Ursache von Finanzkrisen
Lateinamerika und Skandinavien im Vergleich
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefan Berger
- Abgabedatum: November 2005
- Umfang: 70 Seiten
- Dateigröße: 1,2 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 50
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9922-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9922-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9922-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Berger, Stefan November 2005: Ursache von Finanzkrisen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Volkswirtschaft, Lateinamerika, Skandinavien, Finanzen, Krisenmodell
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Diplomarbeit von Stefan Berger
Einleitung:
Finanzkrisen erschütterten in den letzten Jahrzehnten nicht nur einzelne Länder und Regionen, sondern sind unabhängig von Gesellschaftsform oder Wirtschaftssystem zu einem globalen Phänomen geworden. Die Liste der von diesen Krisen erschütterten Länder ist lang und seit dem Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts stark anwachsend. Dabei sind Länder unterschiedlichsten Entwicklungsniveaus diesen Krisen ausgesetzt. Als Beispiele aus jüngster Vergangenheit können u. a. genannt werden:
- Die japanische Finanzkrise ab 1989/90.
- Die Bankenkrisen in Skandinavien 1987-1994.
- Die Peso-Krise in Mexiko 1994.
- Die Asien-Krise ab 1997/1998.
- Die russische Finanzkrise 1998.
- und die Krisen der Länder in Lateinamerika ab 1998.
Die enge Interdependenz zwischen krisenhaften Erscheinungen im Banken- und Finanzsektor, der wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklung einerseits und der staatlichen Einflussnahme auf die Wirtschafts- und Geldpolitik andererseits, machen eine Ursachenanalyse mehr als notwendig.
Gang der Untersuchung:
Die Häufung und das Ausmaß der Krisen basieren neben dem veränderten institutionellen Umfeld, der raschen finanziellen Globalisierung und der damit verbundenen rapiden Erhöhung der Kapitalmobilität auf einer Vielzahl unterschiedlicher endogener und exogener Faktoren, die in den nachfolgenden Ausführungen dargelegt werden sollen. Nach einer Begriffsbestimmung und Abgrenzung werden zunächst kurz allgemein die möglichen Entstehungsfaktoren von Finanzkrisen betrachtet. Es wird insofern auch auf makroökonomische Modelle eingegangen. Im Hauptteil der Arbeit sollen die Ursachen der großen Finanzkrisen in Skandinavien und Lateinamerika analysiert werden. Zum Abschluss der Arbeit werden die erzielten Erkenntnisse vergleichend dargestellt.
1.3 Begriffsklärung und Abgrenzung Im Rahmen der Volkswirtschaftslehre wird von Krisen und krisenhaften Erscheinungen insbesondere auf dem Gebiet der Konjunkturtheorie gesprochen. Eine Finanzkrise ist eine Störung des Finanz-, Geld- und Kapitalmarktes, die erhebliche Kräfteverschiebungen am Markt oder Einschränkungen der Funktionalität des Geldsystems und der Geldwertstabilität zur Folge hat. Somit kann von einer Finanzkrise gesprochen werden, wenn sich finanzielle (makroökonomisch relevante) Daten, wie Aktien- und Währungskurse oder Devisenbestände in einem kurzen Zeitraum ungünstig entwickeln.
Häufig wird unter einer Finanzkrise lediglich eine Währungskrise (Bezug nehmend auf den Zusammenbruch eines festen Wechselkurses) verstanden. Das klassische Währungskrisenmodell interpretiert eine Währungskrise als unvermeidbares Ereignis fundamentalökonomischer Ungleichgewichte, die auf langfristig nicht miteinander zu vereinbarende Politikziele zurückgehen.
