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Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion

Die Diplomarbeit wurde 2005 mit dem Absolventenpreis der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.
Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Henrik Bernds
  • Abgabedatum: Januar 2005
  • Umfang: 118 Seiten
  • Dateigröße: 3,2 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 43
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9130-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9130-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9130-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung: Die Diplomarbeit wurde 2005 mit dem Absolventenpreis der Universität Duisburg-Essen ausgezeichnet.
  • Arbeit zitieren: Bernds, Henrik Januar 2005: Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Währungsraum, Keynes, Keynesianisches Währungsmodell, Preisentwicklung, Euro

Diplomarbeit von Henrik Bernds

Einleitung:

Eine moderate euroweite Inflationsrate in Höhe von etwa zwei Prozentpunkten seit Beginn der Europäischen Währungsunion (EWU) im Jahre 1999 bedeutet nicht, dass auch in jedem Mitgliedsland die Preise auf diesem Niveau wachsen. In den ersten Jahren waren die Inflationsdifferentiale innerhalb des Euroraums so groß, dass bspw. Irland das Maastrichter Kriterium für den Beitritt zur EWU, wonach die nationalen Inflationsraten um nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte vom Durchschnitt der drei preisstabilsten Länder abweichen dürfen, regelmäßig verfehlt hätte.

Inflationsdifferenzen innerhalb von Währungsräumen sind nicht ungewöhnlich, wie der amerikanische oder deutsche Währungsraum zeigt. Allerdings weist die EWU im Vergleich zu anderen Währungsräumen einige Besonderheiten auf, welche im Zusammenhang mit Inflationsdifferentialen eine Rolle spielen. Erstens ist die Migration der Arbeitskräfte in der EWU geringer als bspw. in den USA, und es existiert kein starker Zentralhaushalt. Zudem ist die Flexibilität der nationalen Fiskalpolitik in den Teilnahmeländern infolge des Stabilitäts- und Wachstumspakts beschränkt, so dass makroökonomische Schocks verstärkt über eine Anpassung der Güterpreise absorbiert werden müssen. Die Folge sind größere und länger anhaltende Inflationsdifferentiale als in anderen Währungsräumen.

Zweitens wird in der Öffentlichkeit inklusive der Wirtschaftspolitik nicht die aggregierte Inflationsrate der EWU, sondern schwerpunktmäßig die nationale Inflationsrate zur Kenntnis genommen. Die Länder mit vergleichsweise geringer (hoher) Inflation sind infolgedessen an einer expansiven (kontraktiven) Geldpolitik interessiert, was im Falle von hohen nationalen Inflationsunterschieden zu einem heterogenen Meinungsbild im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) führen dürfte, da dieser unter anderem aus den Präsidenten der nationalen Zentralbanken besteht. Dies erschwert eine klare Kursausrichtung der EZB-Geldpolitik inklusive deren Darstellung in der Öffentlichkeit.

Da in der EWU die Teilnahmeländer mit einer einheitlichen Geldpolitik konfrontiert sind, welche das Ziel einer Stabilisierung der euroweiten Inflationsrate verfolgt, folgt drittens bei hohen Inflationsunterschieden eine Erhöhung des derzeitigen Zielwerts für die aggregierte Inflationsrate in Höhe von knapp zwei Prozentpunkten, wenn das Auftreten einer Deflation in einigen Regionen oder Ländern vermieden werden soll.

Viertens ist die EWU ein heterogener Währungsraum, in dem sich die Teilnahmeländer bzgl. der Sprache, der Fiskalpolitik, dem Steuer- und Transfersystem sowie bzgl. der Institutionen der Lohnbildung unterscheiden. Somit besteht die Gefahr, dass sich Inflationsdifferentiale, welche aus transitorischen Schocks resultieren, über Persistenzmechanismen dauerhaft verfestigen und substanzielle Fehlallokationen hervorrufen. Steigt z.B. die nationale Inflationsrate infolge eine Nachfrageschocks an, so bleibt das hervorgerufene Inflationsdifferential gegenüber den anderen Ländern bestehen, wenn die Höhe der nationalen Inflationsraten das zukünftige Wachstum der nationalen Löhne determiniert (Lohn-Preis-Spirale). Dieser Persistenzmechanismus kann durch einen Rückgang des länderspezifischen Realzinses verstärkt werden, da ein prozyklisch wirkender Anreiz für Konsumenten und Investoren besteht.

