Wachstumsmärkte der Zukunft - wie die demografische Entwicklung das Kaufverhalten verändert
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Britta Aue
- Abgabedatum: Januar 2006
- Umfang: 113 Seiten
- Dateigröße: 6,3 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9480-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9480-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9480-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Aue, Britta Januar 2006: Wachstumsmärkte der Zukunft - wie die demografische Entwicklung das Kaufverhalten verändert, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Marketing, Senior, Best Ager, Konsum, Alter
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Diplomarbeit von Britta Aue
Einleitung:
Deutschland altert. In der Vergangenheit entwickelte sich die deutsche Bevölkerung stets in dieselbe Richtung, sie wuchs. Im 18. Jahrhundert stieg die deutsche Bevölkerungszahl von 15 auf 22 Millionen und im 19. wuchs sie weiter auf 56. Heute leben in Deutschland 82 Millionen Menschen. Es hat eine Trendwende eingesetzt, denn der Jahrgang 1892 war der letzte, der sich reproduzierte.
Prognosen zur Folge wird die Generation der über 50jährigen zahlenmäßig ab 2030 am größten sein und damit mehr in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Blickpunkt rücken. Daraus ergeben sich brisante Fragen, die innerhalb dieser Arbeit näher beleuchtet werden sollen: Welche ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen wird dieser Wandel der Altersstruktur voraussichtlich haben? Welche Theorien und Modelle helfen der Wirtschaft Altern zu verstehen? Resultieren aus dem wachsenden Anteil der über 50jährigen Wachstumsimpulse für bestimmte Branchen?
Ziel der Arbeit ist es zu verdeutlichen, welche Wachstumsmärkte von der demographischen Entwicklung profitieren. Hierzu ist es zum einem unerlässlich, sich neben den Folgen der demographischen Entwicklung für die Gesellschaft auch mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung im Alter auseinander zu setzen, denn, nur wenn der Unternehmer weiß, ob seine Sicht der Zielgruppe 50+ mit der eigenen Wahrnehmung dieser Gruppe identisch ist oder nicht, dann kann er diese Gruppe so ansprechen, dass seine Botschaft die Angehörigen dieser Gruppe erreicht.
Informationen über die Selbstwahrnehmung der Zielgruppe 50+ liefern Theorien und Modellen des Alterns, die dem Unternehmer die vielfältigen Aspekte des Alterns beschreiben. Diese Sensibilisierung für das Alter ist die Grundlage nach der der Unternehmer u.a. seine Konsumentenansprache und strategische Ausrichtung orientiert. Ohne das Nutzen dieses Wissen sowie der Kenntnisse über die Selbstwahrnehmung im Alter kann es den Unternehmen nicht gelingen, von den Wachstumsmärkten optimal zu profitieren.
Gang der Untersuchung:
Um aufzuzeigen welche Bevölkerungsgruppen in Deutschland überproportional vertreten sind, wird im ersten Kapitel die demographische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland beschrieben. Daraus werden in dieser Arbeit wesentliche Folgen für das Wirtschaftswachstum dargestellt. Des Weiteren werden generelle Möglichkeiten und Grenzen von Bevölkerungsprognosen beschrieben.
Um mehr über die Bevölkerungsgruppe der über 50jährigen zu erfahren, werden im zweiten Kapitel soziodemographische und finanzielle Daten in Relation zu verschiedenen Altersgruppen der über 50jährigen vorgestellt.
Aufbauend auf diese ökonomische Analyse wird im dritten Kapitel das Selbst- und Fremdbild im Alter untersucht und beschrieben, welchen Nutzen diese Kenntnisse für Unternehmer darstellt.
Basierend auf diesem Ergebnis werden im vierten Kapitel, auf dem der Fokus dieser Arbeit liegt, psychosoziale Theorien und Modelle des Alterns vorgestellt, um für Unternehmer die Vielfältigkeit des Alterns verständlich und nachvollziehbar zu machen und die gewonnenen Erkenntnisse über die Selbstwahrnehmung im Alter u.a. für die richtige Ansprache der älteren Zielgruppe sowie für die Produktgestaltung zu nutzen.