Währungskrisen stellen auf die Kombination von drei makroökonomischen Phänomenen ab: eine starke Abwertung des Wechselkurses, ein deutlicher Rückgang der Devisenreserven und ein kräftiger Zinsanstieg. Krugman sieht im Phänomen Währungskrisen einzig die Flucht von Investoren aus einer Währung aus Abwertungsfurcht und Vertrauensmangel: „We need not seek a more formal or careful definition; almost always we know a currency crisis when we see one.“ Zur Bestimmung von Währungskrisen wird vielfach ein Währungskrisenindex genutzt, der die Relation zwischen Wechselkursänderung und Veränderung der Devisenreserven beschreibt: „...as a weighted average of exchange-rate changes and reserve changes.“ Insbesondere die Stabilität des Bankensystems ist ein wichtiger Punkt für die Widerstandsfähigkeit einer Volkswirtschaft gegen internationale Ansteckungseffekte von Währungskrisen, wie sie jedoch zunehmend zu beobachten sind.
Es zeigt sich eine zunehmende Interdependenz zwischen der Entwicklung von Währungs- und Bankenkrisen, so dass weder Banken- noch Währungskrisen als isolierte Probleme betrachtet werden können. In Anlehnung an die volkswirtschaftliche Betrachtungsweise spricht man von einer Bankenkrise „ … bei einem krisenhaften Zustand des Geld- und Kreditwesens eines Landes, gekennzeichnet durch starke Illiquidität“. Eine große Anzahl von Banken einer Ökonomie sind demnach zahlungsunfähig (insolvent) oder nicht mehr in der Lage, die von den entsprechenden Bankenaufsichtgremien geforderten Liquiditäts- und Mindesteigenkapitalanforderungen zu erfüllen. Bonn (1998) sieht in Bankenkrisen in ihrem Ausgang unsichere Prozesse von begrenzter Dauer und Beeinflussbarkeit, die ganze Bankensysteme bzw. eine mehr oder minder große Zahl von Elementen dieser Systeme in ihrer Stabilität beeinträchtigen und in ihrer Existenz nachhaltig bedrohen.
Dabei wird im Folgenden nicht von der Krise einer einzelnen Bank, sondern von einer systemischen Bankenkrise gesprochen. Banken sind durch Interbankengeschäfte, durch Kooperation und letztlich durch den Zahlungsverkehr stark voneinander abhängig. Somit kann der Ausfall einer Bank für die im Rahmen des Interbankengeschäftes beteiligten Gläubigerbanken ebenfalls zum Problem werden und eine Kettenreaktion zur Folge haben (sog. Dominoeffekt). Ausgeprägte Informationsasymmetrien zwischen Anlegern und Banken hinsichtlich der Bonität der Bank, begründet mit der spezifischen Besonderheit der Bankleistung und des sensiblen Gutes „Geld“, können zusätzlich bewirken, dass Anleger bei eher geringfügigen Anlässen oder gar Vermutungen und Gerüchten über eine Bonitätsverschlechterung aus Furcht um ihre Einlagen mit massiven Abzügen reagieren (sog. Informationseffekt). Diese Ansteckungs- und Fortpflanzungsmechanismen, subsumiert unter dem Begriff „Contagion“, sind mitverantwortlich für eine flächendeckende Bankenkrise und beschreiben das systemische Risiko der Banken. Die Krise einer Bank kann das gesamte Bankensystem erfassen.
Ein zeitnahes Auftreten einer Währungs- und Bankenkrise kann unter dem Begriff einer Finanzkrise (als sog. Zwillingskrise - Twin Crisis) subsumiert werden. Als Beispiel sind hier die Asienkrise 1997 und die darauf folgende Russlandkrise 1998 zu nennen.
