Privatisierung kommunaler Tourismuseinrichtungen im Rahmen der Tourismusentwicklung in Schleswig-Holstein
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Harald Behrens
- Abgabedatum: November 2005
- Umfang: 125 Seiten
- Dateigröße: 2,4 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Flensburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9556-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9556-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9556-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Behrens, Harald November 2005: Privatisierung kommunaler Tourismuseinrichtungen im Rahmen der Tourismusentwicklung in Schleswig-Holstein, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Reise, Public Private Partnership, Contracting Out, Outsourcing, Marketing
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Diplomarbeit von Harald Behrens
Einleitung:
In der seit dem 04. Juni 2002 vorliegenden Tourismuskonzeption des Landes Schleswig-Holstein, herausgegeben durch das Ministerium für ländliche Räume, Landesplanung, Landwirtschaft und Tourismus (MLR), wird die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Tourismus hervorgehoben:
Schleswig-Holstein ist wie kaum ein anderes Bundesland vom Tourismus geprägt: Der Tourismus hat für das Land eine herausragende Bedeutung als Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Struktur- und Imagefaktor. Eine Besonderheit dieses Wirtschaftszweiges ist die Vielzahl verschiedenartiger und häufig kleiner Anbieterinnen und Anbieter, die an der Produkterstellung beteiligt sind. Die öffentliche Hand ist zudem im Gegensatz zu anderen Branchen „Mitproduzent“ des touristischen Angebotes und steht wegen der genannten strukturellen Gegebenheiten des Tourismus in einer besonderen Verantwortung für die Weiterentwicklung dieses Wirtschaftszweiges.
In Anlehnung an die qualitativen sowie quantitativen Leitziele der Tourismuspolitik wird die Forderung gestellt, die Qualität der öffentlichen touristischen Infrastruktur an die sich verschärfenden nationalen sowie internationalen Wettbewerbsbedingungen anzupassen. Ähnlich äußert sich Prof. Dr. Georg Bleile in seinen 10 Thesen zur Vermarktung von touristischen Destinationen. Der kontinuierliche Verlust von Marktanteilen im Deutschland-Tourismus an das Ausland sei zurückzuführen auf eine Überorganisation des deutschen Tourismus, der nicht markt- und nachfrageorientiert, sondern mitgliederzentriert arbeite. Bleile selbst schlägt eine Re-Organisation des Destinationstourismus in privatrechtlicher Unternehmensform als ‚private-public-partnership' vor. Die Privatisierung und Kommerzialisierung einer Tourismusorganisation sei am Beispiel der Tourismus Zentrale Hamburg GmbH (TZH) bereits erfolgreich umgesetzt worden.
Problemstellung:
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Aufgabenerfüllung und der Tourismusentwicklung im kommunalen Fremdenverkehr in Schleswig-Holstein auseinander. Sie belegt die Bedeutung des Wirtschaftsfaktors Tourismus in Schleswig-Holstein und untersucht dabei kritisch die touristischen Strukturen auf kommunaler Ebene.
Es wird dabei der Fragestellung nachgegangen, inwieweit die gegenwärtige Organisationsstruktur marktkonform ist und ob sie den wachsenden Wettbewerbsanforderungen in nationalen Fremdenverkehr gerecht werden kann. Es wird weiterhin geprüft, inwieweit eine qualitative Aufgabenteilung zwischen privater und öffentlicher Hand sinnvoll ist. Es werden unterschiedliche Lösungswege dargestellt und diskutiert, u.a. das Konzept einer „public-private-partnership“ und die Privatisierung durch die Vergabe der touristischen Vermarktung an ein externes Dienstleistungsunternehmen im Sinne des Contracting-out.
Die Arbeit basiert auf einem Projekt der Glücksburger Konzepte GmbH. Der gemeindeeigne Betrieb der Kurverwaltung steht vor der Liquidation; in diesem Zusammenhang soll die öffentlich-rechtlich organisierte Touristinformation in ein privatwirtschaftlich strukturiertes Tourismus-Service-Center umgewandelt werden. Aus der eigenen Beteiligung an dem Privatisierungsvorhaben stammt die Motivation, den Projektverlauf theoretisch fundiert im Rahmen dieses Werkes darzustellen.
Das Projekt befindet sich zur Zeit in einer Frühphase der Umsetzung, so dass ein abschließender Soll-Ist-Vergleich vorerst nicht möglich sein wird. Trotzdem schließen sich im Rahmen einer detaillierten Projektanalyse die kritische Auseinandersetzung und die Bewertung des Glücksburger Modells an. Hier liegt ein Schwerpunkt im Aufzeigen von Chancen und Risiken, die aus der Privatisierung der vormals öffentlich-rechtlich betriebenen touristischen Leistungserbringung resultieren.