Darauf folgt im fünften Kapitel die prägnante Beschreibung des Seniorenmarktes und von Seniorentypologien, bevor aus der demographischen Entwicklung resultierende Wachstumsmärkte dargestellt werden. Abschließend werden Faktoren betrachtet, die das Ausmaß des Wachstums der vorgestellten Wachstumsmärkte determinieren, bevor das Fazit dieser Arbeit gezogen wird.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 1 | |
| 1. | Demographie | 3 |
| 1.1 | Bevölkerungsentwicklung | 3 |
| 1.1.1 | Weltbevölkerung | 3 |
| 1.1.2 | Deutsche Bevölkerung | 5 |
| 1.1.2.1 | Lebenserwartung | 6 |
| 1.1.2.1.1 | Ursachen des Anstiegs der Lebenserwartung | 7 |
| 1.1.2.2 | Fertilität | 9 |
| 1.1.2.2.1 | Ursachen der sinkenden Geburtenrate | 9 |
| 1.2 | Folgen der demographischen Entwicklung für Deutschland | 9 |
| 1.3 | Zur Untersuchung der Treffsicherheit von Bevölkerungsvorausberechnungen | 13 |
| 2. | Statistische Fakten über die Generation 50+ | 14 |
| 2.1 | Soziodemographische Daten | 15 |
| 2.1.1 | Haushaltsgröße und Familienstand | 15 |
| 2.1.2 | Erwerbstätigkeit und Bildungsniveau | 15 |
| 2.2 | Finanzielle Situation | 17 |
| 2.2.1 | Renten und Pensionen | 17 |
| 2.2.2 | Kaufkraft | 19 |
| 2.2.3 | Ausgaben | 20 |
| 2.3 | Möglichkeiten und Grenzen des Konsums im Alter | 21 |
| 3. | Selbst- und Fremdwahrnehmung im Alter und die Relevanz dieser Erkenntnisse für Unternehmen | 22 |
| 3.1 | Altern und Alter | 23 |
| 3.2 | Stereotype | 23 |
| 3.2.1 | Funktionen von Stereotypen | 24 |
| 3.2.1.1 | Interpersonale Ebene | 24 |
| 3.2.1.2 | Gruppenübergreifende Ebene | 25 |
| 3.3 | Altersstereotype | 26 |
| 3.3.1 | Subtypen Älterer | 26 |
| 3.3.1.1 | Die zwei Kerndimensionen der Stereotype | 26 |
| 3.3.2 | Altersdiskriminierung | 27 |
| 3.4 | Altersbilder in den Medien | 28 |
| 3.4.1 | Der Einfluß der Erziehung auf das Altersbild | 33 |
| 3.5 | Altersdiskriminierung: Ein dialektisches Modell | 30 |
| 3.6 | Wahrnehmung des eigenen Alters und des Alters anderer | 30 |
| 3.7 | Zusammenfassung der Erkenntnisse zur Selbst- und Fremdwahrnehmung | 31 |
| 4. | Psychosoziale Theorien und Modelle des Alterns | 32 |
| 4.1 | Gerontologische Theorie | 33 |
| 4.2 | Defizitmodelle des Alterns | 34 |
| 4.2.1 | Die Wechsler-Skala | 35 |
| 4.2.2 | Erklärungsansätze | 36 |
| 4.3 | Qualitative Modelle | 38 |
| 4.3.1 | Eriksons Theorie der Ich-Integrität | 38 |
| 4.3.2 | Die Theorie der Entwicklungsaufgaben | 38 |
| 4.4 | Theorien des erfolgreichen Alterns | 40 |
| 4.4.1 | Die Theorie des erfolgreichen Alterns von Havinghurst | 41 |
| 4.4.2 | Aktivitätstheorie | 41 |
| 4.4.3 | Disengagement-Theorie | 43 |
| 4.4.4 | Aktivitätstheorie oder Disengagement-Theorie - welche bildet die Wirklichkeit genauer ab? | 46 |
| 4.4.5 | Die Kontinuitätstheorie | 47 |
| 4.4.6 | Das Selektions-, Optimierungs- und Kompensations-Modell - das SOK-Modell | 49 |
| 4.5 | Sozioemotionale Entwicklungstheorien | 51 |
| 4.5.1 | Sozioemotionale Selektivitätstheorie | 51 |
| 4.5.2 | Das Modell der primären und sekundären Kontrolle | 52 |
| 4.6 | Kognitive Theorien | 53 |
| 4.7 | Kulturanthropologische Alterstheorien | 54 |
| 4.8 | Kategorisierung der Theorien | 55 |
| 4.9 | Bilanz und Kritik der vorgestellten Ansätze | 58 |
| 4.10 | Der Nutzen der beschriebenen Ansätze für Unternehmen | 62 |
| 5. | Wachstumsmärkte in alternden Gesellschaften | 62 |
| 5.1 | Der Seniorenmarkt | 63 |
| 5.2 | Seniorentypologien | 65 |
| 5.3 | Wachstumsmärkte | 66 |
| 5.3.1 | Gesundheit | 67 |
| 5.3.2 | Wohnen | 69 |
| 5.3.3 | Lifestyle | 70 |
| 5.3.4 | Finanzdienstleister | 72 |
| 5.4 | Möglichkeiten und Grenzen der Wachstumsmärkte – Makrobetrachtung | 73 |
| Fazit | 76 | |
| Anhangsverzeichnis | 77 | |
| Anhang | 79 | |
| Literaturverzeichnis | 98 |
Die in diesem Unterkapitel vorgestellten Theorien des erfolgreichen Alterns haben alle zum Ziel, „Wege zu beschreiben, wie alternde Menschen gezielt auf alterstypische und altersspezifische Anforderungen zur Erreichung von Wohlbefinden reagieren und reagieren sollen und welche Prozesse zur Zielereichung einzusetzen sind.“156 Wesentliche Indikatoren des erfolgreichen Alterns sind das „psychologische Konstrukt der Lebenszufriedenheit oder das subjektive Wohlbefinden.“157 Bei der Beantwortung der Frage, welche Art der Alterung für Menschen am besten sei, treffen zwei konträre fundamentale Ansätze aufeinander. Beide Theorien basieren auf subjektiven Merkmalen. Während die Vertreter der Aktivitätstheorie von einer positiven Beziehung zwischen Lebenszufriedenheit, hoher sozialer Aktivität und Interaktion überzeugt sind, ist der Grundgedanke der Disengagement-Theorie, daß ein negativer [...]