Die Institutionen des Finanzsektors eines Landes lassen sich grob in Finanzdienstleister (Banken, Versicherungen, Makler, Börsen) und Zentralbank (Regierung) unterteilen. Somit kann bei einer Krise dieses Sektors von einer Finanzkrise gesprochen werden. Da es sich bei der Zentralbank eines Landes um eine Schlüsselinstitution handelt, ist deren Solvenz beispielsweise durch den Verlust von Devisenreserven gleichwohl auch eine Finanzkrise. Hierauf beruht im Wesentlichen das Währungskrisenmodell der ersten Generation, auf das folgend eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| Abkürzungsverzeichnis | III | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Vorwort | 1 |
| 1.2 | Ziel und Gang der Diplomarbeit | 1 |
| 1.3 | Begriffsklärung und Abgrenzung | 2 |
| 2. | Modelltheoretische Überlegungen | 5 |
| 2.1 | Krisenmodelle | 5 |
| 2.1.1 | Das Krisenmodell der ersten Generation | 6 |
| 2.1.2 | Krisenmodelle der zweiten Generation | 8 |
| 2.2 | Twin Crises- Modelle der dritten Generation | 8 |
| 2.2.1 | Banken - Run Modell | 10 |
| 2.2.2 | Moral Hazard Modell | 10 |
| 2.2.3 | Balance Sheet Modell | 12 |
| 2.3 | Zusammenfassung | 13 |
| 3. | Die Finanzkrisen in Skandinavien | 14 |
| 3.1 | Ursachen der Krisen in Norwegen 1988-93 und Finnland 1991-93 | 15 |
| 3.1.1 | Deregulierung und Liberalisierung des Finanzsektors | 15 |
| 3.1.2 | Lending Boom und Asset Price Bubble | 16 |
| 3.1.3 | Akkumulation notleidender Kredite und das Platzen der Price Bubble | 18 |
| 3.1.4 | Unzureichendes Risikomanagement der Banken | 19 |
| 3.1.5 | Politische Faktoren | 20 |
| 3.1.6 | Negative exogene Schocks | 21 |
| 3.2 | Zusammenfassung | 24 |
| 4. | Die Finanzkrisen in Lateinamerika | 26 |
| 4.1 | Mexiko - Ursachen der Krise 1994 | 27 |
| 4.1.1 | Steigende und sinkende Portfolioinvestitionen | 28 |
| 4.1.2 | Die Bankenkrise als Folge der Liberalisierung des Finanzsektors | 29 |
| 4.1.3 | Reale Aufwertung und wachsende Leistungsbilanzdefizite | 30 |
| 4.1.4 | Politische Faktoren und Staatsverschuldung | 31 |
| 4.2 | Argentinien - Ursachen der Krise 2001 | 32 |
| 4.2.1 | Staatsverschuldung und wachsende Haushaltsdefizite | 34 |
| 4.2.2 | Reale Aufwertung und das Scheitern des Currency Boards | 35 |
| 4.2.3 | Die Auflagenpolitik des IWF | 37 |
| 4.2.4 | Korruption | 38 |
| 4.3 | Zusammenfassung | 39 |
| 5. | Schlussbetrachtungen | 41 |
| 5.1 | Gemeinsamkeiten | 41 |
| 5.2 | Unterschiede | 42 |
| 5.3 | Zusammenfassung - tabellarische Darstellung | 42 |
| Abbildungen | 44 | |
| 1. | Allgemeiner Teil | 44 |
| 2. | Skandinavien | 45 |
| 3. | Lateinamerika | 54 |
| Quellenverzeichnis | 61 | |
| 1. | Literaturverzeichnis | 61 |
| 2. | Sonstige Quellen | 66 |
| Ehrenwörtliche Erklärung | 67 |
3.1.4. Unzureichendes Risikomanagement der Banken Eine entscheidende Rolle bei der Akkumulation uneinbringlicher Kredite spielte das unzureichende Risikomanagement der norwegischen und finnischen Banken. Die frühere umfangreiche staatliche Regulierung, insbesondere der Zinssätze, führte zu einer Art „Einheitszinssatz“, der nur bedingt risikoangepasst war. Zinsobergrenzen verhinderten adverse Selektion und es bildeten sich zumeist langjährige stabile Bankverbindungen.99 Aufgrund des chronischen Nachfrageüberhangs nach Krediten konnten sich die Banken die risikoärmsten Engagements aussuchen. „Vordergründig ließen diese Faktoren ein bankbetriebliches Risikomanagement über Jahrzehnte recht überflüssig erscheinen.“100 Eine seit 1945 relativ stabile makroökonomische Entwicklung begünstige dieses Phänomen.101 Auf die im Zuge der beschriebenen Deregulierung und Liberalisierung veränderten Rahmenbedingungen konnten sich die Banken nur langsam und unzureichend anpassen: „ … it is clear that neither banks nor customers took adequate account of the changing financial enviroment. Banks unused to recognizing, evaluating and controlling risks inherent in unregulated markets, continued to operate on the basis of partly outdated principles.”102 Der Wert und die Qualität der Sicherheiten wurden im Glauben an die Unwahrscheinlichkeit fallender Asset - Preise vernachlässigt. Das Kreditrisiko wurde nicht korrekt bepreist und die Risiken durch flexible Zinssätze und ausländischer Währung wurden sowohl von Banken als auch von Kreditnehmern unterschätzt.103 [...]
