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Kinder von pathologischen Spielern

Lebensbedingungen, Belastungen & Ressourcen bei Kindern aus Familien mit glücksspielabhängigen Eltern - Eine qualitative Studie mit Kindern

Kinder von pathologischen Spielern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Carolin Bernhart
  • Abgabedatum: September 2005
  • Umfang: 142 Seiten
  • Dateigröße: 765,4 KB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Universität Bremen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9415-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9415-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9415-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Bernhart, Carolin September 2005: Kinder von pathologischen Spielern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Glücksspielsucht, Qualitative Forschungsmethoden, Familie und Sucht, Kinder suchtkranker Eltern, Leitfadeninterviews

Diplomarbeit von Carolin Bernhart

Zusammenfassung:

Die Glücksspielsucht eines Elternteils kann das Aufwachsen und die Entwicklung eines Kindes in vielfältiger Weise beeinflussen und beinträchtigen.

Familien mit glücksspielabhängigem Elternteil sind häufig durch Instabilität, Stress und unberechenbarem Elternverhalten geprägt.

Zudem können die Kinder häufig durch Sorgen und Angst um den Elternteil und durch die Tabuisierung der Glücksspielproblematik innerhalb der Familie belastet sein. Geldsorgen, fehlende Konfliktlösung, Lügen und damit verbundenes Misstrauen können den Kindern ein sorgenfreies Aufwachsen erschweren. Vor allem wenn Schutzfaktoren fehlen, sind die Kinder als Risikokandidaten für die Entwicklung von psychischen Störungen anzusehen.

Anhand von vier Interviews, die mit betroffenen Kindern beziehungsweise erwachsenen Kindern, die in einer Familie mit glücksspielabhängigem Elternteil aufwachsen oder aufgewachsen sind, werden die Lebensbedingungen, zentralen Belastungen, aber auch Ressourcen und Wünsche der Kinder dargestellt.

Ausgehend davon, wird ein Ausblick auf Ideen und mögliche Schritte für die praktische Arbeit mit diesen Kindern gegeben.

Einleitung:

Glücksspiele, also Spiele um Geld mit Gewinn- und Verlustmöglichkeit, stellen keine neuzeitliche Erfindung dar. Während bereits in der ägyptischen Kultur vor ungefähr 5000 Jahren mit Würfeln gespielt wurde, existiert mittlerweile eine breite Angebotspalette und mehrere Varianten des Glücksspiels. Es werden Glückspiele in Spielbanken, an Geldspielautomaten, verschiedene Lotteriespiele, Pferdewetten und zunehmend auch Glücksspiele im Internet angeboten.

Laut Meyer sind die Umsätze auf dem Glücksspielmarkt im Jahre 2003 trotz eines schwierigen Marktumfeldes mit einem stagnierenden Brutto- Inlandsprodukt auf 27,54 Milliarden Euro um 0,6% angestiegen. Die Einnahmen des Staates aus Glücksspielen gingen auf 4,41 Milliarden Euro zurück, lagen aber deutlich über den Erträgen aus Alkoholsteuern.

Bereits in der ägyptischen Kultur wurde von Spielerschicksalen berichtet, die ihr ganzes Vermögen durch Glücksspiele verloren haben. Da heute die Möglichkeiten zum Glücksspiel ständig weiter ausgebaut werden, sind immer mehr Menschen gefährdet eine Glücksspielsucht zu entwickeln.

Beim Glückspiel können sich ähnliche Suchtentwicklungen ergeben wie bei den sogenannten stoffgebundenen Süchten (d.h. Alkohol-, Tabletten- oder Drogensucht). Nach einem positiven Anfangsstadium (Gewinnphase) folgt der Übergang zum kritischen Gewöhnungsstadium (Verlustphase). Das Suchtstadium (Verzweiflungsphase) ist schließlich dann erreicht, wenn der Glücksspieler nicht mehr aufhören kann zu spielen und wiederholt alles verfügbare Geld ebenso wie die Gewinne restlos verspielt. Ist ein Mensch in diesem Stadium angelangt, spricht man von der Glücksspielsucht oder dem pathologischen Glücksspieler. Die Glücksspielsucht zählt zu den sogenannten stoffungebundenen Süchten, da die Sucht nicht an einen Stoff, sondern an eine Verhaltensweise - das Spielen- gekoppelt ist.