Ein positives Inflationsdifferential impliziert jedoch auch eine reale Aufwertung und damit eine Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Gütermärkten, so dass mit dem realen (effektiven) Wechselkurs ein Mechanismus existiert, der den originären Inflationsunterschieden zwischen den Teilnahmeländern entgegenwirkt.

Gang der Untersuchung:

In der vorliegenden Diplomarbeit werden die potentiellen Ursachen für die Inflationsdifferentiale in der EWU vorgestellt sowie deren empirische Bedeutung analysiert.

Zum einen werden das spezielle Konstruktionsverfahren der nationalen HVPI (Kapitel 2.1) sowie institutionelle Gründe in Form von staatlicher Preisadministrierung (Kapitel 2.2) als mögliche Ursachen für die Inflationsdifferenzen identifiziert.

Zum anderen kommen Konvergenzprozesse in Form von Nivellierungen von Preisdifferenzen auf den internationalen Gütermärkten (Kapitel 2.3) bzw. aufholendem Wachstum in Niedrigeinkommensländern der EWU (Kapitel 2.4) als denkbare Erklärungsansätze in Frage. Außerdem wird die Bedeutung von strukturellen Unterschieden zwischen den Teilnahmeländern ausführlich untersucht, da diese in Verbindung mit makroökonomischen Schocks (Kapitel 2.5) Inflationsdifferentiale verursachen können. Dabei wird auch die Rolle der Geldpolitik näher beleuchtet.

Zunächst erfolgt jedoch eine Einführung in die Messung von Inflation und Inflationsdifferenzen (Kapitel 1.1). Anschließend wird das Ausmaß und die Entwicklung der Inflationsdifferentiale in der EWU dargestellt (Kapitel 1.2) und mit der Entwicklung in anderen Währungsräumen verglichen (Kapitel 1.3).

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Symbolverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis XI
Tabellenverzeichnis XIII
Einleitung 1
1. Empirie 3
1.1 Statistische Inflations- und Streuungsmaße 3
1.2 Entwicklung der Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion 6
1.3 Inflationsdifferentiale im internationalen Vergleich 8
2. Potentielle Ursachen für Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion 12
2.1 Kompositionseffekt der Inflationsmessung 12
2.2 Staatliche Preisadministrierung 15
2.3 Preiskonvergenz und Preisdispersion in der Europäischen Währungsunion 17
2.3.1 Preiskonvergenz in der Europäischen Währungsunion 17
2.3.2 Preisdispersion in der Europäischen Währungsunion 22
2.4 Balassa-Samuelson-Hypothese 28
2.4.1 Inflationsdifferentiale im Zwei-Sektoren-Modell 28
2.4.2 Kointegrationsanalysen 33
2.4.3 Empirische Befunde im Vergleich 39
2.5 Strukturunterschiede und makroökonomische Schocks 42
2.5.1 Neu-keynesianisches Makromodell 42
2.5.2 Inflationsdifferenzen im Neu-keynesianischen Makromodell 46
2.5.3 Empirische Schätzung 51
2.5.4 Sensitivitätsanalyse 56
2.5.5 Alternative Geldpolitik 62
2.5.6 Alternative Wechselkursmodelle 66
Fazit 68
Anhang 70
Literaturverzeichnis 101
Ehrenwörtliche Erklärung 105