Die Ausführungen zu den Grundlagen der Fremdenverkehrslehre dienen dem Einstieg in einen Sektor, der sich mit mikro- und makroökonomischen Fragen und Problemfeldern auseinandersetzt. Dabei wird der Bereich des Tourismusmarketings auf die für das Privatisierungsthema wesentlichen Inhalte beschränkt.
Weiterhin werden die Bereiche Destinationsmanagement, Standort- und Regionalmarketing bewusst ausgegrenzt, da sie nicht Gegenstand dieser Arbeit und somit nicht zielführend sind.
Der thematische Schwerpunkt der Arbeit befasst sich mit der touristischen Entwicklung und Vermarktung auf kommunaler Ebene. Aus diesem Grunde werden die übergeordneten gesellschaftlichen Ebenen (Region, Land und Bund) nur am Rande und wie für das Thema von Relevanz behandelt.
Im Rahmen der Auseinandersetzung mit dem kommunalen Finanzwesen wird nicht näher auf unternehmenssteuerliche Aspekte eingegangen. Das Glücksburger Modell sieht eine Aufgabenprivatisierung vor. Daher kommt es primär nicht zu einer Veränderung der kommunalen Trägerschaftsformen und den damit verbundenen möglichen steuerlichen Veränderungen. In allen anderen Fällen wäre die Beachtung unternehmenssteuerlicher Auswirkungen notwendig für eine Bewertung eines Privatisierungsvorhabens.
Ähnliches gilt für den Themenbereich „Privatisierung“ und „public-private-partnership“. Die Ausführungen in dieser Arbeit beschränken sich darauf, ein Grundverständnis über mögliche Wege der Kooperation zwischen Staat und privater Hand zu schaffen.
Die Arbeit verzichtet bewusst auf die detaillierte Beschreibung von PPP-Projekten sowie Finanzierungsmodellen im Rahmen der Stadt- und Regionalentwicklung. Eine Analyse von PPP-Projekten im Bereich kommunaler Versorgungsunternehmen, z.B. Energieversorgung, Müllentsorgung, der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV), erfolgt nicht wegen der touristischen Themenauslegung.
Gang der Untersuchung:
Nach einem einleitenden Verweis auf die aktuellen Anforderungen an den kommunalen Tourismus werden die Zielsetzung und die Motivation der vorliegenden Arbeit beschrieben. Die inhaltliche Abgrenzung des Themas schließt die Einleitung ab.
Im Anschluss wird in Kapitel zwei auf Grundlagen der Fremdenverkehrslehre, des touristischen Marketings und der Fremdenverkehrspolitik eingegangen. Thematische Schwerpunkte liegen in der Darstellung systemtheoretischer Erklärungsmodelle, in der Untersuchung der Funktionsweise von Angebot und Nachfrage im Tourismus sowie in der Beschreibung des touristischen Dienstleistungsmarketings.
Aufbauend auf die vorangegangenen Ausführungen setzt sich das dritte Kapitel mit dem Wirtschaftsfaktor Tourismus in Schleswig-Holstein sowie der aktuellen Marktsituation auseinander. Über die Beschreibung der Träger der Fremdenverkehrspolitik auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen hinaus wird die Struktur des kommunalen Tourismus untersucht. Diese Analyse widmet sich den verschiedenen Betriebsformen, den ihnen anhängenden Spannungsfeldern und möglichen Lösungsansätzen im Wege einer Integration von privaten Interessengruppen.
Das vierte Kapitel löst sich in einem ersten Schritt von der strengen touristischen Aufgabenstellung und beschäftigt sich allgemein mit dem Verhältnis von Staat und Privatwirtschaft. Nach der Auseinandersetzung mit den Themen „Privatisierung“ und „public-private-partnership“ im Sinne einer effizienten Aufgabenerfüllung öffentlicher Aufgabenbereiche folgt die Überleitung zurück in den Bereich des Fremdenverkehrs.
Gegenstand des fünften Kapitels ist die Projektstudie über die Privatisierung der Touristinformation Glücksburg von der Konzeption bis zur Umsetzung. Ausgehend von einer Ist-Analyse werden die Problem- und Konfliktfelder untersucht sowie ein für den Standort passender Lösungsansatz ermittelt.
Das sechste Kapitel fasst die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen; die Schlussbetrachtung zieht ein Fazit zur Projektrealisierung und gibt einen Ausblick auf zukünftige Verbesserungspotenziale.
