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Multimediale Kunsttherapie im Rahmen einer Christlichen Lebensberatungsstelle

Multimediale Kunsttherapie im Rahmen einer Christlichen Lebensberatungsstelle
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Hella Keller
  • Abgabedatum: Juni 2002
  • Umfang: 50 Seiten
  • Dateigröße: 378,1 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Österreichischer Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik Österreich
  • Bibliografie: ca. 36
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1939-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Keller, Hella Juni 2002: Multimediale Kunsttherapie im Rahmen einer Christlichen Lebensberatungsstelle, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Menschenbild, Kunsttherapie, Atem und Klang, Musiktherapie, Paarberatung

Diplomarbeit von Hella Keller

Einleitung:

Als Dipl. Sozialarbeiterin, Dipl. Seelsorgerin und konzessionierte Lebens- und Sozialberaterin führe ich seit Beginn des Jahres 2001 eine ‘Beratungswerkstatt für Lebensfragen’.

Da ich seit Beginn 2000 in der Ausbildung zur Multimedialen Kunsttherapeutin stehe, verwende ich in zunehmendem Maße Methoden aus dieser Ausbildung.

Mit dieser Projektarbeit möchte ich die Verwendung multimedialer Kunsttherapie im Rahmen von Einzelfallarbeit, Paarberatung, Gruppenarbeit und einem Praktikum in einer Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik darstellen.

Zusammenfassend möchte ich feststellen, dass die Anwendung Multimedialer Kunsttherapie in allen Feldern meiner Beratungstätigkeit und Erwachsenenbildungsarbeit eine sehr große Bereicherung darstellt.

Inhaltsverzeichnis:

1. Menschenbild 1
2. Kunsttherapie: Begriffsdefinitionen 7
3. Praxis: Kunsttherapie in der Einzelberatung 10
3.1. Atem und Klang 10
3.2. Wort als Therapie 11
3.3. Musiktherapie als sozial - kommunikatives Erfahrungsfeld 13
3.4. Kunsttherapie bei Stresspatienten 16
4. Praxis: Kunsttherapie in der Paarberatung 20
5. Praxis: Kunsttherapie in der Gruppenarbeit 24
5.1. Workshop: Begegnung 24
5.2. Workshop: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen 30
5.3. Workshop: Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung 34
6. Praktikum 42
7. Literaturverzeichnis 50

Textprobe:

Kapitel 3, Kunsttherapie in der Einzelberatung:

Wenn Menschen mit anderen Menschen Probleme haben, bietet sich in der integrativen Arbeit einer Lebensberatungsstelle Multimediale Kunsttherapie als Möglichkeit an, solche Beziehungsschwierigkeiten genauer anzusehen.

Kunsttherapeutische Methoden ermöglichen ein Probehandeln, ein Ausprobieren von Versuch und Irrtum, geben Raum für eigenes kreatives Suchen under-finden von Problemlösungsmöglichkeiten, geben Raum für eigenes Schaffen im umfassenden Sinn und lassen eigene Ressourcen wieder aufsteigen und erkennbar werden.

Atem und Klang:

Näphäsh (hebr.) = Seele im Sinne von Rachen, Gurgel, Kehlkopf, Stimmapparat Im Rachenraum entsteht die Stimme, mit der der Mensch Kommunikation aufnehmen kann mit dem Schöpfer und seinen Mitmenschen; zugleich ist der Rachenraum engstens verbunden mit dem Hörorgan, das zum Hören, Horchen, Gehorchen dient.

Unser ganzes materialhaftes Dasein ist Schwingungskörper, ist Resonanzraum für den Atem, der, von Gott geschenkt, über unsere Stimmbänder streicht und uns zum Klingen bringen will – als ‘ein Gott Antwortender’- als unsere Bestimmung.

ÜBUNG: Atmen:

Ruach (hebr.), der Atem ist der existenziellste Ausdruck unserer Lebendigkeit.

Atmen – um in das Hier und Jetzt zu kommen, dem Schnittpunkt von Zeit und Ewigkeit - das kann einen katarrthischen Prozeß einleiten.

Entspannungsübung: Leise Hintergrundmusik ‘In the Beginning’, Simeon & John.

Wir suchen uns einen Ort in diesem Raum, an dem wir uns für eine Weile wohlfühlen können und lassen uns nieder, strecken uns aus und finden eine Körperhaltung, in der wir möglichst entspannen können.

Anleitung zu einer christlichen Meditation:

‘Als Gott den Menschen schuf, hauchte ER ihm seinen lebendigen Odem ein und der Mensch ward eine lebendige Seele. Gottes Odem also ist es, der uns zu einer lebendigen Seele macht; nimmt ER ihn zurück, sind wir alle tot. Durch unser Atmen sind wir also alle mit dem lebendigen Gott verbunden.