Die Glückspielsucht ist ein zunehmendes, weitverbreitetes und gesundheitsschädigendes soziales Problem. Auf der Basis der Therapienachfrage pathologischer Glücksspieler in ambulanten Suchtberatungsstellen der BRD wird durch eine Hochrechnung (Vergleich mit der Therapienachfrage der Alkoholiker) die Gesamtzahl von pathologischen Spielern errechnet. Nach Meyer wird in der BRD mit schätzungsweise 80.000-140.000 beratungs- und behandlungsbedürftigen Spielern gerechnet. Bei den genannten Zahlen handelt es sich allerdings eher um Schätzungen, da anzunehmen ist, dass aufgrund einer gewissen Dunkelziffer die tatsächliche Zahl höher liegt.

Trotz der langen Existenz von Glücksspielen und den damit verbundenen Problemen, wurde erst seit 1980 begonnen, das pathologische Glückspiel als eigen-ständiges psychisches Störungsbild in die internationalen Klassifikationssysteme DSM-III und später ICD-10 aufzunehmen. Seitdem gewann das Gebiet der Glückspielsucht deutlich zunehmende Beachtung in der Forschung. Mittlerweile existieren für pathologische Glückspieler diverse Behandlungsmöglichkeiten und Selbsthilfegruppen im gesamten Bundesgebiet.

In Fachkreisen ist inzwischen auch allgemein bekannt, dass nicht nur der Abhängige unter der Sucht leidet, sondern die ganze Familie von den Auswirkungen der Abhängigkeit betroffen ist.

Eine Familie, die mit einem Suchtkranken zusammenlebt, kann ihm und seinem Problem nicht so leicht den Rücken kehren wie Freunde, die sich möglicherweise abwenden oder der Arbeitgeber der ihm kündigt.

Das pathologische Spielverhalten führt zu einer starken Belastung der inner-familiären Atmosphäre und kann bis zum Zerfall der Familienstrukturen führen. Diese können durch die möglichen finanziellen Probleme, Stressbedingungen wie Vertrauensverlust oder Inhaftierung, als auch soziale Isolationstendenzen wie Schamgefühle ausgelöst werden. Dadurch ist die Partnerschaft, das Verhältnis der Eltern zu den Kindern und die psychische Entwicklung der Kinder in besonderem Maße negativ beeinflusst.

Die Kinder suchtkranker Eltern wurden in der Forschung oft ungeachtet der Art der elterlichen Abhängigkeit betrachtet.

Während über Kinder aus Familien mit stoffgebunden abhängigem Elternteil bereits zahlreiche Forschungsergebnisse vorliegen und eine Reihe von Therapieansätzen und Betreuungsangebote existieren, ist bislang wenig darüber bekannt, wie Kinder das Aufwachsen in einer Familie mit glücksspielabhängigem Elternteil erleben.

In der vorliegenden Arbeit liegt das Augenmerk auf den Lebensbedingungen, den Belastungen und den Hilfewünschen, die sich für Kinder aus einer Familien mit glücksspielabhängigem Elternteil ergeben.

Nach Darbyshire et al. wird in Australien mit einem Faktor von ungefähr 0,6 Kindern gerechnet, die mit einem pathologischen Spieler zusammen leben. In Deutschland gibt es derzeit keine offiziellen Schätzungen zur Zahl der betroffenen Kinder. Legt man die Ergebnisse der Jahresstatistiken der Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtkranke (EBIS) zugrunde, ergeben sich ähnliche Zahlen. Das bedeutet umgerechnet auf die geschätzte Anzahl pathologischer Spieler in Deutschland dass ca. 48000- 84000 Kinder mit einem pathologischen Glücksspieler zusammenleben.

Nach Mayer und Bachmann soll es für Kinder aus Familien mit suchtkrankem Elternteil von untergeordneter Bedeutung sein, welches Suchtmittel konsumiert wird, sie sollen ähnlichen Erlebnis- und Einflussfaktoren ausgesetzt sein.