Inhaltsverzeichnis:
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | VI | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | VIII | |
| TABELLENVERZEICHNIS | VIII | |
| AUFBAU DER ARBEIT | IX | |
| 1. | EINLEITUNG | 10 |
| 1.1 | GEGENSTAND UND ZIELSETZUNG DER ARBEIT | 11 |
| 1.2 | ABGRENZUNG DES THEMAS | 13 |
| 2. | GRUNDLAGEN DER FREMDENVERKEHRSLEHRE | 14 |
| 2.1 | TERMINOLOGIE UND ALLGEMEINE DEFINITIONEN | 14 |
| 2.2 | VOM „TOURISMUS“ ZUR „TOURISTIK“ | 15 |
| 2.3 | WIRKUNGSZUSAMMENHÄNGE IN TOURISMUSMODELLEN | 16 |
| 2.4 | ÖKONOMISCHE BETRACHTUNG DES FREMDENVERKEHRS | 18 |
| 2.5 | GRUNDZÜGE DES TOURISMUSANGEBOTS | 19 |
| 2.5.1 | Struktur des touristischen Angebots | 20 |
| 2.6 | GRUNDZÜGE DER TOURISTISCHEN NACHFRAGE | 22 |
| 2.6.1 | Einteilungskriterien der touristischen Nachfrage | 23 |
| 2.7 | AKTUELLE TRENDS UND MEGATRENDS IM TOURISMUS | 25 |
| 2.8 | TOURISMUSMARKETING IST DIENSTLEITUNGSMARKETING | 26 |
| 2.8.1 | Kennzeichen des touristischen Produktes aus Marketingsicht | 27 |
| 2.9 | GRUNDLAGEN DER FREMDENVERKEHRSPOLITIK | 29 |
| 3. | STRUKTUR DES TOURISMUS IN SCHLESWIG-HOLSTEIN | 32 |
| 3.1 | TOURISMUS ALS WIRTSCHAFTFAKTOR IN SCHLESWIG-HOLSTEIN | 33 |
| 3.1.1 | Umsatzbetrachtung und kommunale Steuereffekte | 33 |
| 3.1.2 | Wertschöpfung und Beitrag zum Volkseinkommen | 34 |
| 3.1.3 | Beschäftigungssituation und Tourismusintensität | 35 |
| 3.2 | MARKTSITUATION IM SCHLESWIG-HOLSTEIN-TOURISMUS | 36 |
| 3.3 | TOURISMUSKONZEPTION SCHLESWIG-HOLSTEIN | 39 |
| 3.3.1 | Leitziele der Tourismuskonzeption | 39 |
| 3.3.2 | Strategische Handlungsfelder | 40 |
| 3.4 | TRÄGER DER FREMDENVERKEHRSPOLITIK IN SCHLESWIG-HOLSTEIN | 41 |
| 3.4.1 | Tourismuspolitische Institutionen auf Landesebene | 42 |
| 3.4.2 | Tourismuspolitische Institutionen auf regionaler Ebene | 45 |
| 3.4.3 | Tourismuspolitische Institutionen auf kommunaler Ebene | 46 |
| 3.5 | ANALYSE DER KOMMUNALEN TOURISMUSSTRUKTUR | 47 |
| 3.5.1 | Kommunale Wirtschaftsunternehmen im Fremdenverkehr | 48 |
| 3.5.1.1 | Das Fremdenverkehrsamt als Regiebetrieb | 49 |
| 3.5.1.2 | Die Kurverwaltung als Eigenbetrieb | 51 |
| 3.5.1.3 | Die Fremdenverkehrs-GmbH als kommunale Eigengesellschaft | 52 |
| 3.5.2 | Gegenüberstellung der Rechtsformen im kommunalen Tourismus | 53 |
| 3.6 | KONFLIKTPOTENTIALE AUF KOMMUNALER EBENE | 55 |
| 4. | GRUNDLAGEN ZUR PRIVATISIERUNG TOURISTISCHER EINRICHTUNGEN | 57 |
| 4.1 | ZUM VERHÄLTNIS VON PRIVATER UND ÖFFENTLICHER WIRTSCHAFT | 57 |
| 4.2 | PRIVATISIERUNG: ÜBERBLICK ÜBER THEORETISCHE GRUNDLAGEN | 59 |
| 4.2.1 | Definitionsansätze und Begriffsbestimmungen | 59 |
| 4.2.2 | Zielsetzungen | 60 |
| 4.2.2.1 | Spezielle Zielsetzungen im kommunalen Tourismus | 62 |
| 4.2.3 | Formen der Privatisierung | 62 |
| 4.2.4 | Formelle Privatisierung | 63 |
| 4.2.5 | Materielle Privatisierung | 65 |
| 4.2.5.1 | Konzessionssystem | 66 |
| 4.2.5.2 | Submissionssystem | 66 |
| 4.2.6 | Abgrenzung von Privatisierung und PPP | 67 |
| 4.2.6.1 | Contracting out | 67 |
| 4.2.6.2 | Outsourcing | 68 |
| 4.3 | PUBLIC-PRIVATE-PARTNERSHIP ALS INTEGRATIONSANSATZ | 69 |
| 4.3.1 | Begriffsbestimmung und Charakteristika | 70 |
| 4.3.2 | PPP-Projekte: Die Potentiale des Instrumentes | 72 |
| 4.3.3 | PPP-Projekte: Die Restriktionen des Instrumentes | 73 |
