Österreich in Europa
Eine Studie zur Transformation der nationalen Identität
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Christian Pichler
- Abgabedatum: Februar 2004
- Umfang: 139 Seiten
- Dateigröße: 554,0 KB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Bayerische Hochschule Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-8229-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-8229-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-8229-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Pichler, Christian Februar 2004: Österreich in Europa, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Nationalbewußtsein, Selbstbild, Image, Fremdbild, Neutralität
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Diplomarbeit von Christian Pichler
Zusammenfassung:
„Österreich. Wir haben die Wiener Klassik erfunden, wir hatten ein Weltreich, als es schick war eines zu besitzen, und wir haben es elegant abgespeckt, als wir von den Vielvölkern die Nase voll hatten. Wir sprechen die deutsche Sprache ohne Reichstagsakzent und wir haben nie Kriege verloren – außer den wenigen, die wir anschließend jemand anderem in die Schuhe geschoben haben (Huber/ Treichler 2001 S. 7f)“.
Diese nicht ganz ernst gemeinte Beschreibung beinhaltet schon mehrere Elemente der österreichischen Identität, welche die Besonderheit Österreichs im Vergleich zu anderen europäischen Nationen ausmachen.
Nach dem Ende der Ost-Westaufteilung Europas durch die Wende in Osteuropa 1989 ändert sich die Situation für alle Länder in Europa grundlegend.
Aber keine Nation ist von dieser Entwicklung so betroffen wie Österreich, denn die Österreicher konnten während des Kalten Krieges zwischen den Blöcken bequem an ihrem Wirtschaftswachstum arbeiten und sich, genauso wie die anderen politisch neutralen Ländern Skandinaviens und die Schweiz, aus jeglichen Konflikten heraushalten. Was aber die besondere Situation Österreichs ausmacht ist, dass es in der Mitte Europas liegt, im Gegensatz zur Schweiz inzwischen in die EU eingebunden ist und ab Mai 2004 ehemalige Länder der österreichischen Habsburger Monarchie als EU-Nachbar begrüßt.
Österreich droht nach der Etablierung als Kleinstaat in der dann fünfundzwanzig Nationen umfassenden EU zu verschwinden, oder ist es diesen Herausforderungen an seine nationale Identität gewachsen?
Die zentrale Fragstellung dieser Studie lautet dementsprechend:
Wie werden die Identifikationsobjekte der nationalen österreichischen Identität in Folge des Europäischen Einigungsprozesses transformiert?
Um die Transformation der nationalen Identität analysieren zu können, zeichnet die folgende Studie anhand theoretischen Vorlagen den Entwicklungsprozess zur heutigen österreichischen Nation nach und stellt die Entstehung und Veränderung der nationalen österreichischen Identität in vielen Facetten dar.
„Nationale Identität ist auch in ihrer Außenabgrenzung in den letzten zehn Jahren verstärkt untersucht worden, wobei auch territoriale Bezüge nicht fehlten... Analysen der strukturellen Zusammenhänge zwischen regionalen, nationalen und transnationalen Varianten von Identität stellten jedoch bis Mitte der neunziger Jahre eher die Ausnahme als die Regel dar (Haslinger 2000 S. 16)“, weshalb diese Studie mit der Untersuchung Österreichs, das einen hohen regionalen und nationalen Bezug besitzt und nun stärker in transnationale Prozesse einbezogen wird, in diesem Bereich Lücken schließen will.
Wichtig ist dabei, dass die Studie bei der Analyse der Entwicklung Österreichs durch historische Hintergrundinformationen und demographische Daten aus Meinungsforschungsumfragen den Schwerpunkt auf die Betrachtung der Gefühlslage der gesamten Nation legt.
Vernachlässigt werden Analysen von Regierungsentscheidungen oder Einflüssen einer intellektuellen Elite oder der Presse auf die nationale Identität Somit hat die Arbeit durch die Beschreibung der Nationswerdung des österreichischen Volkes und den Konsequenzen der Europäischen Einigung vor allem einen deskriptiven Charakter.
Zentral sind hierfür die Themen Nation und nationale Identität, die im vierten und fünften Kapitel aus analytischen Gründen getrennt voneinander behandelt werden, obwohl diese große Überschneidungen besitzen. Vor allem das Nationalbewusstsein, als wichtigstes Charakteristikum der Nation, steht als Voraussetzung für eine Identifikation mit einer Nation im engen Zusammenhang mit der nationalen Identität. Diese Differenzierung erscheint aber zweckmäßig, da sonst die Entwicklung Österreichs bzw. der österreichischen Identität nicht detailliert nachgezeichnet werden kann.
