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Tod und Sterben in der Moderne - Eine Diskursanalyse der öffentlichen Diskussion um das Lebensende

Tod und Sterben in der Moderne - Eine Diskursanalyse der öffentlichen Diskussion um das Lebensende
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Anja Schaller
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 635,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9510-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9510-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9510-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schaller, Anja August 2005: Tod und Sterben in der Moderne - Eine Diskursanalyse der öffentlichen Diskussion um das Lebensende, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Sterbehilfe, Patientenverfügung, Foucault, Todesbilder, Diskurstheorie

Diplomarbeit von Anja Schaller

Einleitung:

Die neueren Entwicklungen in der Medizin führen zu einer Medikalisierung des Sterbens. Das Bild des Todes in der modernen Gesellschaft hat – im Gegensatz zum Todesbild der Vormoderne – einen grundlegenden Wandel erfahren. Fürchtete man früher den plötzlichen, den unerwartbaren Tod, ist es heute eher ein künstlich verlängertes und langsames Sterben, das Angst auslöst.

Häufig hört man die Aussage, ein schöner Tod wäre der, einfach einzuschlafen. Aber lässt die moderne Medizin dies überhaupt zu? Welche Wege und Mittel hat der Einzelne, seinen Tod zu gestalten wie er es für richtig findet und welche Chancen aber auch Risiken bergen institutionalisierte Formen des Umgangs mit dem Tod wie etwa Patientenverfügungen? Können Patientenverfügungen halten, was sie versprechen? Geben sie Sicherheiten in einem Thema voller Unsicherheiten?

Und weiter, gibt es gute Gründe für eine aktive Entscheidung für den Tod? Darf man in einer modernen Gesellschaft einem Patienten das Recht zusprechen, sich auch gegen ein Weiterleben zu entscheiden? Kann man verantworten, dass andere in Form von passiver oder auch aktiver Sterbehilfe in diese Entscheidung mit eingebunden werden und damit auch Verantwortung tragen? Kann und darf eine solch schwerwiegende Entscheidung einer Person in die Hände gelegt werden, kann diese autonom entscheiden?

Diese und andere Fragen drängen sich bei diesem heiklen Thema auf und um deren Beantwortung wird es unter anderem in dieser Arbeit gehen. Ziel dieser Arbeit wird also sein, die Konstruktion von Sicherheiten im Umgang mit Sterben und Tod in der modernen Gesellschaft zu untersuchen. Es soll dabei vor allem um die Veränderung der Todesbilder und die ethische Frage der Sterbenspraktiken vor dem Hintergrund von Patientenverfügungen und Sterbebegleitung gehen, unter besonderer Beachtung der Herstellung von Sicherheiten.

Tod, Sterben und was damit zu tun hat ist in der heutigen Zeit immer noch ein Tabu-Thema. Zwar wird es mittlerweile durchaus thematisiert und es entstehen immer mehr Einrichtungen, die für den Sterbeprozess ausgelegt sind wie etwa Hospize oder palliativmedizinische Einrichtungen. Aber wie differenziert die Auseinandersetzung mit Sterben in der heutigen Gesellschaft wirklich ist, lässt sich daraus nicht erkennen.

Im Laufe der Arbeit wird zu zeigen sein, wie durch die aktuelle Debatte vor allem von so genannten Experten Sicherheiten in die soziale Wirklichkeit hineinkonstruiert werden, wie aber im gleichen Atemzug auch Unsicherheiten entstehen und wie die konstruierten Sinnzusammenhänge ihre Wirkung finden.

Um diese Problemstellung auch und vor allem methodisch erschließen zu können, bietet sich eine Diskursanalyse der aktuellen öffentlichen (Experten-) Diskussion an. Dazu werden erst die begrifflichen Grundlagen einer kritischen Diskursanalyse anknüpfend an die Diskurstheorie von Michel Foucault gelegt, um dann das methodische Vorgehen theoretisch zu spezifizieren. Die Analyse des Datenmaterials wird den nächsten großen thematischen Abschnitt dieser Arbeit bilden. Daran anschließend sollen die Ergebnisse mit dem Bild des Sterbens und des Todes in der Moderne in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden.

