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Spielpädagogische Möglichkeiten von Ludotheken

Ludotheken/Spieliotheken als soziale Einrichtungen zur Förderung des Kulturgutes Spiel in der Gesellschaft

Spielpädagogische Möglichkeiten von Ludotheken
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Regina Bald
  • Abgabedatum: Dezember 2005
  • Umfang: 93 Seiten
  • Dateigröße: 524,8 KB
  • Note: 2,3
  • Institution / Hochschule: Technische Universität Chemnitz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9662-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9662-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9662-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bald, Regina Dezember 2005: Spielpädagogische Möglichkeiten von Ludotheken, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Brettspiel, Ludothekar, Spielzentrum, Sachsen, Spieltheorie

Diplomarbeit von Regina Bald

Einleitung:

Unser gesellschaftliches Leben ist im Wandel begriffen. Eltern, Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen und Therapeuten – alle, die in irgendeiner Form mit der Bildung und Erziehung von Menschen befasst sind, werden mit Spielen aller Art konfrontiert. Fritz (1993) nennt es ein „ (...) ’Urphänomen’, das es im pädagogischen Bereich einfach gibt und das sich nicht ausklammern lässt (...). So gesehen ist jeder Pädagoge zugleich auch Spielpädagoge – bewusst oder unbewusst, gut oder schlecht“.

In dieser Arbeit schreibe ich über die Kategorie Spiele, zu denen u.a. Schach, Go, Mühle, Dame, Halma, Backgammon, Skat, Rommé, Bridge, Memory, Mikado, Domino, Mensch ärgere dich nicht, Monopoly, Die Siedler von Catan, Scrabble usw. gehören, also Brett- und Kartenspiele. Einen eindeutigen Oberbegriff für diese Spiele gibt es bisher nicht. Begriffe wie Brett- oder Gesellschaftsspiel, Tisch-, Karton- oder Wettbewerbsspiel reichen nicht aus, diese Spiele umfassend zu beschreiben. Der Begriff Regelspiel eignet sich wohl noch am ehesten als Oberbegriff.

Die Ludotheken in Deutschland – wir sprechen hier von ca. 100 Einrichtungen, die im gesamten Bundesgebiet unterschiedlich eingerichtet sind – sind historisch gesehen noch junge Einrichtungen. Es gibt sie erst seit ca. 35 Jahren. Jährlich entstehen neue Ludotheken. Auch wenn ihre Existenz noch nicht jedem Bundesbürger bewusst ist und so mancher ihre Arbeit nicht einzuschätzen vermag, sind sie eine Erscheinung unserer Zeit und für das Gemeinwesen und die Kulturlandschaft eine Errungenschaft. Gerade in Zeiten knapper Kassen und gesellschaftlicher Umbrüche ermöglichen sie auch jenen Bürgern den Zugang zum Kulturgut Spiel, denen es aufgrund ihrer Arbeitslosigkeit zwar nicht an Zeit, wohl aber an Geld mangelt, sich das zunehmend beliebter werdende Medium Spiel zu leisten.

Obwohl das Arbeitsgebiet der Ludotheken umrissen ist, sind sie noch immer auf der Suche nach einem umfassenden pädagogischen Konzept. Der Dachverband der deutschen Ludotheken – der Verband Deutscher Spieliotheken/ Ludotheken (vdsl) – bemüht sich, nach Jahren der Stagnation der Arbeit des Verbandes, seit dem Vorstandswechsel 2003 um eine kontinuierliche Arbeit mit allen Ludotheken in Deutschland und die Ausarbeitung einer inhaltlichen Leitlinie. Bisher ist es noch nicht gelungen, alle Ludotheken im Dachverband zu organisieren und in jedem Bundesland einen Landesverband zu gründen.

Die seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts andauernde „Brettspielewelle“, auch das „Deutsche Spielewunder“ genannt, (siehe Pkt.4.2) in Deutschland zu ignorieren und für die pädagogische und sozialpädagogische Arbeit nicht zu nutzen, wäre unzeitgemäß und ignorant zugleich. Die vergangenen drei Jahrzehnte haben eine Entwicklung in Gang gesetzt, deren positive Auswirkungen sich Pädagogen und Sozialarbeiter in der täglichen Arbeit zu Nutze machen sollten.

Anliegen der Arbeit ist es deshalb, folgende Schwerpunkte zu untersuchen:

Welchen kulturellen, pädagogischen, spiel- und sozialpädagogischen Anspruch erfüllen Ludotheken unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen – wie ist der gegenwärtige Entwicklungsstand der Ludotheken in Deutschland?

Wie ist der gegenwärtige Forschungsstand über Ludotheken?