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
Symbolverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis XI
Tabellenverzeichnis XIII
Einleitung 1
1. Empirie 3
1.1 Statistische Inflations- und Streuungsmaße 3
1.2 Entwicklung der Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion 6
1.3 Inflationsdifferentiale im internationalen Vergleich 8
2. Potentielle Ursachen für Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion 12
2.1 Kompositionseffekt der Inflationsmessung 12
2.2 Staatliche Preisadministrierung 15
2.3 Preiskonvergenz und Preisdispersion in der Europäischen Währungsunion 17
2.3.1 Preiskonvergenz in der Europäischen Währungsunion 17
2.3.2 Preisdispersion in der Europäischen Währungsunion 22
2.4 Balassa-Samuelson-Hypothese 28
2.4.1 Inflationsdifferentiale im Zwei-Sektoren-Modell 28
2.4.2 Kointegrationsanalysen 33
2.4.3 Empirische Befunde im Vergleich 39
2.5 Strukturunterschiede und makroökonomische Schocks 42
2.5.1 Neu-keynesianisches Makromodell 42
2.5.2 Inflationsdifferenzen im Neu-keynesianischen Makromodell 46
2.5.3 Empirische Schätzung 51
2.5.4 Sensitivitätsanalyse 56
2.5.5 Alternative Geldpolitik 62
2.5.6 Alternative Wechselkursmodelle 66
Fazit 68
Anhang 70
Literaturverzeichnis 101
Ehrenwörtliche Erklärung 105

Textprobe:

Kapitel 2.2, Staatliche Preisadministrierung:

Die Regierungen der Mitgliedsstaaten der EWU können die Preise der Waren und Dienstleistungen durch verschiedene Kanäle beeinflussen. Zum einen ist eine direkte Beeinflussung durch staatlich administrierte Preise möglich. Außerdem ist eine indirekte Beeinflussung der Preise durch staatliche Produkt- oder Marktregulierungen, indirekte Steuern oder Subventionen denkbar. Da die staatlichen Maßnahmen in den Ländern der EWU zu verschiedenen Zeitpunkten stattfinden und die Preise der Waren und Dienstleistungen sowohl erhöht als auch verringert werden können, ist der Einfluss dieser Maßnahmen auf die nationalen HVPI in aller Regel größer, als auf den aggregierten VPI-EWU. In diesem Kapitel wird daher untersucht, inwieweit direkte staatliche Preisadministrierung in den Teilnahmeländern zu Inflationsunterschieden im Europäischen Währungsraum beitrugen. Dazu werden zunächst die staatlich administrierten Preise in den europäischen Ländern identifiziert und anschließend deren Einfluss auf die Inflationsdifferentiale in der EWU quantifiziert, wobei indirekte Einflüsse wie z.B. Zweitrundeneffekte aufgrund einer Änderung der staatlich festgesetzten Preise nicht berücksichtigt werden.

Es erweist sich als äußerst schwierig, die administrierten Preise in den Ländern der EWU zu bestimmen. So sind z.B. einige staatliche Preise einkommensabhängig oder werden auf regionaler Ebene implementiert. Außerdem existieren zahlreiche Grenzfälle, bei denen Preisschwankungen sowohl durch staatliche Preissetzung als auch durch Änderungen der Marktdaten verursacht werden können. Zu nennen sind an dieser Stelle z.B. die Telefontarife, welche durch staatliche Aufsichtsbehörden kontrolliert werden können, oder auch die Preise einiger Grundnahrungsmittel, welche durch die Agrarpolitik der Europäischen Union (EU) beeinflusst werden können. Für unsere Zwecke erfolgt deshalb eine Identifizierung der Warengruppen und Dienstleistungen des VPI-EWU auf kleinstmöglichstem Aggregationsniveau, die grundsätzlich durch die Regierungen der Länder der EWU direkt beeinflusst werden. Dazu gehören die Müllabfuhr, die Abwasserentsorgung, die Versorgung durch Ärzte, Zahnärzte und Krankenhäuser, die Leistungen der Bahn und der Post sowie Bildungs- und Sozialleistungen. Diese staatlich administrierten Leistungen entsprechen in etwa 6% aller Waren und Dienstleistungen, welche im VPI-EWU zusammengefasst werden. In den nationalen HVPI der einzelnen Ländern variiert das Gewicht zwischen 3% und 8%. Es ist zu beachten, dass nicht alle Leistungen dieses Warenkorbes direkt durch die Regierungen der Länder der EWU administriert werden, wobei jedoch davon ausgegangen werden kann, dass eine wie auch immer geartete staatliche Regulierung dieser Leistungen in den meisten Ländern erfolgt. Außerdem ist die Liste nicht erschöpfend, da nicht alle Leistungen erfasst sind, welche direkt durch die Regierungen beeinflusst werden. So ist es z.B. nicht möglich, die Rundfunk- und Fernsehleistungen zu separieren, da diese in der breit gefassten VPI-EWU-Kategorie der kulturellen Leistungen untergeht.