Im nächsten Kapitel stehen für die Studie relevante Begriffe und die zugrundeliegende Datenbasis im Vordergrund bzw. es wird klargestellt, welche Begriffe nicht zur Verwendung kommen werden und warum. Was ist ein Kleinstaat? Was ist eine Nation? Was ist Identität?
Als geschichtliche Grundlage, die für das Verständnis Österreichs nötig ist, wird im dritten Kapitel die Historie Österreichs anhand markanter Wendepunkte in verschiedene Perioden eingeteilt, die aber übergreifende Verlaufsmuster erkennen lassen. Wie entstand die Österreichische Nation? Welchen Einflüssen anderer Mächte oder der Weltpolitik war Österreich ausgesetzt? Was ist das spezifische an der österreichischen Geschichte? Welche Auswirkungen hat die Europäische Einigung auf Österreich?
Das vierte Kapitel geht über die Historie hinaus und behandelt intensiv die Entwicklung der Nation zunächst theoretisch und dann auf Österreich bezogen. Des Weiteren stehen verschiedene Nationenkonzepte und Charakteristika, anhand deren Nationen beschrieben werden, im Mittelpunkt. Welchem Nationenkonzept entspricht Österreich? Wie ausgeprägt ist das Nationalbewusstsein der Österreicher? Welche Objekte stellen ihren Nationalstolz dar? Wie ist das Verhältnis zu Nachbarstaaten? Wie ist das Verhältnis zwischen den einzelnen Bundesländern?
Die Analyse der Nationenwerdung ist aber ohne die Betrachtung der nationalen Identität, die im fünften Kaptitel beschrieben wird, nicht vollständig.
Die nationale Identität baut auf dem Nationalbewusstsein, dem wichtigsten Merkmal einer Nation, auf und vertieft dieses.
Auch hierbei wird zunächst ein theoretisches Kapitel vor die Anwendung auf Österreich gestellt, bei dem vor allem die Theorie des kollektiven Gedächtnisses von Halbwachs im Vordergrund steht. Wie stark ist die nationale Identität der Österreicher? Wie entwickelt sich diese nationale Identität? Welche Identitätstypen sind für Österreich relevant? Was sind die entscheidenden Gegenstände des österreichischen kollektiven Gedächtnisses?
Abschließend werden im sechsten Kapitel und dem Schluss ausgehend von der Imageforschung Zukunftsperspektiven für die nationale Identität einer österreichischen Nation entwickelt. Wie wird Österreich dargestellt? Welches Österreichbild kann in Zukunft weiter existieren? Was ist das Länderimage Österreichs?
Grundlegend für die Beschreibung einer Nation ist das Volk, das eine Nation bildet.
Um diese Nation bildet der Staat einen schützenden Rahmen und mit diesen äußeren Objekten Staat, Volk und Nation muss nun eine Identifikation der Einwohner erfolgen.
Besonderheiten einer Nation lassen sich anhand von integrierten Verlaufsmuster nationaler Geschichten zeigen.
Die österreichische Geschichte lässt sich in verschiedene Perioden anhand von entweder weltpolitisch oder Österreich spezifischen Wendepunkten einteilen. Innerhalb dieser Zeiträume erfolgen einzelne Ereignisse, die zu einem Pfad gebündelt werden können und deren regelmäßige Wiederholungshandlungen anschließend übergreifend mit zwei Veränderungsmustern, die am fundamentalen Wendepunkt 1955 wechseln, beschrieben werden.
Bei der österreichischen Nationenentwicklung lassen sich, über den Wandel der Staatsformen und –gebiete hinweg, bis 1955 als Verlaufsmuster eine Dominanz von Kontinuitätsbrüchen mit 90 Jahren Demütigungen von der Schlacht von Koniggrätz bis zum Staatsvertrag, ein mangelnder gesellschaftlicher Konsens, die Orientierung an einer größeren Identität, Habsburgerreich bzw. Deutschland, und damit eine Ablehnung der Kleinheit und eine starke Außensteuerung durch stärkere Mächte konstatieren.