Natürlich kann im Rahmen einer solchen Arbeit nicht alles erschöpfend dargestellt werden, dennoch soll am Ende ein differenzierter Überblick über die Thematik entstehen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Der Diskurs 5
2.1 Diskurse als Aussagensysteme 6
2.2 Diskursive Praktiken 8
2.3 Die Formationsregeln 9
2.4 Die Wahrheit der Diskurse 12
2.5 Die Macht der Diskurse 14
3. Die Diskursanalyse - theoretisch 15
3.1 Vorgehensweise 16
3.1.1 Verortung des Diskursstrangs 17
3.1.2 Materialaufbereitung für die Analyse des Diskursstrangs 18
3.1.3 Materialaufbereitung für die Feinanalyse 18
3.1.4 Die Feinanalyse 19
3.2 Einordnung der Untersuchungsergebnisse 21
4. Die Diskursanalyse – praktisch 23
4.1 Zur Beschreibung des Diskurses 23
4.2 Aufstellung des Datenmaterials 24
4.3 Diskursive Themen 26
4.3.1 Selbstbestimmungsrecht 28
4.3.1.1 Autonomie 29
4.3.1.2 Patientenwille 34
4.3.1.3 Werte 43
4.3.2 Würde 47
4.3.3 Lebensqualität 52
4.3.4 Angehörige 58
4.3.5 Leiden 64
4.3.6 Verbindlichkeit von Patientenverfügungen 70
4.4 Einordnung der Untersuchungsergebnisse 75
5. Sterben und Tod in der Moderne 79
5.1 Der Wandel der Todesbilder 79
5.2 Die Theorie von der Verdrängung des Todes 83
5.3 Die Konstruktion „moderner“ Todesbilder 85
5.4 Die gesellschaftliche Konstruktion von Sicherheit 86
5.4.1 Der Hospizgedanke und die Palliativmedizin 88
5.4.2 Patientenverfügungen und Sterbehilfe 90
6. Fazit 92
7. Literaturverzeichnis 94
8. Anhang 99

Automatisiert erstellter Textauszug:

Hier soll Sicherheit kommuniziert werden. Eine Behandlungsentscheidung, die sich durch die vorhandene oder eben nicht vorhandene Lebensqualität rechtfertigt, scheint eine vertretbare Entscheidung zu sein. Diese Sicherheit ist aber nur konstruiert, denn verbindliche Aussagen über das subjektive Empfinden der Lebensqualität stehen dem Arzt nicht zu. Der Autor versucht durch seine Aussage, dem Arzt als Inhaber des Spezialwissens ‚medizinische Behandlungsmöglichkeiten’ Autorität zu verschaffen, die dann auch auf die Lebensqualität übertragen werden soll. Dies kann nicht gelingen, denn er geht nicht weiter auf die Lebensqualität als Kriterium ein. Der Versuch, den Arzt als Vertreter des Wissens in seiner Profession auch auf subjektiver Empfindungsebene des Patienten zu stärken kann so allgemein nicht funktionieren. Die Asymmetrie des Wissens in der Arzt-Patienten-Beziehung überwiegt und der Arzt bleibt außen stehend. Der Palliativmedizin räumt etwa Müller-Busch einen wichtigen Stellenwert in der Sicherung der Lebensqualität ein und versucht dies begründbar zu machen. [...]

Um die Entscheidung gegen ein Weiterleben begründbar zu machen und damit auch Sicherheit im Umgang mit solchen Entscheidungen zu schaffen, wird unter anderem das Kriterium Lebensqualität herangezogen. Das heißt medizinisches Fachwissen und medizinische Definition der Situation darf nicht dem individuellen Interesse der Qualität des eigenen Lebens übergeordnet werden. Formulierungen wie ‚Insiderwissen’ und ‚Subjektivität’ können dabei die nötige Distanz beim Leser schaffen, um diese Begründbarkeit auch nachzuvollziehen. Denn nicht nur der Arzt ist dieser Asymmetrie des Wissens unterlegen, sondern eben auch das Publikum des Artikels. Dieses wird durch die Anspielung auf die Wissens-Asymmetrie in eine Rolle gedrängt, in der es nicht [...]

Die ausgewählten Zitate zeigen, dass Lebensqualität in der Begründung gleichgesetzt wird mit Autonomie, mit Werten und Sinn. So soll die Bedeutung einer Qualität des Lebens auch und wieder vor allem in der Sterbesituation hervorgehoben werden. Dieses Diskursfragment wiederum ist eng mit dem Diskursfragment Würde verknüpft. Lebensqualität definiert sich vor allem über den sozialen Kontakt zur Außenwelt am Ende des Lebens. Ist dieser Kontakt nicht mehr möglich, verliert der Patient nicht nur an Lebensqualität sondern eben auch an Würde. Und Schmerzen bzw. der Verlust von Körperfunktionen verstärkt diesen Umstand noch. Entsprechend stellen Burchardi et al. in ihrer Studie immer wieder fest (und kommunizieren dies recht deutlich), dass sich vor allem Patienten selbst häufig auf das Argument Lebensqualität bzw. Lebensmöglichkeiten berufen. Dies scheint für diese Patienten mit infauster Prognose einen besonders hohen Stellenwert zu haben und Burchardi et al. nutzen diese Ergebnisse, um die Kriterien um die Patientenverfügung festzulegen. Der komplette Artikel arbeitet sehr stark mit der Bezugnahme auf diese Lebensmöglichkeiten. 53 [...]

Arbeit zitieren:
Schaller, Anja August 2005: Tod und Sterben in der Moderne - Eine Diskursanalyse der öffentlichen Diskussion um das Lebensende, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Sterbehilfe, Patientenverfügung, Foucault, Todesbilder, Diskurstheorie

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