio (MOYNIHAN et al. 2002, S. 886). Zu b) und c) sollte man festhalten, dass der Konsument mit Sicherheit das Recht hat, über verfügbare Präparate informiert zu sein, und dass er durch mehr Information vermutlich stärker an Entscheidungsprozessen bezüglich seiner Gesundheit beteiligt wird. Allerdings ist dem entgegenzuhalten, dass viele Konsumenten nicht über ausreichend spezifisches Fachwissen verfügen und somit Missverständnisse vorprogrammiert sind. Gerade in der Fernsehwerbung ist aufgrund der zeitlichen Begrenzungen das potenzielle Risiko für unvollständige und nicht ausgewogene Informationen vorhanden. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass teilweise wenig bis gar nicht über Alternativpräparate oder -behandlungsformen informiert wird außer über solche desselben Herstellers (Ministry of Health 2000, S. 13). Dieser Informationsmangel ist nicht verwunderlich – es handelt sich im Endeffekt um Werbung und ihre Funktion im Konkurrenzkampf und nicht um öffentliche Information. Dass ein Hersteller bei der Bewerbung nicht auf Alternativpräparate der Konkurrenz verweist, ist durchaus nachvollziehbar (SAUNDERS 2003, S. 13). SHINDE et al. führen zu Recht an, dass die bloße Übermittlung von Informationen nicht automatisch mit der Vermittlung nützlicher Kenntnisse an die Patienten gleichzusetzen ist. Die Frage, ob die durch DTC übermittelten Informationen die genannten aufklärerischen und bildenden Zwecke für die Patienten erfüllen, hängt in höchstem Maße von der Qualität der präsentierten DTC-Werbung bzw. Information ab. Entscheidend ist, wie die Information kommuniziert wird, wie sie aufgenommen wird und wie der Patient mit ihr umgeht (SHINDE et al. 1999, S.48). [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832482015
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Bülhoff, Daniel März 2004: Direct-to-Consumer (DtC): Historische Entwicklung und Möglichkeiten auf dem deutschen Pharmamarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
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Pharmamarketing, Pharmawerbung, Direct-to-Consumer-Advertising, Pharmakommunikation, Patientenkommunikation



