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"Braune Maschen"

Rechtsextremismus im Internet

"Braune Maschen"
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kai Beckmann
  • Abgabedatum: Juli 2001
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 475,1 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Duisburg-Essen, Standort Essen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8811-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8811-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8811-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Beckmann, Kai Juli 2001: "Braune Maschen", Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kommunikation, Propaganda, Massenmedium, Rassismus, Antisemitismus

Diplomarbeit von Kai Beckmann

Zusammenfassung:

1993 schrieb das Nachrichtenmagazin Focus einen Artikel über das rechtsextreme Computer-Mailboxsystem „Thule-Netz“. Dieser Beitrag war der Beginn der Berichterstattung über die Vernetzung rechter Kreise mittels Computernetzwerke. Seither wird das Thema immer häufiger aufgegriffen und steht neben der Thematik „Kinderpornographie im Internet“ als Symbol für die Gefahren, die vom Medium Internet ausgehen.

In der vom Bundesamt für Verfassungsschutz im Jahr 2000 herausgegebenen Broschüre „Rechtsextremismus im Internet“ wird die Situation wie folgt eingeschätzt: Zwischen 1996 und 1999 habe sich die Anzahl der deutschen rechtsextremistischen Homepages auf Rund 330 verzehnfacht. Das Internet wäre hilfreich bei der informationellen Vernetzung der ansonsten zersplitterten Szene und bei der Verminderung der „Risiken deutscher Strafverfolgung“, da strafbare Inhalte entweder über das Ausland ins Internet gelangen oder sich durch Verschlüsselung und Anonymisierung der Beobachtung entzögen. Desweiteren bringe das Internet die Möglichkeiten völlig neue Personenkreise anzusprechen. Schließlich wird die Forderung nach internationalen Lösungen bei der Strafverfolgung und Löschung von Inhalten gestellt, dennoch sei der beste Schutz immer noch die „geistig-politische Aufklärung“. Die Presse übernimmt die Einschätzung der Verfassungsschutzbehörden in ihren Berichten. So bringt der Journalist Burkhard Schröder in seinem Buch „Nazis sind Pop“ Textbeispiele aus der taz, dem Tagesspiegel und Spiegel online, um zu illustrieren, daß in den öffentlichen Medien von einem ungewöhnlichen Anstieg der rechtsextremen Aktivitäten im Internet ausgegangen wird. In der Folge manifestiert sich der Eindruck, daß das Internet ein „rechtsfreier“ Raum sei, in dem die rechte Szene, wie ein Geschwür, um sich greife, um es zu vereinnahmen und damit die öffentliche Meinung mitzubestimmen. Bei so einheitlicher Beurteilung der Lage fällt es schwer, die gewonnenen Eindrücke beiseite zu schieben, um möglichst unvoreingenommen an die Thematik heranzugehen und diese Befürchtungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu untersuchen.

Die Zielsetzung der Arbeit ist die Klärung der Gefahren, aber auch die Klärung der Vorteile des Internet bei der Repräsentanz und Rezeption des Rechtsextremismus in diesem Medium.

Das erste Kapitel beinhaltet eine kleine Einführung in das Medium. Die historische und quantitative Entwicklung des Internet wird beschrieben, die Aufbaustruktur erklärt und die Möglichkeiten des Internet zur Partizipation im öffentlichen Diskurs, die vor allem die direkten Kommunikationsmöglichkeiten Usenet, WWW-Diskussionsforen, E-Mail und Chats bieten, werden besprochen. Es findet eine Klärung statt, wer die Internet-Adressen vergibt und es wird diskutiert, ob dies eine Machtposition bedeutet. Um zu veranschaulichen welche Einflußmöglichkeiten der Staat hat, wird der rechtliche Rahmen in Deutschland und international behandelt. Schließlich werden die möglichen Chancen, die das Internet für mehr Partizipation der Bürger in der Politik bietet, angesprochen.

Das zweite Kapitel ist eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstandsbereich „Rechtsextremismus“. Es sollen zuerst einige Begriffe definiert werden, um eine unscharfe Nutzung von oft synonym verwendeten Wörtern zu verhindern. Dann soll das Ideologie-Gemisch des Rechtsextremismus anhand verschiedener Theorie-Fragmente umrissen werden. Es werden Erklärungsmuster verschiedener Art herangezogen, um zu verdeutlichen, daß Rechtsextremismus eine Vielzahl von psychologischen und soziologischen Ursachen hat. Schließlich folgt eine Darstellung der rechte Szene mit ihren Gruppierungs- und Organisationsstrukturen und ihre Vernetzung mit Hilfe von Medien wird herausgearbeitet.

Die Verbindung von Internet und Rechtsextremismus ist der Inhalt des dritten Kapitels. Es werden die Nutzungsformen des Internet, Kommunikation, bzw. informationelle Vernetzung und Propaganda, durch die rechtsextreme Szene beschrieben und analog zu den in Kapitel 2 vorgestellten Strukturelementen der rechtsextremen Szene, deren Homepages an einzelnen Beispielen besprochen. Dabei werden auch Homepages vorgestellt, die auf ausländischen Servern liegen und in Deutschland verbotene Inhalte aufweisen.