| 4.3.4 | Ziele der PPP | 74 |
| 4.3.5 | Risiken und Risikoverteilung innerhalb der PPP | 75 |
| 4.4 | PPP-MODELLE IM TOURISMUS | 76 |
| 4.4.1 | PPP als Instrument der Tourismusentwicklung | 77 |
| 4.4.2 | Erfolg im Tourismus mit PPP: Hamburg Tourismus GmbH | 78 |
| 5. | PROJEKTSTUDIE TOURISTINFORMATION GLÜCKSBURG (OSTSEE) | 80 |
| 5.1 | TOURISMUSSTANDORT GLÜCKSBURG (OSTSEE) | 80 |
| 5.1.1 | Touristische Kennzahlen | 81 |
| 5.1.2 | Wirtschaftliche Effekte des Fremdenverkehrs in Glücksburg | 84 |
| 5.1.3 | Bewertung der touristischen und wirtschaftlichen Kennzahlen | 85 |
| 5.1.4 | Fremdenverkehrsinstitutionen in Glücksburg | 86 |
| 5.1.5 | Betriebswirtschaftliche Analyse Kurverwaltung Glücksburg | 87 |
| 5.2 | PROBLEMFELDER, URSACHEN UND LÖSUNGSANSATZ | 90 |
| 5.2.1 | Zwischenergebnis und (Privatisierungs-) Zielsetzung | 91 |
| 5.2.2 | Fragen im Vorwege der Privatisierungsentscheidung | 93 |
| 5.2.3 | Privatisierungsentscheidung und Begründung | 93 |
| 5.3 | LEISTUNGSUMFANGES DES TOURISTISCHEN MARKETINGPARTNERS | 95 |
| 5.4 | RECHTLICHE KONSTRUKTION | 96 |
| 5.5 | EINBINDUNG DER TOURISTINFORMATION IN DIE ORGANISATIONSSTRUKTUR DES AUFTRAGNEHMERS | 97 |
| 5.6 | PERSONALWIRTSCHAFTLICHE FRAGESTELLUNGEN | 100 |
| 5.7 | STRATEGISCHE UND OPERATIVE HANDLUNGSFELDER | 102 |
| 5.7.1 | Betrieb Touristinformation Glücksburg | 102 |
| 5.7.2 | Aufgabenbereich Marketing | 103 |
| 5.8 | BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE WÜRDIGUNG | 105 |
| 5.9 | PLANUNG DER FINANZEN DER PRIVATISIERTEN TOURISTINFORMATION (SZENARIO) | 106 |
| 5.9.1 | Umsatzplanung | 107 |
| 5.9.2 | Investitionsplanung | 108 |
| 5.9.3 | Kostenplanung | 109 |
| 5.9.4 | Erfolgsplan (Rentabilitätsvorschau) | 109 |
| 6. | SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK | 112 |
| ANHANG | 114 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 114 | |
| FORMEN VON PRIVATISIERUNG UND PPP (ABBILDUNG) | 119 | |
| URSPRUNG DES PPP-ANSATZES (EXKURS) | 121 | |
| GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN DER PPP (EXKURS) | 122 |
Die Auseinandersetzung mit den Zielsetzungen geht eng einher mit der Beantwortung der Frage, welche Aufgaben im Rahmen der kommunalen Tourismusentwicklung und – förderung von welchen Institutionen wahrgenommen werden können. Die Privatisierungsdiskussion wird zumeist dann geführt, wenn zu vermuten ist, das gemeindeeigene Fremdenverkehrsbetriebe in nicht ausreichender Effizienz auf die Erfordernisse des touristischen Marktes und der Entwicklung der Fremdenverkehrsregion reagieren können. Die Zielsetzungen im kommunalen Tourismus orientieren sich demnach verstärkt an den Anforderungen des touristischen Marktes und Marketings und weniger in der Bewältigung verwaltungsrechtlicher Aufgaben. Angesichts des wachsenden Wettbewerbsdruckes im bundesweiten Fremdenverkehr98, werden aus kommunaler Sicht die nachfolgenden Ziele verstärkt formuliert: • • • • • • Trennung öffentlich-rechtlicher Verwaltungsaufgaben von Marketingaufgaben, Entlastung der kommunalen Haushalte, Langfristige Haushaltskonsolidierung, Qualitätssteigerung im kommunalen Tourismus, Verbesserung der Gäste- bzw. Kundenbetreuung, Erhöhte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an touristische Marktgegebenheiten. 4.2.3 Formen der Privatisierung [...]
