Die Rolle von Informationstechnik bei der Etablierung von Netzwerkorganisationen aus organisationstheoretischer und strategischer Sicht
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Khaled Baghban
- Abgabedatum: Oktober 2003
- Umfang: 99 Seiten
- Dateigröße: 956,1 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7644-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7644-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7644-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Baghban, Khaled Oktober 2003: Die Rolle von Informationstechnik bei der Etablierung von Netzwerkorganisationen aus organisationstheoretischer und strategischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: strategisches Management, virtuelle Unternehmensnetzwerke, Informations- und Kommunikationstechnologie, Organisationstheorien, Gestaltungsansatz
In den Warenkorb
74,00 €
Diplomarbeit von Khaled Baghban
Gang der Untersuchung:
Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Entwicklung von Netzwerkorganisationen und Informationstechnik, die aus unterschiedlichen Perspektiven rekonstruiert wird. Da die Untersuchung organisatorische, strategische und informationstechnische Fragestellungen verbindet, ist Kapitel 2 als einführender Überblick konzipiert, der den Zugang zu der interdisziplinären Fragestellung erleichtern soll. Nach einer kurzen Bestimmung relevanter Grundbegriffe aus Organisationslehre und Informatik erfolgt eine definitorische und konzeptionelle Einordnung von Netzwerkorganisationen. Anschließend werden wirtschaftliche und informationstechnologische Triebkräfte dargestellt, die Unternehmen dazu veranlassen, Kooperationen einzugehen.
In Kapitel 3 werden ausgewählte organisationstheoretische Ansätze und ihre Beiträge zur Erklärung des Einsatzes von Informationstechnik bei der Etablierung von Netzwerkorganisationen diskutiert. Um den Teildisziplinen der Fragestellung Rechnung zu tragen und sie miteinander in Beziehung setzen zu können, werden die aus der Betriebswirtschaftslehre stammende Transaktionskostentheorie, die sozialwissenschaftliche Strukturationstheorie und die Koordinationstheorie als strategischer Ansatz herangezogen.
In Kapitel 4 werden die aus den unterschiedlichen Theorien gewonnenen Erkenntnisse für die Gestaltung des Einsatzes von Informationstechnik in Netzwerkorganisationen verwendet. Hierzu wird zunächst aus den Implikationen der Organisationstheorien ein Anforderungsprofil entwickelt, anhand dessen anschließend das Modell der „Neuen Unternehmensführungslehre“ nach PICOT, REICHWALD und WIGAND und das Modell „Informatiksysteme in Organisationen“ nach ROLF auf ihre Eignung als Gestaltungsansätze evaluiert werden. Aufbauend auf den Evaluationsergebnissen wird mit dem selbst entwickelten Modell „Informatiksysteme in Netzwerkorganisationen“ der Versuch unternommen, einen möglichen Gestaltungsansatz zu entwerfen, der die besondere Bedeutung der Strategiebildung in Netzwerkorganisationen darstellt und Handlungsempfehlungen für die Gestaltung von Informationstechnikeinsatz und Netzwerkorganisationen ableitet.
Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Darstellung der Untersuchungsergebnisse und einem möglichen Ausblick auf weitere Forschungsbedarfe ab.
Problemstellung:
Die erhöhte Komplexität und Dynamik der technologischen, marktlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen führen zur Entstehung neuer und zur Anpassung bestehender Organisationsformen. Die Grenzen von Unternehmen werden dabei verschoben und neu definiert, teilweise wird auch davon gesprochen, dass sie verschwimmen. Als Folge dieser Entwicklungen sind in der Praxis vermehrt intermediäre Formen der interorganisatorischen Zusammenarbeit zwischen mehreren rechtlich selbständigen Unternehmungen zur Umsetzung gemeinsamer Wettbewerbsziele beobachtbar, die im Rahmen dieser Arbeit unter dem Begriff der Netzwerkorganisation diskutiert werden.
