Die Verbriefung von Krediten aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Thorsten Birke
- Abgabedatum: Mai 2003
- Umfang: 92 Seiten
- Dateigröße: 656,6 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7183-5
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7183-5 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7183-5 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Birke, Thorsten Mai 2003: Die Verbriefung von Krediten aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kreditverbriefung, Securitization, Makroökonomie, Asset Backed Seurities, Banken
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Diplomarbeit von Thorsten Birke
Einleitung:
Vor wenigen Jahren noch war es ein Markt, ein Finanzinstrument für „Eingeweihte“. Forderungsunterlegte Wertpapiere, oder Asset Backed Securities (ABS) im englischen Pendant, das war keine Asset-Klasse, die der Anlageberater zur Depotbeimischung empfahl, das war – und ist noch – ein Finanzinstrument, das ausschließlich institutionelle Investoren adressiert. „A $2.5 Trillion Market You Hardly Know“ titelte die Business Week vor annähernd fünf Jahren, und auch heute noch ist dies eine Zustandsbeschreibung, wie sie treffender nicht sein könnte.
Der Dynamik dieses Marktes tat dies, vor allem im Ursprungsland USA, jedoch keinen Abbruch. Seit dem Beginn der 1970er Jahre, als in den USA zum ersten Mal mit Hypotheken besicherte Wertpapiere zum Einsatz kamen, hat das Interesse an diesen Finanzinstrumenten rapide zugenommen. Finanzinstitute entdecken die Kreditverbriefung oder auch Credit Securitization bzw. nur Securitization als neue, attraktive Finanzierungsform. Investoren sehen eine renditestarke Möglichkeit zur Erweiterung ihres Anlageuniversums. Aus den bescheidenen Anfängen der 1970er Jahre ist mittlerweile ein billionenschwerer, globaler Markt entstanden.
Doch trotz des gewaltigen Ausmaßes ist das Verständnis für diese Finanzierungsform noch immer gering. Bestes Beispiel dafür ist die Debatte um die jüngst verkündete Initiative von Deutscher Bank, HypoVereinsbank, Dresdner Bank, DZ Bank und der Kreditanstalt für Wiederaufbau, eine gemeinsame Zweckgesellschaft zur Verbriefung und Veräußerung ihrer Kredite zu gründen. „Ein verkapptes Hilfskonstrukt für die angeschlagensten der deutschen Kreditinstitute“ wird geargwöhnt, gar eine „Bad Bank“, eine staatliche Auffanggesellschaft für schlechte Kredite, befürchtet. Befürworter sehen dagegen die Vorteile, sprechen von einer Möglichkeit zur Entlastung des Eigenkapitals, zur Förderung der Kreditvergabe in schwierigen Zeiten.
Die Debatte wird sicher noch einige Zeit andauern, aber unabhängig von ihrem Ergebnis ist eines schon jetzt gewiss: das Interesse an der Kreditverbriefung wird weiter wachsen. Insbesondere daher ist es wichtig, das Phänomen „Kreditverbriefung“ zu verstehen. Die akademische Forschung allerdings hat sich dabei bisher auf das betriebswirtschaftliche wie juristische Pro & Contra dieser Finanzierungsform beschränkt, die gesamtwirtschaftliche Perspektive blieb meist außen vor. Ein Indiz für deren Bedeutung ist das freilich nicht. Gerade im Hinblick auf die Ausgestaltung der institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen dieses Marktes, ist das Verständnis für Ursachen und Folgen der Verbriefung von Krediten aus ökonomischer Perspektive von immenser Bedeutung. Genauso gilt dies natürlich für aufsichtsrechtliche Belange, insbesondere aber auch für eine adäquate Reaktion der Geldpolitik. Die vorliegende Arbeit will deswegen einen ersten Schritt tun, um diesen gewichtigen Raum zu füllen.
Gliederung der Studie:
Die Gliederung des vorliegenden Textes stellt sich deswegen wie folgt dar. Kapitel 2 gibt einen groben Überblick über das Phänomen Securitization. Dazu zählt eine Begriffsabgrenzung, die Darstellung der Gründe für das Erwachen des Securitization-Trends sowie seine historische und gegenwärtige Entwicklung in den USA und Europa. Darauf folgt eine schematische Darstellung des Verbriefungsprozesses mit einer Beschreibung der Funktionsweise, der teilhabenden Parteien und der speziellen Merkmale. Am Beispiel der ABSC, Series-1 Emission sollen die theoretischen Ausführungen schließlich nochmals verdeutlicht werden.