Diesen Ähnlichkeiten und Differenzen von Kindern aus Familien mit glücksspielabhängigem Elternteil sollen in der vorliegenden Arbeit genauer analysiert werden.

Nach dem derzeitigen Stand der Forschung sind bislang kaum genaue Aussagen darüber möglich, welche Belastungen und Probleme sich speziell diesen Kindern ergeben und welchen Lebensbedingungen sie ausgesetzt sind.

In einer qualitativen Studie von Darbyshire et. al. wurden bereits erste Ergebnisse über diese Kinder aus Familien mit glücksspielabhängigem Elternteil vorgestellt. Die Kinder scheinen hiernach Gefühle des tiefgreifenden Verlustes in vielerlei Hinsicht zu zeigen. Diese reichen vom Gefühl den Elternteil verloren zu haben, sei es durch Trennung, Scheidung oder durch die massiven Glücksspielaktivitäten, über einen Verlust in Sicherheit und Vertrauen gegenüber dem glücksspielabhängigen Elternteil, bis hin zu finanziellen Verlusten und einer Gefährdung ihrer ökonomischen Existenz. Auch andere Studien kommen zu ähnlichen richtungsweisenden Ergebnissen und belegen das Vorherrschen einer angespannten Atmosphäre in den Familien, gepaart mit Misstrauen und Sorge um den Elterteil.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse ist das Ziel der vorliegenden Arbeit, die Lebensbedingungen, Belastungen, möglichen Ressourcen und erwünschten Hilfestellungen der Kinder aus Familien mit glücksspielabhängigem Elternteil zu explorieren und herauszuarbeiten. Dabei wird ein Vergleich und eine Abgrenzung zu den familiären Konsequenzen bei anderen Suchtformen und einer Durchschnittsfamilie vorgenommen.

Gang der Untersuchung:

Zu diesem Zweck wird eine qualitative Herangehensweise gewählt. Es wurde ein Leitfaden erstellt und damit sind Interviews mit betroffenen Kindern durchgeführt worden.

Die Stichprobe der vorliegenden Untersuchung besteht aus einem Kind und drei bereits erwachsenen Kindern die danach befragt wurden, wie es für sie ist oder war, in einer Familie aufzuwachsen in der ein Elternteil pathologischer Spieler ist oder war.

Es soll aufgezeigt werden, wie sie das erlebte Familienleben schildern und die Suchterkrankung in ihrer Familie erleben beziehungsweise erlebt haben. Zudem soll deutlich werden, welche Belastungen und Ressourcen diese Kinder aufweisen und welche Hilfestellungen die Kinder benötigen, beziehungsweise welche sie sich wünschen würden oder gewünscht hätten. Die gewonnenen Ergebnisse werden mit bereits bekannten Studien in Zusammenhang gebracht und analysiert.

Bevor die Ergebnisse der Arbeit dargestellt werden, soll zunächst im theoretischen Teil (Kapitel 2) ein Überblick über Sucht allgemein, die Glücksspielsucht im speziellen, deren Auswirkung auf den Betroffenen und auf die Angehörigen gegeben werden. Da Kinder aus suchtkranken Familien als Risikokandidaten für die Entwicklung von psychischen Störungen gelten, ist eine Darstellung von Risiko- und Schutzfaktoren der kindlichen Entwicklung Bestandteil dieses Kapitels, bevor auf die besondere Situation und die Auswirkungen einer elterlichen Suchtproblematik auf die Kinder eingegangen wird.

Kapitel 3 stellt die in dieser Arbeit gewählte qualitative Forschungsmethode dar, bevor in Kapitel 4 die praktische Vorbereitung und Durchführung der Arbeit dargestellt wird.

Die Auswertung der Ergebnisse im einzelnen ist in Kapitel 5 dargestellt. Eine Analyse und Interpretation der Ergebnisse ist Bestandteil des sechsten Kapitels, anschließend werden die Ergebnisse in Kapitel 7 diskutiert. Einen Ausblick und Vorschläge für präventive Maßnahmen bilden den Abschluss der Arbeit (Kapitel 8).