wenn das persönliche Verhalten der geänderten Lebenssituation angepaßt wird. Währen des gesamten Lebens sind Menschen ständig Veränderungen ausgesetzt. Beispielsweise ist es anders, Vater eines Babys zu sein oder Vater eines 10jährigen, bei dem die Schulwahl ansteht, oder Vater eines Abiturienten, der entscheidet welchen Beruf er ergreifen möchte. Jede Änderung der Situation, in der sich das Individuum befindet, erfordert eine Anpassung an die neu entstandene Situation. Mit der neuen Situation gehen neue Aufgaben einher, so genannte „developmental tasks“. Problematisch kann es werden, wenn der Betroffene andere Lebensbereiche vernachlässigt um, das Problem zu lösen. Eine Konfliktsituation entsteht, wenn jemand eine wichtige Entscheidung treffen muß und sich von seiner privaten Umwelt isoliert. Zwei Arten von Konfliktsituationen müssen unterschieden werden. Zum einen eine Konfliktsituation, die die Phase der Umorientierung mit sich bringt, und so zur konstruktiven Konfliktlösung beiträgt und zum anderen eine lähmende Belastung, die es dem Betroffenen kaum möglich macht, sich zu entscheiden. Ergebnisse der Streßforschung stellten fest, daß leichter Streß neuropsychologisch stimulierend wirkt und daß starker Streß lähmend wirkt. 155 Zusammenfassend betonen alle qualitativen Theorien den Einfluß des persönlichen, historischen und kulturellen Umfeldes auf die Lösung von Aufgaben. Menschen mit altersspezifischen Fähigkeiten bewerkstelligen diese herausfordernden Aufgaben aufgrund ihrer Erfahrung am besten. [...]
ristischer Konflikte mit charakteristischen Problemen. Nach Havinghurst ist eine Entwicklungsaufgabe „eine Aufgabe, die zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einer Phase im Leben eines Individuums auftritt, deren erfolgreiche Bewältigung zur Zufriedenheit und zu Erfolg mit späteren Aufgaben führt, während Mißerfolg in der Unzufriedenheit des Individuums, der Mißbilligung der Gesellschaft und Schwierigkeiten mit späteren Aufgaben resultiert.“152 Könne das Individuum die Aufgaben nicht lösen, dann wird es von der Gesellschaft aufgrund des Nichtlösens der Aufgabe abgelehnt. Dies setzt das Individuum unter Zeitdruck. Da Entwicklungsaufgaben in einem bestimmten zeitlichen Rahmen gelöst werden müssen, kommt es als Konsequenz zu Problemen beim Lösen zukünftiger Entwicklungsaufgaben. Die 1953 von Havinghursts in einem Buch mit dem Titel „Developmental tasks and education“ veröffentlichten Studienergebnisse stellten fest, daß, wenn das Individuum die Aufgaben erfolgreich lösen konnte, dies zu innerer Zufriedenheit führte und die Grundlage des erfolgreichen Lösens zukünftiger Aufgaben bildete. Entwicklungsaufgaben entstehen aus drei unterschiedlichen Wurzeln: 1. von der physischen Reife sowie den physiologisch-biologischen Gegebenheiten 2. von kulturellen Normen und Werten und von gesellschaftlichen Erwartungen 3. von persönlichen Erwartungen und Wertvorstellungen.153 Persönliche Entwicklung ist weder nur „Entfaltung von Anlagen“, d.h. also rein innerlich entstanden oder biologisch gesteuert, noch rein von der Umwelt verursacht, noch rein von dem persönlichem Selbstverwirklichungsbestreben bestimmt, sondern immer das Ergebnis des Zusammenspieles mehrerer Parameter. Die interagierenden Parameter sind der sich entwickelnde Organismus, das Individuum und seine Wertvorstellungen und die jeweils spezifische soziale Situation. „Mit anderen Worten: Das Individuum erstrebt in einer biographischen Situation (d.h. an einem bestimmten Punkt seiner Lebensentwicklung, der auch, aber nicht nur, durch körperliche Momente mitbestimmt sein mag) bestimmte Verhaltens- und Erlebnisweisen (die je nach seiner Vorstellungs- und Wertewelt verschieden sind), und es werden auch seitens der sozialen Gruppe von ihm bestimmte Verhaltensweisen erwartet.“154 Jeder Mensch muß sich mit ändernden Lebenssituationen auseinanderzusetzen, die nur erfolgreich bewältigt werden können, [...]
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