Das vierte Kapitel beschreibt verschiedene Bemühungen des Staates, von Parteien und privaten Initiativen, dem Rechtsextremismus nicht nur im Internet entgegenzutreten. Dafür werden Beispiele von Internet-Angeboten staatlicher und privater Initiativen aller Art und ihre Konzeptionen vorgestellt.

Im Schlußteil, werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefaßt und anhand dieser Ergebnisse werden die im vierten Kapitel vorgestellten Bemühungen diskutiert. Es wird der Frage nachgegangen, ob und wieweit sich das Internet überhaupt regulatorischen Einflüssen beugt und ob und in welchem Maße eine Regulation der Inhalte überhaupt sinnvoll ist.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung. 1
1. Grundlagen und Bedeutung des Internet
1.1 Das Internet als Massenmedium 3
1.1.1 Die Geschichte des Internet 3
1.1.2 Das Internet in Zahlen 5
1.1.3 Ist das Internet ein Massenmedium ? 6
1.2 Die Struktur des Internet 7
1.2.1 E-Mail, Usenet und Chat 8
1.2.2 Die Entwicklung der Standards 9
1.2.3 Die Vergabe von IP-Adressen und Internet-Adressen 10
1.3 Wer hat die Macht im Cyber-Space ? 11
1.4 Rechtlicher Rahmen, regulatorische Einflußmöglichkeiten 13
1.5 Das Internet als Chance der direkten Demokratie 15
2. Rechtsextremismus in Deutschland 18
2.1 Begriffe 18
2.1.1 Rechtsextremismus oder Rechtsradikalismus 18
2.1.2 Faschismus 20
2.1.3 Neonazismus 21
2.1.4 Neue Rechte 22
2.2 Ideengemisch des Rechtsextremismus 25
2.2.1 Die Mystifizierung der „Natur“ 25
2.2.2 Blut und Boden - Der völkische Nationalismus 26
2.2.3 Hierarchische Herrschaftsstruktur 27
2.2.4 Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus 28
2.3 Ursachen 30
2.3.1 Extremismustheorie 30
2.3.2 Der autoritäre Sozialcharakter 33
2.3.3 Soziale Ungleichheit als Quelle rechtsextremer Einstellungen 35
2.3.4 Subkulturtheorien 37
2.3.5 Das sozialisationstheoretische Konzept 39
2.3.6 Die Vielfalt der Ursachen des Rechtsextremismus 41
2.4 Die verschiedenen Gruppierungen 42
2.4.1 Parteien 43
2.4.2 Militante Neonazis 50
2.4.3 Revisionisten 52
2.4.4 Neue Rechte 54
2.5 Kommunikationswege des Rechtsextremismus 56
2.5.1 Printmedien 56
2.5.2 Tonträger 57
2.5.3 Nationale Info-Telefone 58
2.5.4 Mobiltelefone 59
3. Internet und Rechtsextremismus 60
3.1 Nutzungsformen des Internet durch die Extreme Rechte 60
3.1.1 Kommunikation 60
3.1.2 Propaganda, Selbstdarstellung 65
3.2 Exemplarische Homepages 66
3.2.1 Parteien 67
3.2.2 Militante Neonazis 72
3.2.3 Revisionisten 74
3.2.4 Neue Rechte 76
3.2.5 Online-Zeitungen 78
3.2.6 Ausländische rechtsextremistische Homepages 80
4. Gegenmaßnahmen 82
4.1 Staatliche Regulation und flankierende Maßnahmen 82
4.1.1 Strafverfolgung 82
4.1.2 Filtersysteme 83
4.1.3 Aufklärung 85
4.2 Gesellschaftliche Gruppen 86
4.2.1 Links gegen Rechts - private Internetinitiativen 86
4.2.2 Homepages der demokratischen Parteien 87
5. Schlußbetrachtung: Verbot oder Auseinandersetzung ? 90
Tabellenverzeichnis/ Abbildungsverzeichnis 94
Quellen- und Literaturverzeichnis
I. Veröffentlichungen im Internet 95
II. Konventionelle Publikationen 100

Automatisiert erstellter Textauszug:

REP, um Konkurrenzkandidaturen zu vermeiden. Dies führte auch zur Nichtteilnahme an der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2000. Die Partei, die aktuell die meisten Schlagzeilen macht, ist die NPD. Sie wurde 1964 gegründet und hatte bis vor kurzem ihren Sitz in einer wenig auffälligen ErdgeschossWohnung eines Altbauhauses in Stuttgart. Der Bundesvorsitzende der 1999 ca. 6000 Mitglieder zählenden Partei ist Udo Voigt. Zur Charakterisierung des Parteiprogramms reichen schon die Überschriften der 15 Programmpunkte aus, hier eine Auswahl157: 1. „Grundlage des Staates ist das Volk“: Die NPD vertritt hier ein ethnopluralistisches Verständnis von Volk und Kultur als die staatstragenden Elemente: „Die Völker sind die Träger der Kulturen. Völker unterscheiden sich durch Sprache, Herkunft, geschichtlicher Erfahrung, Religion, Wertvorstellungen und ihr Bewußtsein. (...)Die Erhaltung der Völker dient der Erhaltung der Kultur. (...)Die Vielfalt der Völker muß erhalten bleiben.“158 2. „Grundlage unseres Volkes ist die deutsche Familie“: Die Familie wird der grundsätzliche Vorrang vor anderen Lebensgemeinschaften gegeben. Durch die Familie soll sich das Volk reproduzieren, deswegen soll Kindergeld auch nur an deutsche Familien gezahlt werden. Dies wird als „volkspolitische Maßnahme“ gewertet. Natürlich gehört dazu auch die Ablehnung von Abtreibungen. Die NPD offenbart unter diesem Programmpunkt auch ihre Vorstellung der Rollenverteilung: „Die Leistung der Hausfrau und Mutter ist mit keiner Arbeitsleistung anderer Berufe zu vergleichen. Ihr gebührt ein nach Anzahl der Kinder gestaffeltes Hausfrauen- und Müttergehalt. (...)Dies gilt alternativ auch für alleinerziehende Väter.“159 Väter dürfen also nur den Haushalt führen, wenn sie alleinerziehend sind. 5. „Die raumorientierte Volkswirtschaft“: Die Wirtschaft, auch die ausländischen Firmen in Deutschland haben nach dem Willen der NPD „dem deutschen Volk, seiner materiellen Sicherung und seiner geistig-kulturellen Entwicklung zu dienen“160 und da das Volk deutsch ist, gilt: „Arbeitsplätze sind zuerst an Deutsche zu vergeben“.161 Einzigartig bei der NPD im Gegensatz der hier vorgestellten Rechtsparteien ist die Forderung Arbeitnehmer am Produktivvermögen zu beteiligen. 7. „Sozialpolitik als nationale Solidarität“: Dem Volk gegenüber wird Solidarität versprochen, aber Ausländer, die ja nicht zum Volk gehören „sind aus dem deutschen [...]

„brüderlicher“ Handreichung für „Menschen fremden Volkstums“ und der Infragestellung der Ostgrenzen Deutschlands ist ein klarer Widerspruch. Weitere inhaltliche Punkte des Programms sind u.a. der Schutz des „Ansehens“ und der „Ehre des deutschen Soldaten“152, der Schutz der Familie und das Verbot von Abtreibungen153, Verschärfung von Gesetzen gegen Kapitalverbrecher154 und Tierquäler155 und natürlich der Erhalt der deutschen Kultur, durch Beschränkung fremder Einflüße.156 Der Bundesvorsitzende Dr. Gerhard Frey ist nicht zuletzt wegen seiner finanziellen Zuwendungen an die Partei und die Herausgabe der „DNZ/DWZ“ die bedeutendste Führungspersönlichkeit. Er leitet die Partei in einer derart autoritären Weise, daß interne Gegnerschaft fast schon zwangsläufig zu Austritten und nicht zur innerparteilichen Auseinandersetzung führt. Ein Beispiel dafür ist die Situation der DVU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, die sich inzwischen in zwei Fraktionen gespalten hat. Die DVU verfolgt eine einzigartige Wahlstrategie. Sie kandidiert vornehmlich in bevölkerungsschwachen Gegenden und führt dafür ihren Wahlkampf mit Hilfe einer immensen Materialschlacht. So erklären sich auch die Erfolge bei Wahlen im dünner besiedelten ländlichen Raum. Außerdem gibt es wie bereits geschildert die Absprache mit der [...]

In der „DNZ/DWZ“ kommt es immer wieder zur Äußerung der „ausländerfeindlichen, revisionistischen und unterschwellig antisemitischen Tendenzen“.147 Das Parteiprogramm der DVU ist hingegen sehr allgemein formuliert.148 Inhaltlich kommen hier aber zumindest ethnopluralistische Tendenzen zum Vorschein: „Wir respektieren alle Völker, reichen Menschen jeden Volktums brüderlich die Hand. Alle gerecht Denkenden werden unser Anliegen verstehen und gutheißen, den deutschen Charakter Deutschlands zu erhalten. Es geht nicht darum andere Völker abzuwerten, sondern darum, die Werte auch unseres Volkes zu schützen und zu fördern.“149 Zum Schutz dieser Werte gehört laut Parteiprogramm der DVU auch das „Recht auf Selbstbestimmung in gerechten Grenzen“150, die erst östlich der Oder enden: „Die Abtrennung der deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße als Kriegsfolge widerspricht völkerrechtlichen Grundsätzen.“151 Die Kombination von [...]

Arbeit zitieren:
Beckmann, Kai Juli 2001: "Braune Maschen", Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Kommunikation, Propaganda, Massenmedium, Rassismus, Antisemitismus

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