Im Anhang sind Kontaktadressen für Betroffene und deren Kinder, der Interviewleitfaden und in der Untersuchung verwendete Schreiben einzusehen.

Inhaltsverzeichnis:

ZUSAMMENFASSUNG 5
1. EINLEITUNG 7
2. THEORETISCHER TEIL 12
2.1 SUCHT 12
2.1.1 Der Suchtbegriff 12
2.1.2 Stoffgebundene Sucht vs. Stoffungebunden Sucht 15
2.1.3 Glücksspielsucht 16
2.2 FAMILIE UND SUCHT 20
2.2.1 Die Familie aus Systemischer Sicht 20
2.2.2. Sucht als Familienerkrankung 23
2.2.3 Der Begriff der Co- Abhängigkeit 24
2.2.4 Auswirkungen der Glücksspielsucht auf den Partner 26
2.3 RISIKO- UND SCHUTZFAKTOREN DER KINDLICHEN ENTWICKLUNG 27
2.4 KINDER AUSSUCHTKRANKEN FAMILIEN 33
2.4.1 Kinder von Pathologischen Glücksspielern 39
3. FORSCHUNGSMETHODE 45
3.1 WAHL DER FORSCHUNGSMETHODE 45
3.2 QUALITATIVE FORSCHUNGSMETHODEN 46
3.2.1 Kennzeichen qualitativer Forschung 46
3.2.2 Methoden der qualitativen Forschung 47
3.3 DASQUALITATIVE INTERVIEW 47
3.3.1 Das Leitfaden- Interview 48
3.4 DIE DATENAUSWERTUNG 50
3.4.1 Die qualitative Inhaltsanalyse 50
3.4.2 Analyse und Auswertung von Leitfadeninterviews 51
3.5 EXKURS: BESONDERHEITEN BEI INTERVIEWS MIT KINDERN 52
4. VORBEREITUNG UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG 54
4.1 FORSCHUNGSFRAGE 54
4.2 ENTWURF DES INTERVIEWLEITFADENS 56
4.2.1 Leitfaden für Kinder 57
4.2.2 Leitfaden für „erwachsene Kinder“ 60
4.3 KONTAKTAUFNAHME ZU DEN INTERVIEWPARTNERN 61
4.4 STICHPROBENZUSAMMENSETZUNG 64
4.5 DURCHFÜHRUNG DER INTERVIEWS 64
5. EINZELAUSWERTUNG DER INTERVIEWS 65
5.1 HANNAH, 33 JAHRE, WEIBLICH 65
5.2 ANNE, 25 JAHRE, WEIBLICH 74
5.3 DIANA, 35 JAHRE, WEIBLICH 82
5.4 SASKIA, 12 JAHRE, WEIBLICH 93
6. ANALYSE UND INTERPRETATION DER ERGEBNISSE 98
6.1 ANALYSE DER EINZELNEN THEMENBEREICHE 99
6.1.1 Familienalltag 99
6.1.2 Eigenes Verhalten und Reaktionen auf den Familienalltag 99
6.1.3 Thematisierung der Glücksspielproblematik in der Familie 100
6.1.4 Thematisierung der Glücksspielproblematik nach außen 101
6.1.5 Einstellung zum glücksspielabhängigen Elternteil 101
6.1.6 Einstellung zum anderen Elternteil 102
6.1.7 Belastungen und Probleme 103
6.1.8 Einstellung zum Glücksspiel und anderen Suchtstoffen 106
6.1.9 Ressourcen 107
6.1.10 Wünsche/Hilfestellungen 108
6.1.11 Wendepunkte/prägende Kindheitserlebnisse 109
6.2 INTERPRETATION DER ERGEBNISSE 109
7. DISKUSSION 116
8. RESÜMEE UND AUSBLICK 121
9. LITERATURVERZEICHNIS 123
ANHANG 130
A. KONTAKTADRESSEN 130
Adressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen 130
Kontaktmöglichkeiten für betroffene Kinder 133
B. ANSCHREIBEN 135
C. EINVERSTÄNDNISERKLÄRUNG 137
1. Einverständniserklärung bei Interviews mit Kindern 137
2. Einverständniserklärung bei Interviews mit Erwachsenen 138
D. INTERVIEWLEITFADEN 139
Interviewleitfaden bei Interviews mit Kindern 139
Interviewleitfaden bei Interviews mit Erwachsenen 141