Erst 1955 erfolgt ein fundamentaler Wandel mit der Akzeptanz des Kleinstaates Österreichs, wobei die „fast zehnjährige Geschichte des Staatsvertrages und der Entstehung der österreichischen Neutralität zeigt, wie beschränkt die Möglichkeiten des Kleinen sind, darauf einzuwirken, wie sehr es dann aber darauf ankommt, in den Momenten der Veränderung jene Positionen zu beziehen, die sowohl den eigenen Interessen entsprechen, als auch die an sich antagonistischen Positionen der Großen und der Nachbarn für diese Region entschärfen und ruhigstellen (Pfusterschmid-Hardtenstein 2001 S. 168f)“.
Nach den Begriffsbestimmungen und der Darstellung der österreichischen Historie, werden zunächst theoretische Vorüberlegungen angestellt, auf die anschließend der Fall Österreich angewandt wird.
Nach der Bestimmung einer Nation wird das Verhältnis zu anderen geographischen Gruppen erläutert, denn die Nation ist nur eine geographische Identifikationsmöglichkeit, die von der kleinsten überschaubaren Einheit Dorf bzw. Wohnviertel, über die nächst größere Einheit Stadt, zu der wiederum größeren Region und der besagten Nation bis zur größtmöglichen Einheit einer nationsübergreifenden Makroregion reicht.
Nachdem von einem hohen Nationalbewusstsein und der Meinung „Österreich ist eine Nation“ ausgegangen werden kann, stellt sich die Frage nach dem Nationalstolz und dessen Symbolen.
Sehr wichtig ist der Sportpatriotismus als eine „wichtige und politisch bewußt eingesetzte Kraft bei der Entstehung eines Österreich-Bewußtseins, nie versiegender Quell des Nationalstolzes des »kleinen, neutralen Landes«, existenzsichernd für die Identität einer »österreichischen Nation« – die solche Unterstützung auch durchaus nötig hatte (Grubelnik 2000 S. 141)“.
Der Stellenwert des Sports zeigt sich im Ausspruch Kreiskys, dass die Existenz einer Nationalbank und einer Nationalmannschaft auch das Vorhandensein einer Nation erfordern und im Ausspruch „Beim Sport bin ich immer national, und jede Niederlage ist katastrophal (Breuss 1995 S. 290)“ aus „Der Sportler“ von Helmut Qualtinger Weitere Objekte des österreichischen Nationalstolzes sind:
Denkmäler, der österreichische Adler als Staatswappen, die österreichische Bundeshymne, die Rot-weiß-rote Nationalflagge und der Nationalfeiertag.
Für Österreich verbindet sich ein hohes Nationalbewusstein mit einem hohen Regionalbewusstsein. Die Österreicher haben ein starkes regional heterogenes Selbstbild von sich selbst, was sich auch in unterschiedlichen Sympathiebekundungen ausdrückt.
Die österreichische Nation ist somit ein spätes aber erfolgreiches Modell.
Das Spezifische an Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Staaten ist die fehlende nationalstaatliche Tradition, auf die sich die anderen Nation in ihrer Entwicklung berufen können.
Dementsprechend entsteht die österreichische Nation in der heutigen Form erst spät und wird aufgrund des Druckes der Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg zu ihrem Glück gezwungen. Aber diese erzwungene Nation wird ab dem Staatsvertrag, dem eigentlichen Beginn der österreichischen Nation, ein äußerst selbstbewusstes und stolzes Land.
Österreich hat zu Beginn der Zweiten Republik, im Gegensatz zu Deutschland, die NS-Vergangenheit stärker aus seiner Geschichte gestrichen und stellt einen Bezug zu seiner multikulturellen Herkunft aus der Habsburger Monarchie her.
Dadurch kann im Gegensatz zur Sprachnation Deutschland in Österreich eher von einer Willensnation gesprochen werden. Dieses Verständnis der Multikulturalität setzt sich auch in den zahlreichen, lautstarken Minderheiten in Österreich fort. Ein weiteres Indiz für die stärkere Betonung der Willensnation in Österreich stellt das politische Prinzip des gesellschaftlichen Konsenses dar.
Trotz der späten Entstehung wird Österreich durch eine starke Selbstfixierung und Erfolgen im Sport zu einer äußerst selbstbewussten Nation, die sich von anderen Staaten nicht beeinflussen lassen will.
