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Subjektivierung der Arbeit

Ursachen, Ausprägungen und Probleme eines Entwicklungsprozesses

Subjektivierung der Arbeit
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Edith Becker
  • Abgabedatum: September 2003
  • Umfang: 61 Seiten
  • Dateigröße: 246,6 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: FernUniversität in Hagen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8675-4
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8675-4 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8675-4 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Becker, Edith September 2003: Subjektivierung der Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Arbeitskraftunternehmer, Transformationsproblem, Empowerment, Wertewandel, Gruppenarbeitskonzept

Diplomarbeit von Edith Becker

Zusammenfassung:

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Es zeichnet sich der empirisch beobachtbare Trend eines grundsätzlich erweiterten Zugriffs auf das Arbeitsvermögen vieler Beschäftigter ab. Von den Unternehmen wird verstärkt der Versuch unternommen, den Menschen als Ganzes mit all seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten in den Dienst zu nehmen. Menschliche Subjektivität erhält dadurch einen steigenden Stellenwert in der Arbeitswelt.

Subjektive Potentiale (z. B. Emotionalität, Flexibilität, Kreativität, Risikobereitschaft), ehemals als Störfaktor angesehen, den es zu eliminieren gilt, werden nun vielfach als Erfolgsfaktor erkannt. Dieser Trend einer neuen Logik der Arbeitskraftnutzung wird als Subjektivierung der Arbeit bezeichnet. Die bisherige Logik der Arbeitskraftnutzung, die als Objektivierung bezeichnet werden kann, ist zwar immer noch weit verbreitet, nun jedoch als Leitbild nicht mehr unhinterfragt.

In Unternehmen und Verwaltungen findet der Entwicklungsprozess in einer in den 90er Jahren einsetzenden Welle der Reorganisationen seinen Niederschlag. Diese geht mit dem Einsatz einer Fülle neuer und neu entdeckter Managementkonzepte einhergeht, die den Mitarbeitern den Einsatz ihrer subjektiven Potentiale ermöglichen, aber auch von ihnen fordern. Der Trend zur Subjektivierung der Arbeit führt gleichzeitig zur zunehmenden Auflösung der Grenzen zwischen den Bereichen Leben und Arbeit.

Die vorliegende Arbeit soll zunächst den Begriff der Subjektivierung der Arbeit näher erläutern und den Unterschied zur Objektivierung der Arbeit darstellen. Anschließend wird beschrieben, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Wandlungsprozesse für den Entwicklungsprozess ursächlich sind. Anhand einiger ausgewählter Beispiele organisatorischer Maßnahmen wird des weiteren dargelegt, welche konkreten Ausprägungen der Entwicklung in der Praxis vorzufinden sind.

Es folgt eine Analyse der Probleme, die sich aus der Entwicklung ergeben können. Dann wird zum bisherigen Verlauf und Umfang des Entwicklungsprozesses Stellung genommen und als Prognose der weiteren Entwicklung der sogenannte „Arbeitskraftunternehmer“ vorgestellt. Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung und einem Ausblick.

Begriffsklärung: Der aus der Arbeits- und Industriesoziologie stammende Begriff „Subjektivierung der Arbeit“ wird in der Literatur nicht explizit definiert. Es existieren vielmehr unterschiedlich gefasste Begriffe von Subjektivierung, die den Veränderungsprozess aus verschiedenen Perspektiven betrachten, sich dabei allerdings nicht ausschließen und in der Praxis in unterschiedlichen Ausmaßen und Konstellationen anzutreffen sind. Unter Punkt 2.1. werden die wesentlichen Perspektiven vorgestellt.

Zur weiteren Präzisierung des Begriffes und zur Darstellung, was das spezifisch Neue an der Entwicklung ist, werden des weiteren unter Punkt 2.2. in idealtypischer Sichtweise wesentliche Unterschiede zum Gegenbegriff, der Objektivierung von Arbeit, dargestellt. Diese Gestaltungsperspektive steht bekanntlich in unmittelbaren Zusammenhang mit einem Modus der Arbeitsrationalisierung, für den die Begriffe scientific management bzw. Taylorismus, Fordismus und Bürokratie stehen.