Stellen sie sich vor, sie atmen dieselbe Luft ein wie ER, der Herr aller Schöpfung.

Mit diesem schönen Gedanken können wir also wirklich tief einatmen, so tief wie wir.

nur irgendwie können, und uns Lebendigkeit holen, Kraft und Freude, Mut und Hoffnung, uns auftanken, unsere Lungen, unser Herz, unser Bauch, bis hinunter in unseren Beckenboden darf seine Lebendigkeit kommen und uns füllen mit Sauerstoff und Vertrauen; Gottes Fülle ist leicht, ohne Mühe wird sie geschenkt.

Im Ausatmen lassen wir los, all das, was uns schwer ist, was uns zuviel ist, was uns Angst und Sorge macht, den Ärger mit unserem Nächsten, die Mühen mit unseren Kindern und Ehemännern oder Vorgesetzten, bei Gott dürfen wir alles abladen, und leicht werden.

FALLGESCHICHTE:

Ein 55 jähriger Geschäftsmann erzählt: ‘Wenn ich nach Hause komme, gestresst, verspannt und erschöpft, bin ich unfähig, mich meiner Frau und meiner Familie zu widmen, so gerne ich das auch vom Kopf her möchte.

Nun habe ich gelernt, wie ich mich als Christ entspannen kann. Nach dieser Atem – Meditation fühle ich mich wie neu geboren. Alle meine Last habe ich auf Jesus geworfen; ich weiß, er sorgt für mich. Neue Kraft und Zuversicht, Leichtigkeit, Freude und Lebendigkeit erfüllen mich bis hinein in meine Fußspitzen und ich darf mich meinen Mitmenschen wieder zumuten’.

Wort als Therapie:

‘Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.’ (Joh. 15,3). Das Wort, das durch ein weises Herz gegangen ist, das aus der rechten Gehirnhälfte kommt. Das Wort das mit Bedacht geformt worden ist. Das Wort ist eine Kunst, die heilen kann’.

Durch diesen Gestaltungsvorgang werden die Einbildungskraft und die Gedanken in eine Sprache übersetzt, deren Bestandteile nicht nur linear informieren, sondern die durch Wiederholung, Auslassung, bildhafte Umschreibung die Phantasie des Lesers oder Hörers aktivieren. Dies entspricht dem, was Watzlawick als ‘die Sprachstrukturen der rechten Gehirnhälfte’ bezeichnet.

In allen alten Kulturen war die Rhetorik ein wichtiger Bestandteil der richtigen Lebensweise – ein Bereich, der damals für die Gesundheit als ebenso wichtig angesehen wurde wie Medizin und Chirurgie. Die Literatur war eine Hilfe für die Lebenden (ars vivendi) und für die Sterbenden (ars moriendi). Bevor es geeignete Betäubungsmittel gab, war es üblich, bei Operationen Stellen aus den Evangelien oder den Psalmen vorzutragen.

ÜBUNGEN: Synästhesie – Vom Klang zum Wort:

Wir entspannen uns bei Flötenmusik: ‘A world out of time’ Henry Keiser und D. Landley.

Assoziationen in einer Schale sammeln – Licht drauf fallen lassen.

Was kommen mir für Bilder ? Ich halte meine Hände über meinen Kopf und forme eine Schale, sammle dort meine Empfindungen in Bildern, beobachte, wie ein Lichtstrahl vom Himmel in diese Schale fällt, nehme alles ganz wachsam war – präverbal – und transponiere dieses Empfinden in ein anderes Medium –(Synästhesie). Welches sind die Bilder, die mir zukommen?

Male diese Bilder auf ein großes Blatt Papier; wende dich um und schreibe ein Gedicht:

FALLGESCHICHTE: Eine Frau schreibt:

‘Weite, Leichtigkeit, Heiterkeit, Licht, alles, was hier wichtig erscheint, ist entschwebt wie die Morgennebel über dem Fluss, Licht durchflutet die Landschaft, Strom Mäander gleißen in unberührbarer Selbstverständlichkeit, Musik vibriert durch den Raum, ich bin, oder auch nicht, es ist alles da, grenzenlose, lichtdurchflutete Weite, ich bin Teil davon, sind nicht auch Hirten mit Schafen auf den Hängen? Der Klang ihrer Flöten klingen so süß wie Klänge aus dem Friedensreich das schon immer da ist.’ THERAPIE: In der verbalen Aufarbeitung formuliert diese Frau:

‘Als ich dieser Musik lauschte, das Atmen, die Entspannung, das hören und das singen – und diese Flötenmusik wie aus einer reineren Welt, wusste ich plötzlich, dass ich nun meine seit Jahren verschleppte Beziehungssucht überwinden konnte.