Um das Ausmaß der staatlich administrierten Preisänderungen auf die Inflationsdifferentiale in der EWU zu bestimmen, wird die MQA als Streuungsmaß herangezogen. In der Abb. 5 ist die Streuung der Inflationsraten innerhalb der EWU für den gesamten Warenkorb, für die staatlich administrierten Preise sowie für den gesamten Warenkorb abzüglich der staatlich administrierten Preise dargestellt. Es ist zu erkennen, dass die Streuung der nationalen Wachstumsraten staatlich administrierter Preise im Beobachtungszeitraum deutlich über der Streuung der Inflationsraten lag, welche mit Hilfe der Wachstumsraten der nationalen HVPI kalkuliert wurde. So beträgt die Summe der durchschnittlichen quadrierten Abweichungen für die Jahre 1997 bis 2002 für die administrierten Preise 120,3, für die Preise des gesamten Warenkorbes lediglich 58,0. Ein Vergleich dieser Zeitreihen mit der Streuung der Inflationsraten, welche auf der Basis der nationalen HVPI ohne staatlich administrierten Leistungen kalkuliert wurde, zeigt allerdings, dass der Einfluss der staatlichen Preisadministrierung auf die Inflationsdifferentiale in der EWU vor allem in den Jahren 1999 bis 2002 relativ gering war. Die Summe der durchschnittlichen quadrierten Abweichungen für den Warenkorb ohne staatlich administrierte Leistungen fällt für den kompletten Beobachtungszeitraum von 1997 bis 2002 mit 49,7 jedoch etwas niedriger aus als für den gesamten Warenkorb.

Automatisiert erstellter Textauszug:

muss bei der Schätzung von Kointegrationsbeziehungen auf ein modifiziertes Schätzverfahren zurückgegriffen werden.123 Eine alternative Schätzmethode bietet der Fully-Modified-Ansatz (FM-Ansatz), welcher im Rahmen der Methode der kleinsten Quadrate Teststatistiken liefert, die asymptotisch unverzerrt und standardnormalverteilt sind.124 Der hier verwendete GroupMean-Schätzer geht von der Nullhypothese eines homogenen Kointegrationsvektors aus, während die Alternativhypothese heterogene Kointegrationsbeziehungen zulässt. Bei Vorliegen heterogener Koeffizienten liefert dieser Schätzer außerdem konsistente Punktschätzungen der Langfristbeziehung für den Stichprobendurchschnitt.125 In der Tab. 2 sind die Ergebnisse des Test auf länderübergreifende Homogenität des BalassaSamuelson-Effekts dargestellt, wobei die Gleichungen mittels eines Panel-FM-MKQAnsatzes geschätzt wurden. Die Nullhypothese β i = β = 1 muss für die Länder Deutschland, Finnland, Italien und Österreich sowie für das gesamte Panel verworfen werden. Außerdem ist zu erkennen, dass die länderspezifischen Koeffizienten β i erheblich zwischen einem Minimum für Österreich (0,38) und einem Maximum für Deutschland (1,52) streuen. Der Balassa-Samuelson-Effekt liefert anscheinend einen Erklärungsbeitrag für die Entwicklung der Inflation in den Ländern der EWU. Angesichts der signifikanten länderspezifischen Heterogenitäten lässt sich die von der Theorie nahe gelegte strenge Form des Zusammenhangs zwischen sektoraler Produktivitätsentwicklung und sektoraler Inflation empirisch jedoch nicht belegen.126 [...]