Der Vergleich erfolgt anhand des für die Organisation der gewerblichen Arbeit entwickelten Taylorismus.

Inhaltsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis I
1. Einleitung 1
2. Subjektivierung von Arbeit - Begriffsklärung 1
2.1 Verschiedene Perspektiven der Subjektivierung der Arbeit 1
2.1.1 Subjektivierung der Arbeit in der betrieblichen Perspektive 2
2.1.2 Subjektivierung der Arbeit in der überbetrieblichen Perspektive 3
2.1.3 Normative Subjektivierung 3
2.2 Subjektivierung der Arbeit - Objektivierung der Arbeit: Ein Vergleich 4
2.2.1 Menschenbild 4
2.2.2 Lösung des Transformationsproblems 5
2.2.3 Erforderliche Qualifikationen 8
2.2.4 Das Verhältnis von Leben und Arbeit 9
2.2.5 Zwischenfazit 10
3. Ursachen des Entwicklungsprozesses 11
3.1 Gesellschaftliche Wandlungsprozesse 11
3.1.1 Wertewandel 11
3.1.2 Bildungsexpansion 13
3.1.3 Zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen 14
3.2 Wirtschaftliche Wandlungsprozesse 15
3.2.1 Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft 15
3.2.2 Wandel von Verkäufer- zu Käufermärkten 16
3.2.3 Wirtschaftliche Globalisierung 17
3.2.4 Wandel der Arbeits- und Organisationskonzepte 18
3.3 Technologischer Wandel 19
3.4 Zwischenfazit 20
4. Ausprägungen des Entwicklungsprozesses 21
4.1 Job Enrichment 22
4.2 Gruppenarbeitskonzepte 22
4.2.1 Teilautonome Arbeitsgruppen 22
4.2.2 Qualitätszirkel 24
4.2.3 Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) 25
4.2.4 Projektgruppen 26
4.3 Vermarktlichung am Beispiel des Profit-Center-Konzeptes 27
4.4 Arbeitszeitflexibilisierung am Beispiel der Vertrauensarbeitszeit 27
4.5 Managementkonzepte 28
4.5.1 Total Quality Management (TQM) 28
4.5.2 Fraktales Unternehmen 30
4.5.3 Business Reengineering 31
4.5.4 Lean Production 32
5. Probleme des Entwicklungsprozesses 34
5.1 Probleme aus Sicht der Beschäftigten 34
5.1.1 Gesundheitliche Probleme 34
5.1.2 Verschränkung von Leben und Arbeit 39
5.2 Probleme aus Sicht der kollektiven Interessenvertretung 40
5.3 Probleme aus Sicht der Gesellschaft 42
6. Der Entwicklungsprozess: Umfang, Verlauf und Prognose 43
6.1 Umfang und Verlauf der Entwicklung 43
6.2 Der „Arbeitskraftunternehmer“ als Prognose für den weiteren Entwicklungsprozess 44
7. Schlussbetrachtung und Ausblick 47
Literaturverzeichnis 49
Eidesstattliche Erklärung 55

Automatisiert erstellter Textauszug:

Ergänzend sei angemerkt, dass es für den Erfolg von Subjektivierungsstrategien natürlich nicht nur einer entsprechenden Ermächtigung der Beschäftigten bedarf. Neben dem „Dürfen“ ist auch ein „Wollen“ der Mitarbeiter erforderlich. Betrachtet man die anschließend referierten Maßnahmen, wird deutlich, dass diese auch im Sinne einer intrinsischen Motivierung zu verstehen sind, da die Voraussetzungen, die von Hackman et al. (1975) hierfür genannt werden. Dieses sind neben dem Feedback, was in der Regel u. a. durch den Einsatz von IuK-Technologie in Form von Controlling, Benchmarking usw. gewährleistet wird, Aufgabenvielfalt, Ganzheitscharakter der Aufgabe, Bedeutungsgehalt der Aufgabe und Autonomie des Handeln. Wie an den im Folgenden dargestellten Subjektivierungsmaßnahmen zu erkennen ist, werden diese weitgehend erfüllt. Hinzu kommt, dass Subjektivierungsstrategien vielfach auch mit der Zahlung von ergebnisorientierten [...]