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Kontaktaufnahme fand über mehrere Wege statt. Es wurde ein Anschreiben formuliert und an verschiedene Stellen verschickt. Zum einen wurden Selbsthilfegruppen wie Anonyme Spieler (Gamblers Anonymous, kurz: GA) und Gruppen für Angehörige (GamAnon) angerufen um zu klären, ob Eltern mit Kindern in den Gruppen sind. Wenn dies der Fall war, wurde ein Anschreiben an die Stelle geschickt, mit der Bitte um Weitergabe an interessierte Eltern. Zum anderen wurden Beratungsstellen angerufen, die Glücksspielsüchtige oder Angehörige von Glücksspielsüchtigen in Beratung und Therapie haben. Insgesamt wurde zu 25 Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen Kontakt aufgenommen. In sämtlichen Beratungsstellen war Herr Dipl.-Psych. Tobias Hayer persönlich bekannt, so dass vor allem dort die Mitarbeiter sehr zuversichtlich und mit großer Bereitschaft das Anliegen aufgenommen haben. Die jeweiligen Mitarbeiter wurden über das Vorhaben informiert und gebeten, Klienten die Kinder haben auf das Vorhaben anzusprechen und ein Anschreiben mitzugeben. Das Interesse an der Thematik und die Mitarbeitsbereitschaft seitens der Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen war groß, dennoch konnten die meisten Stellen diesbezüglich keine Kontakte zu Kindern vermitteln. Eine Rückmeldung die gehäuft auftrat war, dass es ein wichtiges Thema sei, derzeit noch sehr vernachlässigt werde, es aber sehr schwierig sei, an die Kinder als Interviewpartner heranzutreten. [...]

Im folgenden werden die Themenkomplexe des Leitfadens ausführlich dargestellt. Der Leitfaden für „erwachsene Kinder“ die in einer Familie mit glücksspielsüchtigem Elternteil aufgewachsen sind, unterscheidet sich lediglich darin, dass ein zusätzlicher Themenkomplex eingeführt wird. Dieser Themenkomplex soll auf Wendepunkte im Leben, bewusste Veränderungsmomente und eindrückliche Kindheitserlebnisse und –erfahrungen eingehen. Während des Interviews steht die Kindheit der interviewten Personen und die retrospektive Erinnerung im Vordergrund, das aktuelle Leben der Befragten ist hierbei zweitrangig. Die Themenbereiche sollen während des Interviews alle angesprochen werden, um eine aussagekräftige Auswertung zu gewährleisten. Die Reihenfolge der Fragen und die Fragenformulierung sind allerdings flexibel und sollen während des Interviews dem jeweiligen Gespräch angepasst werden. [...]

Um ein Verständnis für Kinder von Spielern zu entwickeln, ist es notwendig zu erfahren wie es für sie ist, in einer solchen Familie aufzuwachsen. Erst wenn man etwas darüber erfährt, was diese Kinder besonders belastet und welche Erfahrungen sie in ihrer Entwicklung machen, können geeignete Präventionskonzepte entwickelt und Hilfemaßnahmen angeboten werden. Zu diesem Zweck sollen Interviews mit Kindern beziehungsweise „erwachsenen Kindern“ von pathologischen Spielern durchgeführt werden. Besonderen Wert wird darauf gelegt, die Kinder beschreiben zu lassen wie es für sie ist, in einer Familie aufzuwachsen in der ein Elternteil pathologischer Spieler ist, beziehungsweise erwachsene Kinder retrospektiv beschreiben zu lassen wie es für sie war, in einer Familie mit einem pathologischen Spieler aufzuwachsen. [...]

Arbeit zitieren:
Bernhart, Carolin September 2005: Kinder von pathologischen Spielern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Glücksspielsucht, Qualitative Forschungsmethoden, Familie und Sucht, Kinder suchtkranker Eltern, Leitfadeninterviews

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