In diesem Zusammenhang stellt Loesch den Rentabilitätsmaßstab im Sinne von Kapitalverzinsung bei öffentlichen Unternehmen in den Hintergrund. Öffentlichen Unternehmen gehe es zumeist in erster Linie um den Grad der Erfüllung der ihnen gestellten gemeinnützigen Aufgaben [Loesch, 1987, 107ff]. Häufig seien finanzpolitische Hintergründe die Triebfeder die Privatisierung bisher öffentlicher Aufgaben zur Entlastung der öffentlichen Haushalte voranzutreiben.95 Durch die Privatisierung bisher öffentlicher Aufgaben werde eine Möglichkeit gesehen, die kommunalen Kassen zu entlasten, da nicht nur einmalige Verkaufserlöse positiv zu bewerten sind, sondern zu dem Zeitpunkt auch eine zusätzliche Kreditaufnahme zur Deckung der Ausgaben verzichtet werden kann.96 Bei Privatisierungen, bei denen die Eigentumsrechte bei der öffentlichen Hand verbleiben (sogenannte formale Privatisierung), wird durch den Wechsel im Charakter der Organisationsform erwartet, dass es zu einer effizienteren und expandierenden Wirtschaftstätigkeit kommt. Diese sollen mit Einnahmesteigerung verbunden sein. Die erfolgreiche Umsetzung allerdings ist zumeist davon abhängig, in wiefern die äußeren Rahmenbedingungen angepasst werden können. Ein reiner Wechsel der Rechtsform führt nicht automatisch zu Einnahmesteigerungen. Privatisierungen bieten zusätzlich Möglichkeiten, personalwirtschaftliche Ziele zu erreichen und Veränderungen zu bewegen. Eine Privatisierung öffentlicher Aufgaben soll häufig dazu beitragen, aufgetretene Personalprobleme zu lösen, die aufgrund des öffentlichen Dienstrechtes entstanden sind. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die öffentlichen Verwaltungen dahingehend aufgebaut, da die Vertretungskörperschaften zu der Auffassung gelangt sind, bestimmte Aufgaben in besonderer Weise zu führen zu haben, um sie für die Bürger vorhalten zu können.97 [...]
Grundsätzlich werden im Rahmen von Privatisierungen ökonomische, finanzpolitische und personalwirtschaftliche Ziele verfolgt. Wirtschaftlich betrachtet ist das vorrangige Ziel einer Privatisierung eine betriebliche Leistungssteigerung. Dabei heißt es, dass die private Wirtschaftstätigkeit einer öffentlichen Leistungsstellung vorzuziehen ist, weil sich von privater Hand eine größere Innovationsbereitschaft, mehr Flexibilität und eine stärkere Nachfrageorientierung versprochen wird. Es wird unterstellt, dass in einem funktionsfähigen Wettbewerb das Privateigentum an Produktionsmitteln eine höhere Effizienz erzielen kann, als dies von der öffentlichen Leistungserstellung zu erwarten ist. In der Regel ist dies dadurch begründet, dass privatwirtschaftlicher Organisationsformen mit kürzeren und einfacheren Betriebsabläufen vorzufinden sind. Die Entscheidungsstrukturen und die damit verbundenen Kompetenzen sind eindeutig festgelegt. Allerdings darf nicht pauschal behauptet werden, dass die Erfüllung öffentlichrechtlicher Aufgaben durch die private Hand grundsätzlich besser erfolgt. Die verminderte Wirtschaftlichkeit in der Leistungserstellung öffentlicher Unternehmen liegt darin begründet, dass für öffentliche Betriebe ein anderer Effizienzmaßstab existiert als er für private Unternehmen gegeben ist. [...]
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Arbeit zitieren:
Behrens, Harald November 2005: Privatisierung kommunaler Tourismuseinrichtungen im Rahmen der Tourismusentwicklung in Schleswig-Holstein, Hamburg: Diplomica Verlag
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Reise, Public Private Partnership, Contracting Out, Outsourcing, Marketing