Hier erhaschte ich einen langgesuchten Einblick in eine Welt, die vorher war, die Welt vor dem Sex und der Hoffnung auf ideale Zweierschaft, Seelenverwandtschaft mit dem, mit dem man Tisch und Bett teilte. Mit dieser Musik und dem Atmen und Singen könnte ich die Angst vor dem Steckenbleiben in Einsamkeit und Hilflosigkeit überwinden.

Hier hatte ich etwas viel schöneres, reineres, gefunden, unabhängiges von diesen Idealisierungen menschlicher Beziehungen – und erlebte, dass diese hohen, reinen Klänge ja immer schon da waren – immer da sind. Hier fing ich an, sie wieder zu hören.’ THEORIE: die lustbesetzteren Bilder ermöglichen das Loslassen der weniger lustbesetzten. Erst aber muss ein Neues da sein, um das Alte loslassen zu können.

Musiktherapie als kreatives, emotionales, sozial-kommunikatives Übungs- und Erfahrungsfeld:

In einem mehr oder weniger offenen Handlungsraum wird mit Hilfe der freien Instrumentalimprovisation zunächst ‘eine der größten Ängste, die Angst vor dem Falschmachen’ genommen. Die Fixierung der Aufmerksamkeit auf das musikalische Produkt wird damit aufgelockert und der Perfektionismus sowie die Leistungsorientierung allmählich geringer. Dadurch kann der medizinisch-therapeutische Auftrag einer Verhaltensbeeinflussung im Patient-Therapeut-Dialog (auch in der Gruppe) erfolgen. Dabei kann idealtypisch folgende Sequenz von Erlebnis- und Therapieschritten beschrieben werden:

In einer optimalen Hör- und Spielbereitschaft vorbereitenden entspannten und gleichzeitig konzentrativen Stimmung wird dem Patienten ein leicht überschaubares und spielbares Tonmaterial geboten.

Im gesammelten Verweilen beim vom Patienten selbst produzierten Ton- und Klangphänomen entstehen durch Abwarten oder Anregen Impulse zum Spielen.

Dieses mit eingeschalteten Reflexionen frei improvisierende Spielen, das eine Verbindung mit anderen Gestaltungsbereichen (Bewegung, Tanz, usw.) erlaubt, berücksichtigt dann spezielle therapeutische Zielsetzungen.

Beim ‘Üben ohne Übung’ der individuellen Schwerpunkte (Selbstwerterhöhung, Spontaneität, Flexibilität, Produktivität) und der sozialen Zielsetzungen (Kommunikation, Durchsetzen und Anpassen, gemeinsames Gestalten und verantwortliches Führen) geht der Therapeut immer mehr in die Rolle des ‘Zuhörers’ bzw. ‘Partners’ über.

Die neu erlernten Einstellungen, Erlebens- und Verhaltensweisen werden schrittweise von der therapeutischen Modellsituation auf die Bereiche Familie und Beruf erweitert und dort geübt.

Die dabei meist ausgelöste emotionale Betroffenheit läßt den Patienten wieder in Kontakt mit sich selbst und seiner Problematik kommen, die verbale Ausdrucksfähigkeit beleben und dadurch mithelfen, einen klärenden Aufarbeitungsprozeß einzuleiten.

Unter dem Leitgedanken ‘Üben ohne Übung’ wird die Vermittlung persönlichkeitseigener Aktivitäten und die neu zu erlernende und zu erlebende Einstellung zum Aktivitätsvollzug angestrebt. ‘Die dabei gewonnene Selbsteinsicht durch Überwindung von Hemmungen, Angst und der Tendenz zur Perfektion ist hier ebenso ein positives Kriterium wie die geglückte Sammlung oder die erworbene Gelassenheit’.

Als wesentliches Gestaltungsprinzip dient die freie Improvisation und als erweiterte therapeutische Zielsetzung ‘die Provokation zum spontanen Reagieren, Anpassen, Durchsetzen der eigenen Entscheidung und Produktivität und vor allem das gelassene Akzeptierenlernen unfertiger bzw. mißlungener Leistungen’.

Arbeit zitieren:
Keller, Hella Juni 2002: Multimediale Kunsttherapie im Rahmen einer Christlichen Lebensberatungsstelle, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Menschenbild, Kunsttherapie, Atem und Klang, Musiktherapie, Paarberatung

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