Welche Spiele sollten in Ludotheken vorrangig zum Einsatz kommen und welche Voraussetzungen bietet der Spielemarkt für die Arbeit von Ludotheken?

An mehreren konkreten Beispielen werde ich versuchen, die unterschiedlichen Voraussetzungen, Möglichkeiten und Arbeitsweisen von Ludotheken aufzuzeigen.

Inhaltsverzeichnis:

0. Vorwort 4
1. Einleitung 5
2. Ludotheken 7
2.1 Begriffsklärung Ludothek 8
2.2 Gegenwärtige Erscheinungsformen von Ludotheken und Institutionen zur Förderung des Kulturgutes Spiel in Deutschland 9
2.2.1 Ludotheken in Deutschland 9
2.2.2 Institutionen zur Förderung des Kulturgutes Spiel in Deutschland 14
2.3 Forschungsstand über Ludotheken 19
2.4 Internationaler Exkurs 21
3. Zutreffende gegenwärtige gesellschaftspolitische Anforderungen der Kinder- und Jugendarbeit Rechtliche Grundlagen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes – KJHG 22
3.2 Bildungsverständnis der Kinder- und Jugendarbeit 23
4. Kulturhistorische Einordnung des Spiels - Allgemeine Spielpädagogik 25
4.1 Kulturhistorische Einordnung des Spiels 26
4.2 Abriss zur Geschichte und zu Theorien des Spiels und des Brettspiels 28
4.3 Allgemeine Spielpädagogik 40
4.4 Spielpädagogische Überlegungen speziell zum Brettspiel 45
4.5 Gegenwärtiges Brettspielangebot in Deutschland und Möglichkeiten seiner Nutzung 51
4.5.1 Merkmale eines „guten“ Brettspiels 52
4.5.2 Kooperative Brettspiele 53
4.5.3 Konsumenteneignung eines Brettspiels 55
4.5.4 Entwicklung des Spielemarktes in Deutschland seit 1980 60
5. Arbeitsgebiete von Ludotheken am konkreten Beispiel von vier Einrichtungen in Deutschland 64
5.1 Städtisches Spielezentrum Herne (Nordrhein/Westfalen) 65
5.2 Erste Thüringer Ludothek (Sömmerda) 68
5.3 Sächsisches Spielezentrum Leipzig (Sachsen) 73
5.4 Spieliothek mobil Barmstedt (Schleswig-Holstein) 77
6. Ausblick – pädagogische und sozialpädagogische Möglichkeiten von Ludotheken 78
6.1 Brettspiele in der Jugendarbeit – das Spiel als Medium für sozialpädagogisches Arbeiten 80
6.2 Brettspiele in der Altenarbeit 82
6.3 Weitere Betätigungsfelder für Ludotheken 83
6.4 Berufsbild Ludothekar 84
7. Fazit 86
Literaturverzeichnis 89
Internet-Quellenverzeichnis 94

Automatisiert erstellter Textauszug:

seren Bildungskonzepten sind Spielangebote nicht mehr wegzudenken. In der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts entstand eine Spieleszene, die vorher unvorstellbar gewesen war. Hersteller, Autoren, Sammler, Spielertreffs in vielfältigsten Erscheinungsformen begleiten diese Spieleszene und geben immer neue Impulse. Es gibt eine unüberschaubare Fülle von Spielen, die über die Jahrtausende entstanden. In diesem Abschnitt der Arbeit möchte ich mich speziell den Brettspielen – oder wie die Fachwelt sie bezeichnet – den Board- and Table-Games zuwenden. Der amerikanische Spieleforscher Brian Sutton-Smith geht in seinen Überlegungen davon aus, dass wesentliche Teile des menschlichen Lebens aus Spiel und spielbestimmten Handlungen bestehen. Spiele stellen Problemhandlungen dar und tragen dadurch zur Lebenspraxis bei. Smith geht von vier Grundbereichen des Spielens aus. Die „Games of Skill“ entstehen in der Auseinandersetzung mit der Natur. Es handelt sich um Spiele, die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissen vermitteln: Geschicklichkeitsspiele, Lernspiele, Legespiele, Quiz- und Ratespiele, Puzzles, Zaubern, Stecken, Bauen und Schrauben, Schnitzen und Zeichnen. Die „Games of Chance“ entwickeln sich nach Smith aus der nicht begreifbaren Auseinandersetzung mit der Natur: Glücksspiele wie Würfel- und Kartenspiele. „Games of Strategy“ eignen sich für Probehandlungen. Der lebensnotwendigen Auseinandersetzung mit anderen Menschen dienen Spiele, die in der Ausgangsposition gleich sind – die strategischen Spiele. Die Verschiedenheit der Menschen lässt Strategiespiele niemals gleichartig verlaufen. Letztlich die „Mixed Games“, Spiele, die versuchen, die gesamte Komplexität des menschlichen Lebens durch die Vermischung von zwei oder drei Spielprinzipien modellhaft darzustellen (Spielbox 5/05, S.38). Brettspiele sind Regelspiele. Im Regelspiel gibt es immer konkrete Gegenstände, das Spielmaterial zum Spielen. Im Fall des Brettspiels sind es [...]