(u. a. musste Finnland Anschluss an die Entwicklung in den übrigen OECD- und EU-Ländern finden)78 und die im Vorfeld aufgrund der hohen Kreditnachfrage entstandenen „grauen“ Märkte.79 Die Liberalisierung und Deregulierung verlief dabei ähnlich wie in Norwegen, zeitlich jedoch etwas später:80 • • • • 1982 Erlaubnis für Auslandsbanken Zweigstellen zu eröffnen, 1983 Lockerung der Kreditzinsregulierungen, 1984 Banken können Geld ins Ausland verleihen und in ausländische Sicherheiten investieren, 1986 die Regulierung der durchschnittlichen Kreditzinsen wurde abgeschafft; langfristige Auslandsfinanzierungen der Fertigungs- und Schiffsunternehmen wurden von der staatlichen Kontrolle befreit; Erlaubnis von Floating Rates bei ausgewählten Krediten, • 1987 Kreditvorgaben wurden komplett eingestellt; Anforderungen bei Anzahlungen bei privaten Immobilienkrediten und Konsumentenkrediten wurden abgeschafft; Restriktionen bei langfristigen Auslandsfinanzierungen von Unternehmen wurden gelockert, • 1988 Banken Auslandskredite • wurde wurden die Nutzung für langfristiger Haushalte) Marktzinsen als Kreditreferenzzinssatz erlaubt; die verbliebenen Regulierungen für (außer aller abgeschafft; direkte [...]
3.1.1 Deregulierung und Liberalisierung des Finanzsektors Die Deregulierungsmaßnahmen und Reformen des Finanzsektors begannen in Norwegen ab Anfang der 1980er Jahre, vor allem aufgrund der zunehmenden internationalen Integration, der finanziellen Globalisierung und der Entstehung sog. „grauer“ Märkte (die Regulierungsmaßnahmen zu umgehen versuchten).76 Die Liberalisierung verlief in Etappen wie folgt, wobei es 1986 fruchtlose Versuche gab, die Deregulierungen teilweise zu revidieren:77 • 1980 Aufhebung bestimmt, • • • • • 1984 Abschaffung der Mindestreserveregelungen, 1985 komplette Finanzministerium, 1986 Wiedereinführung von Mindestreservesätzen; Erlaubnis für Auslandsbanken Zweigstellen zu eröffnen, 1987 erneute Abschaffung der Mindestreserveregelungen, 1989 bis 1991 Abschaffung aller restlichen Devisenkontrollen. Abschaffung der Zinssatzregulierungen durch das der Zinssatzregulierung durch den Staat; die Durchschnittsverzinsung wurde durch den Leitzins des Finanzministeriums [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832499228
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Berger, Stefan November 2005: Ursache von Finanzkrisen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Volkswirtschaft, Lateinamerika, Skandinavien, Finanzen, Krisenmodell




