Bewegungsanalyse bei der Partnerwahl
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ansgar Bittermann
- Abgabedatum: Februar 2006
- Umfang: 105 Seiten
- Dateigröße: 2,4 MB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Georg-August-Universität Göttingen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9641-8
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bittermann, Ansgar Februar 2006: Bewegungsanalyse bei der Partnerwahl, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kommunikation, nonverbal, Flirten, Verhalten, Evolutionspsychologie
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Diplomarbeit von Ansgar Bittermann
Problemstellung:
Mit dieser Studie wird überprüft, ob die Beobachtung des Raumverhaltens einer Frau in heterosexuellen Interaktionen Auskunft über ihre Kontaktbereitschaft geben kann.
Überdies wird der Frage nachgegangen, ob Frauen ihr eigenes Raumverhalten dazu benutzen, um Männer bei der Interaktion zu manipulieren.
Ein drittes Ziel dieser Studie ist die Überprüfung der Testgüte der automatischen Bewegungsanalysesoftware EyesWeb. Das Raumverhalten wurde über eine manuelle Bewegungsanalyse der aufgezeichneten Interaktionen erfasst. Die Kontaktbereitschaft der Frauen wurde über eine eigene Skala erhoben.
Gang der Untersuchung:
Im ersten Kapitel wird der aktuelle Forschungsstand der Partnerwahlforschung beim Menschen betrachtet. Dabei wird dargelegt, welche Unterschiede bei den Ge-schlechtern in ihrem gegengeschlechtlichen Annäherungsverhalten auf Grundlage evolutionspsychologischer Theorien zu erwarten sind, welche wichtige Rolle das gegenseitige Täuschen dabei spielt und wie die beiden Geschlechter durch „Gegenmaßnahmen“ oder Kontrollverhalten versuchen, dem Täuschen des Gegenübers entgegenzuwirken.
Anschließend wird darauf eingegangen, welche kritischen Auswirkungen das Täuschen auf wissenschaftliche Verhaltensbeobachtungen im Rahmen der Partnerwahlforschung hat und welche Experimentaldesigns notwendig sind, um jenseits der Täuschung das wahre Interesse zweier Menschen aneinander beobachten zu können. Außerdem wird dann besonders auf ein spezifisches Kontroll-verhalten, die räumliche Nähe, eingegangen, das in dieser Studie näher untersucht werden soll. Zum Schluss werden die Hypothesen dieser Untersuchung aus der in diesem Kapitel beschriebenen theoretischen Grundlagen abgeleitet.
Das zweite Kapitel gliedert sich in drei Abschnitte: im Abschnitt 2.2.1 wird allgemein erläutert, wie die Bewegung der Körperteile der Versuchspersonen aus den Videos mit Hilfe einer manuellen Bewegungsanalyse extrahiert wird. Außerdem wird dargestellt, wie die Bewegungsdaten der analysierten Körperteile zur Abstandsberechnung verwandt werden. Anschließend wird in Abschnitt 2.2.2 explizit auf das bei der manuellen Bewegungsanalyse eingesetzte Computerprogramm eingegangen und das für die automatische Bewegungsanalyse benutzte Computerprogramm „EyesWeb“ vorgestellt. Zum Schluss werden in Abschnitt 2.2.3 die in der Diplomarbeit benutzten Fragebögen beschrieben.
In Kapitel drei wird auf die notwendigen Bedingungen für die Durchführung einer Regressionsanalyse eingegangen, die bei der Überprüfung der ersten beiden Hypothesen verwendet werden soll. Erste Voraussetzung einer Regressionsanalyse ist das Intervallskalenniveau der Daten. Sowohl die im Fragebogen erhobenen Daten als auch die Abstandsdaten, die berechnet wurden, erfüllen dieses Kriterium. Überdies sind die Daten normalverteilt, die Prädiktoren sind unabhängig voneinander (Multikollinearität), und die Residuen korrelieren nicht miteinander (Autokorrelation der Residuen). Eine Verletzung dieser Voraussetzungen hätte eine ineffiziente Schätzung der Werte zur Folge.
Zusammenfassung:
Wie andere Untersuchungen auch, hat diese Diplomarbeit ihre Grenzen. Bei der Erforschung des Partnerwahlverhaltens ist es vor allem sehr schwierig, ein Gleichgewicht zwischen der Kontrolle von zusätzlichen Beeinflussungsfaktoren und externer Validität herzustellen.
Bei der vorliegenden Diplomarbeit musste bei der Überprüfung des Einflusses der Soziosexualität und des negativen Affekts auf das weibliche Raumverhalten implizit angenommen werden, dass der Einfluss des Mannes auf die Frau während der Interaktion und mögliche Interaktionseffekte zwischen Mann und Frau vernachlässigbar seien. Eine korrekte Überprüfung des genauen Einflusses des einen Individuums auf ein anderes während einer Interaktion unter annähernd realitätsnahen Bedingungen ist nämlich sehr schwer realisierbar. Zur Überprüfung persönlichkeitsimmanenter Faktoren auf das Raumverhalten in Interaktionen müsste beispielsweise ein männlicher Komplize des Versuchsleiters sich mit jeder Frau unterhalten und sich dabei auch immer gleich bewegen und gleich verhalten.