Das Kapitel 3 widmet sich den Auswirkungen der Kreditverbriefung auf die Rolle der Bank. Dabei wird der Frage nachgegangen, warum die Kreditverbriefung speziell für Banken folgenreiche Änderungen und potentielle Probleme bedeutet, welche Gründe es für Banken gibt, sich für diese neue Finanzierungsform zu entscheiden und welche Konsequenzen sich daraus für die Bank und damit auch zwangsläufig für das Finanzsystem ergeben. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei die aufgrund unvollkommener Märkte entstehenden Probleme. Behandelt wird insbesondere die Frage nach möglichen Glaubwürdigkeitsproblemen, Liquiditätsproblemen, aber auch verschiedenen Anreizproblematiken, die durch die Kreditverbriefung entstehen.
Kapitel 4 widmet sich den Konsequenzen der Securitization, die sich für die Geldpolitik ergeben. Dabei wird untersucht, ob und in welchem Ausmaß Wirkungsänderungen in der Transmission monetärer Impulse erkennbar sind. Daran schließt sich die Erörterung, welche Implikationen die Auswirkungen der Kreditverbriefung für die Geldpolitik haben könnten. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt dabei auf der veränderten Bedeutung der verschiedenen monetären Transmissionskanäle, genauso wie auf möglichen Veränderungen hinsichtlich der Finanzmärkte und insbesondere auf einer möglichen Stabilitätsänderung von Bank- und Finanzsystem sowie deren Konsequenzen für das Handeln der Geldpolitik. Kapitel 5 fasst schließlich die wichtigsten Erkenntnisse nochmals zusammen und stellt sie in einen weiter gefassten Kontext.
Inhaltsverzeichnis:
| Inhaltsverzeichnis | I | |
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Abkürzungsverzeichnis | IV | |
| Symbolverzeichnis | VI | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 2. | Das Phänomen Securitization – ein Überblick | 3 |
| 2.1 | Begriffsabgrenzung | 3 |
| 2.2 | Entstehungsgründe und historische Entwicklung | 5 |
| 2.2.1 | Historie der Securitization in den USA | 6 |
| 2.2.2 | Historie der Securitization in Europa | 11 |
| 2.2.3 | Neuer Wachstumsmotor Kreditderivate | 13 |
| 2.3 | Darstellung des Verbriefungsprozesses | 15 |
| 2.3.1 | Funktionsweise | 15 |
| 2.3.2 | Charakteristika | 17 |
| 2.3.3 | Fallbeispiel ABSC, Series 1-Emission | 18 |
| 2.4 | Zusammenfassung | 20 |
| 3. | Auswirkungen der Securitization auf die Bank als Intermediär | 22 |
| 3.1 | Dogmenhistorie der Bank als Intermediär | 23 |
| 3.2 | Disintermediation und Verbriefung | 26 |
| 3.3 | Rationalität der Kreditverbriefung – das Signalling-Modell von Greenbaum und Thakor (1987) | 31 |
| 3.3.1 | Modellrahmen | 32 |
| 3.3.2 | Entscheidungsirrelevanz bei symmetrischer Information | 34 |
| 3.3.3 | Vorteil der Securitization bei ungleicher Informationsverteilung | 38 |
| 3.3.4 | Rationalität des Verkaufs guter und Bilanzierung schlechter Assets | 43 |
| 3.3.5 | Weitere Modellimplikationen | 44 |
| 3.3.6 | Fazit | 45 |
| 3.4 | Ausgewählte Probleme und mögliche Konsequenzen der Securitization für die Bank als Intermediär | 47 |
| 3.4.1 | Probleme der Glaubwürdigkeit und des Commitments | 48 |
| 3.4.2 | Das Liquiditätsproblem | 50 |
| 3.4.2.1 | Steigendes Illiquiditätsrisiko durch Kreditportfolioverschlechterung | 50 |
| 3.4.2.2 | Stabilisierungswirkung liquiderer Assets vs. endogene Liquidität | 51 |
| 3.4.3 | Das Problem des „Delegated Monitoring“ | 54 |
| 3.4.4 | Das Problem des „Monitoring of the Monitor” | 56 |
| 4. | Folgen der Securitization für die Geldpolitik | 58 |
| 4.1 | Geldpolitische Ziele und Transmissionskanäle | 58 |
| 4.2 | Auswirkungen der Securitization auf die Transmission monetärer Impulse | 62 |
| 4.2.2 | Wirkungsänderung des Zinskanals | 62 |
| 4.2.2 | Wirkungsänderung des Balance Sheet Channel | 64 |
| 4.2.3 | Wirkungsänderung des Bank Lending Channel | 64 |