der Varianz und des Mittelwertes zu begegnen. Unter der Verwendung entsprechender Korrekturfaktoren lassen sich unter der Nullhypothese „keine Kointegration“ Teststatistiken konstruieren, die asymptotisch standardnormalverteilt sind. Die Teststatistiken lassen sich in die beiden Gruppen Panel-Statistiken und Group-Mean-Statistiken einteilen, wobei letztere einen zusätzlichen Heterogenitätsgrad erlauben. Die Teststatistiken unterscheiden sich in der Behandlung des Koeffizienten vor dem autoregressivem Term in der Residuenschätzgleichung im Rahmen des Kointegrationstests. Die Nullhypothese für beide Grundtypen fordert einen Wert dieses Koeffizienten in Höhe von Eins. Die Alternativhypothese im Group-MeanVerfahren erlaubt heterogene Werte kleiner als Eins für die betrachteten Länder, die Alternativhypothese der Panel-Teststatistiken beinhaltet hingegen identische Werte für den Koeffizienten. Die einzelnen Teststatistiken sind die entsprechenden Panelversionen der traditionellen Einheitswurzeltests in Form der nicht-parametrischen PP-Statistik gemäß Phillips und Perron sowie des Panel-Analogon zur ADF-Statistik. Sämtliche Tests werden als linksseitige Tests durchgeführt.118 In der Abb. 7 ist der verwendete Paneldatensatz abgebildet. Die Differenz der logarithmierten sektoralen Deflatoren ist offensichtlich positiv mit der Differenz der logarithmierten sektoralen Produktivitäten korreliert. Auch die Ergebnisse des Panelkointegrationstests, welche in der Tab. 1 zusammengefasst sind, unterstützen die Vermutung eines wirksamen BalassaSamuelson-Effekts in der EWU insoweit, als für die betrachtete Gruppe der Länder insgesamt eine langfristige Kointegrationsbeziehung zwischen den sektoralen relativen Preisniveaus und den sektoralen relativen Produktivitätsniveaus bestätigt wird.119 [...]

welche unter der Berücksichtigung des proportionalen Zusammenhanges zwischen der Grenzproduktivität der Arbeit und der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität sowie der Rechenregeln des Logarithmus aus dem im Kapitel 2.4.1 gefundenen Zusammenhang y iT piT = wi = y iN piN hergeleitet werden kann. Der Koeffizient λi erfasst länderspezifische Effekte, und u it ist die Störgröße in der Schätzgleichung. Lässt sich zwischen den relativen Produktivitätsniveaus und den relativen Preisniveaus eine Kointegrationsbeziehung feststellen, so ist dies ein Indiz für die Geltung des Balassa-Samuelson-Effekts zwischen den Ländern der EWU, da in diesem Fall beide Variablen nicht unterschiedlichen Trends folgen.113 Die Anwendung von Panelintegrationstests setzt voraus, dass für die einzelnen Länder die Zeitreihen der relativen Preise und der relativen Produktivitäten integriert vom Grade Eins sind.114 Mithin müssen die nichtstationären Prozesse der beiden Variablen durch einfache Differenzenbildung in stationäre Prozesse überführt werden können.115 Augmented-DickeyFuller-Tests (ADF-Tests) für die einzelnen betrachteten Länder zeigen, dass diese Bedingung für die meisten Länder erfüllt ist. Lediglich für die Niederlande wird die Nullhypothese der Nichtstationarität bei den relativen Preisen verworfen. Im Falle Spaniens und Portugals wurde aufgrund der geringen Anzahl an Beobachtungen auf entsprechende Tests verzichtet.116 Da im Falle der Länder der EWU eine Heterogenität in der Natur der Kointegrationsbeziehung nicht ausgeschlossen werden kann, liefern die Ergebnisse traditioneller Einheitswurzeltests117 als Kointegrationstests verzerrte Resultate. Diesem Effekt ist mittels einer Korrektur [...]

Arbeit zitieren:
Bernds, Henrik Januar 2005: Inflationsdifferentiale in der Europäischen Währungsunion, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Währungsraum, Keynes, Keynesianisches Währungsmodell, Preisentwicklung, Euro

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