kompensieren. Der PC befreit so „(...) vom sozialen Druck des SichBehaupten-Müssens in der Gruppe“ (ebd. S.208). Alternativen zum Fernsehen und zum PC-Spielen sind familiäre Unternehmungen: sportliche oder kulturelle Erlebnisse und Ausflüge, Hobbys, Angebote zum Malen, Lesen, Basteln, Werkeln oder Musizieren und nicht zuletzt das Spielen spannender Spiele im Familienkreis, bei dem sich die Familie freiwillig am Stubentisch trifft, miteinander ins Gespräch kommt und hoffentlich Spaß hat (Spielmittel Nr.3/94, S.80f.; Nr. 2/96, S.40ff.; Nr.1/97, S.48f.). Gute und zeitgemäße Spielangebote sind u.a. für eine zukunftsorientierte Familienpolitik wichtig. Überbevölkerte Ballungsgebiete, fehlende Großfamilien, welche die Betreuung der Kinder abfangen, überbelastete Eltern und folglich unbetreute Kinder prägen die gesellschaftliche Entwicklung. Stundenlanges Fernsehen, oftmals gewaltverherrlichende Videospiele unterhalten unsere Kinder und Jugendlichen, können zu Defiziten in der Persönlichkeitsentwicklung führen. Brett- und Kartenspiele dürfen aus dem Familienleben nicht verdrängt, nicht vergessen und nicht ausschließlich durch elektronische Spiele ersetzt werden. [...]

zelkinder, die oft Probleme haben, in Kontakt zu anderen Kindern zu kommen, finden im gemeinsamen Spiel schnell zueinander. Kinder, die im Kleinkindalter nicht gelernt haben, zu spielen, sind später gegenüber ihren Altersgenossen oftmals im Nachteil, denn beim Spiel in der Gemeinschaft erfahren sie, was es heißt, voneinander abhängig zu sein und sich aufeinander verlassen zu können. Kinder wachsen heute anders auf als früher, wir stehen heute einer veränderten Kindheit gegenüber. Der Hauptunterschied besteht darin, dass die Spielaktivitäten der Kinder, durch den wachsenden Medienkonsum, ernsthafte Konkurrenz erhalten. Hinzu kommt, dass es in eng besiedelten Neubaugebieten kaum noch natürliche Spielräume oder gar Abenteuerspielplätze im Freien und in beengten Wohnungen kaum noch Rückzugsmöglichkeiten für Kinder gibt. Diese „Enge“ wirkt sich oft auch negativ auf die Erziehungspraktiken vieler Eltern aus: das Bedürfnis der Kinder nach Bewegung, Aktivität und direkter Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt wird oftmals durch Einschränkungen, Verbote und Sanktionen beschränkt. Die heutigen veränderten familiären Situationen, wie z.B. die Zunahme von Einzelkindfamilien, bewirken nicht nur eine intensivere Beziehung zum Erwachsenen, sondern meist auch eine ständige Beaufsichtigung und Reglementierung. Den Kindern unserer Zeit ist es fast unmöglich, sich unbeobachtet in ihre eigene Spielwelt zurückzuziehen und sich zu entfalten. Aber genau darin besteht der Sinn des Kinderspiels! Die eingeschränkten Spielmöglichkeiten unserer Kinder bewirken, dass sie immer stärker zu passiven Konsumenten der Medien, mit all ihren negativen Folgen, werden. Eltern, die selbst nur noch Konsumenten der in Fülle angebotenen Medien sind, werden diese Tendenz kaum verhindern, möglicherweise nicht einmal erkennen. Eine Gefahr, die das stunden- und tagelange Spielen am Computer in sich birgt, ist z.B. „(...) das Aufgehen in der Tätigkeit, das Sich-Verlieren in einer illusionären Welt“ (Oerter, S.208). Es birgt die Gefahr, sich ausschließlich mit dem Computer einzulassen, Schwierigkeiten im sozialen Bereich mit der Beherrschung des PCs zu [...]

Arbeit zitieren:
Bald, Regina Dezember 2005: Spielpädagogische Möglichkeiten von Ludotheken, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Brettspiel, Ludothekar, Spielzentrum, Sachsen, Spieltheorie

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