Ursächlich für die Subjektivierung der Arbeit ist in erster Linie der wirtschaftliche und technische Wandel, die vielfach miteinander verknüpft sind. Die Megatrends „Technisierung“, „Tertiarisierung“ und „Wandel von Verkäufer- zum Käufermarkt“ führen zum Teil dazu, dass neue Arbeitsplätze entstehen, für die der vermehrte Einsatz subjektiver Potentiale erforderlich ist, teilweise bewirken sie einen Wandel bei bestehenden Arbeitsplätzen bzw. veranlassen Unternehmen zu Reorganisationsmaßnahmen im Sinne einer Subjektivierung der Arbeit. Mit diesem Wandel korrespondieren die beschriebenen gesellschaftlichen Wandlungserscheinungen, was von Heidenreich (1996, S. 32) als „Wahlverwandtschaft“ bezeichnet wird. Die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse sind allerdings nicht als unmittelbar ursächlich für die Subjektivierung der Arbeit anzusehen, in der Weise, dass sie sich über die Beschäftigten direkt auf die Unternehmen auswirken würden. Sie bilden jedoch die Voraussetzung für die Durchsetzbarkeit und Legitimation von Subjektivierungsprozessen, wobei allerdings zweifelhaft ist, ob subjektseitige Ansprüche an Subjektivierung sich mit unternehmensseitigen Anforderungen an Subjektivierung decken. Mittelbar sind allerdings auch die gesellschaftlichen Wandlungsprozesse ursächlich für die Subjektivierung der Arbeit, da sie sich in der beschriebenen Weise auf das Verbraucherverhalten auswirken und damit über den Markt die Unternehmen beeinflussen. [...]

Als Reaktion auf die veränderten Marktbedingungen ist es in den 90er Jahren zu Reorganisationsprozessen großen Ausmaßes in bis dahin nicht bekannter Qualität gekommen. Diese Prozesse sind insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass eine Erweiterung der betrieblichen Innovations- und Reaktionspotentiale sowie eine verbesserte Produktqualität angestrebt wird. Um diese Ziele zu erreichen, ist eine Vielfalt von Managementkonzepten in Erscheinung getreten. Brödner (2000, S. 513) macht nicht weniger als drei Dutzend solcher Konzepte aus. Bei aller Unterschiedlichkeit der Konzepte lassen sich als Gemeinsamkeit die oben genannten Entgrenzungsphänomene Dezentralisierung, Vermarktlichung, Selbstorganisation und Flexibilisierung identifizieren, die in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination in den verschiedenen Arbeits- und Organisationskonzepten wiederzufinden sind. Vor dem Hintergrund von Dezentralisierung und Vermarktlichung sind es gerade Maßnahmen zur Selbstorganisation und Flexibilisierung, durch die die Unternehmen die Beschäftigten ermächtigen, subjektive Potentiale und Strukturierungsleistungen in den Arbeitsprozess einzubringen. Flexibilität und Selbstorganisation sind zwar keine völlig neuen Phänomene, da bestimmte Berufsgruppen und Branchen (z. B. leitende Angestellte, soziale Dienstleistungen) immer schon Merkmale entgrenzter Arbeit aufwiesen. Neu ist jedoch, dass nun durch den Wandel- der Arbeitsund Organisationskonzepte von einer Entgrenzung der Arbeit immer mehr Arbeitskräftegruppen betroffen sind, deren Arbeitssituation bis dato nicht [...]

Arbeit zitieren:
Becker, Edith September 2003: Subjektivierung der Arbeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Arbeitskraftunternehmer, Transformationsproblem, Empowerment, Wertewandel, Gruppenarbeitskonzept

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