Netzwerkorganisationen repräsentieren kein neues Phänomen, denn bereits im Mittelalter sind neben dem Warentausch und der Leistungserstellung zahlreiche Formen wirtschaftlicher Kooperation belegt. In den letzten beiden Jahrzehnten und vor allem in den letzten fünf Jahren haben sich Netzwerkorganisationen allerdings, nicht zuletzt unter dem Einfluss neuer Informations- und Kommunikationstechniken, maßgeblich verbreitet und in der Wissenschaft und Forschung verstärkt Beachtung gefunden. Etwa gleichzeitig mit der Ausbreitung von Netzwerkorganisationen sind Informationssysteme geschaffen worden, die die Abwicklung von Geschäftstransaktionen zwischen Unternehmen unterstützen. Es stellt sich die Frage, inwiefern zwischen der Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnik und Netzwerkorganisationen wechselseitige Beziehungen bestehen.
Der Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit verbindet organisatorische, informationstechnische und strategische Fragestellungen. Das Phänomen der Netzwerkorganisation überschreitet die zwischen den Disziplinen gezogenen, zum Teil künstlichen, Trennungslinien. Netzwerkorganisationen sind in diesem Sinne interdisziplinär konstituiert und ihre Untersuchung ist in vielfältige wissenschaftliche Disziplinen ausdifferenziert, etwa der Betriebswirtschaftslehre, der Volkswirtschaftslehre, der Wirtschaftsinformatik und der Soziologie, die erst im Verbund einen angemessenen Zugang zum Phänomen ermöglichen.
Trotz zunehmender empirischer Nachweisbarkeit von Netzwerkorganisationen und der Literaturfülle zu diesem Themenkomplex ist allerdings zu beobachten, dass die Interdependenzen der Entwicklung von Netzwerkorganisationen und Informationstechnik oftmals nur sehr populärwissenschaftlich und ohne die notwendige (integrative) theoretische Fundierung untersucht werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Bedeutung von Informationstechnik bei der Etablierung von Netzwerkorganisationen vor dem Hintergrund ausgewählter Organisationstheorien zu diskutieren und im Zusammenwirken von sozialen, organisatorischen sowie informationstechnischen Einflussfaktoren strategische Gestaltungsoptionen für den Einsatz von Informationstechnik in Netzwerkorganisationen zu analysieren.
Hinsichtlich des Einflusses der Informationstechnik auf die Handlungen von Akteuren und der Struktur der Netzwerkorganisation soll die vorliegende Arbeit auf die Bedeutung sozialer, organisatorischer und technischer Wechselwirkungen aufmerksam machen und bewusst nicht von einseitig determinierenden Einflüssen ausgehen. Konkrete Ausprägungsformen - sowohl des IT-Einsatzes, als auch von Netzwerkorganisationen - werden dabei stets als Ergebnis strategisch-gestaltenden Handelns menschlicher Akteure verstanden.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | ||
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | VI | |
| TABELLENVERZEICHNIS | VII | |
| LITERATURVERZEICHNIS | VIII | |
| EIDESSTATTLICHE VERSICHERUNG | XXI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung und Zielsetzung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 2 |
| 2. | Grundlagen | 4 |
| 2.1 | Begriffsbestimmungen | 4 |
| 2.1.1 | Grundbegriffe der Organisationslehre | 4 |
| 2.1.2 | Grundbegriffe der Informatik | 5 |
| 2.1.3 | Definition und konstituierende Merkmale von Netzwerkorganisationen | 6 |
| 2.1.4 | Konzeptionelle Einordnung von Netzwerkorganisationen | 10 |
| 2.2 | Grundlagen der Vernetzung von Organisationen | 12 |
| 2.2.1 | Wirtschaftliche Treiber der Vernetzung | 13 |
| 2.2.2 | Informationstechnische Treiber der Vernetzung | 14 |
| 2.2.3 | Vernetzung als „informationstechnologisches Paradigma“ nach CASTELLS | 17 |
| 3. | Organisationstheoretische Ansätze zur Erklärung des Einsatzes von Informationstechnik in Netzwerkorganisationen | 20 |