Überdies müsste er für jede Frau annähernd gleich attraktiv sein. Man kann sich vorstellen, dass eine Umsetzung dessen sehr schwierig und vor allem im Rahmen einer Diplomarbeit nicht realisierbar ist. Diese Erkenntnis sollte allerdings nicht dazu führen, keine Forschung mehr im Bereich der Partnerwahl zu betreiben, jedoch müssen mögliche Ergebnisse immer vor diesem kritischen Hintergrund betrachtet werden.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | ||
| 1. | Theoretischer Hintergrund | 7 |
| 1.1 | Partnerwahl | 7 |
| 1.1.1 | Die Theorie des asymmetrischen Investments | 7 |
| 1.1.2 | Kontrollverhalten und Täuschungen beim Kennenlernen | 8 |
| 1.1.3 | Weibliches nonverbales Kontrollverhalten beim gegengeschlechtlichen Werben | 10 |
| 1.1.4 | Weibliche nonverbale Signale, die auf ein echtes Interesse am Gegenüber hindeuten | 11 |
| 1.2 | Raumverhalten | 12 |
| 1.2.1 | Raumverhalten als nonverbale Kommunikationsform | 14 |
| 1.2.2 | Einfluss von Soziosexualität auf das Raumverhalten | 15 |
| 1.3 | Methoden der Raumverhaltensforschung | 16 |
| 1.3.1 | Verschiedene Methoden der Bild- und Bewegungsanalyse | 19 |
| 1.3.1.1 | Manuelle Bewegungsanalyse | 20 |
| 1.3.1.2 | Automatische markerbasierte Bewegungsanalyse | 20 |
| 1.3.1.3 | Automatische markerfreie Bewegungsanalyse | 22 |
| 1.4 | Fragestellung und Ableitung der Hypothesen | 24 |
| 2. | Methode | 27 |
| 2.1 | Beschreibung der Stichprobe | 27 |
| 2.2 | Angewandte Verfahren | 28 |
| 2.2.1 | Manuelle Bewegungsanalyse | 28 |
| 2.2.2 | Computersoftware | 31 |
| 2.2.3 | Fragebögen | 33 |
| 2.3 | Kontrolle von Störvariablen | 35 |
| 2.3.1 | Berechnung und Standardisierung des Drehwinkels | 37 |
| 2.4 | Versuchsdurchführung | 40 |
| 2.5 | Versuchsdesign | 42 |
| 3. | Ergebnisse | 42 |
| 3.1 | Voraussetzungen für eine Regressionsanalyse | 42 |
| 3.1.1 | Normalverteilungsannahme | 42 |
| 3.1.2 | Multikollinearität | 43 |
| 3.1.3 | Autokorrelation der Residuen | 44 |
| 3.2 | Ergebnisse der Untersuchung über die Moderatorvariablen des Raumverhaltens | 44 |
| 3.2.1 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 1.1 | 44 |
| 3.2.2 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 1.2 | 45 |
| 3.3 | Ergebnisse der Untersuchung über Raumverhalten als mögliches weibliches Kontrollverhalten | 46 |
| 3.3.1 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 2.1 | 46 |
| 3.3.2 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 2.2 | 47 |
| 3.4 | Ergebnisse der Untersuchung über die Vorhersage weiblicher Kontaktbereitschaft durch das beobachtete Raumverhalten | 48 |
| 3.4.1 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 3.1 | 50 |
| 3.4.2 | Extraktion und Interpretation von Posen für Frauen in heterosexueller Interaktion | 52 |
| 3.4.3 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 3.2 | 62 |
| 3.4.4 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 3.3 | 64 |
| 3.5 | Ergebnisse der Untersuchung zur Testgüte von EyesWeb | 64 |
| 3.5.1 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 4.1 | 64 |
| 3.5.2 | Ergebnisse der Überprüfung der Hypothese 4.2 | 65 |
| 4. | Diskussion | 65 |
| 5. | Zusammenfassung | 73 |
| 6. | Literaturverzeichnis | 74 |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | 78 | |
| TABELLENVERZEICHNIS | 79 | |
| Anhangsverzeichnis | ||
| Anhang A | Einverständniserklärung | 81 |
| Anhang B | Paper-Pencil-Fragebogen PANAS | 82 |
| Anhang C | Paper-Pencil-Fragebogen Proxemics (inkl. SOI) | 83 |
| Anhang D | Rotierte Komponentenmatrix der Hauptkomponentenanalyse der 144 Distanzen, die für die Versuchsgruppe der Frauen in heterosexueller Interaktion ermittelt wurden | 86 |
| Anhang E | Interkorrelationsmatrix der ermittelten durchschnittlichen Abstände mit den Einstellungen der Frau dem Mann gegenüber | 89 |
| Anhang F | Tabelle der signifikanten Korrelationen der durchschnittlichen Abstände mit den Einstellungen der Frau dem Mann gegenüber | 92 |
| Anhang G | Interkorrelationsmatrix der Varianzen der ermittelten durchschnittlichen Abstände mit weiblichen Kontaktbereitschaft | 93 |