| 4.3 | Implikationen der Securitization für die Geldpolitik | 68 |
| 4.3.1 | Wirkungsänderung monetärer Impulse | 68 |
| 4.3.2 | Probleme verstärkter Kurzfristorientierung | 70 |
| 4.3.3 | Systemisches Risiko | 71 |
| 4.3.3.1 | Traditionelle Sichtweise | 72 |
| 4.3.3.2 | Reallokation systemischen Risikos durch Securitization | 72 |
| 5. | Schlussbetrachtung | 75 |
| 6. | Bibliographie | 77 |
Der erste Teil des Terms gibt wieder die Auszahlung der Bank bei Projekterfolg an, bestehend aus der Verwaltungsgebühr und der Rendite der risikofreien Anlage. Der zweite Teil der Gleichung bringt nun zum Ausdruck, dass die Bank im Fall des Projektmisserfolgs zwar nicht mehr für die Zahlung des Depositenzinses aus ihren eigenen Mitteln verantwortlich ist. Dafür muss sie aber den versicherten Teil der versprochenen Auszahlung θ ∗ (δ ) × r δ ,θ ∗ (δ ) an die Investoren leisten. Zusammen mit Gleichung (6) gibt nachstehende definitorische Bedingung (8) die bereits erwähnte Modellannahme wieder, dass die Bank maximal nur Garantien in Höhe ihres eigenen Kapitals geben kann: [...]
Gleichung (1) stellt den erwarteten Nutzen des Kreditnehmers dar, den die Bank maximieren möchte. R f ist dabei der Faktor des risikolosen Zinses.61 Mit diesem wird der Erwartungsnutzen abdiskontiert. Der Term in der eckigen Klammer, der mit der Erfolgswahrscheinlichkeit multipliziert wird62, setzt sich zusammen aus dem Projektertrag R abzüglich der Zinsmarge ξ (δ ) , die die Bank für die Vergabe eines Kredites mit der Erfolgswahrscheinlichkeit δ verlangt, und des Einlagenzinsfaktors r (δ ) , den die Bank, die einen solchen Kredit hält, an ihre Einleger zahlt.63 Die Bank maximiert den Erwartungsnutzen über die Wahl der Zinsmarge und des Einlagenzinsfaktors, muss dabei allerdings sicherstellen, dass die Depositäre ihren Reservationsnutzen erhalten. Dies geschieht durch folgende Nebenbedingung: [...]
0.58 Die Wahrscheinlichkeit des Projekterfolgs δ ist mögliche private Information des Kreditnehmers. Die Auszahlung R dagegen ist jedem bekannt. Jede Bank hat 2 Möglichkeiten, die Refinanzierung des Kredits durchzuführen, entweder über Einlagen der Depositäre59, oder durch Securitization.60 In diesem Modell beinhaltet die Securitization den Verkauf bestehender oder auch neuer Kredite an Investoren. Für die Investoren wiederum bedeutet dies, dass sie den Kredit entweder direkt durch Kauf des verbrieften Kredits im Zuge der Securitization, oder indirekt als Depositäre der Bank besitzen. Um die Mechanismen des Greenbaum / Thakor-Modells zu verstehen, ist die Hervorhebung einiger fundamentaler Charakteristika der Securitization notwendig. Bei der DF haftet die Bank mit ihrem vollständigen Kapital für die Einlagen der Depositäre. Wird der Kreditnehmer zahlungsunfähig, muss die Bank mit ihren Mitteln die Depositäre ausbezahlen. Der Unterschied der DV zur VF besteht darin, dass die Bank in diesem Fall eine viel eingeschränktere Rolle hat. Finanzaktiva gibt es prinzipiell nicht, und auch keine Depositen. Die möglichen Verbindlichkeiten sind damit auf Bankgarantien und Sicherungszusagen begrenzt, die sich auch nur auf eine Teilabsicherung bzw. -deckung des Kredites beschränken können. Die Wahl der Deckungshöhe kann vom Kreditnehmer bestimmt werden. Die Kosten der Finanzierung des Kredits schließlich hängen davon ab, wie der Investor die Erfolgswahrscheinlichkeit δ einschätzt. Abbildung 6 verdeutlicht noch einmal die unterschiedlichen Strukturen der beiden Kreditfinanzierungsarten im Greenbaum / Thakor-Modell. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832471835
Arbeit zitieren:
Birke, Thorsten Mai 2003: Die Verbriefung von Krediten aus gesamtwirtschaftlicher Perspektive, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Kreditverbriefung, Securitization, Makroökonomie, Asset Backed Seurities, Banken