| 3.1 | Anforderungen an eine Theorie zur Erklärung von Netzwerkorganisationen | 20 |
| 3.1.1 | Zur Notwendigkeit der Integration der Informationstechnik in die Organisationstheorie | 20 |
| 3.1.2 | Begründung der Auswahl der theoretischen Ansätze | 21 |
| 3.2 | Transaktionskostentheorie | 23 |
| 3.2.1 | Grundlagen der Transaktionskostentheorie | 23 |
| 3.2.2 | Informationstechnik, Spezifität und Koordinationsform | 25 |
| 3.2.3 | Informationstechnik, Grad der Arbeitsteilung und Unternehmensgröße | 27 |
| 3.2.4 | Erkenntnisse und Kritik | 29 |
| 3.3 | Strukturationstheorie | 31 |
| 3.3.1 | Grundlagen der Strukturationstheorie | 31 |
| 3.3.2 | Relevanz der Strukturationstheorie für organisationstheoretische Zwecke | 33 |
| 3.3.3 | Netzwerkorganisationen und Informationstechnik als Anwendungsgebiete der Strukturationstheorie | 34 |
| 3.3.4 | Die Dualität von Informationstechnik | 35 |
| 3.3.5 | Erkenntnisse | 37 |
| 3.4 | Koordinationstheorie | 37 |
| 3.4.1 | Grundlagen der Koordinationstheorie | 38 |
| 3.4.2 | Netzwerkorganisationen als koordinierte Prozesse | 39 |
| 3.4.3 | Einfluss des Einsatzes von Informationstechnik auf Netzwerkorganisationen | 40 |
| 3.4.4 | Das Konzept der Koordinationsstrategie | 41 |
| 3.4.5 | Erkenntnisse und Kritik | 43 |
| 4. | Ansätze für die strategiekonforme Ausgestaltung des Einsatz von Informationstechnik zur Etablierung von Netzwerkorganisationen | 44 |
| 4.1 | Anforderungen an ein Gestaltungsmodell | 44 |
| 4.2 | Das NUL-Modell nach PICOT, REICHWALD und WIGAND | 45 |
| 4.2.1 | Charakterisierung des NUL-Modells | 46 |
| 4.2.2 | Evaluation des NUL-Modells | 48 |
| 4.3 | Das ISO-Modell nach ROLF | 50 |
| 4.3.1 | Charakterisierung des ISO-Modells | 51 |
| 4.3.2 | Evaluation des ISO-Modells | 55 |
| 4.4 | Das ISOnet-Modell | 57 |
| 4.4.1 | Wechselwirkungen zwischen Informatiksystem und Netzwerkorganisationen | 58 |
| 4.4.2 | Die Mesoebene des ISOnet-Modells | 60 |
| 4.4.3 | Die Koordinationsstrategie als konzeptioneller Gestaltungsrahmen | 62 |
| 4.4.4 | Formen kollektiver Koordinationsstrategien | 64 |
| 4.4.5 | Implikationen für die Gestaltung von Netzwerkorganisationen und Informationstechnikeinsatz | 69 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 75 |
| 5.1 | Zusammenfassung der Ergebnisse | 75 |
| 5.2 | Ausblick | 76 |
Den Ausgangspunkt der Koordinationstheorie stellen die vier zentralen Komponenten einer Organisation - Aktivitäten, Ziele, Akteure und Ressourcen - dar. Die Ziele werden zerlegt in Aktivitäten, die Aktivitäten werden den Akteuren zugeordnet; diese Akteure brauchen zur Durchführung Ressourcen.176 Zwischen diesen Komponenten entstehen Interdependenzen, die die Ursache für Koordination darstellen. So sind unterschiedliche Akteure dann voneinander abhängig, wenn sie das gleiche Ziel verfolgen; unterschiedliche Aktivitäten dann, wenn sie auf die gleichen Ressourcen zugreifen. MALONE und CROWSTON definieren Koordination daher als „managing dependencies between activities."177 Interdependenzen schaffen das Koordinationsproblem und restringieren die Problemlösung. Das Steuern dieser Interdependenzen erfolgt durch den Einsatz von Koordinationsmechanismen. Koordinationsmechanismen liefern Regeln zum Umgang mit Interdependenzen und können somit als zusätzliche Aktivitäten verstanden werden, die die Akteure durchführen, um Interdependenzen zu bewältigen.178 Grundsätzlich resultiert Koordinationsbedarf dort, wo interdependente Organisationsstrukturen vorliegen und Individualentscheidungen bzgl. der Erreichung der gesetzten Ziele wechselseitig aufeinander abgestimmt werden müssen. Für Netzwerkorganisationen haben prozess-, ressourcen- und marktseitige Interdependenzen zur Folge, dass die Handlungen der dezentralen Organisationseinheiten nicht isoliert voneinander durchgeführt werden können, sondern aufeinander abgestimmt werden müssen, um [...]