Charakteristisch für Österreich ist die Position im Schatten des großen Nachbarn Deutschlands, die ambivalente Züge zeigt. Einerseits ermöglicht sie eine unabhängige Entwicklung abseits des Weltgeschehens, aber andererseits erfordert sie auch eine bewusste Abgrenzung, was im nächsten Kapitel nationale Identität noch weiter ausgeführt wird.
Nach der Darstellung der Entwicklung und den einzelnen Facetten der österreichischen Nation wird die nationale Identität Österreichs wieder zunächst in ihren theoretischen Kategorien und der anschließenden Anwendung analysiert.
Die Neutralität ist der zentrale Ansatzpunkt für die Bestimmung der nationalen Identität Österreichs, da sich von ihr viele weitere identitätsstiftende Merkmale ableiten lassen und ein Bezug zum Wesen des Österreichers möglich ist.
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Österreich – ein europäischer Sonderfall? | 7 |
| II. | Theoretische Grundlagen | 10 |
| A. | Datenquellen | 10 |
| B. | Begriffsdefinitionen | 12 |
| 1. | Volk | 12 |
| 2. | Staat | 13 |
| 3. | Kleinstaat | 13 |
| 4. | Nation | 13 |
| 5. | Identität | 15 |
| 6. | Nationalcharakter | 16 |
| 7. | Stereotyp | 16 |
| C. | Relevanz der Begriffe für die Studie | 17 |
| III. | Historische Wendepunkte der österreichischen Nation | 19 |
| A. | Die Donaumonarchie bis 1918 | 20 |
| B. | Der Staat den keiner wollte bis 1934 | 23 |
| C. | Der Ständestaat bis 1938 | 26 |
| D. | Der nicht existente Staat bis 1945 | 28 |
| E. | Die besetzte 2. Republik bis 1955 | 30 |
| F. | Die 2. Republik nach dem Staatsvertrag 1955 | 32 |
| G. | Österreich nach der Wende in Osteuropa 1989 | 34 |
| H. | Integrierte Verlaufsmuster der österreichischen Geschichte | 37 |
| IV. | Nation | 42 |
| A. | Theoretische Vorüberlegungen | 43 |
| 1. | Nationengründung | 43 |
| 2. | Nationenkonzepte | 43 |
| a) | Staats-/ Willensnation | 44 |
| b) | Sprach-/ Kulturnation | 44 |
| c) | Gegenüberstellung der Nationentypen | 44 |
| 3. | Nationencharakteristika | 46 |
| a) | Eigenbezeichnung | 46 |
| b) | Territorium | 46 |
| c) | Gemeinsame Herkunft | 47 |
| d) | Gemeinsame historische Vergangenheit | 47 |
| e) | Gemeinsame Sprache | 48 |
| f) | Nationales Selbstbild | 48 |
| g) | Gemeinsame Massenkultur | 48 |
| h) | Gleiches Recht und Verwaltung | 48 |
| i) | Nationalbewusstsein | 48 |
| 4. | Nation und Region | 50 |
| 5. | Zielsetzungen der modernen Nation | 51 |
| B. | Österreichische Nation | 52 |
| 1. | Gründung Österreichs | 53 |
| 2. | Nationenkonzept der Majoritätsgesellschaft Österreich | 54 |
| 3. | Nationencharakteristika Österreichs | 57 |
| a) | Ostarrichi als erste Eigenbezeichnung | 57 |
| b) | Österreichisches Territorium | 58 |
| c) | Mythen der österreichischen Herkunft | 59 |
| d) | Österreichische historische Vergangenheit | 60 |
| e) | Österreichische Sprache | 60 |
| f) | Nationales Selbstbild Österreichs | 62 |
| g) | Hochkulturland Österreich | 64 |
| 4. | Österreichisches Nationalbewusstsein | 66 |
| (1) | Symbole des österreichischen Nationalstolzes | 68 |
| (2) | Österreichischer Sportpatriotismus | 70 |
| (3) | Denkmäler | 72 |
| (4) | Österreichischer Adler als Staatswappen | 73 |
| (5) | Österreichische Bundeshymne | 74 |
| (6) | Rot-weiß-rote Nationalflagge | 75 |
| (7) | Nationalfeiertag | 75 |
| 5. | Österreich, Bundesland und Europa | 76 |
| C. | Österreichische Nation: ein Spätes aber erfolgreiches Modell | 78 |
| V. | Nationale Identität | 80 |
| A. | Theorien zur nationalen Identität | 80 |
| 1. | Theorie des kollektiven Gedächtnisses von Halbwachs | 81 |
| a) | Historisches Gedächtnis | 81 |