| Anhang H | Tabelle der signifikanten Korrelationen der Varianzen der ermittelten durchschnittlichen Abstände mit den Einstellungen der Frau dem Mann gegenüber | 95 |
| Anhang I | Matrix der Normalverteilungsprüfung für die Abstände und Varianzen der Abstände | 96 |
| Anhang J | Ergebnisse der Überprüfung der Voraussetzungen einer Regressionsanalyse | 100 |
| Erklärung | 103 |
38 son immer gleich bleibt. Das heißt, dass der Abstand der rechten und der linken Schulter nicht willentlich verändert wird. Überdies wird angenommen, dass sich alle Körperteile auch drehen, wenn die Schultern sich drehen. Der Abstand der beiden Schultern wird dabei wie der Abstand zwischen Körperteilen zweier Personen berechnet (s. Abschnitt 2.2.1). Sollte der beobachtete Abstand zwischen den Schultern jedoch kleiner werden, kann man dies auf eine perspektivische Verkürzung aufgrund von Drehung um die eigene Körperachse zurückführen, wie in Abbildung 7 dargestellt. Eine perspektivische Verkürzung aufgrund der Entfernung der Person von der Kamera kann dabei wegen des Versuchsaufbaus ausgeschlossen werden. Abbildung 7 demonstriert dies graphisch: der gemessene Abstand der Schultern ist durch „2 x“ dargestellt. Die Y-Achse des Koordinatenkreuzes symbolisiert dabei die Schwerpunktlinie oder Drehachse des Körpers. Der reale Abstand der Schultern entspricht „2 z“ oder dem Durchmesser des unten dargestellten Kreises. Dreht sich nun eine Person, kann der Drehwinkel über den Arccosinus, welcher dem Quotienten von beobachtetem und realem Schulterabstand entspricht, berechnet werden. [...]
Zur Lösung beider Probleme wird die Körperdrehung deshalb nachträglich aus der Abstandsmessung herausgerechnet, so dass faktisch keine Drehung mehr vorhanden ist. Der Drehwinkel, auf den standardisiert wird, beträgt 90°. Die Probanden scheinen sich dadurch genau gegenüber zu stehen. Wie man in Abbildung 6 sieht, entstehen Abstandsverfälschungen durch Positionseffekte jedoch nur, wenn die Probanden frontal zur Kamera nebeneinander stehen. Durch die Standardisierung auf einen Drehwinkel von 90° kann man diese Problematik eliminieren, da die Probanden bei einem Drehwinkel von 90° nun frontal zueinander und nicht mehr frontal zur Kamera stehen. Das exakte Vorgehen bei der Berechnung des Drehwinkels aus den aufgezeichneten Koordinatenpunkten wird nun im folgenden Absatz beschrieben. 2.3.1 Berechnung und Standardisierung des Drehwinkels Zur Berechnung des Drehwinkels stehen die Koordinatenpunkte der analysierten Körperpunkte zur Verfügung. Der Drehwinkel wird dabei wie folgt berechnet: Man geht davon aus, dass der Abstand der rechten und der linken Schulter bei einer Per- [...]
2.3 Kontrolle von Störvariablen Um die Körperpunkte der Probanden reliabel ableiten zu können, ist es wichtig, dass diese weitestgehend frontal zur Kamera stehen. Da die Versuchsteilnehmer jedoch miteinander kommunizieren sollen, besteht eine normale Tendenz, sich während des Gespräches dem Gesprächspartner mehr oder weniger zuzuwenden, indem man sich um seine eigene Körperachse dreht. Da jede Versuchsperson sich jedoch individuell dem Gegenüber zuwendet und auch während des Gespräches die Zuwendung zum anderen intraindividuell variiert, muss ein Maß gefunden werden, um die Drehbewegung der Personen um ihre eigene Achse zu kontrollieren. Sollte dies nicht gelingen, können die Abstandsdaten verfälscht werden, wie Abbildung 5 verdeutlicht. Hierbei sind die Probanden schematisch von oben dargestellt. Die Problematik ist an dem Abstand der Schultern in Abbildung 5 exemplarisch verdeutlicht. Wie man dort erkennen kann, wächst der Abstand d=(X1A,Y1A);(X2,Y2) beträchtlich, wenn sich Proband A im Winkel α um seine eigene Achse dreht. Der neue Abstand von der linken Schulter des Probanden A zur rechten Schulter des Proband B d=(X1B,Y1B);(X2, Y2) ist durch die Körperdrehung nun wesentlich größer als der ursprüngliche Abstand. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832496418
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