that is, about how actors can work together harmoniously.“173 Die Autoren beschreiben die Koordinationstheorie als breit angelegtes Forschungsgebiet, das in eklektischer Manier Theoriebausteine zahlreicher unterschiedlicher Disziplinen zu einem neuen Ganzen kombiniert: „Für die Begründer der Koordinationstheorie steht die Interdisziplinarität, der Transfer von Erkenntnissen einer Wissenschaft in die nächste, im Vordergrund.“174 Ihre besondere Nähe zu den Bereichen Organisation und Informatik macht sie insbesondere für die Untersuchung von Netzwerkorganisationen bedeutungsvoll. Die Koordinationskomponenten fördern dabei eine prozessorientierte Sicht auf Organisationen. In Anlehnung an die Transaktionskostentheorie verbindet sie den Einsatz neuer Informationstechnik mit dem organisatorischen Wandel. „The use of [...] IT will change the relative costs of coordination mechanism, making new processes feasible and desirable. Coordination theory thus provides a conceptual link between organizational form and the use of communication technology.”175 [...]
Auf eine kritische Würdigung des Konzeptes der Dualität von Technik muss an dieser Stelle verzichtet werden, weil sie eine sehr ausführliche Darstellung der Konzepte nach GIDDENS und nach ORLIKOWSKI erforderte. Dennoch ist anzumerken, dass vor allem kritisiert wird, dass ORLIKOWSKI „[…] durch eine zu direkte Übertragung der Konzeption von Giddens die techniksoziologische Problemstellung trivialisiert“; [Schulz-Schaeffer 2000a, S.233], siehe zur Kritik an ORLIKOWSKIs Ansatz auch [Schulz-Schaeffer 1999, S.214 f.]. 170 Die Bedeutung von Koordination aus betriebswirtschaftlich-organisationstheoretischer Sicht wurde im Rahmen des Transaktionskostenansatzes in Abschnitt 3.2 dargestellt. 171 [Staehle 1991, S.520]. 172 Zur weiteren Abhandlung von Koordination aus organisationstheoretischer Sicht siehe weiterführend [Kieser/Kubicek 1992, S.93]. Eine übersichtliche Zusammenfassung findet sich insb. bei [Himberger 1994, S.82 ff.] sowie[Crowston 1994b, S.3 ff.]. Eine systemtheoretische Definition von Koordination findet sich bei RÜHLI. Er bezeichnet Koordination als das „wechselseitige Abstimmen von Elementen eines Systems zwecks Optimierung desselben“; [Rühli 1992, S.1165]. [...]
In den Warenkorb
74,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832476441
Arbeit zitieren:
Baghban, Khaled Oktober 2003: Die Rolle von Informationstechnik bei der Etablierung von Netzwerkorganisationen aus organisationstheoretischer und strategischer Sicht, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
strategisches Management, virtuelle Unternehmensnetzwerke, Informations- und Kommunikationstechnologie, Organisationstheorien, Gestaltungsansatz