| b) | Kollektives Gedächtnis | 81 |
| (1) | Kommunikatives Gedächtnis | 82 |
| (2) | Kulturelles Gedächtnis | 82 |
| 2. | Ebenen der nationalen Identität | 84 |
| 3. | Typen nationaler Identität | 85 |
| a) | Qualitative Vorzüge als nationaler Identitätsfokus | 85 |
| b) | Historisches Ereignis als nationaler Identitätsfokus | 86 |
| c) | Kollektiver Wert als nationaler Identitätsfokus | 86 |
| 4. | Grundfunktionen der nationalen Identität | 87 |
| a) | Herstellung von Wir-Sie-Differenzen | 87 |
| b) | Nationalisierung der Gesellschaft | 87 |
| c) | Legitimationsfunktion | 87 |
| B. | Österreichische Identität | 88 |
| 1. | Historisches Gedächtnis Österreichs | 88 |
| 2. | Kollektives Gedächtnis Österreichs | 90 |
| a) | Kommunikatives Gedächtnis Österreichs | 90 |
| b) | Kulturelles Gedächtnis Österreichs | 91 |
| (1) | Opfermythos | 91 |
| (2) | Neutralitätsmythos | 92 |
| 3. | Typen österreichischer Identität | 94 |
| a) | Phäakenstereotyp als qualitativer Vorzug Österreichs | 94 |
| b) | Neutralitätsbeschluss als nationaler Identitätsfokus | 95 |
| 4. | Grundfunktionen der österreichischen Identität | 97 |
| a) | Abgrenzung gegenüber Deutschland | 97 |
| b) | Legitimationsfunktion | 100 |
| C. | Neutralität: zentrales Element der österreichischen Identität | 101 |
| VI. | Österreichs Image | 102 |
| A. | Landesimageforschung | 102 |
| 1. | Image | 102 |
| 2. | Landesimage nach Schweiger | 103 |
| a) | Fremdbild | 103 |
| b) | Selbstbild | 104 |
| c) | Diskussion von Selbst- und Fremdbild | 106 |
| B. | Transporteure des Österreichbildes | 107 |
| 1. | Medien als Vermittler des Österreichbildes | 107 |
| 2. | Österreich-Werbung | 110 |
| C. | Österreichbilder | 113 |
| 1. | Österreich als Brücke | 113 |
| 2. | Österreich als Tourismusland | 117 |
| 3. | Österreich als Trachtenland | 118 |
| VII. | Transformation der nationalen Identität Österreichs | 119 |
| A. | Kolonialisierung | 119 |
| B. | Europäisierung | 120 |
| C. | Musealisierung | 121 |
| D. | Zentrale Thesen zur nationalen österreichischen Identität | 122 |
| Abbildungs- und Datenquellenverzeichnis | 124 | |
| Literaturverzeichnis | 126 |
Im nationalen Selbstbild werden die Mitglieder einer Nation beschrieben, stammt die Schilderung von außerhalb der Nation, wird vom Fremdbild gesprochen, das im letzten Abschnitt der Arbeit im Bezug zur Imageforschung ausführlich erläutert wird. Als erstrebenswertes Idealbild der österreichischen Nation kann der homo austriacus gelten. „This homo austriacus was described as a supranational mediator between nationalities, as polylingual; adaptable, art-loving, and deeply immersed in the traditions of the Habsburg Empire. … The homo austriacus represented the ideal of the courtly nobleman or top-level bureaucrat who administered a multinational empire in the service of his prince. This human type existed, and honorable people sprang from it, but it was never representative of the empire’s general population – of any nationality (Thaler 2001 S. 72)”. Dieses hohe Selbstbild wird zusammen mit der in den dreißiger Jahren entstandenen Sichtweise des Österreichers als besserer, edlerer, da katholischer Deutscher am 15. November 1961 durch die Uraufführung des Einmannstücks „Der Herr Karl“ von Carl Merz und Helmut Qualtinger im österreichischen Fernsehen in Frage gestellt. „Als Herr Karl präsentiert sich unserer Verachtung ein dicker, ungepflegter, älterer Mann, der von seinen Erfolgen bei den »Weibern« daherredet; ein ungebildeter Mensch, der mit Kunst und Lesen nichts anfangen kann, auch nichts mit dem Fernsehen (1961 wirkte der Kulturauftrag noch stärker), der sich aber immer wieder zu einem Hochdeutsch aufschwingt, in dem er uns die letzten Banalitäten als Lebensweisheiten und Klischeesprüche aus den verlogensten Bereichen von Politik und Fremdenverkehrswerbung als Beschreibung der Wirklichkeit vorsetzt (Steinert 1996 S. 236)“. Die fachbezogenen Reaktionen sind, allerdings vor der Uraufführung angefertigt, äußerst positiv, aber auch die Pressekritik hinterher ist keineswegs überzogen negativ. Ganz anders ist die Reaktion des Volkes, die sich in Beschwerden beim ORF via Telephon, per Leserbrief und in öffentlichen Protesten ausdrückt, da es sein nationales Selbstbild in Zweifel gezogen sieht. Den Zuschauern wird der Herr Karl als ein Mitläufertyp präsentiert, der Verachtung, Ekel, Angst und auch Mitleid hervorruft. Zum typischen Beispiel für Österreich wird erst von den Massenmedien konstruiert, 62 [...]
werden und zu denen ein bundesdeutsches Äquivalent existiert, d.h. nur staatsräumliche Austriazismen. „Einem Informationsblatt des Gesundheitsministeriums ist folgendes zu entnehmen: „Österreich ging im Zuge der Beitrittsverhandlungen stets davon aus, daß die Frage der Austriazismen nicht als materielles, sondern als technisches Problem zu behandeln sei. Das bedeutet wohl, dass die Austriazismen-Frage nicht zu den Kernproblemem (sic) des EU-Beitritts gehört, es ist eben nur ein »technisches Problem«. Der Wertakzent ist auch für den Nichtjuristen unverkennbar (Pollak 1994 S. 29)“. Auch wenn die geringe Anzahl der festgeschriebenen Austriazismen in Österreich kritisiert wird, ist dies das erste internationale Dokument, in dem die österreichische Variante des Deutschen als Sprache anerkannt wird. Vergleicht man die Diskussion über die Verankerung der Austriazismen in den deutschen bzw. den österreichischen Medien, zeigt sich, dass in Österreich meist ironische oder selbstironische Statements erfolgen, wohingegen in Deutschland eine zynische Betrachtung von oben herab erfolgt. „Es entsteht aus dem Vergleich der medialen Berichterstattung jedenfalls der Eindruck, daß die Sprachenfrage für den Symbolhaushalt der Bundesdeutschen offensichtlich eine wichtigere Rolle spielt als für den der Österreicher/innen (de Cillia 1995 S. 11)“. Trotzdem würde eine deutsche Bezeichnung für Lebensmittel mehr als die Hälfte der Österreicher zumindest ziemlich stören, was Tabelle 8 zeigt. [...]
„Erst vor relativ kurzer Zeit und im Zusammenhang eines allmählich erstarkenden nationalen Selbstbewußtseins zeigt sich eine wachsende Bereitschaft, die plurizentrische Struktur des deutschen Sprachraums zur Kenntnis zu nehmen und die staatsnationalen Varianten des österreichischen Hochdeutsch nicht mehr als provinzielle Austriazismen abzuqualifizieren bzw. als zweitrangig, sozusagen als Quantité négligeable, einzustufen (Pollak 1994² S. 32)“. Eine Möglichkeit die österreichische Sprache zu pflegen ist das Medium Fernsehen. Aber die „Entwicklung von – auch „identitätsstiftenden“ – TV-Formaten und Filmen mit allzu spezifischem österreichischem Kolorit wird aus finanziellen Gründen immer schwieriger: Konnte die legendäre Krimi-Reihe »Kottan ermittelt« in Deutschland wenigstens Kultstatus erlangen, schon aus so konnte der »Mundl« oder keinen kann der »Kaisermühlen-Blues« sprachlichen Gründen deutschen [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832482299
Arbeit zitieren:
Pichler, Christian Februar 2004: Österreich in Europa, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Nationalbewußtsein, Selbstbild, Image, Fremdbild, Neutralität




